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Komödie

La Cage aux Folles

I Am What I Am


©Andreas Etter
©Andreas Etter
In Zeiten, in denen rechtskonservative Kräfte wieder Zulauf bekommen, besitzt Jerry Hermans 34 Jahre altes Musical wieder überraschende Aktualität. Christopher Tölle verzichtet in seiner Inszenierung auf eine Politisierung der Geschichte, findet aber die perfekte Balance zwischen schrillem Klamauk und leisen Tönen.

(Text: ig)

Premiere:14.10.2017
Rezensierte Vorstellung:14.10.2017


Die Ouvertüre gibt das Tempo des Abends vor. Paul-Johannes Kirchner bringt das Philharmonische Staatsorchester zu Schwung und Leichtigkeit, die auf der Bühne szenisch ihre Entsprechung finden. Gegen den satten Klang der Instrumentierung haben es die Solisten trotz Mikrofonen allerdings manchmal schwer, gehört zu werden.
Die Optik, für die sich Bühnendesignerin Lena Brexendorff verantwortlich zeichnet, passt: Die Auftritte im Club finden auf einer mit leuchtenden Flamingos gesäumten Stahl-Showtreppe statt, die beim späteren Show-Act "La Cage aux Folles" kalt angestrahlt und mit den entsprechenden Kostümen von Heike Seidler zu einer Lack-und-Leder-Nummer wird. Durch die durch Bob Fosse inspirierte Choreographie von Regisseur Tölle ergibt sich eine reizvolle Nähe zum Kit Kat Club aus "Cabaret" oder zu "Chicago". Ein guter Kontrast zur bunten Eröffnungsnummer "Wir sind was wir sind" und ein Schritt weg von der Dragqueen-Klamotte.

© Andreas Etter
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Sehr gut gelungen ist auch das eher spartanisch eingerichtete Designer-Apartment von Georges und Albin, das nach der Umdekorierung für die zukünftigen Schwiegereltern überladener und schwülstiger aussieht als vorher.
Die Tänzer des Clubs, die Cagelles, funktionieren als Gruppe hervorragend und werden in ihren Soli und den Szenen hinter der Showbühne als Individuen mit Macken und Eigenheiten charakterisiert.
Rollenentsprechend extrovertiert, aber ohne den Bogen zu sehr zu überspannen, spielt Fausto Israel die "Zofe" Jacob. Bei ihm sitzt jede Pointe, jede Slapstick-Bewegung.

© Andreas Etter
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Georges' Sohn Jean-Michel, dessen geplante Heirat mit der Tochter des konservativen Politikers Dindon die Handlung in Gang setzt, hat es normalerweise schwer, im Zusammenspiel mit den anderen, sehr präsenten und bunten Charakteren nicht zu verblassen. Johannes Mayer ist mit seinem leichten Tenor eine gute Wahl. Er gibt der Rolle auch darstellerisch Gewicht, wenn er beispielweise erzählt, dass es als Kind mit zwei Vätern in der Schule nicht gerade leicht war.
Seine zukünftige Braut Anne findet in Alexandra Samouilidou eine quirlige, sehr sympathische Verkörperung. Armin Dillenberger als ihr Vater tanzt im Finale wunderbar falsch im Fummel. Ellen Kärcher gibt Madame Dindon mit pointierter Mimik die nötige Strenge einer konservativen Politikergattin, die dann sichtlich den rettenden Nachtclub-Auftritt – und mehrere heimliche alkoholische Getränke –genießt.

© Andreas Etter
© Andreas Etter


Stephan Bootz und Alin Deleanu sind ungewöhnlich jung für die Hauptrollen. Während man Bootz‘ Georges gerade so abnehmen kann, dass er einen 24jährigen Sohn hat, ist es unglaubwürdig, dass sich Deleanu als Albin / Zaza 20 Jahren lang um Jean-Michel gekümmert hat. Auch der Aspekt des gemeinsam Älterwerdens oder Albins Angst, gegen einen Jüngeren ausgetauscht zu werden, gehen dadurch verloren. Darstellerisch passen die beiden aber perfekt zusammen und sind sehr glaubwürdig. Man nimmt ihnen die Gefühle füreinander bedenkenlos ab. Bootz‘ geschmeidiger Bass lässt bei "Wir spazieren am Strand" nicht nur Albin dahinschmelzen. Alin Deleanu verzichtet darauf, Albins feminine Seite zu sehr zu betonen. Bootz und Deleanu spielen erfolgreich gegen das im Stück vorhandene Klischee, dass es in homosexuellen Beziehungen "den Mann" und "die Frau" gibt, an. Einzig Deleanus Auftritte als Zaza könnten noch etwas divenhafter sein. Sein heller Tenor (eigentlich ist er Countertenor und wie Bootz Mitglied des Mainzer Opernensembles) lässt seine Soli weniger nach großer Show als nach Chanson klingen. "Ich bin was ich bin" ist bei ihm mehr ein Sprechgesang. Eine ungewohnte, aber gelungene Interpretation. Dadurch wird aus dem Song ein introvertierter Monolog, bevor am Ende der Ausbruch folgt. Ein Kompliment auch an die Maskenbildner des Theaters, die aus Deleanu bei seinem Auftritt als Jean-Michels falsche Mutter eine sehr attraktive Frau machen.

Wenn bei "Die schönste Zeit ist heut" das Ensemble die Bühne verlässt und durchs Parkett zieht, gibt es für die ohnehin mitklatsch-freudigen Mainzer kein Halten mehr.
Hätte nicht jemand beim frenetischen Schlussapplaus unbarmherzig den Vorhang fallenlassen und das Saallicht eingeschaltet, man hätte noch länger gejubelt.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Paul-Johannes Kirschner
Inszenierung und Choreografie Christopher Tölle
Bühne Lena Brexendorff
Kostüme Heike Seidler
Dramaturgie Elena Garcia-Fernandez


Besetzung

Georges Stephan Bootz
Albin
Zaza
Alin Deleanu
Jacob Fausto Israel
Jean-Michel Johannes Mayer
Anne Alexandra Samouilidou
Edouard Dindon Armin Dillenberger
Mme. Dindon Ellen Kärcher
Jaqueline Dorin Rahardja
Maren Schwier
Chantal Ivica Novakovic
Hanna Patrick Stauf
Phädra John Baldoz
Carmen Benny Tyas
Odette Andrea Viggiano
Loulou Kai Braithwaite
Dermah Léonard Schindler
Cloclo László Nagy




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Andreas Etter
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Handlung
"La Cage Aux Folles" ist die Geschichte des homosexuellen Albin, der als Drag Queen Zasa im titelgebenden Nachtclub seines Lebensgefährten George auftritt. mehr

Weitere Infos
Deutschlandpremiere war am 1985 am Berliner Theater des Westens

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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein temporeicher und berührender Komödien-Abend. Die Entscheidung, die Hauptrollen mit jüngeren Darstellern als üblich zu besetzen, ist nicht ganz geglückt.

15.10.2017

 Termine
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