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Kammerspiel

Girl From the North Country

Like A Rolling Stone


Eine kleine Hafenstadt in Minnesota zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Pension-Besitzer Nick (Ciarán Hinds) ringt mit Schulden und familiären Schwierigkeiten. Auch die Gäste tragen neue Probleme ins Haus – und schon bald brodelt es im Schmelztiegel und droht überzukochen. Bob Dylans soulige, sehnsüchtige Songs dienen als Soundtrack für Conor McPhersons Kammerspiel und untermalen die schwermütige Grundstimmung, fügen sich aber inhaltlich nicht in die Handlung ein.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:26.07.2017
Rezensierte Vorstellung:09.09.2017
Showlänge:150 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Greift ein Musical auf bestehende Songs eines Künstlers zurück, dann ist es immer ein Problem, Handlung und Originaltexte zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinen. Oft führt diese Problematik zu abstrusen Handlungssträngen wie bei "We Will Rock You" oder aber mehr oder weniger banalen semi-biografischen Stories wie "Hinterm Horizont". Bei "Girl From The North Country" geht Conor McPherson diesbezüglich keine Kompromisse ein. Es ist offensichtlich, dass die dramatische Geschichte um Charaktere in einer Sackgasse des Lebens nicht um die Bob-Dylan-Songs herumgeschrieben wurde, sondern letztere vielmehr nur dazu genutzt werden, das Stück wie ein Soundtrack bei einem Film zu untermalen. Da die Songs aber durchweg nicht handlungstragend sind, fühlt es sich an vielen Stellen so an, als unterbrechen die – gesanglich erstklassigen – musikalischen Darbietungen der Darsteller den Fluss der Geschichte.

Für sich betrachtet können sowohl die musikalische Seite als auch das emotional nachhaltig bewegende Drama überzeugen, was nicht zuletzt den wunderbaren Akteuren zu verdanken ist. Ciarán Hinds bringt genau die richtige Portion Intensität und Sprödigkeit in seine Rolle – ein Mann, der zutiefst vom Schicksal gebeutelt ist und an der Grenze zwischen Kämpfen und Aufgeben steht. Als seine demenzkranke Frau Elizabeth gibt Shirley Henderson ein verstörendes Porträt geistigen Verfalls und schonungsloser emotionaler Offenheit. Auch ihre Darbietung von "Like A Rolling Stone" bleibt im Ohr und im Gedächtnis.

Sohn Gene, gespielt von Sam Reid, bleibt als erfolgloser Möchtegern-Autor, der in den Tag lebt und von den Problemen seiner Familie recht unberührt scheint, etwas blass. Sein bester Moment ist das traurig-schöne Duett "I Want You" gemeinsam mit Ex-Freundin Katherine (Claudia Jolly). Überwältigend dagegen die Bühnenpräsenz seiner Adoptivschwester Marianne (Sheila Atim), die es als schwarze Tochter einer weißen Familie im mittleren Westen der 1930er ohnehin schwer hat – die Tatsache, dass sie (vielleicht) schwanger ist und es keinen offensichtlichen Vater dazu gibt, macht es ihr nicht leichter. Atim verleiht der Rolle nicht nur Stolz und Haltung, sondern auch eine spürbare emotionale Bindung zu ihrer Familie, und ihren Songs, allen voran "Tight Connection to My Heart", viel Soul und Stimmgewalt.

Mrs Neilsen, Nicks verwitwete Geliebte, wird von Debbie Kurup mit einem enormen Sympathiefaktor dargestellt. Zwei mysteriöse Neuankömmlinge in der Pension – Ex-Häftling Joe Scott (überaus charismastich: Arinzé Kene) und Reverend Marlowe (subtil zwielichtig: Michael Shaeffer) bringen die heikle Balance im Haus ins Wanken. Das betrifft nicht nur Nick und seine Familie, sondern auch die Burkes (gewinnen im Laufe des Stücks zunehmend an Intensität: Stanley Townsend und Bronagh Gallagher) mit ihrem geistig behinderten erwachsenen Sohn (Jack Shalloo), die in der Pension Zuflucht gesucht haben. Ron Cook fungiert in der Rolle des alternden Dorfarztes Dr. Walker als Erzähler, der mit einer willkommenen Brise sanften Humors durch die insgesamt bedrückende Geschichte führt.

Das Bühnenbild ist simpel und funktional – ein Tisch, ein paar Stühle, ein Sessel und ein Piano. Für ein Kammerspiel ist das ausreichend, aber nicht wirklich innovativ. Außer den vier Musikern übernehmen sporadisch auch einige der Darsteller während der Songs einzelne Instrumente. Dabei funktioniert der Übergang von Handlungsparts zu musikalischen Teilen der Vorstellung ebenfalls nicht nahtlos.

"Girl From The North Country" wird bewusst eher als 'Theaterstück mit Musik' denn als 'Musical' beworben. Letztendlich ist es ein starkes, bewegendes Ensemble-Drama mit großartig vorgetragenen, poetischen Songs. Doch eine stimmige Symbiose von Musik und Theater sieht anders aus.


Das Stück ist/war in folgenden Londoner Theatern zu sehen:
08.07.2017 bis 07.10.2017 - The Old Vic
29.12.2017 bis 24.03.2018 - Noel Coward Theatre
10.12.2019 bis 01.02.2020 - Gieldgud Theater

(Text: Claudia Leonhardt)






Kreativteam

AutorConor McPherson
Musik / TexteBob Dylan
InszenierungConor McPherson
DesignRae Smith
Musikal. Supervision / ArrangementsSimon Hale
LichtMark Henderson
Musikal. LeitungTarek Merchant
SoundSimon Baker
MovementLucy Hind


Besetzung

Marianne LaineGloria Obianyo
Dr. WalkerFerdy Roberts
Mrs BurkeAnna-Jane Casey
Elizabeth LaineKatie Brayben
Nick LaineDonald Sage Mackay
Katherine DraperGemma Sutton
Joe ScottShaq Taylor
Mrs NeilsenRachel John
Mr. PerrySidney Kean
Gene LaineColin Bates
Reverend MarloweFinbar Lynch
Elias BurkeSteffan Harri
Mr. BurkeDavid Ganly
EnsembleDaniel Bailey
Nicholle Cherrie
Simon Gordon
David Haydn
Wendy Somerville
Alan Vicary
Band

PianoTarek Merchant
Violine
Mandoline
Charlie Brown
GitarrePete Callard
BassDon Richardson


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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


31583
Viel richtig gemacht, trotzdem kein Abend, der im Gedächtnis bleibt

03.10.2017 - Die Story von "Girl from the North Country" ist schnell erzählt:
In einem Gästehaus treffen sich in den USA der dreißiger Jahre einige illustre Menschen. Im Laufe des Stückes erfahren wir, die deren Schicksale miteinander verbunden sind.
Das Ganze wird untermalt von einer hervorragenden Live-Band und auch die Darsteller selbst bedienen ab und an gekonnt die (Schlag-)Instrumente.
Bob Dylans Songs eignen sich bestens, um die Charaktere zu zeichnen und die Geschichte zu bebildern. Man muss nicht den ganzen Dylan-Songkatalog im Kopf haben, um die hervorragenden gesanglichen Leistungen genießen zu können. Interessant hierbei ist, dass ich das Stück nicht als Musical, sondern als Schauspiel mit Musik bezeichnen würde; sind doch die Darsteller in erster Linie hervorragende Schauspieler und in zweiter Linie (für Großbritannien gar nicht erstaunlich) auch eben so hervorragende Sänger.
Alles ist sehr gut gemacht, alles sieht edel aus, alle Rollen sind fantastisch besetzt. Hervorheben möchte ich trotzdem Shirley Henderson, die als an Alzheimer erkrankte Mutter eine unter die Haut gehende Performance abliefert.
Geht aber auch die gesamte Show unter die Haut? Nein, leider nicht. Ich kann nicht formulieren, woran es liegt, vielleicht liegt es auch an einfach an gar nichts: der Abend bietet beste Unterhaltung und dennoch bleibt nicht viel zurück.
Im Theater wurde die frisch gepresste CD dieser Uraufführung verkauft. Bevor sich der imaginäre Vorhang des Abends hob, hatte ich mir vorgenommen, sie am Ende zu kaufen. Nach der Vorstellung habe ich diesen Gedanken verworfen.
Trotzdem war es ein rundherum gelungener (wenn eben auch nicht bleibender) Einstieg in meinen "theatralischen" London Trip.

AdamPascal (63 Bewertungen, ∅ 4.2 Sterne)


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Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Aufwühlendes Kammerspiel, großartige Musik - nur leider fügen sich Handlung und Songtexte nicht zu einer homogenen Einheit zusammen. Die hervorragenden Darsteller trösten - zumindest bedingt - darüber hinweg.

14.09.2017

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