Norden Westen Osten Süden
Termine aus DeutschlandÖsterreichSchweizNiederlandeLondonLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )In den Heights von New York


Ein Kraftwerk an positiver Energie

In den Heights von New York

When You're Home


© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre
Ein modernes Musical mit einem Mix aus lateinamerikanischer Musik und Rap mit Orchester, Chor und Ballett an einem Stadttheater? Das Theater Hagen beweist zusammen mit der Hochschule Osnabrück, dass dies gut gelingen kann. Der Flair und die gute Stimmung des Stückes übertragen sich leicht auf die Zuschauer.

(Text: Hardy Heise)

Premiere:16.09.2017


© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Bei den Party- und Tanzszenen mit schwungvollen Salsa- und Merengue-Nummern und lateinamerikanischer Lebensfreude bebt die Bühne immer wieder gewaltig. Andererseits entstehen auch ergreifende, melancholische Momente. Dieses Stück lebt von den verschiedenen Emotionen und setzt weniger auf eine durchgehende Handlung. Die Bewohner der Washington Heights am nördlichsten Punkt von Manhattan mit ihrer freundschaftlichen und familiären Verbundenheit stehen im Vordergrund.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Dort leben größtenteils Immigranten aus Lateinamerika in nahezu dörflichen Strukturen mit entsprechendem Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Ausbrechen aus dieser sozialschwachen Subkultur ist schwer. Nina Rosaria scheint es geschafft zu haben, denn sie studiert an der Stanford-Eliteuniversität in Kalifornien. Sie traut sich allerdings nicht, ihren Eltern und Freunden mitzuteilen, dass sie ihr Stipendium bereits vor vier Monaten verloren hat und die Uni schmeißen will. Auch die weiteren Figuren träumen von einem besseren Leben in einer anderen Gegend: Vanessa möchte ihren eigenen Friseursalon näher im Stadtzentrum eröffnen, Abuela Claudia und Usnavi wollen zurück in ihre Heimat, die Dominikanische Republik. Ein unverhoffter Lottogewinn Claudias scheint dies möglich zu machen.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

In Hagen ist eine Mischung aus Studenten, jungen Absolventen und erfahrenen (Opern-)Sängern zu sehen. Als zentrale Figur des durch die Handlung führenden Coffeeshop-Besitzer Usnavi ist Felix Freund sehr sympathisch und präsent. Stets mit hellem Sakko und Hut gekleidet, glänzt er mit seinen sehr gut verständlichen Rap-Einlagen und lässigen Movements sowie seinem vollen Tenor. Seine schüchterne Zuneigung zu Vanessa ist glaubwürdig. Kara Kemenys Nina kommt situationsbedingt zurückhaltend und geläutert daher. Sie meistert ihren anspruchsvollen Gesangspart mit der gleichen Leichtigkeit wie Celina Pieper als temperamentvolle Friseurin Vanessa, die dazu mit ihrer einnehmenden Bühnenpräsenz im roten, kurzen Kleid punktet. Die gleiche Ebene erreicht auch Annina Hempel als ihre kecke Chefin Daniela, die vor allem bei der Tanz-Nummer "Carnaval del Barrio" als quirlige Latina überzeugt. Carolina Walker gleicht durch ihre glaubhafte Interpretation von Ninas besorgter Mutter ihre fehlenden Jahre mit starker Stimme aus. Als Vater Kevin Rosario lässt Jonathan Agar seine Aufopferung für die Familie durch seine Körperhaltung deutlich erkennen.

Problematisch ist die Besetzung von David B. Whitley, der Ninas angehenden Freund Benny verkörpert und eher im Alter ihrer Vaters ist. Vom Typ her passt er ebenfalls kaum in diese smart angelegte Rolle. Außerdem gehen ihm die Raps nicht leicht über die Lippen. Stimmlich ist er zweifellos stark, textlich im ansonsten erstklassigen Sound jedoch unverständlich. Darunter leidet die Haupt-Liebesgeschichte des Stückes. Der Part des Sonny, dem Schützling und Ziehsohn von Usnavi, wird von Aniello Saggiomo in Gestik und Mimik ziemlich unmännlich gegeben. Dies steht im Gegensatz zu seinen jung-machohaften Sprüchen und lässt die Interpretation unglaubwürdig erscheinen. Publikumsliebling Marilyn Bennett verkörpert Abuela Claudia, die rührende und liebenswerte Vertrauensperson der gesamten Community. Ihre Opernherkunft kann sie in ihrem Solo geschickt kaschieren, indem sie tiefer singt.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Das Einheitsbühnenbild von Ulrike Reinhard platziert zwei doppelgeschossige, dreh- sowie verschiebbare Elemente an den Seiten, die unten als Usnavis Laden und als Büro der Rosarios dienen. Gelegentlich wird die obere Etage genutzt, etwa für Vanessas Zimmer und durch den Chor. Ein herausfahrendes Element in der Bühnenmitte fungiert als Tisch oder Sofa. Die Damen zeigen in den farbenfrohen Kleidern (Kostüme ebenfalls von Reinhard) viel Haut und tragen schicke offene Slender Hels. Die Herren sind dagegen in moderne Alltagskleidung gehüllt. Im Hintergrund ist die beleuchtete Skyline New Yorks zu erkennen, woraus die George-Washington-Brücke mit ihren Stahlstreben heraussticht. Auf der Rückwand werden, je nach Tageszeit, verschiedene Lichtstimmungen und das Feuerwerk projiziert. In den Party- und Tanzszenen das farbenfrohe Beleuchtungs-Konzept von Hans-Joachim Köster geschickt zum Einsatz.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Sascha Wienhausens Inszenierung ist schnörkellos und temporeich. Er verbindet die Solisten, den Chor und das Ballett des Hauses sehr harmonisch miteinander und lässt die Herren auch mal auf Hoverboards tanzen. Sean Stephans zackige und schwungvolle Choreografien fügen das Ballett gekonnt in die Tänze ein, die mit den zahlreichen Akteuren zum Hingucker werden. Die musikalische Umsetzung des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Steffen Müller-Gabriel ist kraftvoll und dynamisch. Die Salsa- und Rap-Rhythmen gehen ins Ohr und erzeugen gute Laune.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Der lateinamerikanische Flair des Stückes wird sehr gut herübergebracht und die positive Energie dieses modernen Stückes erfolgreich auf die Zuschauer übertragen. Dem Theater Hagen gelingt mit seinem Team ein sehr erfreuliches und anschauliches Spiel in den Heights der pulsierenden New Yorker Großstadt. Das Experiment, ein wenig lateinamerikanische Rhythmen mit dem Spiel der Emotionen an ein Stadttheater zu holen, ist gelungen. Die Zuschauer gehen beschwingt nach Hause.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre



Musik und Liedtexte - Lin-Manuel Miranda
Buch - Quiara Alegría Hudes
Deutsche Übersetzung - Laura Friedrich Tejero

(Text: Hardy Heise)






Kreativteam

Musikalische LeitungSteffen Müller-Gabriel
InszenierungSascha Wienhausen
ChoreographieSean Stephens
Bühne und KostümeUlrike Reinhard
LichtHans-Joachim Köster
DramaturgieCorinna Jarosch


Besetzung

UsnaviFelix Freund
Nina RosariaKara Kemeny
Kevin RosarioJonathan Agar
Camila RosariaCarolina Walker
BennyDavid B. Whitley
VanessaCelena Pieper
SonnyAniello Saggiomo
Abuela ClaudiaMarilyn Bennett
DanielaAnnina Hempel
CarlaMarlene Jubelius
Graffiti PeteLennart Christian
PiragüeroJohan de Bruin
ChrisSandro Brosi
ArlinDiana Guss
LewisTobias Biermann
JeremyTorben Rose




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Eine Reise, die sich lohnt....

18.09.2017 - Ich gebe zu, ich habe mich mit dem Stück zuvor wenig bis gar nicht beschäftigt. Ich wusste im Vorfeld zwar worum es geht und ich habe auch mal in die Aufnahme vom Broadway reingehört, ein Vergleich zur Produktion in London fehlt mir daher.

Vielleicht war es gerade daher ein überraschend gelungener Abend, ich mag weder Hip-Hop oder Rap noch Latin-Musik, aber das Stück fesselt einen recht schnell. Großen Anteil daran hatte neben der Komposition vor allem die Darsteller und eine absolut überzeugende Regiearbeit. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule ist in dem Fall eine absolute Win/Win-Situation, die jungen Darsteller bekommen Bühnenerfahrung in einer hochwertigen Produktion und ein Theater wäre ohne solch eine Kooperation wahrscheinlich nicht in der Lage, die Rollen entsprechend zu besetzen.

Für mich eine absolut sehenswerte Produktion, zumal es ja ein eher selten aufgeführtes Stück ist (meines Wissens nach sogar die Deutschlandpremiere im professionellen Bereich) und vielleicht in Ansätzen auch schon die \"Faszination Hamilton\" erahnen lässt.

Besuchte Vorstellung:
16.09.17 - Theater, Hagen

Inszenierung: 4,0 von 5
Musik: 4,0 von 5
Besetzung: 4,0 von 5
Ausstattung: 4,0 von 5

Gesamtfazit: 4,0 von 5

MyMusical (15 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


Starke Frauen und ein Totalausfall

17.09.2017 - Ganze drei Mal durfte ich die wunderbare Produktion im West End erleben und ich finde noch immer, dass sie nach ihrem Absetzen eine große Lücke in die Londoner Theaterlandschaft gerissen hat. Es gibt wohl kaum eine andere Show, die soviel Positivismus, Gemeinschaftsgefühl und Lebensfreude ausstrahlt. Man verlässt das Theater tatsächlich voller Hoffnung und dem Gefühl, dass für die Menschheit am Ende alles gut wird.
Kann die Hagener Produktion den Zuschauer auch mit diesem Gefühl entlassen?
Die Antwort lautet leider: nicht ganz.
Woran liegt das? Sicher nicht an der fabelhaft aufspielenden Band, die mit viel Kraft, Schwung und Lust die Salsarhythmen und ohrwurmträchtigen Melodien von Lin-Manuel Miranda famos interpretiert. Bravo!
Auch nicht an den herausragenden HauptdarstellerinINNEN, die sich tatsächlich (vor allem stimmlich) hinter keiner ihrer West End-Vorgängerinnen verstecken müssen:
Kara Kemeny singt die Schulabbrecherin Nina mit voluminöser Beltstimme und abgefahrenen Pop-Riffs und meistert diese sehr schwierige Partie mühelos. Glaubhaft stellt sie die Zerrissenheit des Mädchens dar und rührt mit ihrem Gedenksong für Abuela Claudia zu Tränen.
Diese junge Darstellerin hat eine große Karriere vor sich!
Auch Celena Pieper ist als Männerschwarm Vanessa stimmlich hervorragend aufgelegt, schauspielerisch dürfte sie ihrer Rolle noch mehr Ecken und Kanten verleihen.
Annina Hempel als Friseurin Daniela weiß ihre Pointen zu setzen, könnte aber noch ein wenig mehr der Coolness der Rolle vertrauen. Auch sie ist stimmlich eine Wucht!
Marilyn Bennet ist fast etwas zu agil für eine Oma.
Dennoch überzeugt sie in der Rolle der Ersatzmutter des ganzen Viertels, auch sie ist gesanglich tadellos.
Carolina Walker ist als Mutter Rosario eigentlich viel zu jung besetzt, doch gerade sie liefert mit dem Song \"Enough\" die beste Schauspielleistung des Abends ab.
Nun zum Schwachpunkt der Inszenierung: Die Männer.
Es ist mir klar, dass sich am Premierenabend viel Aufregung mit überbordender Energie mischt und viele Dinge sich verlieren werden, wenn sich das Stück eingespielt hat.
Es gibt aber auch Dinge, die laufen so falsch, dass sie Stückzersetzend sind.
So hier leider die Besetzung des Benny:
Es ist mir vollkommen schleierhaft, warum es deutsche Theater bis heute nicht schaffen, junge farbige Männer zu besetzen, die dem Rollenalter entsprechen und auch der deutschen Sprache mächtig sind, denn ES GIBT SIE DA DRAUßEN !
Hier also wird eine männliche Hauptrolle 30 (!) Jahre zu alt besetzt, mit einem Darsteller, der radebrechendes Fantasiedeutsch spricht, alle gerappten Hip-Hop-Einlagen gnadenlos versemmelt und auch körperlich wie ein Fremdkörper im sonst homogenen Ensemble wirkt.
Wenn er also zu seinem Gegenüber auf der Bühne den Satz \"ick sprecke ja kein Spanisch\" sagt, dann geht einem gezwungenermaßen durch den Kopf:
\"Und halt leider auch kein Deutsch.\"
Da mag er noch so gut singen (und das tut er zweifellos), aber in der Rolle ist er ein Totalausfall.
Der Vorwurf geht hier an die Verantwortlichen des Theaters, nicht an den Darsteller.
Auch die eigentlich bezaubernde Rolle des \"Piragua\" (Wassereis) Verkäufers wurde (von der Regie?) verschenkt: Gedacht als ein Running Gag und eine Parabel darauf, das der kleine Mann auch einmal Glück haben darf im Leben, wird hier ein schief singendes, outrierendes Chormitglied mit zwei halbnackten Tänzerinnen nach vorne geschoben. Leider ein großer Fremdschäm-Moment.
In der Hauptrolle des Usnavi meistert Felix Freund die sehr schwierigen Rap-Einlagen ganz virtuos. Er ist dabei ein etwas allzu cooler, wenig involvierter Protagonist, der sicher im Laufe der Spielzeit die charmante Seite seiner Rolle noch entdecken wird.
Usnavis Cousin Sonny wird hier leider - man kann es nicht anderes sagen- mehr schwul als cool interpretiert.
Den ganzen Abend fragte ich mich, ob das eine Regieentscheidung sein soll.
Jonathan Agar liefert einen rundherum überzeugenden Vater Rosario ab. Sein Solo \"Inutil\" bewegt und gibt seinem Charakter tiefe und Glaubwürdigkeit.
Alles in allem ist die Show solide inszeniert.
Wo im Opening der steife Opernchor sowohl optisch als auch akustisch das Gesamtbild noch etwas stört (ein Blick zum Dirigenten könnte ab und an Wunder wirken), wird er in weiteren Szenen gekonnt nach hinten verfrachtet und sowohl vom Tanz-, als auch vom Musicalensemble verdeckt.
Einige Regieideen sind wirklich nett (Tänzer auf Hoverboards in Vanessas Solo), viele sehr nah an der Londoner bzw. Originalproduktion.
Schön auch, dass vor den Orchestergraben noch ein Laufsteg gebaut wurde, so dass die Darsteller noch mehr Nähe zum Publikum herstellen können.
Die Tonabmischung fand ich, trotz einiger schwebender Rückkopplungen, für ein Stadttheater am Premierenabend erstaunlich gelungen!
Die deutsche Übersetzung ist erfreulich stimmig, auch wenn natürlich aufgrund der vielen virtuosen Rap-Lyrics des Originals ein paar Feinheiten verloren gehen.
Ich freue mich, dass dieses Stück endlich Einzug in die deutsche Theaterlandschaft gefunden hat und darum wünsche ich mir, dass es immer ausverkauft ist und viele Nachmacher findet. Der tolle Score von Miranda und die zeitlose Botschaft haben es in jedem Fall verdient!
Und vielleicht wird in der nächsten Inszenierung alles (noch) ein bisschen stimmiger.

AdamPascal (27 Bewertungen, ∅ 4.2 Sterne)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Theater
Elberfelder Str. 65
D-58095 Hagen
02331/2073218
Homepage
 Karten
Karten können über den jeweiligen Veranstaltungs­ort bezogen werden (siehe Liste rechts)

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
Share |
 Kurzbewertung [ i ]
(hh)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gelungene Stadttheater-Erstaufführung des Einwanderer-Dramas von Lin Manuel Miranda mit lateinamerikanischem Flair. Getragen wird das Stück zum großen Teil von einem talentierten Ensemble aus Musical-Studenten und jungen Absolventen.

20.09.2017

 Termine
Sa25.11.19:30 Uhr
Theater (Hagen)
Sa09.12.19:30 Uhr
Theater (Hagen)
Fr29.12.19:30 Uhr
Theater (Hagen)
Termine 2018
Sa20.01.1819:30 Uhr
Theater (Hagen)
So25.02.1819:30 Uhr
Konzert Theater (Coesfeld)
Mi14.03.1819:30 Uhr
Theater (Hagen)


© musicalzentrale 2017. Alle Angaben ohne Gewähr.

   THEATER HOF: RASPUTIN

   ENGLISH THEATRE FRANKFURT

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   

AMAZON.DE


[Musical-CDs, -DVDs und Noten bei Amazon finden]


   HOTEL.DE

THEATER-TIPPS


Sitzen, Parken, Gastro: Unsere Leser geben Tipps für den Theaterbesuch.
Freilichtspiele Tecklenburg, Neue Flora Hamburg, Operettenhaus Hamburg, Raimund Theater Wien, SI-Centrum Stuttgart.
Partnerseite: Musical-World