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Rock-Oper

Rent

La Vie Bohème


© Vincenzo Laera
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Manchmal fragt man sich, ob Neuinszenierungen einer in ihrer Ursprungsform bestens funktionierenden Show wirklich nötig sind. Im Falle von "Rent" in Trier stellt sich diese Frage besonders intensiv. Regisseur Malte C. Lachmann fügt eine völlig neue Ebene in die Erzählung über die Bewohner der Alphabet-City ein. Dadurch wird Jonathan Larsons Stück extrem fragmentiert, und der Drive geht völlig verloren.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:31.12.2015
Rezensierte Vorstellung:03.01.2016
Letzte bekannte Aufführung:02.02.2016


(Diese Rezension bezieht sich auf die Version des Stückes, die bis zum 07.01.2016 in Trier zu sehen war. Ab dem 08.01. ist "Rent" dort in der Ursprungsversion (ohne die Rolle "Joanne heute") zu sehen.)

Die Inszenierung startet mit einer um 20 Jahre gealterten Joanne (Carin Filipčić), die vor geschlossenem Vorhang erläutert, dass das Stück 20 Jahre alt geworden ist und auch ihre Rolle demnach gealtert sein muss. Sie stellt ihr junges Alter Ego vor und expliziert die Entstehung des Musicals und die Anlehnung an Puccinis Oper "La Bohème“. Nachdem man also erfährt, warum das Stück so heißt, wie es heißt und wie es im New York der damaligen Zeit aussah, "beginnt" die eigentliche Show.

© Vincenzo Laera
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Die Bühne besteht aus mit Graffiti beschmierten Wänden. In der Mitte eine Art Holzpalette, die pausenlos rotiert. Sie stellt Marks und Rogers Loft dar, ist aber auch variabel einsetzbar, beispielsweise für den Cat Scratch Club. Das Ganze wirkt klinisch steril, neu, aber durchaus passend. Allerdings hätte man das Drehen der Palette sicherlich geschickter lösen können, als ständig das auf der Straße herumlungernde Ensemble zu bemühen.

Was nun folgt ist eine Darbietung in englischer Sprache, die dank einiger guter Darsteller phasenweise recht gut gelingt, aber leider immer wieder durch die angesprochene Metaebene unterbrochen wird. Bei jeder Gelegenheit lässt die Regie Joanne in das Geschehen eingreifen und verhindert damit konstant und beinahe penetrant, dass man den Drive, von dem eine Show wie "Rent" eigentlich lebt, genießen kann.

Joanne kommentiert, erinnert sich zurück, erklärt. Vor der "Will I"-Szene beispielsweise wird einem detailliert erläutert, wie die Entwicklung in der AIDS-Forschung voran geschritten ist, wie viele Tote es zu Zeiten der Entstehung der Show gab und wie dies heutzutage aussieht. Bei diesen Eingriffen in die Geschichte erhält man leider eher den Eindruck einer Vorlesung und dass man dem Publikum das Verfolgen der Handlung nicht eigenständig zutraut, als dass sie in irgendeiner Form unterstützend wirken.
Abgesehen davon wird die Ebene der 20 Jahre älteren Joanne leider nicht stringent durchgehalten, denn "Joanne heute" (wie die Rolle offiziell heißt) setzt sich beispielsweise im Life Café mit der 20 Jahre jüngeren Generation an einen Tisch, was erzählperspektivisch wenig Sinn ergibt.

© Vincenzo Laera
© Vincenzo Laera

Auch die Auswahl der Darsteller kann nur bedingt überzeugen.

Sasha Di Capri gefällt in der Rolle des Roger. Er hat eine rockige Stimme und weiß mit Songs wie "One Song Glory" zu begeistern. Sein Schauspiel hat er im Griff und wirkt gemeinsam mit Mark-Darsteller Christopher Ryan wie ein eingespieltes Team.

Sybille Lambrich als Mimi bleibt durchweg sehr blass und agiert zu hektisch in der Rolle der Drogenabhängigen. Ihre Zuneigung zu Roger scheint willkürlich und lässt sich nicht in ihrem Spiel (beispielsweise bei "Light My Candle") erkennen. Ihre gesangliche Leistung ist solide, bei den höheren Tönen ("Out Tonight") stößt ihre Stimme jedoch an ihre Grenzen.

Manuel Dengler als Angel sieht aus wie eine Drag-Queen, agiert aber nicht als solche. Bei ihrem ersten Auftritt ("Today For You") geht der Elan der Rolle völlig unter. Man fragt sich zum Beispiel, weshalb sie Drumsticks in der Hand hält, wenn sie diese nicht zum Trommeln einsetzt, sondern nur, um damit in der Luft herum zu fuchteln. Gesanglich ist der Darsteller der Rolle gewachsen, aber gerade für diese Rolle reicht dies leider nicht.

© Vincenzo Laera
© Vincenzo Laera

Sein Liebhaber Tom Collins - zu dem "Joanne heute" erläutert, dass sich hinter dem Namen auch ein leckerer Cocktail verbirgt - wird von Norman Stehr gespielt. Auch er überzeugt eher stimmlich als durch sein Schauspiel, so dass auch das für das Stück ungemein wichtige Verliebtsein der beiden HIV-Kranken untergeht und somit die Dramatik des zweiten Aktes nur angekratzt wird.

Sidonie Smith als Maureen sticht erfreulicherweise ein wenig aus der Masse heraus. Ihre Darstellung ist wunderbar überdreht, und als eine der wenigen Darsteller ist sie herkunftsbedingt der englischen Sprache mächtig. Die schlechte Textverständlichkeit bzw. der sehr starke deutsche Akzent der größtenteils deutschsprachigen Darsteller stellt in der Tat bei diesem komplett auf Englisch dargebotenen Stück ein Problem dar. Stößt man sich in anderen Produktionen häufig umgekehrt an englischsprachigen Darstellern in einem deutschsprachigen Musical, fühlt man sich in diesem Fall bei der Aussprache einiger Darsteller unweigerlich an die Schulaufführung eines Englischkurses erinnert.

© Vincenzo Laera
© Vincenzo Laera

Letztlich sei die mit viel Drive und Rock aufspielende Band um Dean Wilmington erwähnt, die hinter der Bühne Platz findet. Die musikalische Seite des Abends beeindruckt und lässt erahnen, welche Kraft in den Songs von Jonathan Larson steckt.

Am Ende der Show bleibt das bereits erwähnte Gefühl, eher eine Vorlesung über das Leben im New York der 90er erlebt zu haben als ein ans Herz gehendes Rockmusical. Ob sich das Theater mit dieser doch sehr "anderen" Inszenierung einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen. Die künstlerische Ausrichtung ist jedenfalls komplett neu und gewöhnungsbedürftig. Für Fans der Show ist das Ganze nur bedingt empfehlenswert.

(Text: Jens Alsbach)




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Hintergrund: Kommentar der Chefredaktion zur Änderung der "Rent"-Inszenierung in Trier (08.01.2016)



Kreativteam

InszenierungMalte C. Lachmann
Musikalische LeitungDean Wilmington
AusstattungDaniel Angermayr


Besetzung

MimiSybille Lambrich
RogerSasha Di Capri
AngelManuel Dengler
MarkChristopher Ryan
MaureenSidonie Smith
JoanneKathrin Hanak
BennyMatthias Stockinger
CollinsNorman Stehr


Frühere Besetzungen? Hier klicken


Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30987
Wer Musik und Theater liebt muss es gesehen haben!

09.01.2016 - Es sind sind inzwischen 20 Jahre seit der Uraufführung vergangen. Das macht es natürlich schwerer der ganzen Story zu folgen und die einelnen zusammenhänge zu verstehen. Wie viele Zuschauer wussten beispielsweise vor ihrem Theaterbesuch, dass das englische Wort Rent sowohl Miete als auch zerissen heißt? Heute versteht auch keiner mehr die Lage eines Aidserkrankten der neunziger Jahre! Um das Stück wirklich zu fühlen und verstehen zu können muss man sich als Besucher also entweder eine Stunde mit 90er Jahre Geschichte und einem Englisch Leistungskurs vorbereiten oder man überlässt dem Regiesseur die Lösung dieses Problems. Dieses Problem wurde in meinen Augen mit einem Geniestreich gelößt! Die Rolle der Joanne (heute) macht es einem als Zuschauer möglich zu verstehen warum dieses Musical vor zwanzig Jahren so durchgestartet ist. Die Emotionen auf der Bühne sind auf diese Art und Weise plötzlich zum Greifen nahe und schwappen komplett auf das Publikum über, welches übrigens in der Vorstellung am 03.01.16 (auf welche sich dieser Artikel bezieht und dort anscheinend vergessen wurde zu erwähnen) nicht zögerte sich geschlossen von ihren Sitzen zu erheben um der grnadiosen Darbietung Respekt und Begeisterung zu zeigen. Und sind wir mal ehrlich: Haben sie schon mal Studenten am Ende der Vorlesung applaudierend von den Plätzen springen sehen? In meinen Augen kann hier von Vorlesungsähnlicher Atmospähre nicht die Rede sein. Am besten zeigt das beispielweise die Beerdigungsszene Angels die mich meine Gänsehaut deutlich hat spüren lassen! Musikalisch war die Vorstellung ebenfalls top und hat gezeigt, dass auch an einem vermeintlich kleinen Theater große Stimmen unglaublich viel bewirken können. Die Verständlichkeit und Aaussprache war bestimmt nicht ideal, aber es ist nicht zu vergessen, dass wir hier in Trier sind und ein Theater dieser größe andere Priotitäten hat als einen Sprachwissenschaftler auf die Bühne zu stellen. Und um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass jemand der kein Muttersprachler ist am off Broadway viel mehr versteht, denn es war im Endeffekt doch weit über Schulenglischniveau.

Zuletzt möchte ich noch anmerken, dass vor allem für Menschen wie mich, die erst in den letzten zwanzig Jahren geboren wurden, die Rolle der Joanne (heute) wahsinnig hilfreich war und somit einfach einen grandiosen Abend ermöglicht hat. Es ist Schade, dass jetzt erzwungen wurde diese Rolle zu streichen. Damit geht dem Stück und vor allem dem Zuschauer einiges verloren.


30985
Sehr fragwürdig

08.01.2016 - Tolle Musik. Gute bis hervorragende Darsteller. Leider ist das Bühnenbild (darf man eine fast nackte Bühne so nennen?) wie auch die Inszenierung eine absolute Katastrophe. Dran ändert auch nichts, dass kurzfristig Carin Filipčić entlassen wurde und die Inszenierung wieder das "Original" darstellen soll. Hier wurde die vielleicht beste Darstellerin von allen rausgenommen und dadurch die Inszenierung noch schlimmer als zuvor.

Das Problem? Malte C. Lachmann! Anstatt das (in sich perfekte) Stück zu inszenieren, wurde sämtliche Deko entfernt und die Darsteller in peinliche Klamotten gesteckt. Wie man auf solche Ideen kommen kann, ist mir ein Rätsel. Das Resultat ist jedenfalls eine Zumutung für die Zuschauer.

incologne (5 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


30982
RENT in Trier: Anders aber genial

08.01.2016 - Wir und auch die Kritikerin im Volksfreund fanden die Aufführung genial. Tolle Sänger, geile Band und eine neue Ästhetik, was das Bühnenbild betrifft. Und wir waren mit unsere Meinung nicht allein, denn bei Applaus gab es sofort Standing Ovations und das zu Recht. Absolut sehenswert, aber natürlich für Musical Puristen gewöhnungsbedürftig.

leosdg (erste Bewertung)


30981
Phantastische Cast - gelungene Inszenierung

08.01.2016 - Ich kann den o.g. Kritikpunkten in keiner Weise zustimmen: Die Premiere war geprägt von intensivem Spiel und Erzählung! Die Cast haben sowohl schauspielerisch als auch gesanglich mehr als überzeugt. Das schlichte Bühnenbild passt gut zu den detailreichen Figuren. Die gealterte Joanne sehe ich als äußerst hilfreich um das Geschehen in der heutigen Zeit verständlich zu machen. Die auszugsweise Übersetzung hat die Textverständlichkeit (Tempo, Wortwahl) unterstützt.

Gerade die Lebendigkeit von Sybille Lambrich hat die Zerrissenheit von "Mimi" beeindruckend vor Augen geführt.

JotErGe (erste Bewertung)


30980
Tolle Cast - unfassbar grauenvolle Inszenierung

06.01.2016 - Ich war voller Vorfreude, als ich von der Aufnahme von RENT in Trier erfuhr. Dazu eine Cast, die in Teilen wirklich hervorragend ist (allen voran Sasha Di Capri), in Teilen zumindest gut bis hinnehmbar.

Das Problem: Malte C. Lachmann! Wie das Stück hier "inszeniert" wurde, ist kaum in Worte zu fassen. Das Stück wurde (wie übrigens auch die anderen Musicals in der Inszenierung von Malte C. Lachmann) komplett zerstört.

Ich liebe RENT. Doch schon nach wenigen Minuten musste ich mich wirklich zusammenreisen, um nicht schon gleich wütend aus dem Saal zu rennen. Eine Erfahrung, welche mir in all den Jahren zuvor nie in den Sinn gekommen wäre.

sus70 (14 Bewertungen, ∅ 2.9 Sterne)


30976
Man kann, muss aber nicht

05.01.2016 - Ich möchte gar nicht ausführlich ins Detail gehen da ich der Kritik von Jens Alsbach in sehr weiten Teilen zustimme. Sasha Di Capri und Sidonie Smith stechen heraus und sind der einzige Grund 2 Sterne zu vergeben.
Es gibt ein paar schöne Bilder aber die Stimmung des Stückes kommt nicht rüber! Schade.

DeRpAuL (22 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


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Handlung
New York in den 1990er Jahren: Mark und Roger haben kurz vor Weihnachten Probleme, die Miete für ihren schäbigen Loft zu bezahlen. mehr

Weitere Infos
Eine deutschsprachige Version von "Rent" feierte 1999 im Düsseldorfer "Capitol" Premiere (Regie: Martha Banta) und tourte anschließend durch mehrere Großstädte. Allerdings war der Produktion nur mäßiger Erfolg beschieden - bedingt durch die Phonetikprobleme vieler Hauptdarsteller und die wenig gelungene Übersetzung von Heinz Rudolf Kunze.

 Kurzbewertung [ i ]
(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Dramaturgisch stark modifizierte Inszenierung, die den Grundgedanken des Rockmusicals vermissen lässt.

04.01.2016

 Leserbewertung
(6 Leser)


Ø 2.83 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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