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Drama

Attentäter (Assassins)

Everybody's Got The Right


© Reinhard Winkler
© Reinhard Winkler
In Stephen Sondheims selten gespieltem Stück kommen die Täter zu Wort, die – mal mehr mal weniger erfolgreich – Attentate auf US-Präsidenten verübt haben. Lässt sich mit einem Finger am Abzug die Welt verändern? Oder nimmt ein Attentäter nur sein verfassungsgemäßes Recht wahr, mit der Waffe in der Hand nach Glück zu streben? So kontrovers wie sein Inhalt ist auch die Linzer Aufführung.

(Text: ig)

Premiere:07.04.2018
Rezensierte Vorstellung:14.04.2018
Showlänge:90 Minuten (ggf. inkl. Pause)


Aus dem Rummelplatz des Original-Buchs, auf dem die Attentäter wie in einer Freakshow präsentiert werden, ist in Linz ein Nachtclub geworden (Bühne: Eva Musil), der von Donald Trump samt Frau Melania und einer Horde Trump-Doubles besucht wird. Viele Staatsmännern engagieren aus Angst vor Attentaten Doppelgänger, diese Idee ist also gar nicht so weit hergeholt.
Zwei Conférenciers à la "Cabaret“ (im Original ein Schießbudenbesitzer und ein Balladensänger) führen als Erzähler, Stichwortgeber und Meinungsmacher durch die Revue der Präsidentenattentäter, die nacheinander auf einer Bühne-auf-der-Bühne ihre Beweggründe zur Tat darlegen und um Verständnis werben dürfen. Im Bühnenhintergrund laufen dazu Animationen im Monty Python-Stil, die anfangs gut illustrieren, später überpräsent vom Bühnengeschehen ablenken.

© Reinhard Winkler
© Reinhard Winkler


Nachdem Leon Czolgosz von seinem Attentat auf Präsident McKinley berichtet, dreht sich die Bühne. Im Dunkel eines scheinbar zeitlosen schwarzen Raums verliert die Inszenierung ihren roten Faden. Wurden die vorherigen Attentate noch durch Einblendungen benannt, bekommt der Zuschauer nun keine Hilfestellung mehr, welche Tat die neu dazugekommene Person verübt hat. Dass alle Darsteller ihre grotesken schwarz-weißen Kostüme gegen weiße Bodys getauscht haben (Kostüme: Nicole von Graevenitz), macht es auch nicht leichter, sich zurechtzufinden. Erst die Lektüre des Programmhefts bringt Klarheit, dass es sich um den Nixon-Attentäter Samuel Byck und den Reagan-Attentäter John W. Hinckley jr handelt, der verwirrenderweise als Charles Manson eingeführt wird.
Zum Ende reichen die Attentäter ihre Botschaft "Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten“ inklusive Pistole an den Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald weiter – in der Linzer Inszenierung ein Kind -, der im Cabaret die Trump-Gesellschaft erschießt.

© Reinhard Winkler
© Reinhard Winkler


Aus dem sehr harmonisch agierenden und gesanglich glänzenden Ensemble stechen Rob Pelzer als furchteinflößend fanatischer Charles Guiteau, Christian Fröhlich mit parodistisch überzogener Theatralik als John Wilkes Boothe und Peter Lewys Preston als in seiner Verzweiflung sehr berührender Leon Czolgosz heraus. Stimmlich wird insgesamt Perfektion geboten. Die mehrstimmigen Passagen funktionieren ebenso tadellos wie die manchmal unvermittelten Gesangseinsätze, bei denen nichts unsicher wackelt. Der Text ist sehr gut verständlich, dafür ist der Ton für das recht kleine Theater sehr laut.

Die 13-köpfige Band "Black Beauty and Friends“ (Leitung: Borys Sitarski) sitzt hinter der Bühne und setzt die Partitur tadellos um. Sondheim hat jedem Täter primär einen eigenen Musikstil zu Grunde gelegt, aber wenn die Figur widersprüchlich agiert, ändert sich auch die Musikrichtung. Neben der für ihn typischen Melodieführung, vermischt er diverse Stile vom Choral bis zum Jazz.

Der Abend krankt an der uneinheitlichen Inszenierung von Evgeny Titov, der das Stück auf 90 pausenlose Minuten eingedampft hat. Läuft der Teil im Cabaret nicht immer geschmackssicher, aber temporeich ab, geht es nach dem Ortswechsel mit einem quälend lang ausgespielten Dialog der Gerald-Ford-Attentäterinnen weiter. Die Verbindung des Stücks mit dem aktuellen US-Präsidenten ist zwar naheliegend, aber platt. Zu den starken Momenten gehören Leon Czolgoszs Passage und, unterstützt durch die atmosphärische Ausleuchtung (Licht: Helmut Janacs), die eindrückliche Szene mit den Attentätern und dem jungen Lee Harvey Oswald.

© Reinhard Winkler
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Man kann "Assassins“ als geschmacklose Veralberung der mehrheitlich als Irre dargestellten Täterinnen und Täter sehen oder als bittere, wenn auch etwas wirre Satire auf das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Sondheim-Fans sollten sich den Abend wegen der musikalischen Qualität nicht entgehen lassen. Alle anderen werden womöglich etwas ratlos zurückbleiben.

(Text: Ingo Göllner)




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Kreativteam

Musikalische LeitungBorys Sitarski
NachdirigatTom Bitterlich
InszenierungEvgeny Titov
ChoreografieWei-Ken Liao
BühneEva Musil
KostümeNicole von Graevenitz
VideoKlaus Taschler
Studierende der HTL 1
LichtHelmut Janacs
DramaturgieArne Beeker


Besetzung

SchießbudenbesitzerChristian Manuel Oliveira
BalladensängerGernot Romic
John Wilkes BoothChristian Fröhlich
Charles GuiteauRob Pelzer
Leon CzolgoszPeter Lewys Preston
Giuseppe ZangaraRiccardo Greco
John Hinckley jr.Wenzel Brücher
Samuel ByckThomas Bammer
Squeaky FrommeRuth Fuchs
Hanna Kastner
Sara Jane MooreAriana Schirasi-Fard
Bub
Lee Harvey Oswald
Johannes Herndler
Elias Poschner
EnsembleHanna Kastner
Ruth Fuchs
Lynsey Thurgar




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Reinhard Winkler
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein hervorragendes Ensemble ackert sich durch eine Inszenierung, die einige intensive Momente findet, aber auch schrille Derbheiten und Plattitüden nicht scheut.

22.04.2018

 Termine
Sa28.04.19:30 Uhr
Schauspielhaus (Linz)
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