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Französisches Musical

Irma La Douce

Dein zarter Schatten zittert durch meine Gedanken


© Kerstin Brandt
© Kerstin Brandt
Nichts für Kinder, sondern eher eine Story voller Blutgier, Leidenschaft und Tod – so tönt es zu Beginn von der Bühne – und schon befinden wir uns mitten im französischen Amüsierviertel rund um den Montmartre. Flott und extrem unterhaltsam ist sie, die Aachener Inszenierung der "Irma La Douce". Die Arbeit von Kreativteam und Cast greift so perfekt ineinander wie die Elemente eines Zahnrades. Das Resultat? Ein rundum vergnüglicher Musicalabend, der einen den Alltag für ein paar Stunden vergessen lässt.

(Text: Silke Milpauer)

Premiere:15.12.2017
Rezensierte Vorstellung:15.12.2017
Letzte bekannte Aufführung:07.02.2018


Zuhälter und leichte Mädchen, zwielichtige Kneipen und anrüchige Clubs – was damals in den 1950er Jahren als skandalös galt und zu schamhaften Flüstereien hinter vorgehaltener Hand veranlasste, ist sechzig Jahre später in Zeiten von Sex im Vormittagsprogramm und frei zugänglicher Internetpornografie per Mausklick kein müdes Lächeln mehr wert.

Dennoch kommt "Irma" kein bisschen angestaubt daher. Das liegt zum einen daran, dass die grundlegenden Themen wie Eifersucht, Korruption und käufliche Liebe auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität eingebüßt haben. Zum anderen schafft Regisseur Ulrich Wiggers es aber auch, die Stimmung einzufangen, die schon den Charme des bekannten Billy Wilder Films "Das Mädchen Irma La Douce" ausmachte, der 1963 auf Basis des Bühnenstücks entstand. Spritzige, flotte Szenen voller Komik werden immer wieder von kurzen, tiefergehenden tragischen Momenten abgelöst.

© Kerstin Brandt
© Kerstin Brandt


Die Handlung ist schnell umrissen: Bei einer Razzia trifft der übereifrige Polizist Nestor auf die Prostituierte Irma und verliebt sich in sie. Als er unmittelbar danach seinen Job verliert und (eher zufällig) ihren bisherigen Zuhälter k.o. schlägt, bietet Irma ihm an, bei ihr einzuziehen. Fortan agiert er als ihr Zuhälter und wird aus Eifersucht zu ihrem einzigen Freier. Als reicher englischer Lord, Monsieur Oscar, verkleidet, bezahlt er zwei Mal die Woche 5000 Franc für ihre Gesellschaft, so dass sie keine weiteren Freier mehr annehmen muss. Irma ist natürlich äußerst glücklich über diese Lösung, doch Nestor wird immer müder, denn er muss das Geld ja irgendwie auftreiben und bohnert daher in den frühen Morgenstunden die Fußböden reicher Leute. Außerdem wird er ironischerweise mit der Zeit ziemlich eifersüchtig auf Monsieur Oscar -also sich selbst- und bringt sein Alter Ego um, was natürlich Konsequenzen mit sich bringt.


Dass der Zuschauer sich köstlich amüsiert und für ein paar Stunden vollkommen in diese skurrile, überzeichnete Welt der Irma La Douce abtauchen kann, ist vor allem der Cast zu verdanken, die gemeinsam einfach unglaublich gut funktioniert. Wiggers hat das gleich erkannt und sich die tolle Dynamik innerhalb seines Ensembles mit einem inszenatorischen Kniff zunutze gemacht: Anders als im Original führt nämlich nicht nur Barbesitzer Bob durch die Handlung, sondern alle Ensemblemitglieder dürfen die Geschichte gleichberechtigt miterzählen. So wird auch auf der Erzählebene noch einmal verdeutlicht, dass die Handlung von allen getragen wird.

© Kerstin Brandt
© Kerstin Brandt


Robert Meyer (Jojo/Inspektor Lefèvre), Ricardo Frenzel Baudisch (Hyppolite), Stefan Schmitz (Persil), Nicolai Schwab (Bonbon), Jan Altenbockum (Roberto/Priester) sowie Olaf Meyer (Bob) erweisen sich als wahre Multi-Tasking-Meister: Singen, Tanzen, Erzählen, zwischendurch mal kurz mit ein paar geübten Handgriffen die Kulissen verschieben, aus- oder umklappen: alles kein Problem. Und auch wenn jeder von ihnen mehrere Rollen spielt, haben doch all ihre Figuren genug Tiefe, um glaubwürdig rüberzukommen.

Maxine Kazis ist eine sehr charmante Irma, die mit einer gelungenen Mischung aus süßer Naivität und geschäftstüchtiger Bauernschläue verführt. Anrührend ihr Spiel mit dem vermeintlichen Monsieur Oscar (Oliver Urbanski), kess und ins Ohr gehend ihr "Dis-Donc". Ein dramatisches Highlight ist zweifellos das berühmte Chanson "Milord", bei dem auch optisch klar wird, dass Irma eine Verwandlung durchlaufen hat: vom knalligen Minikleidchen tragenden und von der Liebe träumenden Mädchen zur gestandenen Frau in edler schwarz-weißer Abendgarderobe.

Sieht man zu Beginn Oliver Urbanski stocksteif als überkorrekten Polizisten Nestor über die Bühne stolpern, denkt man vor allem eins: wie farblos! Genauso ist das gewollt, denn ein paar Minuten später knipst Urbanski seine Bühnenpräsenz an und dreht voll auf. Bei der brillanten, ganz im Jekyll & Hyde-Stil gespielten Konfrontation Nestors mit seinem Alter Ego Monsieur Oscar hält man förmlich die Luft an. Eine großartige Leistung!

© Kerstin Brandt
© Kerstin Brandt


Besonders viel Spaß machen die pfiffigen Tanzszenen (etwa beim "Kundensong" oder bei "Dis-Donc"), bei denen die Jungs samt Irma leichtfüßig über die Bühne hüpfen. Marga Render hat sich eine ganze Reihe witziger Choreografien einfallen lassen, um die Absurdität der amüsanten Handlung zu unterstreichen. Ebenfalls eine außergewöhnliche Idee ist es die Szene, in der Nestor Irmas Zuhälter k.o. schlägt, mit einer Bullet-Time ähnlichen Technik in Zeitlupe darzustellen – das Geschehnis friert eine Nanosekunde, bevor Hyppolite zu Boden geht, ein.

Zu den choreographischen und dramaturgischen Highlights der Inszenierung gehört die Flucht von der Teufelsinsel. Bretter, die am oberen Ende mit dem charakteristischen Gefängnisgittern-Look versehen sind und wenige Momente zuvor noch Kerker symbolisierten, werden kurzerhand zum Floß umgewandelt. Für diese pfiffige Idee zeichnet Leif-Erik Heine verantwortlich, der das farbenfrohe Bühnen- und Kostümbild konzipiert hat. Die Zuhälter tragen Anzüge in knalligen Farben; Irma naturgemäß Minikleidchen im satten Rot oder einen sexy Jumpsuit im kräftigen Grün. Witzig: der winzigen Hund, den sie immer auf dem Arm mitführt, wird durch einen Wischmopp verkörpert, der farblich an Irmas jeweilige Outfits angepasst ist.

Das Bühnenbild selbst ist einfach, aber trotzdem ein Hingucker. Eine auf- und umklappbare, bunt bemalte Bretterfassade – nur ein wenig verkommen, nur einen Touch anrüchig – dient als Kulisse des Pariser Amüsierviertels, das seine besten Zeiten zwar schon hinter sich hat, solventen Freiern aber immer noch eine gute Zeit verspricht. Ein Mikrokosmos für sich.


Musikalisch bietet das Stück eingängige Melodien im charakteristischen Chanson-Stil. Dass sie ihre volle musikalische Wirkung entfallen können, dafür sorgen Jens Böckamp (Blasinstrumente), Raphael Klemm (Posaune), Steffen Thormälen (Schlagzeug) und Johannes Voss (Bass) unter Leitung von Damian Omansen. Dank geschickt eingesetzter Lichttechnik kann man einzelne Mitglieder der fünfköpfigen Liveband auch im Laufe des Stücks immer mal wieder in den durchsichtigen Teilen der Kulisse erspähen. Klasse, dass den Zuschauern in Zeiten von Orchesterabbau und synthetischen Klick-Track-Klängen so gelungen ins Gedächtnis gerufen wird, dass Live-Musik ein wesentlicher Teil von Musiktheater jeglicher Art ist.

Die Aachener "Irma"-Inszenierung zeigt: Große Musicalunterhaltung funktioniert auch auf kleinstem Raum mit überschaubaren Mitteln. Alles eine Frage der Umsetzung, der Leidenschaft und des Könnens der involvierten Personen.

(Text: Silke Milpauer)






Kreativteam

RegieUlrich Wiggers
Musikalische LeitungDamian Omansen
Bühne und KostümeLeif Erik Heine
ChoreografieMarga Render


Besetzung

Irma la Douce Maxine Kazis
Nestor Oliver Urbanski
Bob Olaf Meyer
Jojo
Inspektor Lefèvre
Robert Meyer
Persil Stefan Gregor Schmitz
Bonbon Nicolai Schwab
Hyppolyte Ricardo Frenzel Baudisch
Roberto
Priester
Jan Altenbockum



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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Spritzig und extrem unterhaltsam: Die Aachener Inszenierung schafft es, den Charme des Wilder-Films auf die Bühne des Grenzlandtheaters zu bringen.

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