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Urauff├╝hrung

Zzaun!

Das Nachbarschaftsmusical


© Stephan Floss
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Ein satirisches Musical als Urauff├╝hrung in der Staatsoperette Dresden? Das Haus sichert sich den Gewinner des ersten CREATORS-Autorenwettbewerbs und legt mit Hausensemble und Hausorchester eine beachtenswerte Produktion des Nachbarschaftsmusicals vor.

(Text: Hardy Heise)

Premiere:03.03.2018
Rezensierte Vorstellung:04.03.2018
Letzte bekannte Auff├╝hrung:05.04.2019
Showl├Ąnge:160 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Der Supergau: Zehn Tage vor der geplanten Premiere vom "Zzaun!" am 28.10.2017 wird die B├╝hne der Staatsoperette mit 16.000 Litern L├Âschwasser ├╝berflutet. Der Spielbetrieb wurde eingestellt, die Premiere auf unbestimmte Zeit verschoben. ├ťber vier Monate sp├Ąter erhebt sich am 03.03.2018 endlich der Vorhang f├╝r die Urauff├╝hrung eines St├╝ckes, das die weitreichenden Auswirkungen eines an sich banalen Nachbarschaftsstreites satirisch skizziert.

© Stephan Floss
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Horst und Roland wohnen mit ihren Partnern nebeneinander in ihren Reihenh├Ąusern inklusive Gartenzwergen und Blumenk├Ąsten ÔÇô alle kennen und verstehen sich ausgezeichnet. Eines Tages bricht Horst versehentlich die Spitze des Zauns ab, der die beiden Grundst├╝cke voneinander trennt. Dieser Konflikt entwickelt sich ├╝ber einen regionalen zum globalen Krieg, den schlie├člich die Vereinten Nationen schlichten m├╝ssen. Tilmann von Blombergs durchaus reizvoller Plot mit vielen Anspielungen auf aktuelle politische Ereignisse wirkt allerdings zuweilen arg konstruiert. Es erschlie├čt sich kaum, warum sich die beiden Parteien pl├Âtzlich im Wahlkampf befinden und sp├Ąter als L├Ąnder Krieg gegeneinander f├╝hren, in dem die vorher als Berater hinzugezogenen Versicherungsvertreter und Anwalt unvermittelt in wichtigen ├ämtern mitmischen.

© Stephan Floss
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Je l├Ąnger die Handlung voranschreitet, desto gewissenloser werden die Akteure: Der Zaunh├Ąndler wird zum Waffenh├Ąndler und auf beiden Seiten wird vor Mord nicht zur├╝ckgeschreckt. Die Geschichte findet mit dem Einschreiten der UN, die "Frieden mit Waffen" bringen und "stets Eierkuchen frisch im Haus" haben, ihren H├Âhepunkt und erreicht dann auch die Qualit├Ąt des Satire-Gipfels "The Producers". Zum Epilog wird noch einmal klargestellt, dass durch eine kleine Ver├Ąnderung im Verhalten genau das Gegenteil erreicht werden kann. War alles Gesehene nur Fantasie?

© Stephan Floss
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Alexander Kuschinkas und Tilman von Blombergs St├╝ck belegte 2015 den ersten Platz beim CREATORS-Autorenwettbewerb. F├╝r die Inszenierung holte sich die Staatsoperette den erfahrenen Musical-Regisseur Andreas Gergen ins Boot, der die Akteure immer wieder auf der Fl├Ąche vor dem Orchestergraben und im Zuschauerraum auftreten l├Ąsst. Dies erzeugt eine gro├če N├Ąhe zum Publikum. Um die Satire st├Ąrker zu betonen, h├Ątten die schwarz-humorigen und ├╝bertriebenen Momente intensiver ausgekostet werden m├╝ssen, wie es zum Beispiel beim Song "Frieden auf Erden" zum Schluss gelingt.

© Stephan Floss
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Seine zahlreichen, originellen Ideen hat Kost├╝mbildner Ulli Kremer gro├čartig umgesetzt: Das Ballett als rosa Geschirr, in Glitzerh├Âschen bzw. blauen Bermudashorts mit Gamaschen sowie die wei├če Taube am blauen Kleid der UN-Generalsekret├Ąrin. FelixÔÇś Mutter Walburga h├╝llt er in edle rot- und goldfarben gehaltene Kleider. Auf Rolands Seite wird die erst gediegene Kleidung mit fortschreitender Handlung immer bunter und milit├Ąrischer und gipfelt im dunkelroten Generalsrock. Rolands blonde Trump-M├Ąhne wird immer volumin├Âser.

© Stephan Floss
© Stephan Floss

Im Einheits-B├╝hnenbild dominiert die Fassade der Reihenh├Ąuser mit Gartenm├Âbeln und dem titelgebenden wei├čen, oberschenkelhohen Lattenzaun davor. Sp├Ąter fahren Paletten mit Z├Ąunen und Waffen sowie ein Schreibtisch, ein Sofa und zwei Kanonen herein. Musikalisch ist die abwechslungsreiche und eing├Ąngige, mit Walzer, Marsch, Rap und schnell gesungenen Nummern gespickte Partitur bei Peter Christian Feigel mit seinem gro├čen Orchester in den besten H├Ąnden. Die Gesangsstimmen sind vereinzelt zu leise abgemischt, was die Textverst├Ąndlichkeit der pfiffigen Reime einschr├Ąnkt.

Die Besetzung ist durch die Bank schauspielerisch und gesanglich erstklassig. Das durch den Musical-Jugend-Chor und das Ballett erg├Ąnzte elfk├Âpfige Ensemble verk├Ârpert glaubw├╝rdig die klischeehaften, jedoch oft gut ausgearbeiteten Rollen. Axel K├Âhler gibt den grantigen und ├╝berforderten Horst, der mit seiner wesentlich j├╝ngeren, nur auf den ersten Blick naiven Freundin Leonie zusammenlebt. In dieser Rolle kann es die liebevolle Olivia Delaur├ę ├╝berhaupt nicht nachvollziehen, warum der Streit so ausartet.

© Stephan Floss
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Das hat sie mit Felix gemein, den frisch gebackenen Ehemann von Roland nebenan. Jannick Harneit ist als immerzu Nu├čkringel-backender und rosa liebender Vorzeigeschwuler Sympathietr├Ąger Nummer eins. Christian Grygas m├Âchte als sein Mann Roland auf keinen Fall homosexuell und damit vermeintlich schwach wirken, gerade weil er seine Schwiegermutter Walburga kennenlernt, die wenig begeistert von den Entscheidungen ihres Sohnes ist ÔÇô f├╝r Auftritte im Fernsehen sowie Mitbestimmung an FelixÔÇś Leben und den politischen Entscheidungen akzeptiert sie aber anscheinend alles. In dieser Rolle nutzt die vorne und hinten stark ausstaffierte Cornelia Drese die besten Pointen des Buches gekonnt und bringt ihre umfangreiche Norma-Desmond-Erfahrung meisterhaft ein.

Horsts freche halbw├╝chsige Gothic-Tochter Michelle aus einer fr├╝heren Beziehung wei├č genau, wie sie ihren Vater um den Finger wickelt. Die an der UDK Berlin studierende Lucille-Mareen Mayr empfiehlt sich damit f├╝r Figuren, die wissen, wo es langgeht. Als Grundbuch-Beamtin sowie UN-Generalsekret├Ąrin hat Silke Richter zwei herrlich komische Auftritte, die sie famos auskostet.

© Stephan Floss
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Ein hiesiges satirisches Musical kommt selten in einer solch gro├čen Produktion eines Staatstheaters zur Urauff├╝hrung. Auch wenn an Buch und humoristischer Umsetzung noch gefeilt werden kann: Was die Staatsoperette Dresden hier zeigt, ist sehr gut umgesetztes und wunderbar dargebotenes Theaterhandwerk.

(Text: Hardy Heise)






Kreativteam

BuchTilmann von Blomberg
Musik und SongtexteAlexander Kuchinka
Musikalische LeitungPeter Christian Feigel
InszenierungAndreas Gergen
B├╝hnenbildWalter Vogelweider
Kost├╝meUlli Kremer
ChoreografieDanny Costello
DramaturgieHeiko Cullmann


Besetzung

HorstAxel K├Âhler
Leonie, Horsts FreundinOlivia Delaur├ę
RolandChristian Grygas
Felix, Rolands EhemannJannik Harneit
Michelle, Horsts TochterLucille-Mareen Mayr
Walburga, Felix MutterCornelia Drese
Herr K├╝hn, VersicherungsvertreterBryan Rothfuss
Herr Grundlos, AnwaltElmar Andree
Zaun M├╝ller, Zaunverk├ĄuferMarcus G├╝nzel
Irene Sonnenschein, BeamtinSilke Richter
ReporterDietrich Seydlitz



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Besetzung

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Die Urauff├╝hrung des Musicals ├╝ber einen ausartenden Nachbarschaftsstreit bietet kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau.

11.03.2018

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