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Uraufführung

Rasputin

Fotoalbum mit kleinen Schönheitsfehlern


© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof
Nur wenige Takte Ouvertüre und schon öffnet sich vor dem gespannten Publikum im Landestheater Hof ein Fotoalbum mit Szenen aus dem Leben des Wanderpredigers Rasputin. Seite um Seite nimmt uns Paul Graham Brown mit auf eine spannende musikalische Reise ins untergehenden Zarenreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

(Text: Marcus Hoffmann)

Premiere:28.10.2017
Rezensierte Vorstellung:28.10.2017


Der sibirische Bauer Grigori Rasputin rettet den an der Bluterkrankheit leidenden, todgeweihten Zarewitsch Alexei und steigt damit zum engsten Vertrauten der russischen Kaiserin Alexandra auf. Sein Einfluss auf die Politik der Kaiserin und der Romanows wächst – wie auch die Missgunst der konservativen Bojaren (russische Adlige) und das Misstrauen des Volkes, das in Rasputin einen mystischen und dämonischen Wunderheiler und Wahrsager sieht. Die Situation eskaliert und die Bojaren ermorden Rasputin.

"Rasputin" beleuchtet nicht nur die Rolle des charismatischen Predigers beim Fall der 300-jährigen Romanow-Dynastie, sondern auch die Gesellschaft eines Landes auf dem Weg zum Zusammenbruch. Die Ergebnisse waren die russische Februar- und Oktoberrevolution 1917/1918 und die Ermordung der Romanows durch die Bolschewiken.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Aus Paul Graham Browns Feder stammen Buch, Texte und Musik. Thematisch knüpft er an die Biografie-Musicals von Sylvester Levay an. Musikalisch arbeitet er einerseits wie Levay mit musikalischen Motiven, andererseits folgt Brown der eingängigen Eleganz von Andrew Lloyd Webbers Melodien und spielt beispielsweise wie der Großmeister mit Taktarten. Dissonanzen und komplexe Harmonien erinnern an Stephen Sondheim und fordern das Gehör der Zuschauer. Brown kopiert nicht, sondern lässt sich inspirieren und erschafft seine eigene musikalische Sprache.

Für "Rasputin" hat sich Brown intensiv mit der russischen Klangwelt auseinandergesetzt. Viele farbenfrohe Melodien haben Ohrwurm-Potenzial. Der "Ballsaalwalzer" ist eine Hommage an die Jazz-Suite von Shostakovich. "Mein Zug" ist ein russisches Kinderlied mit Drums, die das Schnaufen und Stampfen einer Dampflok imitieren. "20 Rubel" könnte aus "Anatevka" stammen. Andere Stücke erinnern an die Operetten Künnekes oder Kalmans. Musikalische Zitate der "Berliner Luft" von Linke sind witzig. "Do You Hear the People Sing" aus "Les Miserables" inspirierte Brown zweifelsohne zur Hymne der Arbeiter "Es gibt eine andere Welt".

Roland Hüve inszeniert die spannende Geschichte als lebendiges Fotoalbum. In den überdimensionalen Fotorahmen der Bühneneinfassung lässt er originale Fotos projizieren. Eindrucksvoll verschwimmen die physischen Grenzen der Bühne und die Darsteller werden zu lebendigen Teilen der Bilder. Seite an Seite reihen sich die Szenen zu einer spannenden Geschichte aneinander.

So spartanische die Requisiten sind, so opulent hat Annette Mahlendorf den feinen oder schlichten Zwirn der Darsteller kreiert. Die detailverliebten historischen Kostüme spiegeln authentisch die Zeit von 1900-1917 wider.

Moritz Staemmlers deutsche Übersetzung ist treffend. Dezent treibt das Libretto die Handlung voran. Pornografisch provozierend zelebriert es die dämonenhafte Seite Rasputins und dessen sexuelle Ausschweifungen nicht nur in "Wodka trinken, Frauen vögeln".

Michael Falk leitet die Hofer Symphoniker sensibel durch die abwechslungsreiche Partitur. Die Register folgen der gefühlvollen Komposition: Weiche Streicher harmonieren mit transparenten Reeds. Der opulente Blechbläsersatz strahlt. Das Schlagwerk und Exoten wie eine Balalaika fügen sich sensibel ein. Der Orchestergraben ist großflächig überbaut, um auf der zusätzlichen Bühnenfläche die Figuren aus den Fotos heraus nahe ans Publikum zu bringen. Der Preis dafür ist allerdings zu hoch, denn dem Orchesterklang fehlt viel Kraft. Die Tontechnik kompensiert den Verlust an Volumen nicht einmal ansatzweise. Daraus resultieren wahrscheinlich die mitunter schlecht abgestimmten Tempi zwischen Orchester und Sängern.

Der etwa 20-köpfige gemischte Chor unter Claudio Novato bewältigt die anspruchsvollen Harmonien meist kraftvoll und mühelos. Nur der Eröffnungs- und Schlusschor sind eher einem russischen Männerchor wie den Don Kosaken auf den Leib geschrieben – völlig ungeeignet für den gemischten Chor. Der schwache Bass lässt dröhnende Wucht schmerzlich vermissen.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Unfallbedingt musste nur wenige Tage vor der Premiere umbesetzt werden: Christian Venzke tauschte die Rolle des Zaren gegen die Rasputins. Thilo Andersson folgte Venzke als Zar Nikolaus II. Text und Intonation sitzen deshalb nicht immer. Venzkes Bühnenpräsenz als Rasputin überstrahlt mit Schauspiel und stimmlichen Volumen. Verzweifelt, verzückt oder verärgert spürt er der ambivalenten Figur Rasputins als Dämon und Heiliger nach. Thilo Andersson nimmt sich bewusst zurück, um den realitätsfernen und unsicheren Zaren glaubhaft zu spielen.

Cornelia Löhr als Kaiserin Alexandra zeigt eine enorme gesangliche und schauspielerische Bandbreite: ängstliche Mutter, devote Unterordnung und absoluter Herrschaftsanspruch.

Als Rasputins Freundin Galina ist Stefanie Rhaue zu sehen. Die sozial engagierte Fabrikarbeiterin ist der einzige ruhende Pol in Rasputins Leben. Frech, kommentierend und immer in Bewegung liefert Rhaue ein überzeugendes Bild ihrer Figur ab. Als Jungfrau Maria in Rasputins Visionen scheint sie über die kitschige Inszenierung der Figur selbst unglücklich zu sein.

Die ehemaligen Kommilitonen Felix Fürst Jussopow und Oswald Rayner waren ein Paar. Nach vielen Jahren sehen Sie sich nun wieder und die alte Liebe erwacht – doch Felix ist verheiratet und Oswald verfolgt als britischer Geheimdienstler seine eigenen dunklen Ziele. Dirk Konnerth als Felix und Daniel Printz als Oswald finden sich nach anfänglichen Schwierigkeiten schnell in Ihre Rollen hinein und arbeiten sensibel Sorgen, Hoffnungen und Ängste des homosexuellen Liebespaars heraus, ohne in Klischees abzugleiten.

Der zwölfjährige Elias Himes als Zarewitsch Alexei stiehlt allen die Schau. Selbstbewusst spielt und singt er wie ein ausgebuffter Profi und wickelt sich das versammelte Publikum um die kleinen Finger.

Felix forsche Frau Irina hat keinerlei Interesse an Ihrem Mann, solange nur der äußere Schein gewahrt bleibt. Als die Kaiserin unter Rasputins Einfluss Irinas Kontrolle entgleitet, stellt Irina intrigant die tödliche Falle für Rasputin. Wenn Judith Jakob als Irina die Bühne betritt, sind Egoismus und Boshaftigkeit fast körperlich spürbar. Und genau diesen Ausdruck legt Jakob auch in Ihren satten Mezzosopran.

© H. Dietz Fotografie, Hof
© H. Dietz Fotografie, Hof


Nach einigen sehens- und hörenswerten neuen Werken wie "Einstein – Das Musical" oder "Der große Houdini" (ebenfalls von Paul Graham Brown) beweisen Intendant Reinhardt Friese und das Landestheater Hof wieder einmal viel Mut und ungebändigte Kreativität.

Die Premiere stand unter keinem guten Stern, durch die Umbesetzung fehlte an vielen Stellen die Zeit, um das Stück reifen zu lassen. Was bleibt, ist ein sehenswertes Musical abseits vom Compilation-Stumpfsinn in einer ambitionierten und spannenden Inszenierung.

(Text: Marcus Hoffmann)






Kreativteam

Musik, Buch und LiedtextePaul Graham Brown
Deutsche ÜbersetzungMoritz Staemmler
Regie Roland Hüve
Musikalische Leitung Michael Falk
Choreografie Barbara Buser
Bühne und Kostüme Annette Mahlendorf
Dramaturgie Lothar Krause


Besetzung

RasputinChristian Venzke
Zar Nikolaus I.Thilo Andersson
Zarin AlexandraCornelia Löhr
Felix FelixowitschDirk Konnerth
IrinaJudith Jakob
Leutnant Oswald RaynerDaniel Printz
GalinaStefanie Rhaue
ZarewitschElias Himes
KisluhkinPeter Potzelt
Valentin BazhanovChristian Seidel
EnsembleDong-Joo Kim
Wladimir Polatynski
Daniel Milos
Dong-Joo Kim
Opernchor Theater Hof

Statisterie

Hofer Symphoniker




Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


Griff ins Klo - Vulgäre Quatsch-Story mit Operetten-Walzern

06.11.2017 - Also was ich gestern im Theater Hof als Uraufführung sah wird der historischen Person \"RASPUTIN\" und auch dem Russischen Zarenhof absolut nicht gerecht...

Das bisher sehr innovative Theater Hof hat nach einem guten \"HOUDINI\" und einem noch besseren \"EINSTEIN\" diese \"RASPUTIN\"-Show mehr als vergeigt...

Einzig die Hauptdarsteller allen voran der kurzfristig eingesprungene Christian Venzke als RASPUTIN und Thilo Andersson, Cornelia Löhr & Judith Jakob versuchen durch ihren Gesang und ihr Schauspiel diese absolut unschlüssige vulgäre Quatsch-Story zu einem einigermaßen erträglichen Ende zu bringen....das wurde aber leider sehr, sehr zäh und langwierig..

Das Theater immer etwas hinzudichtet, erfindet oder übertreibt das ist in der Natur der Sache aber so mit dem \"Holzhammer\" drauf ist wirklich zu viel des Guten - Vulgäre Sätze und Textbeiträge durchziehen das ganze Stück - die Storyline ist oftmals peinlich und so was von plump und konstruiert - einfach unglaublich...

Die Musik hat mit Musicalmelodien nur bedingt was zu tun - vor allem bedient sich der Komponist an den Operettenmelodien die mit russischen Akzenten und Instrumenten eingefärbt werden - die Zarin und der Zar werden eher \"lächerlich\" dargestellt - einzig die Wandlung der Zarin nimmt das Publikum dem Autoren ab - wie sie in die Zigarettenfabrik kommt und den \"Aufstand\" - Streik der einfachen Arbeiter und der Bevölkerung miterlebt und versteht und das dann in \"ihre\" Prachtwelt mitnimmt...

ansonsten gibt es noch ein \"schwules2 Paar, das total aus der Rolle fällt - dies hat was mit dem Schluss zu tun - jeder historisch Interessierte wird am Schluss mehr als \"empört\" sein wie sie den \"RASPUTIN\" zu Strecke bringen und vor allem durch wen...alles sehr abstrus und zusammengestückelt...ein nicht sehr durchdachtes, nicht fertiges Stück...

Das Ensemble versteht man oftmals schlecht - das Orchester wurde schon angesprochen in der MUZ-Bewertung ist total leise und ohne \"Schwung\" und \"Esprit\" - die Tänze und Chorografien schauen sehr \"eingeprobt\" und \"nicht synchron\" aus -

einzig die Kostüme sind toll und die Bühnen-Projektionen...

ansonsten leider eine absolut vertane Chance - ich hätte mir gewünscht, dass man dem RASPUTIN historisch genau ein musikalisches \"Denkmal\" setzt und nicht mit so einer wirklich vulgär ausgedrückten Quatsch-Story ständig ist von \"Vögln\", \"Blasen\" usw. die Rede - dazu die wenig inspirierende Musik - alles schon mal dagewesen - Chance total verschenkt...

ich hoffe sehr, dass sich ein gutes Team zusammenfindet um das Thema: Russisches Zarenhaus/Russische Revolution/ Lenin/Rasputin wirklich mit einer sinnvollen Story und guten Texten und guter Musik zu einem strahlenden, glänzenden neuen Musical macht - das wäre mal Aufgabe der VBW...

Maxim (49 Bewertungen, ∅ 4.1 Sterne)


Tolle Welturaufführung

30.10.2017 - Meine Frau und ich haben die Gelegenheit wahrgenommen und haben uns Karten für die Welturaufführung des Musicals Rasputin am 28.10.2017 gekauft. Zusammengefasst: Es war ein toller Abend. Das Musical beginnt mit einem kurzen Prolog in dem das Volk Rasputins Tod besingt und dieser im Hintergrund von tot von einer Brücke geworden wird. Danach springt die Geschichte ins Jahr 1913 zurück. Rasputin sitzt in seinem Stammlokal und verdient sich sein Geld durch Handlesen. Er beklagt sich bei seiner Geliebten, dass ihn die Jungfrau Maria verlassen hätte. Durch einen Zufall (ein verlorener Ohrring der Zarin, welchen er zurück bringt) kommt er in den Winterpalast und heilt den Trohnfolger (\"In meinem Zung\" sehr schön gesungen und tolle Melodie\"). Er wird zur vertrauten der Zarin und hat Einfluss. Irina Jusupoff sieht Rasputin als Freind, welcher ihre heile Welt bedroht. Sie gibt mehrmals von sich wie sehr sie sich wünscht, dass doch alles so bleibt wie esist und sich nichts verändern sollte. Im Volk brodelt es - die Revolution steht vor der Tür. Rasputin wird zum Hassobjekt, da man nichts über die Bluterkrankheit des Prinzen weiß und vermutet, dass er schlechten Einfluss auf den Zaren hat. Nach einigen Intrigen wird Rasputin von Irina erschossen. In der letzten Szene bricht die Revolution aus und das Volks besingt den Weg in die Freiheit. In dieser Szene sind alle Darsteller auf der Bühne und die Zarenfamilie wird immer mehr durch das Volk verdrängt und nicht mehr sicht bar - ein guter Effekt.
Zur Bühne kann man sagen, dass diese zweckgemäß ist und ihren Dienst leistet. Es gibt verschiedenste Projektionen, welche die Szenen untermalen. Das Lichtdesign ist gut gelöst und erfüllt seinen Zwecks. Es wird auf zwei Ebenen gespielt wordurch man die Möglichkeit hat zwei unterschiedliche Schauplätze gleichzeitig darzustellen z.B. Gebet der Zarin im Winterpalast und Gebet des Rasputin in St. Petersburg. Die Musik ist sehr gut und stimmig - man erkennt einen deutlichen Zusammenhang der Songs, man spürt richtig die russische Seele. Besonders \"Weiße Nächte\" bleibt auch nach der Show noch im Ohr und hat wahren Ohrwurmcharakter. Historischist die Produktion sicherlich nicht immer korrekt, man hat dazuerzählt und weggelassen, aber das ist nicht weiter tragisch, denn das Stück erfüllt seinen Zweck: es unterhält! Zusammenfassend kann man sagen, dass dem Theater Hof hier ein sehr gutes Stück Unterhaltung gelungen ist und man darf nur hoffen, dass Rasputin nicht in der Versenkung veschwindet sondern auch weiterhin auf deutschen Bühnen gespielt wird. Eine CD-Aufnahme sollte meiner Meinung nach unbedingt gemacht werden.

MrDuncan (7 Bewertungen, ∅ 4.7 Sterne)


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(mh)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Spannendes Script, inspirierende Inszenierung und schmissige Songs kennzeichnen die Uraufführung. Eine sehenswerter, aber noch nicht ganz ausgereifter Neuzugang zur Musicallandschaft.

01.11.2017

 Termine
So17.12.19:30 Uhr


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