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Weltliteratur

Hello Again

Im Irrgarten der Affären


Folkwangs Musicalperlen lassen die Hüllen fallen: Basierend auf Arthur Schnitzlers Skandalstück "Der Reigen" baut Gil Mehmert einen ungewöhnlichen Theaterabend. Mit viel erotischer Dynamik, doch in holpriger deutscher Übersetzung und mit einigen faden Gesangsnummern bleibt die Aufführung weit hinter dem Charme von LaChiusas Pionierarbeit zurück.

(Text: Lisa Toszkowski)

Premiere:27.06.2016
Rezensierte Vorstellung:27.06.2016
Letzte bekannte Aufführung:03.07.2016


"Hello again", seufzt die Hure, während sie um ihren Freier – einen gutaussehenden jungen Seemann, der ihr nicht ins Gesicht sehen mag – wirbt und eröffnet damit die Affären-Lotterie des heutigen Abends.

"Hello Again" ist ein Stück, in dem Ehefrauen fremdgehen, in dem Krankenschwestern ihre Patienten verführen, in dem die Gespielinnen der Politiker zu Wort kommen und in dem endlich geklärt wird, welches Liebespaar mit der Titanic tatsächlich unterging.

"Hello Again" ist ein Stück über sexuelle Begierde, über Anstand und Anstandslosigkeit, über Erotik, über One-Night-Stands und Affären. Kurz und gut: Das Stück thematisiert alles, was jenseits der Grenzen der Pietät geschieht, alles, was sonst in den Tiefen des Rotlichtmilieus verschwindet, alles – außer eben wahrer Liebe.

Das ist für sich genommen das Großartige an Schnitzlers "Reigen", der bei seiner Uraufführung 1920 zu einem wahren Theaterskandal ausuferte und als Matrize für Mehmerts Inszenierung diente. Zu oft wurden auf den Bühnen der Musicallandschaft schon Herzschmelz-Liebesgeschichten besungen, breitgetreten und verkitscht. Wer sich daran satt gesehen hat, ist hier goldrichtig. Hier erwartet den Zuschauer ein rasantes Daumenkino, bebildert mit alldem, was bei den Hochglanz-Musicals am Broadway gerne mal unter den Tisch fällt.

Zwölf Personen begegnen sich durch die Jahre – ungeachtet aller Konventionsgrenzen und Ständeklauseln – in einer losen Abfolge kurzweiliger Sequenzen: Pärchen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, die sich begehren, die sich lieben (aber nur kurz), oder die auch einfach nur miteinander schlafen. Die "verrucht-schamlose" Ehefrau und ihr verklemmter Seitensprung, der schüchterne Patient und die laszive Krankenschwester oder auch der aristokratische Reisende, der sich kurz vor der Eisberg-Kollision in den einfachen Maschinisten der Titanic verguckt.

Auf der Bühne gibt es derweil viel erotisches Auf und Ab. Schnitzlers Idee, das Ganze als Reigentanz ad infinitum zu führen, wird mit Hilfe einer Brosche in die Essener Inszenierung hinübergerettet. Als kleiner aber feiner Running Gag hüpft sie durch die Jahrzehnte von einem Pärchen zum nächsten – bis sie am Ende zu ihrer Besitzerin, der Hure (großartig und stimmgewaltig: Alina Grzeschik), zurückgelangt.

Man muss den Darstellern an dieser Stelle ein großes Kompliment machen: Nicht nur das schlüpfrige Thema, sondern auch die dynamische Konzeption des Abends stellen das Ensemble vor große Herausforderungen, die es ausnahmslos mit Bravour meistert. Dies ist nicht zuletzt dem wunderbaren Allround-Bühnenbild von Eva-Maria van Acker geschuldet, das jedem Duo einen ganz individuellen Kosmos schafft – von den schwankenden Schiffsplanken bis hin zur Discohölle. Große Kunst im kleinen Raum.

Leider wird die Spiellust der Folkwang-Absolventen durch den strengen Rahmen des Abends spürbar ausgebremst – in irrwitzigem Tempo hangelt sich die Inszenierung von Bild zu Bild, die Figuren ziehen dabei im Speed-Dating-Stil wie Schattenbilder vorüber. Schade, denn die inhaltlich gepfefferten Sequenzen haben es in sich, verlieren dadurch jedoch zunehmend ihre anfängliche Faszination.

Ähnlich verhält es sich mit der musikalischen Komponente des Abends. Auf das einleitende noch recht melodische "Hello Again" folgen einige gedehnte Nummern in der grauenhaften Übersetzung von Roman Hinze. Diese beraubt die flotten Songs des Originals jeglicher Melodik und lässt sie vielfach zu einer Art hölzernem, zerfleddertem Sprechgesang verkommen. Das kann leider auch die großartige Live-Band von Patricia Martin, die sich federleicht durch die Musik eines Jahrhunderts swingt, rockt und jazzt, nicht auffangen.

Doch auch hier wieder ein großes Lob an die Darsteller: Besonders Philipp Nowicki gelingt es, mit kerniger Rockstimme immer wieder etwas prickelnde Komik in seine Gesangspassagen zu streuen, und Eva Löser umschlängelt als kokettes Femmchen fatal meisterhaft Co-Akteur Tom Zahner mit dunkel-erotischer Stimmfarbe. Ohne derartigen darstellerischen Einsatz hätte man nach der Pause wohl weitaus weniger Zuschauern "Hello Again" sagen können.

(Text: Lisa Toszkowski)






Kreativteam

Musikalische Leitung Patricia Martin
Inszenierung Gil Mehmert
Choreographie Karen D. Savage
Ausstattung Eva-Mara van Acker
Musikalische Einstudierung Michael David-Mills
Regieassistenz Sandra Wissmann
Produktionsleitung Michael Masberg


Besetzung

Hure Alina Grzeschik
Soldat Elias Krischke
Krankenchwester Karen Müller
Student Michael Heller
Junge Frau Florentine Kühne
Ehemann Marvin Schütt
Junges Ding
Fred
Jan Rogler
Autor
Popsänger
Philipp Nowicki
Ginger Eva Löser
Sebator Tom Zahner
Swing Trio Anneke Brunekreeft
Lina Gerlitz
Sarah Wilken



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


31137
Nicht zu empfehlen

01.07.2016 - Ich schaue mir seit Jahren gerne die Folkwang-Musicals an, es hat sich immer gelohnt. Aber am Montag war ich mehr als enttäuscht. Mal vorausgeschickt, dass ich in der Pause gegangen bin, und nur den ersten Akt beurteilen kann. Man hätte dieses Stück auch "Ficken- das Musical" nennen können. Inhalt und Musik haben mir nicht gefallen. Das war für mich Musical zum Abgewöhnen und mit dieser Meinung war ich an dem Abend nicht alleine. Mir tun die Abonnenten des Rathaus-Theaters leid, die sich im Rahmen ihres Abos dort hin verirren. Das ist/war keine Werbung für das Genre.

Lisa09 (27 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein bemühter Abend, der dank großartiger Darsteller durchaus seine tiefsinnigen Momente hat, musikalisch jedoch nicht so recht in Schwung kommt.

09.07.2016

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