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Ghost

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Die aktuelle UK-Tour von "Ghost" zeigt, wie man es schaffen kann, durch fragwürdige Darstellerauswahl, schlechte Inszenierung und Orchestrierung in Kopplung mit marketingtechnischen Fehlinformationen ein Stück völlig gegen die Wand zu fahren und eine gesamte Fangemeinde gegen sich aufzubringen.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:01.09.2016
Rezensierte Vorstellung:03.09.2016
Letzte bekannte Aufführung:10.09.2016


Bereits kurz nach der ersten Preview von "Ghost" im New Wimbledon Theatre in London konnte man in den sozialen Medien den Missmut der Fans ausmachen, die unmissverständlich den Rauswurf der beiden Hauptdarsteller oder gar den Abbruch der gesamten Tour forderten und sich darüber ausließen, dass die Inszenierung völlig konzeptlos sei. Vergleiche mit einem "car crash" oder Aussagen wie "low budget musical" waren da noch von milder Natur. Zudem tauchte ein - nunmehr bereits von offizieller Seite entferntes - Live-Video auf, das die Hauptdarsteller und ihre "Sangeskünste" zeigte und ebenfalls Schlimmes erahnen ließ.

Das auf der Bühne Präsentierte übertrifft die negativen Erwartungen noch um Längen. Eines ist nach fünf Minuten klar: Diese Inszenierung hat mit der Uraufführung und der ersten UK-Tour nicht das Geringste zu tun. Hier wurde schlicht und einfach auf bekannte Namen gesetzt, um möglichst viele Häuser füllen zu können. Augenscheinlich hat man nicht damit gerechnet, dass das Musical mittlerweile eine riesige Fangemeinde hat, die mit ihrem Unmut - zu Recht - nicht hinter dem Berg hält.

Die beiden Hauptdarsteller Sarah Harding und Andrew Moss sind beide keine Unbekannten. Sarah Harding war Mitglied der Girl-Group Girls Aloud (aus der britischen Version der Casting-Show "Popstars") und Moss ist Darsteller diverser TV-Seifenopern. Beide wirken auf der Bühne völlig allein gelassen und zeigen dabei keinerlei musikalisches und schauspielerisches Talent. Man möchte sie nach einer gewissen Zeit einfach nur noch in den Arm nehmen und sich bei ihnen entschuldigen, dass sie in diese Situation gebracht wurden und sie von der Bühne führen, um das Fremdschämen abzustellen.

Weder stimmlich noch darstellerisch haben die beiden Mimen nur ansatzweise etwas anzubieten. Harding trifft beinahe keinen Ton und versucht, darüber hinwegzutäuschen, indem sie ihre Songs haucht, anstatt zu singen. Schauspielerisch schafft sie es in keiner Weise, irgendeine Stimmung zu erzeugen oder Emotionen authentisch zu transportieren. Beim Tod Sams kommt es im Publikum anstelle von beklemmender Trauer zu schallendem Gelächter, da Ihre "gespielte" Traurigkeit dermaßen überzogen ist, dass das Ganze wie schlechtes Laientheater wirkt.

Moss ist scheinbar pausenlos damit beschäftigt, diverse Regieanweisungen im Kopf abzurufen und diese dann abrupt und völlig seelenlos in die Tat umzusetzen. Man kann förmlich an seinem Blick ablesen, wie ihm beim Schauspielunterricht wahrscheinlich irgendwann gesagt wurde, dass "traurig sein" bedeutet, die Mundwinkel nach unten zu ziehen und gebückt zu gehen - was Moss dann den kompletten zweiten Akt tapfer durchzieht und damit das Publikum ebenso erheitert. Auch er singt seine Songs nicht; er schreit sie.

Jacqui Dubois als Oda Mae Brown ist solide, aber etwas zu brav. Gerade im Zusammenspiel mit Sam könnte sie durchaus noch eine Schippe draufpacken und zynischer und komödiantischer spielen.

Leider bietet auch das Ensemble einige Angriffspunkte, denn immer wieder ertönen unsaubere Töne aus den Reihen, so dass auch Nummern wie "More" oder das wunderschöne "Suspend My Disbelief" nicht überzeugen können.

Die schlechte Darstellerauswahl wird leider auch nicht durch die - für "Ghost" doch so wichtige - technische Ausstattung wettgemacht. Wer sich noch an die LED-Wände oder die fantastischen Illusionen der ursprünglichen Inszenierung erinnert, weiß, dass damals technisch auf allerhöchstem Niveau gespielt wurde. In dieser Tour ist von dem nichts mehr zu spüren. Tricks gibt es - abgesehen von einer "fliegenden" Zeitung - keine und die Kulisse wirkt eindimensional und langweilig. Graue Häuserfronten und einige verschiebbare Wände - die von den Darstellern bewegt werden - lassen keine Stimmung aufkommen.

Zudem überzeugen auch die musikalischen Arrangements nicht. Unterhaltsame und wichtige Songs, wie "Three Little Words", wurden gekürzt, andere (wie "I Can’t Breathe") dafür bis zur Ermüdung wiederholt. Die in der Pressemeldung angekündigten "neuen Szenen" und "neuen Songs" gibt es schlichtweg nicht, was erneut für Ärger sorgt. Die Show basiert auf der Originalinszenierung mit Anleihen aus der kurz danach erfolgten Broadway-Spielreihe. Hier wurde das Publikum bewusst getäuscht, um Neuerungen vorzumachen, die de facto nicht existieren.

Das unter Tim Whiting spielende Orchester lässt schmerzlich Tiefe vermissen und wirkt wie Synthesizer-Musik. Auch hier wurde augenscheinlich gespart.

Letztlich kann man vor der neuen "Ghost"-Tour nur warnen. Hier wurde ganz offensichtlich das Publikum und die Theaterkunst als solche völlig aus den Augen verloren. Es sind nicht nur Kleinigkeiten zu beheben, die vielleicht nach einigen Vorstellungen ausgemerzt sind - die Inszenierung als Ganzes ist auf einem katastrophalen, unprofessionellen Niveau - eigentlich eine Verhöhnung des Genres und in jedem Fall bedauerlich für das emotional starke Stück.

Es wird spannend zu verfolgen, ob bzw. in welcher Konstellation die Tour nach der ersten Runde in Wimbledon weiterzieht. Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Petition, die die Absetzung der aktuellen Tour fordert, da diese dem Ruf des Stückes schadet. Ob die Verantwortlichen die Show unberührt weiterlaufen lassen, Darsteller austauschen oder ob die Baustelle doch zu groß ist und die Inszenierung komplett überarbeitet werden muss oder gar eingestampft wird, bleibt abzuwarten. Die Auslastung ist jedenfalls nicht hoch, und nach den diversen Pressemeldungen und eindeutigen Zuschauermeinungen dürften die Verantwortlichen von Bill Kenwright Ltd. zumindest ins Schwitzen geraten.

(Text: Jens Alsbach)






Kreativteam

Regie Bob Tomson
Choreografie Alistair David
Musikalische Leitung Tim Whiting
Bühne Mark Bailey
Beleuchtung Nick Richings


Besetzung

Molly Sarah Harding
Sam Andrew Moss
Oda Mae Brown Jacqui Dubois
Carl Sam Ferriday
Willie Lopez Leo Sene
Hospital Ghost James Earl Adair
Subway Ghost Gary Lee Netly
Louise Tarisha Rommick
Clara Simbi Akande
Ensemble Lori Baker
Ethan Bradshaw
Lauren Drew
Matthew Vinetot
Mike Ward
Kelly Hampson



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Amazingly horrible musical!

07.09.2016 - Summary, avoid this show if possible.
I have seen it last weekend and I'm still in deep shock.
How can Bill Kenwright's professional production be so bad it's simply beyond me. I saw original Ghost production and wonderful version in Frankfurt and i really like the musical but what I saw on stage in Wimbledon was sad and laughable. Bad, amateur staging, mediocre choreography and appalling music arrangement and orchestration. And the best was amount of talent-free actors on stage, starting with two leads. They basically couldn't hit the notes, Sarah Harding was whispering (badly) through all the songs and Andrew Moss was literally screaming. And let me not start on their acting abilities...'cause there are non. Sad thing is there are so many good actors that train for years, really not fair. Hopefully they will close this production soon 'cause nobody deserves to be put through this agony.


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 Theater / Veranstalter
New Wimbledon Theatre
The Broadway (Wimbledon)
London
+44 (0)870 060 6646
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(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Für Musicaltheater völlig ungeeignete Hauptdarsteller und eine lieblose Inszenierung sorgen für ein katastrophales Theatererlebnis.

05.09.2016

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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