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Drama

Sunset Boulevard

Nur ein Blick!


© Marlies Kross
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Klaus Seiffert inszeniert die Tragödie um den ehemals gefeierten und in Vergessenheit geratenen Stummfilm-Star als unspektakuläres Rumsteh-Theater. Isabel Dörfler triumphiert als Norma Desmond; Hardy Brachmann (Joe Gillis) und Heiko Walter (Max von Meyerling) retten den Musical-Ruf des Haus-Ensembles.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:14.10.2017
Rezensierte Vorstellung:14.10.2017


Nach vielen Jahren ist sie endlich zurück im Filmstudio! Irritiert und verängstigt schaut die Diva auf einen länglichen, an einer Stange befestigten Metallgegenstand, der über ihrem Kopf auf das Set gerichtet wird. Zu Norma Desmonds Glanzzeiten waren Mikrofone überflüssig. Alles, was sie zu sagen hatte, sagte sie mir ihrem Gesicht. Doch diese Ära ist ebenso verblasst wie ihr Ruhm, auch wenn sie es nicht wahrhaben will.


© Marlies Kross
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Sobald Isabel Dörfler nach zwanzig Minuten Spieldauer zum ersten Mal auf der Bühne erscheint, fesselt sie bis ins tragische Finale mit ihrer Desmond-Darstellung als engstirnige Wahnsinnige, die in der Vergangenheit der übergroßen Posen und gigantischen Gesten steckengeblieben ist. Grandios, wie sie stolz die Treppe in Normas musealen Anwesen hinauf- und hinabschwebt, um dann im Finale vor der versammelten Journaille in ihrer vermeintlich letzten Rolle als Salomé die Stufen hinunterzutaumeln. Als gealterte Stummfilm-Ikone beherrscht die Darstellerin den sehnsuchtsvollen Kulleraugen-Aufschlag ebenso wie den entsetzten Gesichtsausdruck. Auch musikalisch bleibt Dörfler ihrer Rolle nichts schuldig und kostet mit gurrendem Alt und strahlender Höhe ihre Solo-Hits "Nur ein Blick", "Träume aus Licht" und "Als hätten wir nie Goodbye gesagt" aus. Ein rundum gelungenes Rollen-Debüt!


© Marlies Kross
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Neben einer so hervorragenden, gastverpflichteten Musical-Spezialistin haben die Mitglieder des hauseigenen Musiktheater-Ensembles einen schwereren Stand. Die meisten Solisten tun brav genau das, wofür sie ausgebildet wurden und singen ihre Rollen so stimmstark, als stammen die Noten aus der Feder von Wagner, Puccini oder Strauss. Gleichzeitig wirken Sprechszenen hölzern und wie auswendig aufgesagt. Beispielhaft seien hier die Vertreter der größeren Nebenrollen Ulrich Schneider (Regisseur DeMille), Christian Henneberg (Artie Green) und Debra Stanley (Betty Schaefer) genannt. Dies gilt aber auch für die vielen kleinen Partien und die Damen und Herren des Chores. Das wuchtig aufspielende Philharmonische Orchester unter Leitung von Alexander Merzyn, das in dramatischen Passagen den Gesang übertönt, rückt "Sunset Boulevard" in der 2016er 'Symphonic Version' noch weiter in Richtung Oper.


© Marlies Kross
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Allerdings hat das Staatstheater Cottbus noch zwei hauseigene Asse im Ärmel: Auch wenn Heiko Walter als Normas Entdecker, Regisseur und Ehemann Nummer 1 optisch etwas zu jung geraten ist, glänzt er in der Darstellung als treuer Dienstbote Max von Mayerling. Er schleicht wie ein guter Geist über die Bühne und punktet solistisch in "Kein Star wird jemals größer sein" mit satten Tiefen und einer eindrucksvollen Kopfstimme. Ihm gesanglich ebenbürtig ist Hardy Brachmann als reifer Joe Gillis, der sich insbesondere im anspruchsvollen Titelsong – egal ob in hohen oder tiefen Lagen – hörbar wohlfühlt. Auch in den Duetten "Ein gutes Jahr" oder "Viel zu sehr" harmoniert sein Tenor stimmlich sehr gut mit seinen Partnerinnen. Allerdings wirkt Brachmann in der besuchten Premiere darstellerisch sehr konzentriert und man merkt beim Schlussapplaus die Anspannung, die von ihm abfällt.


© Marlies Kross
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Werkgetreu und solide. Unter dieses Motto stellt Klaus Seiffert seine Inszenierung, die mit ihrem dominanten Frontalgesang ins Publikum recht hausbacken wirkt. Im eigentlich dramatischen zweiten Akt macht sich zudem eine bleierne Langeweile breit und die Regiearbeit verkommt zum vorhersehbaren, braven Spiel vom Blatt und ist alles andere als ein tragischer Thriller. Seiffert gelingt es zudem nicht, Showstopper-Nummern wie "Die Rechnung zahlt die Dame" eine gehörige Portion Pep einzuhauchen. Er zeigt eine Herrenausstatter-Crew aus etwas unbeholfen und steif zum Takt der Musik über die Bühne stapfenden Sängern, um die drei Balletttänzer als Azubis lustlos-asynchron herumhüpfen. Seine Erwähnung als Choreograf auf dem Programmzettel rechtfertigt Mario Mariano mit der kurzen Traumsequenz, in der Tanzdoubles von Norma und Betty in modernem Bewegungs-Repertoire um die Gunst von Joe ringen.


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Aus Barbara Krotts unspektakulärem Kostümbild stechen die vielen geschmackvollen, mit viel Liebe zum Detail entworfenen Roben und Gewänder für Norma Desmond angenehm hervor. Krotts Bühnenbild – zwei auf die Drehbühne gestellte Treppenkonstruktionen – ist vor allem funktional und ermöglicht schnelle Szenen-Wechsel. Zeigt die eine Seite Normas düsteren Salon mit drei überdimensionalen Frauen-Gemälden, Orgelprospekt, Sofa und zwei schicken Lampen im Art-Déco-Stil, so erscheint nach dem 180-Grad-Schwenk ein identisch großer Raum in Wellblech-Optik. Er ist zwar für die Handlungsstränge auf dem Filmstudio-Gelände stimmig, wirkt für eine ausgelassene Silvesterparty, Normas Garten oder die Künstlerkneipe allerdings zu nüchtern.


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Auch wenn die Rotation auf Dauer etwas ermüdet, offenbart das Parken des Bühnenbild-Aufbaus in einer schrägen Position bei Normas Wagen die Gemeinsamkeit zwischen Traumfabrik und Theater: Hinter der schmucken Oldtimer-Front nehmen die Darsteller auf einem schlichten, schmucklosen Rollbrett Platz, um in dieser Kulisse die Illusion einer Autofahrt auf Hollywoods Sunset Boulevard zu simulieren. Auf Cottbus' Bühne ist der Boulevard zwar holprig, doch dank guter Darsteller in den Hauptpartien kann man so manches Schlagloch verzeihen.

(Text: kw)






Kreativteam

InszenierungKlaus Seiffert
AusstattungBarbara Krott
Musikalische LeitungAlexander Merzyn
ChoreografieMario Mariano


Besetzung

Norma DesmondIsabel Dörfler
Joe GillisHardy Brachmann
Betty SchaeferDebra Stanley
Max von MayerlingHeiko Walter
Cecil B. de MilleUlrich Schneider
Artie GreenChristian Henneberg
Myron/ManfredDirk Kleinke
Mary
Psychologin
Liudmila Lokaichuk
Joanna
Astrologin
Carola Fischer
Schuldeneintreiber
Verkäufer
Ingo Witzke
Schuldeneintreiber
Verkäufer
Steve
Hog-Eye
Nils Stäfe
Morino
Verkäufer/Jones
Matthias Bleidorn
Sheldrake
Verkäufer
Jens Klaus Wilde
Ärztin
Reporterin
Gesine Forberger
Katherine
Glenn/Masseuse
Sandra Bösel
Anita
Masseuse
Katharina Dittmar
Girl
Danielle
Alisa
Heather
Kosmetikerin
Meike Funken
KosmetikerinBeate Dittmann-Apel
 

Diverse Rollen Damen und Herren des Opernchores und des Ballettensembles

 

Es spielt das Philharmonische Orchester





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Man bedenke bitte die Relationen...

15.10.2017 - Ich war ebenfalls in der zur Kurz-Renzension besuchten Premiere. Tut mir leid, keinesfalls war das Orchester aus unserer Sicht zu laut, eher im Gegenteil, in mancher Situation hätte es noch stärker die Szenen unterstreichen dürfen. Ja, Joe Gillis ist in seiner Rolle zu alt, ok, auch das kann man verschmerzen.

Langweilig und die Stimmen werden bemängelt...naja, jeder darf seine Meinung haben und man sollte sich nicht abschrecken lassen. Bei einem Kartenpreis von 35€ für die beste PK und dem Wissen in einem Stadttheater zu sein, welches neben dem Star Norma bzw Isabel gute Leute besetzt hatte, hat man aus meiner Sicht schon oft ganz anderes gesehen. Mich haben neben Isabel Dörfler als Norma speziell Heiko Walter als Max und auch Hardy Brachmann als Joe stimmlich und darstellerisch überzeugt. Wir hatten einen tollen Abend. Das überwiegende Publikum schien das, dem Applaus entsprechend, ebenfalls so zu sehen. Bei den Preisen einer Produktion der Stage, hätte nicht mal einer von uns vieren, die das Stück verfolgen durften, einen Platz in der PK 1 bekommen. Also immer mal ganz ruhig bleiben...

andycibis (25 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


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Bei der Tony Award Verleihung 2005 wurde das Stück mit sieben Trophäen ausgezeichnet - darunter für das beste Musical, die beste Musik und das beste Buch.

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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

„Sunset Boulevard“ - die Oper: Zu lautes Orchester, zu viele viel zu große Klassik-Stimmen und eine konventionell-langweilige Inszenierung (Klaus Seiffert). Ein Lichtblick: Isabel Dörfler als grandiose Norma Desmond. Bravo!

14.10.2017

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