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Drama

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Next To Normal


© Jochen Klenk
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"Next to Normal" ist mittlerweile Stammgast auf deutschen Bühnen. In Baden-Baden bekommt das mehrfach ausgezeichnete Stück eine abstrakte Bühnenoptik. Die Stufen und Verbindungen sind nicht nur Sinnbild für die Vorgänge im Kopf der Hauptfigur, sie stehen auch für die Beziehungen der Charaktere zueinander.

(Text: Ingo Göllner)

Premiere:21.10.2017
Rezensierte Vorstellung:21.10.2017
Letzte bekannte Aufführung:26.01.2018


Familie Goodman startet gut gelaunt in den Tag. Der lockere Alltag ist gekennzeichnet durch das Geplänkel zwischen Mutter Diana und Vater Dan, das Gemotze der pubertierenden Tochter Natalie und die gute Laune des Strahlemann-Sohnes. Diana scheint in alter Tradition den Laden zusammenzuhalten. Bis sie die Toastscheiben, mit denen sie Sandwiches für ihre Kinder machen wollte, wie selbstverständlich auf dem Boden verteilt und damit die Szene einer Bilderbuch-Familie auf den Kopf stellt. Diana ist manisch-depressiv und Sohn Gabe, der fröhlich die Psychopharmaka seiner Mutter in der Toilette entsorgt, ist tot. Er existiert nur in ihrer Vorstellung und sein Name wird auf Drängen des Vaters hin nicht genannt. Starker Tobak für die Gattung Musical, der man gemeinhin Belanglosigkeit und einen Hang zu Heile-Welt-Darstellung vorwirft.

© Jochen Klenk
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Nadine Kettler gibt sich der Rolle der Diana Goodman völlig hin. Mit bewundernswerter Natürlichkeit zieht sie alle Register von überdrehter Freude bis zu tiefer Verzweiflung. Eine ganz starke Leistung! Oliver Jacobs kann als ihr Ehemann Dan nur hilflos zusehen. Leider lässt Jacobs‘ schlaffe Körperspannung die Figur blasser erscheinen, als sie eigentlich ist. Obwohl er Dans Handlungen berührend und nachvollziehbar darstellt, fällt er gegen seine energetischeren Kollegen ab.
Tochter Natalie sucht die Bestätigung, die sie zu Hause nicht erfährt, im schulischen Eifer. Sie lernt verbissen. Auch ihr Hobby Musik geht sie ernst und strukturiert an. Erst ihr Mitschüler Henry bringt ihr Leichtigkeit in der Musik und – wenn auch durch Unterstützung von Drogen – im Leben bei. Während Natalie abzurutschen droht, beginnt Henry sein Leben immer mehr zu ordnen. Sonja Dengler und Dimetrio-Giovanni Rupp spielen die Entwicklung ihrer Figuren mitreißend und glaubhaft.
Berth Wesselmann gibt die beiden Ärzte Dr. Fine (klassische Couch und medikamentöse Therapie) und Dr. Madden (Drehstühle und Behandlung mit Elektrokrampftherapie) in der Realität routiniert, um dann in Dianas Fantasiewelt rockend auszubrechen.
Das Ensemble wurde während der Endproben von einer Krankheitswelle heimgesucht. Das ist noch zu hören; im Spiel bemerkt man davon nichts. Am stärksten hat es Nikolaj Alexander Brucker mit einer Stimmbandentzündung getroffen. Er spielt und spricht zwar die Rolle von Gabe, aber sein Gesangspart wird bei der Premiere hinter der Bühne von Oliver Liebl übernommen. Liebl verfügt über eine junge, frische Stimme. Einzig die kraftvolle Solo-Nummer "Ich lebe" singt er viel zu brav. Da sind Bruckers Mimik und körperlicher Ausdruck deutlich stärker. Überhaupt beeindruckt Brucker als Fantasie-Verkörperung des toten Sohnes. Mal ist er Sunnyboy, mal Tröster, mal Dämon.

© Jochen Klenk
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Ingmar Ottos Personenführung findet optische Entsprechung in Steven Koops aus mehreren Treppen und abgestuften Übergängen gestalteten Bühnenbild: Die Wege führen nicht auf Anhieb zueinander, sind aber alle miteinander verbunden. Regisseur Otto lässt die Szenen zwischen den – wortwörtlich – verschiedenen Ebenen von Realität, Dianas Fantasien und Ortswechseln fließen. Auch das Zusammenspiel der Darsteller funktioniert vorbildlich. Da genügen Blicke und kleine Gesten, um die Beziehungen zueinander deutlich zu machen.

© Jochen Klenk
© Jochen Klenk


Die sechsköpfige Band unter Leitung von Hans-Georg Wilhelm beherrscht die vom Komponisten Tom Kitt geforderte Bandbreite von filigranen Klängen und explosivem Rock. Dabei bleiben die Texte jederzeit verständlich.
"Next to Normal" umschifft Klischees und verweigert ein klassisches Happy End. Musikalisch und darstellerisch herausfordernd beweist es, dass Musical nicht nur knallbunte, weltfremde Unterhaltung sein muss.
Getragen von emotionalen, aber unsentimentalen Darstellungen, unaufdringlich und mit leichter Hand in Szene gesetzt, bleibt diese Produktion lange im Gedächtnis.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Hans-Georg Wilhelm
Inszenierung Ingmar Otto
Choreografie Moira Fetterman
Bühne und Kostüme Steven Koop


Besetzung

Diana GoodmanNadine Kettler
Dan GoodmanOliver Jacobs
Natalie GoodmanSonja Dengler
Gabe GoodmanNikolaj Alexander Brucker
HenryDimetrio-Giovanni Rupp
Dr. Fine
Dr. Madden
Berth Wesselmann




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Theater Baden-Baden
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© Theater Baden-Baden
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© Jochen Klenk
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Grandiose Inszenierung

27.01.2018 - Ich habe gestern die letzte Aufführung im kleinen Theater in Baden-Baden erwischt und war wirklich sehr beeindruckt. Nicht unbedingt von allen gesanglichen Leistungen, aber von der Darstellung und der Inszenierung: so viele Nuancen, so ein sensibles Schauspiel habe ich weder in Fürth und schon gar nicht in den Hamburger Kammerspielen gesehen. Ganz ohne große Namen stand hier ein tolles Ensemble auf der Bühne. Großartig: Nikolaj Alexander Brucker als aggressiver, manchmal fast dämonischer Gabe, der nie nur am Rande saß und zusah, sondern ständig ins Geschehen eingriff. Brucker war auch stimmlich toll, ebenso das Paar Natalie und Henry - Sonja Dengler legt die Rolle viel jünger an als Sabrina Weckerlin, das wirkt wesentlich glaubhafter, Dimetrio-Giovanni Rupp ist ein bisschen flippig, mitunter sehr lustig, toll was man aus der vermeintlichen Nebenrolle machen kann. Ich habe noch bei keiner Diana Goodman diese Ruhe am Schluss gesehen wie bei Nadine Kettler - man hat das Gefühl, dass Diana nach all den Behandlungen, Tabletten und Elektroschocks doch noch zu sich selbst findet, als sie alles weglässt - so kaputt sie auch ist. Einziger Schwachpunkt: Oliver Jacobs als Dan, auch stimmlich nicht ganz fit an dem Abend. Die Band war gut, die Inszenierung wie gesagt grandios. Hätte nicht gedacht, dass ich sowas mal schreibe, aber vielleicht macht es doch was aus, dieses Stück mit Schauspielern zu sehen und nicht mit reinen Musicaldarstellern - etwas weniger Pathos und deutlich mehr Psychologie.

Vollpfosten (7 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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(ig)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Präzise inszeniert, optisch durchdacht und mit einem vor allem schauspielerisch sehr überzeugenden Ensemble, setzt sich der Siegeszug des Musical-Dramas fort.

23.10.2017

 Termine

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