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Rock-Oper

Jesus Christ Superstar

I Only Want To Say


© Karl & Monika Forster
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Ausschnitte aus internationalen Nachrichtensendungen flimmern immer schneller geschnitten über den Vorhang – Terrorismus, Krisengebiete, Diktatoren, die Mächtigen der Welt. Dazu ein Durcheinander an Stimmen von Nachrichtensprechern, in das sich die erst sphärisch-schräge, dann rockig-rhythmische Ouvertüre mischt, und schließlich kommt ein energiegeladen tanzendes Ensemble dazu. Reizüberflutung für Auge und Ohr, die von der Bühne und aus dem Orchestergraben in den Zuschauerraum stürmt und das Publikum sofort fesselt.

(Text: ig)

Premiere:03.09.2017
Rezensierte Vorstellung:03.09.2017


Schade, dass Regisseurin Iris Limbarth nach diesem starken Start nicht weiter versucht, das Stück im Hier und Jetzt zu verorten, sondern eine schwammige Dystopie daraus macht. Jesus ist eine Mischung aus Hipster und Hippie. Seine Anhänger sind Party People, Rastafari oder Flower-Power-Überbleibsel, einige mit Fisch-Tattoos, dem Erkennungszeichen der frühen Christen, auf dem Oberarm. Kaiphas und seine Priester tragen lange schwarze Gewänder und sehen mit ihren Langhaarperücken wie Figuren aus einem Fantasyfilm aus. Die Soldaten treten auf wie Polizisten bei den G20-Ausschreitungen in Hamburg.
Die Farbdramaturgie ist simpel: In einem variabel nutzbaren schwarz-grauen Raum (Bühne: Bettina Neuhaus) sind die Bösen schwarz, Jesus und seine Jünger weiß bzw bunt gekleidet (Kostüme: Heike Korn). Dass Judas Ischariot schon eine schwarze Jacke trägt, hätte den Aposteln zu denken geben müssen.
Trotzdem ergeben sich düstere, eindrucksvolle Bilder, wie die sich hilfesuchend an Jesus klammernden Kranken oder die einsamen Moment von Judas und Jesus, die auch der hervorragenden Lichtsetzung von Andreas Frank und den Videoeinspielern von Gerard Naziri zu verdanken sind.
Wenn Judas Ischariot als weißer Engel mit schmutzigen Flügeln, begleitet von weißgekleideten Frauen mit schwarzen Kreuzen auf der Brust, dem gekreuzigten Jesus erscheint, ist das ein kitschiger Ausrutscher.
Auch wenn sie aus dem Stück keine wirklich neuen Facetten heraus holt, kann Limbarth ihren Cast so anspornen, dass dessen Energie nahezu körperlich spürbar ist.

© Karl & Monika Forster
© Karl & Monika Forster


Ulrich Rechenbach aus dem Wiesbadener Schauspiel-Ensemble verkörpert ausdrucksstark Judas Ischariot als ruhelosen Nerd, der seine Gefühle für Jesus nicht einordnen kann und an seiner inneren Zerrissenheit verzweifelt. Er verfügt über eine kräftige Rockstimme, klingt in den hohen Passagen aber sehr angestrengt.

Die hohen Töne sind auch das große Problem von Björn Breckheimer. In der mittleren Lage ist seine Stimme aber angenehm und kraftvoll. Sein Jesus hat sich innerlich schon von seinen Anhängern verabschiedet und hadert sehr menschlich mit dem ihm bevorstehenden Schicksal. In den Videos, die sich die Priester von Jesus und seinen Anhängern ansehen, ist er als strahlender, charismatischer Führer der Massen zu sehen. Während seiner letzten Tage ist er in sich gekehrt, mit etwas zu theatralischem und zu häufigem Blick zum Himmel. Bei „Gethsemane“ gibt er alles – Angst, Wut, Verzweiflung, eine Tour de Force, die nicht kalt lassen kann.

© Karl & Monika Forster
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In kleineren Rollen können Tobias Falk als Kaiphas mit einem tiefschwarzen Bass, Matias Lavall als jungenhafter Petrus mit leichtem Tenor und Uwe Kraus mit einem schrillen Herodes-Auftritt Akzente setzen.

Star des Abends ist Nyassa Alberta als Maria Magdalena. Mit ihrer geschmeidigen Soul-Stimme verzaubert sie das Publikum, das ihr schon nach „Alles wird gut sein“ zu Füßen liegt.

© Karl & Monika Forster
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Fundament der Aufführung ist aber das Ensemble, bestehend aus einigen Mitgliedern des Jungen Staatsmusicals und des Extrachors des Staatstheaters. Als Chor sehr gut einstudiert, in Soli prägnant, darstellerisch agil und tänzerisch dynamisch, verbreiten sie natürliche Lebendigkeit.

Bei „Jesus Christ Superstar“ in einem Staatstheater wäre eigentlich anzunehmen, man entscheidet sich für die Version mit einem großen Orchester. In Wiesbaden greift man auf die kleine Besetzung zurück und hat mit der Band „Vanden Plas“ (mit Unterstützung von Benjamin Schneider am Keyboard und unter der Leitung von Christoph Stiller) die absolut richtige Wahl getroffen. Sie rockt, was das Zeug hält.
Der Ton der Band ist gut ausgesteuert, was man von den Sängern nicht behaupten kann. Sie klingen flach und trocken, mit zu viel Höhe. Dass ausgerechnet bei „Wie soll ich ihn nur lieben“ der Ton sich noch verschlechtert, ist ärgerlich.

Iris Limbarth, die in Wiesbaden das Junge Staatsmusical leitet und mit ihm 2001 noch als „Jugendclubtheater“ schon einmal „Jesus Christ“ auf die Bühne brachte, beschert dem Staatstheater einen erfolgreichen Saisonstart. Die bei der Premiere bejubelte Inszenierung ist nicht makellos, aber sehenswert.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Inszenierung & Choreografie Iris Limbarth
Musikalische Leitung Christoph Stiller
Bühne Bettina Neuhaus
Kostüme Heike Korn
Choreinstudierung Albert Horne


Besetzung

Jesus von Nazareth Björn Breckheimer
Maria Magdalena Nyassa Alberta,
(Georgia M. Reh)

Judas Ischariot Ulrich Rechenbach
Pontius Pilatus Frank Bettinger
Kaiphas Tobias Falk
Annas Joel Scott
Petrus Matias Lavall
Herodes Uwe Kraus
Simon Zelotes David Rossteuscher
Tim Speckhardt
Soulgirls Felicitas Geipel
Jessica Krüger
Georgia M. Reh
Silvia Willecke,
(Ann-Christin Fray)
(Nadine Lauterbach)

Priester Norman Hofmann
Johannes Kastl
Rainer Maaß
Apostel Peter Emig
Benjamin Geipel
Norman Hofmann
Johannes Kastl
Patrick Miller
Rainer Maaß
Benjamin Muth
David Rothe
Tim Speckhardt
Thomas Zimmer
Musical-Ensemble Ann-Christin Fray
Joshua Heine
Anna Heldmaier
Lisa Krämer
Constanze Kochanek
Nadine Lauterbach
Myriam Lifka
Viktoria Reese




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Karl & Monika Forster
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Die letzten sieben Tage Jesu Christi. mehr

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Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 18. Februar 1972 in der Halle Münsterland (Münster) mit Reiner Schöne in der Hauptrolle statt.

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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Bunte Jesus-People gegen eine schwarze Staatsmacht. Sehenswert besonders wegen Nyassa Alberta und der hervorragenden Band, aber bei der Tontechnik muss dringend nachgebessert werden.

04.09.2017

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