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Märchenmusical

GRIMM!

Leben mit Wolf


© Björn Fischer
© Björn Fischer
Die frischgebackenen Mainzer Musicaldarsteller beenden ihr Studium an der "Musical Arts Academy of the performing Arts" mit der Aufführung des satirischen Märchenmusicals. Nicht alle Darsteller können in den drei Kategorien Schauspiel, Tanz und Gesang auf ganzer Linie überzeugen. Das verringert den Unterhaltungswert des Abends aber nur geringfügig

(Text: ig)

Premiere:20.04.2017
Rezensierte Vorstellung:20.04.2017


In einer Dorfgemeinschaft leben Mutter Geiß mit ihren Geißlein, die drei kleinen Schweinchen, Rotkäppchen (die eigentlich Dorothea heißt) und der alte Hofhund Sultan mit seinem Sohn Rex. Alle haben angeblich ihre Erfahrungen mit dem bösen Wolf gemacht, der im benachbarten Wald haust. Dieser Wald, dessen Betreten strengstens verboten ist, zieht Dorothea magisch an. Sie schleicht sich heimlich hin und muss feststellen, dass der Wald zwar von freiheitsliebenden Aussteigern bewohnt wird, aber böse oder gefährlich ist hier niemand. Natürlich verliebt sie sich in den Wolf Grimm, was ihre Nachbarn nicht gern sehen.

Die Idee, Märchenfiguren als Ausgangspunkt zu nehmen und in die heutigen gesellschaftlichen Strukturen einzufügen, ist nicht schlecht. Peter Lunds Songtexte sind witzig, auch die Dialoge warten mit vielen Pointen auf – aber es scheint, als seien wirklich sämtliche Ideen, die beim Brainstorming herauskamen, verarbeitet worden, so wirr und sprunghaft ist der Handlungsverlauf. Der Toleranz-Appell kommt mit überdeutlich erhobenem Zeigefinger daher. Wenn am Schluss die Zuschauer aufgerufen werden, draußen zu verbreiten, dass der Wolf nicht böse ist und so gegen Vorurteile anzugehen, ist das hart am pädagogisch wertvollen Kindertheater.

László Nagy ist ein sehr jungenhafter Grimm, agil in seinen tänzerischen Bewegungen, aber zahm und wenig animalisch. Seiner Gesangsstimme sind hörbar Grenzen gesetzt. Dafür füllt er die Rolle des romantischen Liebhabers gut aus. Das liegt auch am harmonischen Zusammenspiel mit Valerie Wilhelm als Dorothea. Wilhelm startet etwas verhalten. Sie bremst ihren Sopran, der durchaus das Potenzial hat, noch heller zu strahlen. Auch die naive, mädchenhafte Seite der Rolle dürfte sie noch etwas mehr ausspielen.

Deutlich animalisch-präsenter als Nagy ist Sol Spieß als Schweinchen Wild. Mit ihrer rotzigen Direktheit und starkem körperlichen Ausdruck ist sehr gut nachvollziehbar, was das etwas verklemmte Schweinchen Dick (stellt den Wandel ihrer Figur sehr gut dar: Lisa Maria Wehle) dazu bringt, sich in eine lesbische Beziehung mit der Waldbewohnerin zu stürzen.

Schweinchen Dicks ziemlich beschränkte Schwester Schweinchen Didi, mit der sie bislang ein unzertrennliches Paar bildete, verfällt immer mehr der Schizophrenie. Ihre Selbstgespräche erinnern überdeutlich an Gollum / Smeagol aus "Der Herr der Ringe". Das spielt Amina Marjam Liedtke mit der sich anbietenden Verrücktheit und ein paar Grimassen zu viel.

Mit kalter Dominanz versucht die dritte Schwester Schweinchen Schlau, die Herrschaft über das Dorf an sich zu reißen. Dorothee Weingarten gibt ihrem Charakter gekonnt eine subtile Bedrohung und vermeidet ein Abrutschen ins Plakative.

Als Fähnchen im Wind erweist sich Gisela Geiß, die dauergestresste alleinerziehende Mutter der Geißlein. Cristin Reiter verkörpert sie mit ständig nervöser Haltung und schwäbischem Akzent. Ihr verkrampfter Versuch, den Wolf zu verführen, ist eine der schönsten Szenen des Abends.

Das einzige Tier, das sowohl im Dorf als auch im Wald lebt, ist Oma Eule, ein typischer Alt-Hippie. Die charismatische Nathalie Hack hat einen überraschenden Auftritt, wenn sie sich auf die Bühne schwingt in einer Schaukel, die danach auch sehr gut in die Szene eingebunden ist. Stimmlich und tänzerisch sticht sie heraus.

Chef des Dorfes ist der alte Hund Sultan. Julian Schier nimmt man das Alter nicht ab, aber seine ausgesprochen schöne Sing- und Sprechstimme prädestiniert ihn für die Rolle des Erzählers. Sein feiger und fauler Sohn Rex leugnet die genetische Verbindung zwischen Hund und Wolf, muss sie aber letztendlich erkennen, als er im wahrsten Sinne des Wortes Blut leckt. David Lee Krohn ist ein sehr guter Komödiant, der vieles über Körperhaltung und Bewegung zu vermitteln vermag.

Insgesamt überzeugt das motivierte Ensemble mehr durch Schauspiel als durch Gesang. Das liegt aber auch an den Songs, die in erster Linie vom Zusammenspiel leben und nur wenige Momente haben, in denen einzelne Darsteller stimmlich glänzen könnten. In den Choreographien von Chris Ertelt müssen sie sich in diversen Tanzstilen beweisen, was nicht allen Darstellern gleich gut gelingt. Die Mischung vom klassischen Ballett bis zum Jazztanz ist zwar abwechslungsreich, aber wenig einheitlich.

Regisseurin Claudia Wehner hat den verschiedenen Figuren artentypische Körperhaltungen gegeben, die sofort das jeweilige Tier erkennen lassen, auch wenn die Darsteller nicht naturalistisch ausgestattet sind. Unterstrichen wird dieser Ansatz durch die von ihr entworfenen Kostüme. Nur die ständig wuselnden und dominant interagierenden Geißlein laufen ihr aus dem Ruder. Das simple, aber sehr schön anzusehende Bühnenbild von Nathalie Meyer teilt die Bühne effektvoll in den Wald (verschiebbare abstrakte Bäume) und das Dorf (vielfältig einsetzbare Würfel).

Die Musik wird leider nicht live gespielt, dafür fallen die guten Arrangements und der klare Klang positiv auf.

Mit dieser alles in allem sehr kurzweiligen Produktion sind die Absolventen der "Musical Arts Academy of the performing Arts" nun in die Berufswelt entlassen und man darf gespannt sein, wie sie sich schlagen. Ein guter Grundstein ist gelegt.

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Regie Claudia Wehner
Choreografie Chris Ertelt
Bühne Nathalie Meyer


Besetzung

Grimm!László Nagy
DorotheaValerie Wilhelm
Gisela GeißChristin Reiter
RexDavid Lee Krohn
SultanJulian Schier
Oma EuleNathalie Hack
Schweinchen DicklindeLisa Maria Wehle
Schweinchen DidiAmina Marjam Liedtke
Schweinchen SchlauDorothee Weingarten
Schweinchen WildSol Spieß
GeißleinAnnedore Antrie
Svenja Baumgärtner
Anna David
Lea Hieronymus
Nadine Lauterbach
Jana Messerschmidt
Katharina Sieben



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Es war einmal...

24.04.2017 - Die Absolventen der „Musical Arts Academy\" bringen als Abschlußarbeit das Musical GRIMM von Peter Lund und Thomas Zaufke auf die Bühne des Mainzer Kammertheaters.

Die Doppelbödigkeit von Märchen ist jetzt sicher nicht (mehr) die originellste Idee für eine Adaption.
Dennoch können Buch und Text für sich einnehmen. Die Neuauslegung von \"Rotkäppchen und der böse Wolf\" überzeugt und unterhält durch ihren flapsigen Humor und ihren unaufdringlichen moralischen Unterbau. Fremdenfeindlichkeit, Klischees und Vorurteile sind die Zeitlosen Themen, die in das klassische Märchen verwoben sind und von dem Autor moralisch einwandfrei und politisch korrekt aufgedröselt werden. Thomas Lund gelingt dabei das kleine Kunststück generationenübergreifend das Publikum anzusprechen. Kids können es verstehen und Erwachsene ihren Spaß haben.

Thomas Zaufke hat eine passend vielseitige und unterhaltsame Musik dazu komponiert. Jazz, Pop, Rock und Balladen wechseln sich ab.
Sehr gerne würde man diese Kompositionen etwas aufwendiger orchestriert hören.

Entscheidend für das Gelingen dieses Abend sind aber die großartigen jungen Künstler auf der Bühne. Eine hohes Maß an Professionalität und Können ist da versammelt. Verbunden mit Charisma, Bühnenpräsenz und energetischer Spielfreude springt der Funke sofort auf das Publikum über.
Es ist nahezu unmöglich jemand aus dem homogenen Ensemble hervorzuheben. Trotzdem muss festgestellt werden: die Schweine sind der Wahnsinn!

GRIMM in Mainz ist eine ansteckend heitere und unterhaltsame Inszenierung und eine ausgezeichnete Visitenkarte für das hohe Ausbildungsniveau der \"Musical Arts Academy of the performing Arts“.

kevin (119 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Die Absolventen der „Musical Arts Academy of the performing Arts“ bringen das witzige, aber konfuse Stück mit Herzblut auf die Bühne. Nicht alles überzeugt, aber Spaß macht es allemal.

21.04.2017

 Termine
Do15.06.20:00 Uhr
Fr16.06.20:00 Uhr
Sa17.06.20:00 Uhr
So18.06.18:00 Uhr


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