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Film-Adaption

Bodyguard - Das Musical

All The Man That I Need


© Stage Entertainment (Jan Potente)
© Stage Entertainment (Jan Potente)
Jukebox-Musicals sind fester Bestandteil des Genres und sorgen für Zuschauer, die summend das Theater verlassen und dabei in Gedanken bei ihren Idolen oder in ihren Lieblingsfilmen schwelgen. Das erreicht auch die neue "Bodyguard"-Inszenierung in Stuttgart, die von der BB Group und der Stage als Koproduktion auf die Bühne gebracht wird. Dass dabei die Emotionen ein wenig auf der Strecke bleiben und dem Zweck der groß inszenierten Show weichen, liegt größtenteils am Stück selbst. Wer aber ein "Pop-Konzert mit Schauspiel" erleben möchte und die Songs von Whitney Houston mag, wird gut unterhalten.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:28.09.2017
Rezensierte Vorstellung:27.09.2017


Am Ende der Show ertönen aus dem Off die ersten leisen Töne des Klassikers "I Will Always Love You", während Frank Farmer, der namensgebende Bodyguard, auf der leeren Bühne steht und dann die Tür zur Hinterbühne hinter sich schließt. Sekunden später schwebt Aisata Blackman alias Rachel Marron über den Köpfen der Zuschauer und begeistert mit wunderschöner Stimme in schwarzem Kleid, umrahmt von Licht und Nebel. So endet der unterhaltsame, aber letztlich doch recht unemotionale Abend im Film-Musical "Bodyguard".

© Stage Entertainment (Jan Potente)
© Stage Entertainment (Jan Potente)

Die Show ist die gleiche wie schon in Köln und - in der zweiten Spielserie - London. Erzählt wird die aus dem gleichnamigen Film bekannte Geschichte der Sängerin Rachel Marron, deren Bodyguard Frank Farmer sie vor einem Stalker beschützen soll und sich in die anfangs abweisende Diva verliebt.

Die Inszenierung arbeitet auf zwei Ebenen: Einerseits zeigt sie Rachel Marrons Leben auf der Bühne, andererseits wird ihr privates Leben dargestellt. Immer wenn die riesigen Stelen auf der Bühne auseinander fahren, die Musik und die Bässe ohrenbetäubend laut aufgedreht werden und Blackman kraftvoll die Houston-Songs singt, funktioniert die Show prächtig. Die Sängerin steigert sich von Song zu Song und begeistert mit starker Stimme besonders beim bereits erwähnten Finalsong. Diese Szenen sind wie ein Konzert inszeniert - mit eindrucksvoller Beleuchtung, Nebel und Spezialeffekten. Umrahmt wird das Ganze von einem talentierten Tanzensemble, das die kraftvollen Choreografien präzise und schwungvoll auf die Bühne bringt. Diese Atmosphäre überträgt sich auf das Publikum - in diesen Momenten wähnt man sich tatsächlich in einem Konzertsaal.

© Stage Entertainment (Jan Potente)
© Stage Entertainment (Jan Potente)

Wenn jedoch die private Geschichte der Sängerin erzählt wird, geschieht das mit angezogener Handbremse und teilweise wenig glaubwürdig. Vielleicht müssen sich die beiden Hauptdarsteller noch warm spielen, aber der Funke ihrer Liebe springt nicht wirklich über. Dies liegt zum einen am schwachen Buch von Alexander Dinelaris, das in der deutschen Übersetzung mit relativ banalen Sprüchen daherkommt, zum anderen jedoch auch an den wie auswendig aufgesagten Texten von Darstellerin Aisata Blackman und einiger Nebendarsteller. Die Szene, in der Rachel ihren Bodyguard zum Date auffordert, wirkt aus diesem Grund beispielsweise so gefühlsleer, dass die witzig und spontan gemeinten Wortwechsel verpuffen und die Szene seltsam steril verbleibt. Die Figuren und deren Interaktion berühren - zumindest in einigen Nummern - nicht.

Jadran Malkovich überzeugt in dieser Hinsicht schon eher. Sein Frank Farmer findet eine gute Balance zwischen hartem Beschützertyp und witzigem Softie, wenn er beispielsweise in der Karaoke-Bar für seine Angebetete singt oder mit Marrons Sohn Fletcher spielt und herumalbert. Er liefert eine gute Charakterstudie ab, der man anmerkt, dass er eigentlich aus dem (TV)-Schauspielfach kommt.

Unbedingt erwähnenswert ist noch Zodwa Selele als Rachels Schwester Nicki. Selele begeistert mit sanfter, lupenreiner Soulstimme und überzeugt mit Songs wie "Saving All My Love" oder im Duett mit Blackman in "Run To You", bei dem sie die Hauptdarstellerin gesanglich aussticht.

© Stage Entertainment (Jan Potente)
© Stage Entertainment (Jan Potente)

Wenn auch nur als Nebenrolle ohne Gesangsparts angelegt, überzeugt auch Marc Früh als Stalker, der es augenscheinlich genießt, richtig böse und unsympathisch sein zu dürfen. Hier liegt ein Pluspunkt der Inszenierung. Der Stalker wird spannend in Szene gesetzt, taucht zwischendurch immer wieder auf, wird in Videoprojektionen eingeblendet und darf durch das Publikum streifen.

Die Songs von Houston sind allesamt moderne Klassiker. Sie werden von der unter der Bühne positionierten 9-köpfigen Band um Sounddesigner Chris Egan voluminös auf die Lautsprecher übertragen. Konzertatmosphäre garantiert.

© Stage Entertainment (Jan Potente)
© Stage Entertainment (Jan Potente)

"Bodyguard" in Stuttgart ist eine lohnenswerte Show für all diejenigen, die sich gerne an den gleichnamigen Film bzw. die Songs von Whitney Houston erinnern. Doch wirklich Fahrt nimmt das Stück nur in den Konzertszenen auf - die eigentliche Story berührt nicht. Auch schauspielerisch steht die Produktion noch auf recht wackligen Füßen. Der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch.

(Text: Jens Alsbach)






Besetzung

(soweit bisher bekannt)

Rachel MarronAisata Blackman
Jessica Mears,
(Sidonie Smith)

Frank FarmerJadran Malkovich,
(Alexander Di Capri)
(Marc Früh)

Nicki MarronZodwa Selele,
(Jessica Mears)
(Sidonie Smith)
(Chiara Fuhrmann)

StalkerMarc Früh
Bill DevaneyGabriel Marian Skowerski
TonyIvan Jurcevic
Sy SpectorMarkus Maria Düllmann
Ray CourtAlexander Di Capri
EnsembleChiara Fuhrmann
Paola Fareri
Justine Caspar
Kerry Crozier
Jessica Scorpio
Senay Taormina
Abby Rose Bryant
Charlotte Scally
Marina Maniglio
Julia-Denise Hyanhgo
Ulrich Talle
Thomas Hessdörfer
Benjamin Rollmann
Daniil Shmidt
Thorian Jackson de Decker
Reece Darlington-Delaire
Ryhs Richard
Bradley Applewhaite
Misha Tovt
Ben Radford
Jamie Cox



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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Tolle Songs, gute Stimmen. Leider geht das Gefühl ein wenig verloren. Das "Pop-Konzert"-Musical ist dennoch sehenswert.

30.09.2017

 Termine
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