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Komisches Tierical

WILDES BERLIN: Das tierische Hauptstadtmusical

Wenn das Kaninchen mit der FĂŒchsin...


© Sven Ihlenfeld
© Sven Ihlenfeld
Wer hat den Wildtier-Experten Peter Hirtenberg umgebracht? Vier tierische Parkbewohner decken in diesem neuen, urkomischen Musical voller Wortwitz und Klischee-Typen den Mordfall auf. Auch dank des tollen Darsteller-Quartetts ein tierisch guter Abend! EnttÀuschend sind lediglich die oft belanglosen Kompositionen von Wolfgang Böhmer.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:23.09.2016
Rezensierte Vorstellung:23.09.2016
Letzte bekannte AuffĂŒhrung:22.09.2018


Das schlĂŒpfrige Youtube-Video "Rabbit fucking Faye" liefert den Beweis: WĂ€hrend sich im Vordergrund der Langohr-Rammler Sechser im Drogenrausch mit der FĂŒchsin Faye aus dem MĂ€rkischen Viertel körperlich vergnĂŒgt, ist im Hintergrund der Mord am NaturschĂŒtzer und Tierfreund Peter Hirtenberg dokumentiert. Das entlastet den eigentlich vegan lebenden, aus Kanada nach Berlin eingewanderten Hiptster-WaschbĂ€ren Wash, der kaum glauben kann, dass er der Fleischeslust gefrönt haben soll. Gemeinsam mit der schwangeren Kreuzberger TĂŒrkentaube Ülker decken die vier Tiere die Bluttat im Görlitzer Park auf. Wer der TĂ€ter ist, wird hier natĂŒrlich nicht verraten, nur dass er seine gerechte Strafe erhĂ€lt, indem er mit einem Bus der Linie M29 kollidiert.


Robert Löhrs sehr lustige, oft auch recht derb-anarchische Vorlage (Songtexte: Tom van Hasselt) mit allerlei weiteren animalischen Parkbewohnern, strotzt nur so vor Anspielungen und Vorurteilen rund um Berlin und die Berliner. So kommt der Klischee-Bewohner aus dem Szene-Bezirk Prenzlauer Berg selbstverstĂ€ndlich aus Biberach und ist ein schwĂ€belnder Prenzlbiber. Der zwielichtige Automarder Jerzy stammt natĂŒrlich aus Polen. Und auch der Mutter aller Tiermusicals setzt Löhr mit der bettelnden Tussi-Katze Bella ein verschmitztes Denkmal. Wenn sie ihr Leben lĂ€sst, steigt sie aus dem aus der Originalinszenierung des Lloyd-Webber Musicals bekannten Zottelmantel und hĂŒpft zum Song "Die Achtziger sind tot" in einem bunten Aerobic-Anzug von der BĂŒhne.


Hier verlĂ€sst Wolfgang Böhmers vom Band eingespielte Partitur endlich ausgelatschte Pfade und hat als Neue-Deutsche-Welle-Parodie sogar Hitpotenzial. Die restlichen Kompositionen hören sich so an, als hĂ€tte man sie schon einmal irgendwo gehört und sind eher Begleitmusik – wobei Böhmers Rap- und Rocknummern wie "Welcome to Berlin" besser zĂŒnden als die eher langweiligen Balladen.


In seiner Inszenierung setzt Regisseur Denis Fischer ganz auf Tempo und zeichnet liebevolle wie aberwitzige tierische Typen. Geniale UnterstĂŒtzerin ist Ausstatterin Jenny DechĂȘne. Sie hat nicht nur originell und humorvoll gestaltete TierkostĂŒme entworfen, sondern schafft auch mit einer einzigen ĂŒberdimensionalen Parkbank nebst Papierkorb die passende GrĂŒnanlagen-Dekoration, in der sowohl turbulente Action als auch eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte genug Raum haben.


Getragen wird der Abend durch vier geniale Darsteller, denen man mit ĂŒberdrehtem Spiel, gut sitzenden Pointen und einwandfreiem Gesang den Spaß an der Sache anmerkt. Emma Rönnebeck ist die immergeile, leicht prollige FĂŒchsin Faye mit großer Schnauze, die erst ganz zum Schluss entdeckt, dass sich Fuchs und Hase nicht nur gute Nacht sagen mĂŒssen. Als unglĂŒcklich verliebten Nerd mit Klischee-Horn-Brille und allerlei UnvertrĂ€glichkeiten spielt Christian NĂ€the das Kaninchen Sechser, das sich zum Song "Ich will zurĂŒck auf meine Insel" selbst auf der Gitarre begleitet. Lars Kemter nimmt als WaschbĂ€r Wash die AnfĂŒhrerrolle ein und ist als Macho-SchĂ€ferhund Rex ein peinlich-penibler ehemaliger OrdnungshĂŒter. In gleich vier Rollen (TĂŒrkentaube Ülker, Automarder Jerzy, katzengrasabhĂ€ngige Berberkatze Bella und Prenzlbiber) glĂ€nzt Konstanze Kromer in verschiedenen Dialekten und spielt viel komisches Talent aus. Das Darsteller-Quartett ist eine einfach traumhafte Besetzung und wird bei der UrauffĂŒhrung zu Recht vom Publikum gefeiert.


Allen Berlinern und Berlin-Fans sei der Besuch dieses vergnĂŒglichen, animalisch-anarchischen Musicalabends wĂ€rmstens ans Herz gelegt. Wer sich nicht so gut in der Hauptstadt auskennt, dĂŒrfte trotzdem seinen Spaß haben, auch wenn sich dann einige Pointen nicht erschließen. Unterm Strich: einfach tierisch gut!

(Text: kw)






Kreativteam

Idee und BuchRobert Löhr
MusikWolfgang Böhmer
SongtexteTom van Hasselt
InszenierungDenis Fischer
AusstattungJenny DechĂȘne
ChoreographieKathleen Bauer
Musikproduktion Carsten Schmelzer
Bassball Production


Besetzung

Ülker, Prenzlbiber, Bella, JerzyKonstanze Kromer
Wash, RexLars Kemter
FayeEmma Rönnebeck
SechserChristian NĂ€the




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Sven Ihlenfeld
© Sven Ihlenfeld

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


31298
Tolle Geschenkidee

13.12.2016 - Das StĂŒck hat mir wirklich Spaß gemacht. Ein lustiges Spiegelbild eines Teils von Berlin den wohl jeder zu kennen glaubt. Die Darsteller klasse, die Texte witzig. Mir hat die Musik gut gefallen. Das StĂŒck ist fĂŒr mich ein sehr gelungener Beitrag zur Entwicklung des deutschen Musiktheaters.

Charlotte (56 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Anarchisch-witziger Tier-Krimi mit Tiefgang (Buch: Robert Löhr), der von einem tollen Darsteller-Quartett getragen wird. Abstriche fĂŒr dumpfe Tontechnik und Wolfgang Böhmers oft nach Dutzendware klingenden Kompositionen.

24.09.2016

 Termine

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