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SOMMER-MUSICAL-TIPP:
April Hailer gibt ihr Rollendebüt als Norma Desmond
Klassiker

Sunset Boulevard

Kein Star wird jemals größer sein.


© Theater
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Songstreichungen, neue Dialoge, geänderte Szenen, dazu ein minimalistisches Bühnenbild - bei "Sunset Boulevard" in Bad Vilbel geht man neue Wege. Dies funktioniert leider nur bedingt und hinterlässt zumindest bei Kennern des Stücks einen unausgereiften Gesamteindruck.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:14.06.2017
Rezensierte Vorstellung:03.07.2017


Die Starqualitäten und das Charisma der Hauptdarstellerin sind zweifelsohne einer der Dreh- und Angelpunkte von Andrew Lloyd Webbers Hollywood-Drama. In Bad Vilbel steht April Hailer als Stummfilm-Diva Norma Desmond auf der Bühne und weiß weitestgehend zu gefallen. Sie spielt sehr überdreht, mit viel Gestik und Armeschwenken - teilweise etwas zu viel, doch generell passt diese Art des "Übertreibens" zur Überdrehtheit der an ihrem vergangenen Ruhm zerbrechenden Norma. Ihre stimmlichen Qualitäten sind gut, man muss jedoch sagen, dass der Fokus ihrer Darstellung eher auf der schauspielerischen Seite liegt.

Ihr gegenüber steht Robert D. Marx als Normas junger Liebhaber Joe Gillis, der seinen Part rollendeckend und überzeugend verkörpert, gesanglich jedoch keine besonderen Akzente setzt.
Gleiches gilt für Andreas Matthias Pagani als Max von Mayerling. Er agiert und singt ordentlich, wirkt jedoch ungewöhnlich jung in der Rolle des erhabenen Ex-Mannes.

Janne Marie Peters als Betty Schaefer sticht aus dem Hauptdarsteller-Quartett positiv heraus. Ihre Darstellung der Betty überzeugt auf der ganzen Linie durch natürliches Schauspiel und eine wunderbare Gesangsstimme.

© Theater
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Was bis zum Ende fragwürdig bleibt, ist die Regiearbeit von Benedikt Borrmann.
Gleich zu Beginn der Show - wenn Joe beginnt, seine eigene Geschichte aufzurollen - wundert man sich, warum er nicht mit dem sonst üblichen "Es war etwa fünf Uhr früh…" den Gesangspart startet, sondern das Intro in etwas ausgedehnter Form lediglich erzählt. Der Gesang setzt dann erst bei den Paramount Studios ein.

Anfangs scheint der Regieeinfall, Lieder und Liedteile durch Sprechtexte zu ersetzen, noch eventuell zur Klarstellung der Handlung zu dienen. Doch nachdem immer wieder Gesangsparts dem Rotstift zum Opfer fallen, bleibt dann doch die Frage: Warum wurde die Show so arg "verstümmelt" (um mit Normas Worten zu sprechen)? Besonders ärgerlich fällt das beispielsweise bei Joes Ankunft in der Villa am Sunset ins Gewicht, wo die Autoverfolgungsjagd und Joes anschließender Gesang einfach komplett gestrichen wurden. Diese Vorgehensweise zieht sich durch die komplette Show und der Sinn erschließt sich nicht, denn oft sind die Kürzungen eher verwirrend als erklärend.

Aber es werden nicht nur Songs gestrichen und ersetzt, Borrmann schreibt stellenweise das Skript auch komplett um. Manfred in "Die Rechnung zahlt die Dame" wurde z. B. in ein Zwillingspaar aufgespalten, welches den Song dialogisch singt. Das fällt mal weniger schwer ins Gewicht, mal heftiger - besonders das Finale ist zweifelhaft: Norma erklärt Joe auf der Treppe der Villa in einem zusätzlich eingeführten Dialog, dass sie sich eine Waffe gekauft habe, ob er diese sehen möchte und dass sie sich bisher nicht getraut habe, sich das Leben zu nehmen. Sie kommt mit der Pistole zurück auf die Bühne, fuchtelt damit herum und erschießt Joe dann letztendlich. Damit geht leider der Schock-Effekt der Szene komplett verloren. Besonders ärgerlich, da die Show ja gerade auf diese Szene - die bereits beim Opening gezeigt wird - besonderes Gewicht legt. Rätselhaft ist auch das Ende des ersten Aktes, wenn sich Joe und Norma umarmen, dann jedoch der musikalische Abspann gestrichen und die Drehbühne bei absoluter Stille um 90 Grad gedreht wird. Ungemein lange Sekunden, bei denen das Publikum nicht weiß, wie es reagieren soll. Erst als das Licht angeht, wird klar: Der Akt ist vorbei.

© Theater
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Am Ende sei noch die Bühne erwähnt, die der Show leider nicht gut tut. Sie besteht aus einer schwarz-weißen Filmrolle, die im Mittelbereich durch eine Drehbühne ergänzt wird. Diese dreht sich eifrig und mit ständigem knallendem Geräusch, wenn die Sicherungen einrasten, bewegt dabei aber letztlich nur ein Sofa (welches die Villa darstellen soll) und ein paar Türen, durch die die Akteure unaufhaltsam hindurchlaufen. Auf den Seitenbühnen werden ein Kinosaal und die Paramount Studios angedeutet. Das hat man - ebenfalls mit einfachen Mitteln - schon wesentlich effektvoller gesehen. So gerät die Szenerie schnell zur langweiligen Routine.

Alles in allem schafft es die Inszenierung von Benedikt Borrmann nicht, dem Stück gerecht zu werden. Zu viele Änderungen am Originalskript sorgen am Ende mehr für Verwirrung, als dass sie dem Publikum zu Nutzen werden.
Vielleicht unterhält die Inszenierung diejenigen, die die Show noch nicht kennen. Für Kenner von "Sunset Boulevard" ist das Ganze nur bedingt empfehlenswert.

(Text: Jens Alsbach)




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Kreativteam

Regie Benedikt Borrmann
Musikalische Leitung Markus Höller
Choreografie Myriam Lifka
Bühnenbild Pia Oertel
Kostümbild Anja Müller


Besetzung

Norma DesmondApril Hailer
Joe GillisRobert D. Marx
Betty SchaeferJanne Marie Peters
Max von MayerlingAndrea Matthias Pagani
Celil B. De MilleKai Möller
Artie GreenStefan Reil
Sheldrake
Polizeichef
Matthias Graf
EnsembleJanice Rudelsberger
Stefanie Smailes
Thorin Kuhn
TanzensembleMarlou Düster
Janina Maria Wilhalm
Rachele Pedrocchi
Eric Vilhelmsson
Janis Masino



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


\"Großes Kino\"

09.07.2017 - Oha, da wedelt aber jemand ganz wild mit dem Fähnchen des Altbekannten!
Wir waren am 15.6. mit mehreren Erwachsenen und Jugendlichen in der Vorstellung - und waren überwältigt.
Endlich kein Abklatsch des Ewig-Gleichen mit austauschbaren Darstellern, sondern eine originelle, mutige Inszenierung, spannend, psychologisch durchdrungen.
Getragen wird sie vorallem von April Hailer.
Wie diese Figur im Laufe der Geschichte von einer lebensfernen Exzentrikerin zu einer jungen, verspielten Frau, bis zu einem zerbrochenen Menschen wird, ist großes Schauspiel. Die Schlussszene in ihrer Wahrhaftigkeit rührt einen zu Tränen.
Eben nicht \"übertreibt sie\".
Selten sieht man in Musicals eine Sänger-Darstellerin, die so intensiv, farbig, glaubhaft Emotionen ausdrücken kann.
Die sich völlig auszuliefern scheint.
Dass Ihnen zu dem wunderbaren, still würdigen Herrn Pagani nur einfällt, dass er zu jung sein könnte, ist völlig unverständlich.
Und dass die anderen Figuren, bei allem Respekt für Janne Marie Peters, die ihre Sache wirklich gut macht, eben nicht \"jung, gerade und natürlich sind\", sondern abgründiger, nicht so leicht fassbar, ist dem Stück geschuldet. Zum Glück. -
Wir waren, wie alle anderen, begeistert und ergriffen.

2A&EProduction (erste Bewertung)


Sehenswert

07.07.2017 - Dank April Hailer ein sehenswerter Abend. Gesanglich und darstellerisch überzeugend. Sie hat eine klare Vorstellung von ihrer Rolle und dem Stück, was man von der Regie nicht unbedingt behaupten kann. Die Darsteller werden weitgehend sich selbst überlassen. Die Hailer kann mit so einer Situation umgehen und macht einfach ihr Ding. Der sympathische Robert Marx tut sich da deutlich schwerer. M.E. lässt ihn die Regie weitgehend im Stich. Dagegen macht Janne Marie Peters das Beste aus der \"regiefreien\" Inszenierung und überzeugt als Betty Schaefer. Das Bühnenbild ist schlicht. Die Kostüme - abgesehen von denen der Norma - ebenfalls.
April Hailer würde ich gerne erneut als Norma Desmond erleben. Dann aber in einer Inszenierung mit einem richtigen Regisseur.

JürgenE (35 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


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Bei der Tony Award Verleihung 2005 wurde das Stück mit sieben Trophäen ausgezeichnet - darunter für das beste Musical, die beste Musik und das beste Buch.

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(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gute Darsteller in einer fragmentartigen, stark editierten und wenig überzeugenden Inszenierung.

03.07.2017

 Termine
Fr28.07.20:15 Uhr
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So30.07.18:15 Uhr
Mo31.07.20:15 Uhr
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Mo21.08.20:15 Uhr
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Mi30.08.20:15 Uhr
Do31.08.20:15 Uhr
Sa02.09.20:15 Uhr
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