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Tanzmusical

Footloose

Holding Out For A Hero


© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel
Nach dem Unfalltod seines Sohnes bringt der Pfarrer einer US-amerikanischen Kleinstadt den Stadtrat dazu, ein Tanzverbot zu verhängen. Als der junge Ren McCormack mit seiner Mutter nach Bomont zieht, mischt er das Leben dort auf, kann das Verbot kippen und erobert das Pfarrers Tochter. Klischeehafte Charaktere, uneinheitliche Songs, holprige Dramaturgie – in Darmstadt wird trotzdem eine einigermaßen runde Aufführung daraus.

(Text: ig)

Premiere:30.09.2017
Rezensierte Vorstellung:03.10.2017


Der Film "Footloose" steht im Schatten anderer 80er-Jahre-Tanzfilme. "Flashdance" war seinerzeit stilprägender und "Dirty Dancing" hat auch heute noch eine größere Anhängerschar. Neben drei großen Chart-Hits ("Footloose", "Let’s Hear It for the Boys" und "Holding Out for a Hero") enthält der Soundtrack viel belangloses Fülsel. In der Bühnenversion sind diese Songs mal mehr, mal weniger elegant in die Handlung eingebettet. Zusätzlich gibt es neue Lieder, die das Innenleben der Figuren beleuchten, aber keines davon bleibt im Gedächtnis. Es sind klassische Musical-Nummern mit einem Hauch Sondheim, die sich stilistisch sehr von den Filmsongs unterscheiden und wie Fremdkörper wirken.
Die Songtexte sind im Original belassen. Leider wurde auf eine Übertitelung verzichtet. Auch wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, versteht dank schlechter Akustik so gut wie nichts. Zwar bessert sich der Ton im Lauf des Abends, aber wirklich gut wird er nie.

© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel


Die Dramaturgie des Stücks knirscht gewaltig. Ariel, die Tochter des Pfarrers, hat einen gewalttätigen Freund und ihr Vater, der die ganze Stadt kontrolliert, unternimmt nichts. Im Song "Somebody's Eyes" ist von Stasi-artiger Bespitzelung in Bomont die Rede, die danach nicht mehr thematisiert wird. Und warum muss erst ein Neuer in die Stadt kommen, damit die Landei-Jugend mal auf die Idee kommt, zum Tanzen einfach in die Nachbarstadt zu fahren?

Regisseur Erik Petersen ignoriert das. Er hält das Tempo hoch, doch bei der Personenführung hapert es. Wenn viele Charaktere auf der Bühne sind, agieren die Darsteller, auf denen gerade nicht der Fokus liegt, mit pantomimisch überdeutlichen Gesten und übertriebener Mimik. Das ist nicht nur ein Bruch zum ansonsten glaubhaften Spiel der Akteure, sondern lenkt auch vom Hauptgeschehen ab. Dafür gelingt ihm die Einbindung des flexiblen Bühnenbilds von Dirk Hofacker in die Aktion sehr gut. Es besteht aus drehbaren Hausfassaden, die sich durch Projektionen immer wieder in völlig andere Orte verwandeln lassen. So laufen die Szenenwechsel schnell und reibungslos ab. Bei den Fassaden-Drehungen ergeben sich reizvolle Blicke in Häuserschluchten, die auch manchmal bespielt werden. Doch nicht an allen Stellen ist das Bühnenbild so gut durchdacht: Dass in der Kirche der Stadtrat tagt und der Schulball zum Finale dort stattfindet, mag man hinnehmen, aber dass sie auch als Turnhalle genutzt wird, ist äußerst unglaubwürdig.
Der Gefahr einer Retro-Ausstattungs-Revue entgeht Petersen, indem er die Handlung aus den 80er Jahren der Filmvorlage in die Jetztzeit verlegt. Verena Polkowski hat praktisch-dezente Alltags-Kostüme entworfen. In der Szene in der Country Dance Hall darf dann jedes Cowboy-Klischee bedient werden.
Für den nötigen Pep sorgen die Choreographien von Sabine Arnold, die die Energie der ausgezeichneten Band (Leitung: Michael Nündel) aufnehmen.

© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel


Das Ensemble schafft es, ihren Holzschnitt-Charaktere Leben einzuhauchen. Besonders Sybille Lambrich als Ariel und Lucas Baier als Ren nehmen durch Natürlichkeit und harmonisches Zusammenspiel für sich ein.
Lambrichs Ariel ist einerseits selbstbewusst, andererseits ist sie mit dem Unsympath Chuck (gnadenlos unausstehlich: Jan Rekeszus) zusammen und buhlt hilflos um die Zuneigung ihres Vaters. Sie hat mit "Holding Out for a Hero" den Kracher des Abends zu singen. Sie beginnt erst still und verträumt, um dann ordentlich aufzudrehen.

© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel


Lucas Baier legt Ren sehr brav an. Er ist kein wilder, aufmüpfiger Teenager, eher der Junge von nebenan, dem Mütter ohne Bedenken ihre Töchter anvertrauen. Er muss schlussendlich auch nicht mehr auf große Konfrontation mit Reverend Moore gehen, um ihn zu überzeugen, das Tanzverbot fallenzulassen. Stimmlich und tänzerisch passt er sehr gut in die Rolle, auch wenn seine akrobatischen Tanzeinlagen noch etwas gehemmt wirken.
Reverend Shaw Moore ist mit Michael Pegher aus dem Opernensemble besetzt. Sein klassischer Tenor unterscheidet ihn passend von den Stimmen der Jugendlichen. Auf den ersten Blick ist er ein etwas unscheinbarer Beamtentyp. Er zieht seine Strippen eher im Verborgenen. Von Anfang an wird deutlich, dass ihn mehr bewegt als er sagen kann. Die Trauer um den Tod seines Sohnes konnte er bislang mit niemandem teilen. Auch nicht mit seiner Frau Vi, der Jessica Kessler starke Präsenz verleiht. Sie berührt durch die Darstellung einer Frau, die nicht mehr an ihren Mann herankommt, und mit ihrem gefühlvollen Gesang.

© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel


Lustige Sidekicks dürfen natürlich nicht fehlen. Beatrice Reece geht souverän über einige peinlich schlechte Pointen ihres Textes hinweg und spielt die etwas naive Rusty mit großer Herzlichkeit. Bei "Let’s Hear It for the Boys" kann sie auch gesanglich glänzen.
Ihr Gegenpart Willard wird von Benjamin Sommerfeld übertrieben exaltiert gespielt. Dennoch: Sommerfeld verwandelt jeden noch so flauen Gag in einen Lacher und legt mit "Mama Says" eine altmodische, schön inszenierte Shownummer hin.

© Wolfgang Runkel
© Wolfgang Runkel


"Footloose" erzählt von Jugendlichen, die sich ihre Freiheit – hier in Form des Tanzens – erkämpfen müssen. Doch das tut man zahm und brav, ohne wildes Aufbegehren. So bleibt am Ende ein Theaterabend, der drei Stunden lang unterhält, aber danach relativ schnell aus dem Gedächtnis verschwinden wird.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Michael Nündel
Regie Erik Petersen
Choreografie Sabine Arthold
Bühne Dirk Hofacker
Kostüme Verena Polkowski
Dramaturgie Catharina von Bülow


Besetzung

Ren McCormackLucas Baier,
(Fin Holzwart)

Reverend Shaw MooreMichael Pegher
Vivian Moore
Cowgirl Jessi
Jessica Kessler
Ariel MooreSybille Lambrich
Ethel McCormackIngrid Katzengruber
Willard HewittBenjamin Sommerfeld
Chuck Cranston
Cowboy Bob
Jan Rekeszus
RustyBeatrice Reece,
(Veronika Hammer)

Wendy JoKaren Müller
UrleenVeronika Hammer
TravisChristian Louis-James
LyleMartin Enenkel
JeterFin Holzwart
GarvinTobias Brönner
Lulu WarnickerLena Lafrenz
EnsembleLabinot Butch Ademi
Alicia Celina Alvarez Giraldez
Sophia Sarbu
Téa Wittmann
High School PeopleStatisterie des Staatstheaters Darmstadt



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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Solide inszeniert, punktet die Produktion mit einem guten, spielfreudigen Ensemble, kann aber die Schwächen der Vorlage nicht ausgleichen.

05.10.2017

 Termine
Fr27.10.19:30 Uhr
Mi01.11.19:30 Uhr
So05.11.16:00 Uhr
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Do23.11.19:30 Uhr
Sa02.12.19:30 Uhr
So10.12.18:00 Uhr
Di19.12.19:30 Uhr
Sa30.12.19:30 Uhr
Termine 2018
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Fr09.03.1819:30 Uhr
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