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Komödie

Kiss Me, Kate

Kratzbürste versus Macho


© Vincent Leifer
© Vincent Leifer
Behutsame Modernisierungen halten einen Musical-Klassiker frisch. Das beweist Manfred Ohnoutkas muntere "Kiss Me, Kate"-Inszenierung mit einem gut aufgelegten Musiktheater-Ensemble am Theater Vorpommern.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:16.03.2019
Rezensierte Vorstellung:23.03.2019
Showlänge:150 Minuten (ggf. inkl. Pause)


"Statt Prada-Kostüm nur noch ein guter republikanischer Stoffmantel". Ist es diese Bekleidungsvorschrift von General Howell, die Lilli Vanessi an ihrer Verlobung mit ihm zweifeln lässt und sie zur Rückkehr auf die Bühne treibt? Unerwartet erscheint sie als gar nicht mehr so widerspenstige Kate im Finale des Shakespeare Klassikers und sinkt in die Arme von Edelmann Petruchio.

© Vincent Leifer
© Vincent Leifer


Damit endet abrupt Manfred Ohnoutkas werkgetreue Inszenierung des Cole Porter-Welterfolgs von 1948. Der Regisseur präsentiert gut gemachtes Unterhaltungstheater, präzise gezeichnete Figuren und verfrachtet die Schauspieler der Kate-Komödie in die erzkonservative Trump-Ära. Ein kluger Schachzug, um das etwas antiquiert wirkende Frauenbild des Musicals zu erklären. Die Theater-Aufführung im Stück verbleibt optisch und gestelzt-sprachlich in der Renaissance, in die sich jedoch unvermittelt auch ein "Schlag-nach-bei-Shakespeare"-Klingelton vom Smartphone aus der Jackentasche eines Darstellers verirrt . Sechs dreiseitige Kulissenteile auf Rollen ermöglichen im schwarzen Raum reibungslose Ortswechsel. Ausstatter Christopher Melching verantwortet auch das prächtige veronesische Shakespeare-Kostümbild und die schicken Neuzeit-Kostüme in Baltimore. Optisch ist dieses Kätchen alles andere als spröde.

© Vincent Leifer
© Vincent Leifer


Dennoch fehlt, insbesondere in den beiden Akt-Anfängen, auf der Bühne der Elan, den die brillant aufspielenden Musiker des Philharmonischen Orchesters Vorpommern unter dem Dirigat von Alexander Steinitz aus dem Orchestergraben versprühen. Da kann Choreografin Isabella Rapp zu "Premierenfieber" und "Viel zu heiß" noch so geschickte Arrangements von wacker tanzenden Opernchor und Musiktheater-Solisten erfinden; es fehlen einfach ein paar professionelle Ballett-Tänzer. Denn das Luftzufächeln mit knallroten Fächern ist zwar eine optisch ansprechende Idee, entspricht allerdings nicht der pulsierenden Porter-Partitur.

Gesungen wird "Kiss me, Kate" am Theater Vorpommern mit guten, klassisch geschulten Stimmen, wobei einzig Thomas Rettensteiners rabenschwarzer Bass für das Solo von Harrison Howell überdimensioniert wirkt. An der Spitze der Cast stehen Franziska Ringe (Lilli/Kate) und Alexandru Constantinescu (Fred/Petruchio), die in Duetten, aber auch in ihren Soli begeistern. Ihre Leistung ist nicht nur im gleichnamigen Walzer ganz einfach "Wunderbar".

© Vincent Leifer
© Vincent Leifer


Warum Katarzyna Rabczuk (Lois/Bianca) in der besuchten Vorstellung als indisponiert angekündigt wurde, bleibt ihr Geheimnis. Auch sie singt makellos. Als ihr Partner Bill/Lucnetio bleibt Semjon Bulinsky allein darstellerisch blass, was an seinen fehlenden Fähigkeiten als Tänzer liegt. Mit dem bereits genannten Shakespeare-Gassenhauer räumen Karo Khachatryan und Yuji Natsume ab – Letztgenannter auch darstellerisch im Frauenkostüm.
Mit seiner unterm Strich gelungenen "Kiss Me Kate" beweist das Theater Vorpommern, warum dieser Cole Porter-Klassiker auch nach über siebzig Jahren noch jung und frisch wirken kann und fester Bestandteil des Musical-Repertoires ist.

(Text: Theater)






Kreativteam

InszenierungManfred Ohnoutka
Musikalische LeitungAlexander Steinitz
Bühnenbild und KostümeChristopher Melching
ChoreografieIsabella Rapp


Besetzung

Fred Graham
Petruchio
Alexandru Constantinescu
Lilli Vanessi
Katharina
Franziska Ringe
Bill Calhoun
Lucentio
Semjon Bulinsky
Lois Lane
Bianca
Katarzyna Rabczuk
Harry Trevor
Baptista
Andrey Valiguras
Hattie, Lilli Vanessis GarderobierePihla Terttunen
Paul, Inspizient
Hortensio
Maciej Koz³owski
Harrison Howell
Gremio
Thomas Rettensteiner
Erster GanoveKaro Khachatryan
Zweiter GanoveYuji Natsume
Erster Bühnenarbeiter
Nathanael
Flynt
Alexej Trochin
Zweiter Bühnenarbeiter
Gregor
Riley
Valmar Saar
PhillipMooyeol Yang
PutzmacherBernd Roth
PulcinellaFanny Gundlach
Kristina Herbst
KrankenschwesterGalina Lis
Opernchor des Theaters Vorpommern

Philharmonisches Orchester Vorpommern




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(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Solider Cast in einer bodenständigen Inszenierung (Manfred Ohnoutka). Der Drive aus dem Orchestergraben springt nicht immer auf die Bühne über.

23.03.2019

 Termine
Sa21.09.19:30 Uhr
Großes Haus (Stralsund)
Sa28.09.19:30 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
So06.10.16:00 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
So10.11.18:00 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
Sa16.11.19:30 Uhr
Großes Haus (Stralsund)
Sa28.12.19:30 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
Di31.12.15:00 Uhr
Großes Haus (Stralsund)
Di31.12.19:30 Uhr
Großes Haus (Stralsund)
Termine 2020
Do23.01.2019:30 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
So02.02.2018:00 Uhr
Großes Haus (Greifswald)
Fr07.02.2019:30 Uhr
Großes Haus (Stralsund)


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