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Drama

Die Brücken am Fluss

Es bleibt nur ein Funke


© Jörg Singer
© Jörg Singer
Vom Festhalten und Loslassen - und der Schwierigkeit, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen. Christian Alexander Müller bringt die zweite deutsche Inszenierung des Brown'schen Liebesdramas auf die Bühne und spielt neben Maike Switzer auch die männliche Hauptrolle. Musikalisch anspruchsvoll und emotional tiefgründig.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:28.04.2017
Rezensierte Vorstellung:29.04.2017
Letzte bekannte Aufführung:28.05.2017


Schon mit "Die letzten fünf Jahre" hat Jason Robert Brown unter Beweis gestellt, dass er ganz banalen Liebesgeschichten neue Seiten abgewinnen kann. Das Zwei-Personen-Musical ist seit Jahren aus dem Repertoire deutscher Stadttheater nicht wegzudenken. Ob dem 2014 mit zwei Tony Awards ausgezeichnete "Die Brücken am Fluss" hierzulande ein ähnlicher Erfolg beschieden ist wie seinem Vorgänger, bleibt abzuwarten. Immerhin kommt mit der Chemnitzer Produktion gerade mal einen Monat nach der deutschen Erstaufführung in Trier bereits die zweite Inszenierung auf die Bühne.

"Die Brücken am Fluss" verzichtet größtenteils auf erzähltechnische Spielereien wie bei "Die letzten fünf Jahre". Die simple Story um die kurze, intensive Romanze zwischen einer verheirateten Farmerin und einem eigenbrötlerischen Fotojournalisten wird geradlinig erzählt und geht dennoch unter die Haut. Vielleicht auch deshalb, weil sie die gängige Definition von 'Happy End' gänzlich in Frage stellt.

© Jörg Singer
© Jörg Singer


Maike Switzers warmer, klarer Sopran wird den hohen musikalischen Anforderungen der Partitur auf beeindruckende Weise scheinbar mühelos gerecht. Ihre einfühlsame, nuancierte Darstellung der Francesca macht sie zum emotionalen Mittelpunkt der Geschichte. Switzer spielt die innerliche Zerrissenheit der Figur gut aus. Ihre Sehnsucht, aus dem Alltagstrott mit Ehemann Bud (Udo Eickelmann) und den Teenager-Sprößlingen Caroline (Angelina Biermann) und Michael (Andreas Bongard) auszubrechen, ist von Anfang an spürbar wie nachvollziehbar – ebenso wie ihre Liebe und Fürsorge für die Familie.

Christian Alexander Müller als Robert Kincaid ist weniger greifbar, was auch den Reiz des Charakters ausmacht: ein distanzierter, verschlossener Mann, der von seinen unerwarteten Gefühlen für Francesca komplett überrollt wird. Die Charakterzeichnung ist schlüssig, aber dennoch könnte die Dynamik zwischen Francesca und Robert ein wenig mehr Knistern vertragen, um die stürmische Beziehung der beiden auch emotional glaubhaft zu machen. Für Müllers kraftvolle, variable Stimme ist die Rolle scheinbar wie geschaffen. Mit "Alles vergeht" hat er am Ende des Stücks einen der schönsten und eingängigsten Songs des Abends, in den er so viel Leidenschaft und Gefühl legt, dass es so manchen Zuschauer im Saal zu Tränen rührt. Ein absoluter Gänsehaut-Moment!

Das Nachbars-Ehepaar Marge und Charlie, dem Francescas außereheliche Aktivitäten nicht entgehen, sorgt für den 'comic relief' im ernsten Liebes- und Familiendrama. Es ist ein feiner, gefühlvoller Humor abseits von Zoten und Schenkelklopfern, den Cornelia Drese und Steffen Friedrich mit Fingerspitzengefühl und hervorragendem Gespür für Timing abliefern. Jede ihrer kurzen Szenen ist ein kleines Highlight. Drese übernimmt mit "Get Closer" außerdem den kleinen Part einer lasziven Radio-Sängerin. Dabei kann sie mit ihrer überspitzten Darstellung nicht nur weitere Lacher einheimsen, sondern ganz nebenbei auch mit warmer, voller Stimme punkten.

© Jörg Singer
© Jörg Singer


In einer Mini-Rolle als Roberts Ex-Frau Marian ist Roberta Valentini zu sehen. Ähnlich wie die Mistress in "Evita" bekommt auch Marian nur eine einzige Chance, sich in die Herzen der Zuschauer zu singen. Das gelingt Valentini mit ihrer zarten, melancholischen Interpretation von "'ne and're Welt" ganz vortrefflich.

Auch wenn im "kleinen Saal" gespielt wird, ist die Chemnitzer Stadthalle sicher nicht unbedingt der ideale Aufführungsort für die intime Geschichte. Mit Hilfe von hölzernen Paravents wird die Bühne geschickt kompakter gemacht und Räume geschaffen. Gekonnt eingesetztes Licht-Design (ebenso wie Regie und Bühnenbild von Christian Alexander Müller) sorgt dabei für eine stimmungsvolle Untermalung. Zum Teil funktioniert die szenische Umsetzung sehr gut, etwa bei Szenen in Francescas Küche, auf der Veranda oder ums Haus der Nachbarn. Das Objekt von Roberts fotografischer Begierde - die titelgebende Brücke - wird mit Hilfe von zwei Stuhlreihen erschaffen und verlangt vom Zuschauer schon einiges an Fantasie ab. Störend ist es, wenn in einigen Szenen unbeteiligte Darsteller auf der Bühne Platz nehmen und so den Fokus unnötig von den agierenden Charakteren ablenken. Das Gefühl von Intimität, der Blick durchs sprichwörtliche Schlüsselloch, geht dabei verloren. Optisch stark dagegen die eigentlichen Ensembleszenen - sei es die Einführung in Francescas Dorf-Alltag oder der Rückblick auf ihre Jugend mit ihrer Schwester in Italien - bei denen die Bühnenfläche optimal genutzt wird.

© Jörg Singer
© Jörg Singer


Das auf der linken Nebenbühne sitzende 10-köpfige Orchester unter Leitung von Andreas Pabst interpretiert Browns anspruchsvolle Kompositionen mit viel Gefühl und in schönen, weichen Arrangements. Einzig an der Abmischung hapert es, was für einen dumpfen Nachklang der Instrumente sorgt, während die Stimmen der Darsteller wunderbar glasklar im Zuschauersaal ankommen.

Es sind insgesamt nur fünf Vorstellungen der kleinen, aber feinen Produktion geplant – schade, denn man wünscht sich mehr davon. Mehr von "Die Brücken am Fluss" im Speziellen, aber auch allgemein mehr solch innovative, mutige Stückwahl.

(Text: Claudia Leonhardt)






Kreativteam

BuchMarsha Norman
Nach dem Roman vonRobert James Waller
Musik und GesangstexteJason Robert Brown
Deutsche ÜbersetzungWolfgang Adenberg
Musik. Leitung Andreas Pabst
Regie/Bühne Christian Alexander Müller
Choreographie Johannes Brüssau
Kostüme Stephan Stanisic
Maske Nadine Wagner


Besetzung

Francesca Maike Switzer
Robert Kincaid Christian Alexander Müller
Richard Johnson Udo Eickelmann
Marge Cornelia Drese
Charlie Steffen Friedrich
Marian Roberta Valentini
Antonia Welke [28.5.]
Carolyn Angelina Biermann
Michael Andreas Bongard
Sängerin Malgorzata Steinbach
Ginny Antonia Welke
Chiara Nathalie Parsa
Jo Ann Kirchner
Sprecher Matthias Repovs
Jeff Michael Beck
Paolo Johannes Kiesler
Rene Britzkow




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Plakatmotiv / Veranstalter
© Plakatmotiv / Veranstalter

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Klein aber fein

03.05.2017 - Tolles Stück, das mich ergriffen hat, wunderbare Musik live gespielt, die Hauptdarsteller und meisten Nebenrollen top....und das alles zu fairen Preisen. Musicalherz was willst du mehr. Manchmal braucht es nicht viel auf der Bühne

andycibis (23 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


Schönes Musical mit einer tollen Cast!

30.04.2017 - Mann konnte erkennen mit wieviel Herzblut das Stück in Chemnitz aufgeführt wurde. Allen voran Christian Alexander Müller und Maike Switzer die in ihre Rollen glänzten.
Hoffentlich gibt es noch mehr Theater die dieses Musical aufführen werden.

sissi1982 (11 Bewertungen, ∅ 4.5 Sterne)


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(cl)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Simple Herzschmerz-Story mit musikalischem und emotionalem Tiefgang. Glanzlicht der Inszenierung: die stimmgewaltigen Darsteller!

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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