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Drama

Fast normal - Next to Normal

Wohin soll das führ'n?


© Bo Lahola
© Bo Lahola
Das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Rock-Musical über das Leben mit einer psychischen Erkrankung ist seit der deutschsprachigen Erstaufführung 2013 ganz gut herumgekommen in Deutschland. Gerade auch für Wiederholungstäter bietet die Hamburger Inszenierung neben einer sehenswerten Besetzung einige interessante Einfälle, die es von anderen deutschsprachigen Inszenierungen deutlich unterscheidet.

(Text: Michael Rieper)

Premiere:04.09.2016
Rezensierte Vorstellung:04.09.2016
Letzte bekannte Aufführung:15.04.2018


Originell ist bereits das Bühnenbild von Lars Peters: Während in anderen Theatern zumeist mehr oder weniger deutlich das Haus der Familie Goodman zu sehen war, ist die kleine Bühne der Hamburger Kammerspiele fast leer. Nur ein tiefer, begehbarer Rahmen steht hinten rechts, ansonsten gibt es noch ein paar Stühle; ein kleiner viereckiger Tisch wird bei Bedarf hereingetragen – das war's! So stehen in der Eröffnungsnummer die vier Familienmitglieder jeweils vor einem Stuhl, von dem sich Vater Dan seine Kleidung nimmt und sie anzieht, auf dem Mutter Diana die Brote schmiert, die sie dann bald darauf auf dem Boden verteilt.

Doch die Dynamik innerhalb der Familie will in den ersten Szenen noch nicht so recht fesseln. Vielleicht liegt es daran, dass die Darsteller in diesem langen Eröffnungssong – nicht zuletzt aufgrund des Bühnenbildes – verhältnismäßig wenig miteinander agieren, vielleicht auch an dem reduzierten Tempo, mit dem die Band "Wie an jedem Tag" spielt (in den übrigen Songs wird das gewohnte Tempo gespielt, nur beim Auftaktlied nicht). Vielleicht ist das Ensemble auch einfach zur Premiere noch nicht perfekt eingespielt.

© Bo Lahola
© Bo Lahola

Die Beziehung zwischen den Ehepartnern Diana und Dan wirkt in dieser Inszenierung schon extrem in der Routine erstarrt. Ihrer großen Szene mit den Duetten "Was weißt du?" und "Kein Mensch" – eigentlich einer der emotionalen Höhepunkte des ersten Aktes – fehlt hier eine gehörige Portion Spannung. Insbesondere Robin Broschs Dan scheint nur noch egoistisch daran interessiert zu sein, bloß nicht allein gelassen zu werden. Wenn Carolin Fortenbacher als Diana ihm also aufbrausend vorwirft, ihr Leiden nicht wirklich zu verstehen, ist in seinen Antworten kaum Empathie für seine Ehefrau zu spüren. Es entsteht kein wirklicher Kampf bzw. Streit zwischen den beiden, eher ein Nebeneinanderstellen der Meinungen zweier resignierter Menschen.

Doch mit dem Fortschreiten der Geschichte fesselt die gut geschriebene Familien-Geschichte immer mehr. Und so wird die Hypnose-Szene, die Diana den Grund ihrer psychischen Erkrankung aufzeigen soll, in dieser Inszenierung zum Highlight des ersten Aktes. Das ist auch der außergewöhnlichen Ausstrahlung von Tim Grobe als Dr. Madden zu verdanken, der zeitweise wie ein vermeintlicher Wunderheiler daher kommt, dann auch wieder wie ein ganz abgeklärter Geschäftsmann, und dazu auch noch eine geradezu betörende Gesangstimme zum Einsatz bringt. In dieser Szene passt wirklich alles: das Zusammenspiel des Ensembles, der geschickte Mix aus zurückhaltender direkter und indirekter Beleuchtung, das sparsame Bühnenbild, das nicht vom Wesentlichen ablenkt, sowie der leicht humorvolle Unterton, den Regisseur Harald Weiler immer wieder spotartig durch gezielt eingesetzte Übertreibungen aufblitzen lässt – so lässt er z.B. Dr. Madden aufs Finger-Schnipsen die Stühle für die Therapie-Sitzung wie unsichtbar gezogen über die Bühne rollen.

© Bo Lahola
© Bo Lahola

Höchst spannend ist auch die Elektroschock-Szene inszeniert: In dem tiefen Rahmen wurden in der Pause zwei leuchtend orangene Kabel angebracht, die Diana nun an die Handgelenke geschnallt werden. Und während sie zu zuckenden Lichteffekten aus dem Inneren des Rahmens ihren Song "Wär ich nur da" singt, windet sich Gabe oben drüber – dort ist während des gesamten Stückes sein Reich – in einer Art Todeskampf. Auch nach dem Lied bleibt er während mehrerer Szenen wie tot liegen, bis er merkt, dass seiner Mutter ohne die ausgelöschte Erinnerung an ihn etwas fehlt, und er langsam wieder beginnt sich zu regen.

Die gut aufgelegte fünf-köpfige Band sorgt immer wieder durch kleine ungewöhnliche Phrasierungen für interessante Überraschungen. Während die beiden jungen Männer des Ensembles – Elias Krischke als Gabe und Jan Rogler als Henry – absolut glaubwürdig agieren und ihre Songs souverän absolvieren, gelingen Alice Hanimyan in der Rolle der Natalie wahre Glanzpunkte. Mit einer begeisternden Interpretation ihres Songs "Superboy und seine Schwester aus Glas" und berührendem differenziertem Schauspiel macht sie deutlich, wie sehr Natalie unter der angespannten Familien-Situation leidet.

© Bo Lahola
© Bo Lahola

Robin Brosch bleibt als Vater im Großteil des Stückes emotional sehr zurückhaltend. Umso überraschender sein Gefühlsausbruch kurz vor dem Finale, als er seinen Sohn umarmt. Carolin Fortenbacher ist musikalisch eine Klasse für sich; sie kann in den leisen Momenten ebenso überzeugen wie in den lauteren und spielt im Gesang regelrecht mit den Emotionen. Berührend sind die Szenen mit ihrer Tochter geraten: distanziert zum Beginn und mit einer Entwicklung, die so manche Träne im Publikum heraufbeschwören dürfte.

Der lange Beifall mit stehenden Ovationen zur Premiere ist trotz der relativ schwachen ersten halben Stunde wahrlich verdient.

(Text: Michael Rieper)






Kreativteam

Regie Harald Weiler
Musikalische Leitung Matthias Stötzel
Ausstattung Lars Peter


Besetzung

Diana Goodman Carolin Fortenbacher
Pia Douwes [23.03., 24.03.]
Dan Goodman Robin Brosch
Gabe Goodman Elias Krischke
Dennis Hupka
Natalie Goodman Alice Hanimyan
Dr. Fine
Dr. Madden
Tim Grobe
Henry Jan Rogler
Claudio Gottschalk-Schmitt






Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Anatol Kotte
© Anatol Kotte

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


31303
Must See!

22.12.2016 - Ein Überraschungshit vom Broadway als Kammermusical in den Kammerspielen. Minimalistisches Bühnenbild, Diskrete Darbietung ohne Effekthascherei. Trotzdem (oder gerade deshalb) ein einzigartiges, besonderes, sehenswertes, fast perfektes Musical. Die Musik pop-Softrock, immer eingänglich, manche Melodie bleibt hängen. Die Geschichte: aus dem wahren Leben, Reality, mit überraschenden Wendungen, großen Emotionen und logischer Entwicklung. Und obwohl am Ende niemand stirbt (soviel darf verraten werden), werden am Ende Taschentücher unbedingt benötigt. Aber man verlässt das Theater trotzdem gut gelaunt und mit vielen Anregungen zum Nachdenken. Vordergründig geht es um eine spezielle Erkrankung. Aber im generellen geht es um Familie und Erkrankungen (kann auch Krebs oder Querschnittslähmung sein) und wie eine Familie mit solchen Belastungen umgeht. Im Speziellen sind auch die Texte (bzw. Übersetzung) gelungen: "Ich vermiss die Berge" kann sowohl als Sehnsucht nach dem Landleben verstanden werden, als auch als Metapher auf das Vermissen des Hochgefühls, der wunderbaren Euphorie, wenn die Tabletten genommen werden.
Alle Darsteller Top! Kleine aber feine Band. Leider kommen nicht alle Melodien in ihrer Melodik rüber, was womöglich auch an der Technik liegt. Carolin Fortenbacher beweist abermals, dass sie ein wahrer Star ist! Bravo!

Nicht verpassen in Hamburg!

Priscilla (2 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


31220
Ein Juwel in Hamburg

06.10.2016 - Ich habe am 2.10 die Vorstellung besucht und war sehr gespannt auf das Stück, um das immer so ein Hype gemacht wird.

Und ich muss sagen zurecht.
Es ist ein besonderer Abend, sehr emotional und mit einem Thema was man so von einem Musical nicht erwarten würde.
Im Zentrum steht die Familie Goodman, die versucht das Leben zu meistern mit einer Bipolar kranken Mutter, einer rebellierenden Tochter, einem alles akzeptierenden Vater und einem "nicht vorhanden" Sohn. Ergänzt wie die Familie mit einem kiffenden Nerd und einem Doktor, der an die grenzen seiner Arbeit kommt.

Herrlich das Treiben auf der kleinen Bühne zu beobachten mit fast keinen Requisiten und Mobiliar.
So konzentriert sich alles auf das Spiel und den Gesang der Protagonisten.

Dominiert wird der Abend von Carolin Fortenbacher als Mutter Diana, die sich durch Höhen und Tiefen spielt und singt, dass es einer Achterbahnfahrt gleicht. Wirklich beeindruckend.
Ihr zur Seite steht Robin Brosch als Vater Dan schauspielerisch ein toller Gegenpart auf der Bühne. Leider ist er gesanglich manchmal etwas schwach auf der Brust.
Alice Hanimyan als Tochter Natalie ist wunderbar zu beobachten wie sie immer mehr die Haut der Streberin ablegt, bis sie fast die Kontrolle verliert. Ihr zur Seite steht als Henry Jan Rogler, der als kiffender Gutmensch Nerd doch etwas blass bleibt.
Als Sohn Gabe steht Elias Krischke ganz in weiß auf der Bühne. Auch er bleibt stimmlich etwas hinter den bisherigen Besetzungen und ist auch des öfteren unterspannt im Spiel.
Bleibt noch Tim Grobe als Dr Fine & Dr Madden mit schönem Bass, aber dafür für meinen Geschmack manchmal zu comichaftem Spiel.

Die Band unter der Leitung von Matthias Stötzel spielt gut, wenn auch für meinen Geschmack etwas zu leise.

Das ist auch der einzig wirklich Minuspunkt des Abends, was vielleicht auch den altgediegenen Hamburger Kammerspielen geschuldet ist, die Lautstärke.
Alles klingt doch etwas gedeckelt und füllt daher an manchen Stellen nicht den ganzen Saal.

Jedoch: Man sollte diese Show, auch gerade mit dieser Besetzung unbedingt gesehen haben.

KristinP (77 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


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(mr)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Interessante Inszenierung, die mit unerwartet humorvollen Elementen und kargem (aber völlig ausreichendem) Bühnenbild neue Akzente in dem mitreißenden Stück setzt

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Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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