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Political

Welcome to Hell

Eine Stadt im Ausnahmezustand


© Matthias Heyde
© Matthias Heyde
Es müssen nicht immer fiktionale oder historische Stoffe sein, die für ein Musical adaptiert werden. Dass auch die Realität unserer Zeit gute Vorlagen liefert, zeigt "Welcome to Hell" (Text: Peter Lund, Musik: Peter Michael von der Nahmer). In Lunds Inszenierung beweist ein grandioser Cast, dass unterhaltendes Musiktheater auch politisch und brandaktuell sein kann.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:15.03.2018
Rezensierte Vorstellung:29.03.2018
Showlänge:160 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Sabine (Mira Keller) lebt zurückgezogen in einer kleinen Kammer, deren Zugang sie von innen mit drei Schlössern sichert. Abgeschottet von der Welt, schminkt sie sich die Lippen rot, setzt sich eine blonde Perücke auf und verwandelt sich von einer psychisch labilen Frau in eine geschäftstüchtige Bloggerin. In dieser zweiten Identität schreibt sie auf ihren Websites über Verschwörungstheorien und politische Entwicklungen, gibt Anleitungen in Erster Hilfe oder besorgt im Darknet gefälschte Ausweispapiere.

Bereits vor Beginn der Vorstellung blickt das Publikum auf Sabines Refugium, das auf der breiten, weiß ausgeschlagenen Bühne steht und durch Drehungen in andere Spielorte verwandelt werden kann (Ausstattung und Video: Zoe Agathos). Wenn zum rockigen Titelsong "Welcome to Hell" die anderen Darsteller nacheinander auf die Bühne kommen und ihre Figur kurz vorstellen, reicht Mira Keller ihren Kollegen die entsprechenden Alltags-Kostümteile aus ihrem Zufluchtsort heraus.

Ein starker Beginn in Peter Lunds gelungener Inszenierung, für die er den Studenten des Studiengangs Musical/Show ein Stück mit sehr lebensecht wirkenden Typen auf den Leib geschrieben hat. Beispielhaft genannt seien hier eine nach Abwechslung in der Metropole suchende Provinz-Schülerin (Tae-Eun Hyun), ein fundamentalistischer Christ (Nikko Forteza Rumpf) und ein femininer Callboy (Pablo Martinez). Dabei ist es Lunds Spezialität, nicht miteinander bekannte Figuren zusammenzuführen und dramaturgisch weiterzuentwickeln. So radikalisiert sich nicht nur der introvertiert-frustrierte Polizist (Alexander Auler), auch die wirtschaftlich wie persönlich ausgebeutete Getränkemarkt-Kassiererin (Andrea Wesenberg) wechselt die Seiten und sympathisiert mit dem gewaltbereiten Autonomen (Mathias Reiser). Bestehende Beziehungen zerbrechen, neue Konstellationen ergeben sich. Die bisexuelle TV-Reporterin (Anastasia Troska) stellt nicht nur den schmierigen Politiker (Loïc Damien) bloß, sondern verletzt den zwielichtigen Rotlicht-Macho (Didier Borel) an seiner empfindlichsten Stelle. Auch für Medizinstudentin Lily (Katia Bischoff) und WG-Bewohnerin Frieda (Lucille-Mareen Mayr) ergeben sich neue Perspektiven, indem sie unter ihr bisheriges Leben einen Schlussstrich ziehen. Alle zwölf Darsteller singen, spielen und tanzen auf höchstem Niveau (Choreografien: Neva Howard), so dass es unfair wäre, einzelne Leistungen herauszustellen.

Den Rahmen für die dramaturgischen Verwicklungen liefern die G20-Gipfel-Krawalle im Hamburger Schanzenviertel im Sommer 2017. Diese stehen allerdings nicht im Mittelpunkt, es werden vielmehr persönliche Einzelschicksale im Kontext der Ereignisse beleuchtet. So ist "Welcome to Hell" kein vor Gewalt strotzendes, düsteres Stück. Neben einer gehörigen Portion an Kritik am politischen System, darf auch viel gelacht werden. Allerdings dauert es wegen der vielen sich wandelnden Personen-Konstellationen recht lange, bis im Finale die Chorus Line mit "Gib 'was ab" dem Publikum eine zwar gut gemeinte, aber wie aus heiterem Himmel präsentierte Botschaft mit auf den Nachhause-Weg gibt. Das wirkt so, als soll unbedingt ein versöhnliches Ende präsentiert werden. Etwas mehr Mut zum Verstören hätte besser zu den Hamburger Ereignissen gepasst.

Peter Michael von der Nahmers Partitur enthält nicht nur Songs mit Showstopper-Qualitäten. Oft verlässt sie das leicht eingängige, gefällige Musik-Terrain und überrascht mit sperrigen, atonalen Passagen. Die Kompositionen sind äußerst abwechslungsreich und fordern mit ihren rhythmischen Wechseln ganz besonders den Dirigenten Hans-Peter Kirchberg, der Musiker und Sänger gut zusammenbringt und -hält.

Mit diesem zeitkritischen Musical ist der Neuköllner Oper in Kooperation mit der Berliner Universität der Künste ein ganz großer Wurf gelungen. Die guten Auslastungszahlen – fast alle angesetzten Vorstellungen sind ausverkauft – unterstreichen, dass auch das Publikum bereit ist, im unterhaltenden Musiktheater ausgelatschte Pfade zu verlassen.

(Text: kw)






Kreativteam

MusikPeter Michael von der Nahmer
Text, InszenierungPeter Lund
Musikalische LeitungHans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß
ChoreografieNeva Howard
Ausstattung, VideoZoe Agathos


Besetzung

Stefan, ein PolizistAlexander Auler
Lily, eine MedizinstudentinKatia Scheharazade Bischoff
Sophia Euskirchen
Ricky, ein MöchtegernzuhälterDidier Borel
Friedrich, ein überzeugter ChristNikko Andres Forteza Rumpf
Mina, eine Schülerin aus HusumTae-Eun Hyun
Sabine, eine BloggerinMira Keller
Jesus, ein spanischer CallboyPablo Martinez
Andi, ein junger AutonomerMathias Mihai Reiser
Frieda, Andis FreundinLucille-Mareen Mayr
Katharina Hierl
Henry, ein französischer ReferentLoïc Damien Schlentz
Kata, eine JournalistinAnastasia Troska
Krissy, eine SupermarktkassiererinAndrea Wesenberg
Eine Polizistin
Ein Polizist
Sandra M. Heinzelmann
Stephan Bielinski
Band

ViolineSarah Piorkowsky
Ulrike Schnelle
ViolaSonja Firker
Silvia Finger
VioloncelloJohannes Henschel
Ladis Cinzek
Violoncello IIAnja-Susann Hammer
Susanne Wohlleber
Percussion/E-DrumsOlaf Taube
Wolfgang Eger
Sebastian Trimolt
Keyboards/SynthesizerMarkus Mittermeyer
Tobias Bartholmeß
Klavier/KeyboardsHans-Peter Kirchberg
Tobias Bartholmeß


Frühere Besetzungen? Hier klicken



Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Matthias Heyde
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Kraftvoll, aber leider nicht ganz zu Ende gedacht

08.12.2018 - Was muss ein Stück tun, um heutzutage ein möglichst junges Publikum ins Theater zu ziehen und dann auch noch zu begeistern?
Möglichst so sein wie "Welcome to hell"!
Die Show nutzt die Irrungen und Wirrungen des G20-Gipfels in Hamburg als Vehikel, um Konflikte um ihre Hauptfiguren zu spinnen, diese zu verweben und die Einzelschicksale dazustellen:
Da gibt es den Polizisten, der zum Einsatz muss, seine Freundin mit Migrationshintergrund, die Reporterin, die vom Gipfel berichtet, ein Antifa-Pärchen, und so weiter.
Die 12 Absolvent*innen der HDK agieren mit einer Kraft, einem Verve, einer Wucht, dass es eine wahre Freude ist!
Das macht den Abend frisch, jung und vielleicht auch ein klein wenig revolutionär.
Die Texte sind sowohl schlau, als auch trotzdem in Jugendsprache verfasst.
Der Kenner erkennt sowohl dramaturgisch als auch musikalisch "Rent", "In the Heights" und am Ende auch ein bisschen "Urinetown"; nämlich, wenn der leicht erhobene Zeigefinger zum Thema Überbevölkerung und Konsum kommt.
Wie sehr man versucht, sich an große Vorbilder anzulehnen, sieht man auch an der Orchesterbesetzung, welche fast 1:1 der des omnipotenten "Hamilton" entspricht.
Das ist alles sehr schlau und gekonnt gemacht (und gut abgekupfert), begeistert sogar über lange Strecken, auch, wenn leider im 2.Akt die Resolution mancher Konflikte zu klein ausfällt oder gar ganz vergessen wird.
Irgendwie geht der kraftvollen Show gegen Ende die Puste aus.
Die Songs sind eingängig, wenn auch manchmal irgendwie nicht zu Ende gedacht.

AdamPascal (54 Bewertungen, ∅ 4.2 Sterne)


Toller Cast

02.04.2018 - Dem diesjaehrigen Abschlussjahrgang der UdK gelingt es mit Bravour, dem etwas langatmigen Stueck Leben einzuhauchen.
Die fehlenden Sterne in meiner Bewertung sind ausschliesslich der langweiligen Komposition und einem Buch geschuldet, dass einfach zu viel will.
Herr von der Nahmer verschenkt eine wunderbare Chance, den einzelnen Figuren mit der Musik differenziert Leben einzuhauchen und hat einen unglaublichen Einheitsbrei fabriziert. Lediglich Jesus bekommt seine eigene Klangfarbe (Flamenco wie "originell").
Im Buch von Peter Lund haben nicht nur die 12 Protagonisten jeder ihren/seinen Platz, sondern auch viele verschiedene Handlungsstraenge, einer pro Person haette mir vollkommen gereicht, dann gern mit etwas mehr Tiefe.
Die Absolventen holen aus dem Stueck das Moegliche heraus, fast alle sind tolle Taenzer, heraus sticht hier besonders Pablo Martinez (die Conchita Wurst Gedaechtnisperuecke haette es nicht gebraucht). Bis auf die zwei "Nichttaenzer" haben auch alle eine tolle Ausstrahlung. Hier faellt wieder einmal auf, dass guter Gesang allein nicht ausreichend ist. Toll fand ich, dass Katia Bischoff trotz Infekt gespielt hat, Hut ab.
Insgesamt eine tolle Leistung, alles gute fuer die Zukunft.

Charlotte (48 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Kritik an der Weltwirtschafts-Politik als Musical? Das funktioniert exzellent. Der brutal aus dem Ruder gelaufene Hamburger G20-Gipfel ist ein geschickt gewählter Rahmen für ein emotionales Beziehungs-Chaos. Exzellente Darsteller-Riege.

30.03.2018

 Termine
Fr14.12.20:00 Uhr
Sa15.12.20:00 Uhr
So16.12.20:00 Uhr
Do20.12.20:00 Uhr
Fr21.12.20:00 Uhr
Sa22.12.20:00 Uhr
Mi26.12.20:00 Uhr
Do27.12.20:00 Uhr
Fr28.12.20:00 Uhr
Sa29.12.20:00 Uhr
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Do03.01.1920:00 Uhr


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