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Komödie

Othello darf nicht platzen

Lend Me a Tenor!


© Manja Herrmann
© Manja Herrmann
Bei Shakespeares "Othello" steht eigentlich die Tragik im Vordergrund – nicht so jedoch in diesem aberwitzigen Musical, das den Opernbetrieb parodiert. Sehr kurzweilig von Ansgar Weigner mit hochklassigen Solisten inszeniert. Sehenswert!

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:18.03.2017
Rezensierte Vorstellung:18.03.2017
Dernière:25.06.2017


Wer etwas doppelt sieht, der hat unter Umständen zu tief ins Glas geschaut. Erscheint ein Motiv jedoch dreifach, sollte ein Arzt konsultiert werden. Es sei denn, es handelt sich bei der vermeintlichen Sinnestäuschung um drei Herren mit weißer Halskrause in Strumpf- und Pluderhosen, die sich dank Theaterschminke und schwarzer Perücke in den Mohren von Venedig verwandelt haben. Willkommen bei "Othello darf nicht platzen"!

In dem auf der gleichnamigen Komödie von Ken Ludwig basierenden Musical (Buch und Gesangstexte: Peter Sham, Musik: Brad Carroll) soll der italienische Startenor Tito Merelli in der Titelpartie der Verdi-Oper "Othello" auf der Bühne stehen. Dazu kommt es jedoch nicht. Statt eines Medikaments zur Behandlung von Magenbeschwerden bekommt der Sänger ein Mittel verabreicht, das ihn in einen Tiefschlaf versetzt. Ein Abschiedsbrief seiner eifersüchtigen Ehefrau, der im Bett neben Merelli liegt, erweckt den Anschein, er habe sich das Leben genommen. Um den finanziellen Ruin abzuwenden, beschließt Theaterimpresario Henry Saunders, seinen mehr oder weniger gesangstalentierten Assistenten Max als Startenor in der Othello-Maske auftreten zu lassen. Saunders selbst will nach der Vorstellung den vermeintlich verblichenen Gesangsstar in Kostüm und Maske bei einer Gala vertreten. Wie in Komödien des Boulevardgenres üblich, erwacht natürlich auch der eigentliche Othello-Darsteller aus seinem Tiefschlaf, sodass zwei oder drei Mohren gleichzeitig auf der Bühne für Verwirrung bei der karrieresüchtigen Desdemona-Darstellerin, den drei hysterischen Ex-Frauen des Operndirektors und seiner Tochter sorgen. Damit sind Lachsalven vorprogrammiert.

Ansgar Weigners temporeiche und muntere, allerdings nie in Richtung Klamauk abgleitende Inszenierung schnurrt so perfekt wie ein Schweizer Präzisions-Uhrwerk: Da flitzen liebevoll-skurril gezeichnete Typen durch eine aberwitzige Handlung mit Tür-auf-Tür-zu-Dramaturgie, da zünden die Gags auf den Punkt und in den Songs harmonieren die Bewegungen perfekt mit der Instrumentalbegleitung. Einfach klasse!


© Manja Herrmann
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Als Haupthandlungsort für das boulevardeske Treiben hat Ausstatter Christian Robert Müller eine abgewohnt wirkende Zwei-Zimmer-Hotelsuite entworfen, in der sich bereits die Tapete von den Wänden löst. Zahlreiche Türen und ein von einem Amor bekrönter Wandschrank bieten dafür allerlei Auftritts- und Rückzugsmöglichkeiten. Fährt dieser bühnenbreite Raum nach hinten, lässt sich die Fläche schnell in die "Othello"-Opernbühne mit einer weißen Säule nebst Baumsilhouette oder in den Festsaal für die Gala verwandeln. Müllers geschmackvolles Kostümbild mit Renaissance-Roben und schicker Abendgarderobe wirkt nie aufdringlich und unterstreicht die gute Optik der Produktion.

Die Aufführung kann aber auch musikalisch punkten. Mit großen Gesten und sensiblem Gespür für Tempi und Lautstärke dirigiert Thomas Kalb das Philharmonische Orchester Bremerhaven. Die Musikerinnen und Musiker im Graben schwelgen nicht nur im gewohnten klassischen Terrain (Verdis Sturmchor und Brad Carrols hörbar von Puccini und Rossini inspirierte Neukompositionen). Sie empfehlen sich ebenso als Begleiter für den klassischen Broadway-Sound mit seinen Uptempo-Nummern und Balladen.


© Manja Herrmann
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Es macht richtig Spaß zuzuschauen, wie die Darsteller auf der Bühne ihren eigenen Berufsstand gehörig auf die Schippe nehmen. So zeigt zum Beispiel der stimmschöne Opernchor in der "Othello"-Probenszene übertrieben händeringende Posen und gibt später eine hysterische Startenor-Fangemeinde. Choreografin Andrea Danae Kingston gelingt sogar das Kunststück, den Sängerinnen und Sängern so gehörig Beine zu machen, dass sie beschwingt über die Bühne tanzen.

In der Rolle des Theaterimpresario Henry Saunders poltert Oliver Weidinger gleich zu Beginn in der erwähnten Probe aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. Ist der Operndirektor zunächst selbstbewusst und überheblich, so verliert er im Laufe der turbulenten Handlung die Nerven und führt sie immer mehr ins Chaos. Dabei setzen ihm nicht nur seine drei schrillen Ex-Frauen Anna 1-3 (stimmstark und ungemein komisch: Kathrin Verena Bücher, Louise Eckardt, Iris Wemme) zu, auch das Verhalten seiner Tochter Maggie (Regine Sturm) verwirrt ihn immer mehr. Weidinger bewältigt seine vielen Gesangsaufgaben mit rundem Bass-Bartion mühelos. Sturm holt mit schönem Sopran und grazilem Tanz das Beste aus ihrer etwas undankbaren Rolle heraus.

Einen ganz großen Auftritt legt Katja Bördner (Diana Divane) mit "Ein klitzekleiner Repertoire-Ausschnitt" hin. Bewaffnet mit immer neuen Accessoires, die sie aus ihrer Reisetasche hervorzaubert, ist sie in diesem Best-Of-Opera-Potpourri mal eine sinnliche Carmen, dann wieder eine wütende Walküre. Mit dunkler Sonnenbrille wie die Callas oder mit angedeuteten Schlitzaugen als Puccinis "Madama Butterfly" parodiert die Bördner den Sopranistinnen-Stand und singt dazu einfach hinreißend gut. In der Premiere wird sie dafür zu Recht minutenlang gefeiert.

Alles andere als eine strahlende Diva ist Carolin Löffler, die als Mirellis Ehefrau Maria in der Öffentlichkeit ganz im Schatten ihres berühmten Ehemanns steht, sich privat aber als impulsive, selbstbewusste Frau entpuppt. Im hitzig-witzigen Duett der Ehepartner ("Facciamo L’Amor"), dessen deutsche Übersetzung zur Freude des Publikums als Untertitel zum Mitlesen eingeblendet wird, harmoniert Löfflers satter Alt gut mit Tobias Haaks, der mit großen Gesten, noch größerem Tenor und italienischem Akzent den Bühnenstar und Frauenhelden Titus Mirelli gibt. Hinter dieser publikumswirksamen Kunstfigur verbirgt sich allerdings ein sensibler Mann, der dem Tournee-Zirkus überdrüssig ist. Haaks spielt den innerlich zerrissenen Startenor absolut glaubhaft, dreht aber auch in den komischen Szenen so richtig auf.


© Manja Herrmann
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Der wahre Star des Abends heißt nicht Titus Mirelli, sondern Max Garber alias Michael Ernst. Als Assistent vom herrischen Henry Saunders gibt Ernst zunächst einen langweiligen wie unterwürfigen Verlierer-Typen, der nervös am Saum seines Pullunders oder an der Bügelfalte seiner Hose spielend von einer Gesangskarriere träumt. Diese Chance erhält er durch den Ausfall des Hauptdarstellers: In der Othello-Maske mutiert Max plötzlich zum selbstbewussten Macho mit Starallüren. Herrlich wie konsequent der Darsteller diesen Rollenwandel durchzieht und wie eifrig er versucht, das entstandene Durcheinander der Handlung zu glätten. Ernst führt das Ensemble mühelos tänzerisch an und singt mit seinem tollen Tenor einfach hinreißend. Dabei gehört ihm gemeinsam mit Tobias Haaks der hymenhafte Ohrwurm der Show: "Sei du selbst".

Wie lautet nun die Mehrzahl von "Othello"? Auch wenn die Bremerhavener Aufführung eine Antwort auf diese im Programmheft gestellte Frage schuldig bleibt, sollten möglichst viele Menschen den Weg ins Theater finden. Denn eines ist sicher: In dem vortrefflich gelungenen Musical gibt es viel zu lachen. Und Lachen ist ja bekanntlich gesund!

(Text: kw)






Kreativteam

Buch und SongtextePeter Sham
MusikBrad Carroll
Basierend auf der Komödie vonKen Ludwig
Deutsche ÜbersetzungRoman Hinze
InszenierungAnsgar Weigner
Musikalische LeitungThomas Kalb
ChoreografieAndrea Danae Kingston
AusstattungChristian Robert Müller


Besetzung

Henry SaundersOliver Weidinger
Bernie GuterThomas Burger
Max GarberMichael Ernst
Tim Müller [12.04., 16.04, 21.04.2017]
Diana DivaneKatja Bördner
Dorothea Herbert
Maggie SaundersRegine Sturm
Tito MerelliTobias Haaks
Maria MerelliCarolin Löffler
Erste AnnaKathrin Verena Bücher
Zweite AnnaLuise Eckardt
Dritte AnnaIris Wemme
Polizist Mickey, LiftboyRóbert Tóth
Polizist Joe, PaparazzoLukas Baranowski
ReporterinMichaela Weintritt
Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven

Statisterie





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Regisseur Ansgar Weigner gibt dem Affen gehörig Zucker und inszeniert eine boulevardeske Parodie auf den Opernbetrieb. Toller Spaß fürs Hausensemble und Michael Ernst als Othello-Einspringer!

18.03.2017

 Termine

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