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Drama

BurnOut - Das Musical

Ich brauch diese Stille in mir


© Karsten Noack
© Karsten Noack
Wenn man über ein Thema für ein Musical nachdenkt, kommt man sicherlich nicht gleich auf das Burnout-Syndrom. Und doch ist es ein wichtiges Thema und eine Krankheit, die dankenswerterweise nach und nach gesellschaftlich akzeptiert wird. So zeigt das Musical von Sabine Haydn (Buch) und Jens Uhlenhoff (Musik) auf bedrückende Weise den Weg ins Burnout und wie die Hauptfigur langsam wieder Hoffnung gewinnt.

(Text: Thorsten Wulf)

Premiere:09.10.2015
Rezensierte Vorstellung:10.10.2015
Letzte bekannte Aufführung:15.04.2016


Ben arbeitet in einer Werbeagentur; seine Frau Rebecca ist hochschwanger. Nach der Geburt stirbt sie und er bleibt mit dem Kind allein. Nach und nach ist er sowohl der Situation zu Hause als auch der kreativen Arbeit nicht mehr gewachsen. Er bekommt Druck von seinem Chef Clemens sowie von seiner Kollegin Daniela, die fortan seine Projekte leitet. Tabletten und Alkohol helfen Ben, den Alltag zu überstehen. Erst nach seinem Zusammenbruch und der Diagnose Burnout, beginnt er zu verstehen, was mit ihm geschieht. An seiner Seite ist fortan die Freundin Anna, die sich - sehr zu seiner Verwunderung - verständnisvoll zeigt.

Die Inszenierung von Thomas Smolej im schönen kleinen Imperial Club im Keller des Admiralpalastes in Berlin könnte und dürfte gar nicht bunt und groß sein. So ist es nur verständlich, dass lediglich die Farben schwarz und weiß eine Rolle spielen. Ben ist schwarz gekleidet, die anderen Darsteller je nach Rolle schwarz-weiß oder ganz in weiß. Tisch und Stuhl sowie eine Sitzgelegenheit, die die gesamte Ausstattung darstellen, sind ebenfalls schwarz. Düstere Stimmung auf der Bühne ohne ablenkende Accessoires.

So steht denn der Hauptdarsteller auch ganz im Zentrum der Inszenierung. Ben wird gespielt von Thomas Klotz. Stimmlich gefällt er mit seiner schönen, hellen und warmen Stimmfarbe und meistert die nicht immer eingängigen Songs bestens. Doch viel mehr noch steht sein Schauspiel im Mittelpunkt. Wie der junge Mann, der glücklich Vaterfreuden entgegensieht und zudem der beste Mitarbeiter der Werbeagentur ist, langsam zerbricht und sein Leben mehr und mehr aus der Spur gerät, ist bedrückend und im hohen Maße nachvollziehbar. Die Zuschauer sind in den Bann gezogen. Am Ende der einzelnen Songs dauert es oft einen kleinen Moment, bis applaudiert wird, denn eigentlich käme der Abend fast ohne Zwischenapplaus aus.

Klotz zur Seite steht die bekannte Moderatorin und Schauspielerin Miriam Pielhau. Sie spielt sowohl seine Frau Rebecca als auch seine gute Freundin Anna, die ihm Halt gibt und mit ihm seine Zukunftspläne schmiedet. Als Anna, mit schwarzer Brille und Mütze ausgestattet, gibt sie die Vertraute warmherzig und verständnisvoll. Anna ist immer für Ben da. Pielhau spielt diese Rolle schön aus und ist im guten Kontakt mit Thomas Klotz. Gesanglich merkt man bei den wenigen Solostellen, dass sie keine ausgebildete Sängerin ist, klingt aber in den Duett- und Ensemblenummern durchaus angenehm. Miriam Pielhau hat früh angefangen, sich mit dem Stück und den Songs auseinanderzusetzten, so dass sie die Gesangsparts durchaus anständig meistert. In der Rolle der Ehefrau ist die Darstellerin, vermutlich buchbedingt, weitaus oberflächlicher und nicht so nahbar wie im weiteren Verlauf des Stücks. Im zweiten Akt gibt es eine Traumszene, in der Ben mit Rebecca und Anna konfrontiert wird. Ein wirklich starker schauspielerischer Moment.

© Veit Schäfermeier
© Veit Schäfermeier

Michaela Duhme steht als Mutter und vor allem als Kollegin Daniela auf der Bühne. Auch hier findet nur ein kleiner Kostümwechsel auf offener Bühne statt, um die Rollen zu unterscheiden. In beiden Rollen kann Duhme nur ein Klischee zeichnen. Als Mutter voll Liebe für ihren kranken Sohn, als Kollegin eine von diesen schrecklichen Tussis und Besserwisserinnen, mit denen nun wirklich keiner zusammenarbeiten möchte. Gesanglich harmoniert sie bestens mit ihren Kollegen und holt alles aus den buchbedingt eher zweidimensionalen Rollen herraus.

In der besuchten Vorstellung spielt Sven Prüwer die Rollen des Vaters, des Psychiaters sowie Clemens. Ansonsten steht Veit Schäfermeier in diesen Rollen auf der Bühne. In den kurzen Momenten als Vater gelingt es Prüwer gut, ein Bild davon zu zeichnen, wie wichtig die "heile Welt" für den alten Herren ist. Er will, um die Familienehre zu retten, in seinem Bekanntenkreis erzählen, dass Ben zur Kur wegen eines Bandscheibenvorfalls ist. Als Clemens arbeitet Prüwer bestens raus, wie sich der Chef und Freund langsam von Ben abwendet und ihn allein lässt. Der Profit der Werbeagentur ist eben wichtiger als die Freundschaft. Gesanglich meistert auch er seine Songs bestens und fügt sich gut in das kleine Ensemble ein.

© Karsten Noack
© Karsten Noack

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass zu jedem düsteren Stück auch amüsante Momente gehören. So gibt es auch hier immer wieder Szenen wie beispielsweise "Gott segne die Drogen" am Anfang des zweiten Aktes, die das Publikum aufmerken lassen. Inszenatorisch wie musikalisch grenzen sich diese Momente deutlich ab. Die Bewegungen sind schnell und groß, die Musik beschwingt.

Erfreulich bei dieser Produktion ist, dass trotz des schmalen Budgets eine vierköpfige Band den Abend live begleitet. Auch der Sound im Theater lässt nichts zu wünschen übrig, so dass die Abmischung zwischen Instrumenten und Gesang stimmig ist.

Wirkliche Ohrwürmer hat das Stück nicht zu bieten. Die eher getragenen Songs passen stets zum Stück, bleiben aber nicht hängen. Trotzdem ist es ein Abend, der in Erinnerung bleibt, denn als Gesamtwerk mit starkem Schauspiel und Gesang kann "BurnOut" überzeugen.

(Text: Thorsten Wulf)






Kreativteam

MusikJens Uhlenhoff
Buch / TexteSabine Haydn
RegieThomas Smolej
BühneSam Madwar


Besetzung

BenThomas Klotz
Rebecca
Anna
Miriam Pielhau
Clemens
Vater
Psychiater
etc.
Veit Schäfermeier
Daniela
Mutter
etc.
Michaela Duhme


Frühere Besetzungen? Hier klicken


Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


Ein deutsches Off-Musical, das bewegt und begeistert!

14.10.2015 - BurnOut, das am 09.10. 2015 seine Uraufführung in Berlin erlebte, ist wunderschön, berührend, emotional - es gibt aber auch Stellen, an denen man lacht. Es wird so oft beklagt, dass es keine Musicals gibt, die nicht auf einer Vorlage beruhen, sei es ein Buch oder ein Film. Mit BurnOut ist es der Autorin Sabine Haydn gelungen, ein Musical zu schreiben, das man mit Spannung verfolgt, weil man eben nicht schon weiß, was passieren wird. Toll, dass es Autoren in Deutschland gibt, die so viel Mut beweisen und ein gänzlich neues Musical schreiben. Wer glaubt, dass eine ernsthafte Krankheit das falsche Sujet für ein Musical sei, weiß spätestens seit Next to Normal, dass es funktionieren kann. BurnOut ist aber mehr als ein Bühnenstück um ein Krankheitsbild. Es zeigt vielmehr eine Lebenskrise, die so anschaulich dargestellt wird, dass sich darin irgendwie jeder selbst wiederfindet und so unweigerlich eine Verbindung zu den Figuren aufbaut. Die vier Darsteller (Thomas Klotz, Miriam Pielhau, Veit Schäfermeier, Michaela Duhme) bilden ein kleines, aber äußerst feines Ensemble und wissen in jeder Szene zu überzeugen. Der Clou: Alle bis auf Thomas Klotz in der Hauptrolle des Ben, spielen mindestens zwei Rollen. Das klappt mühelos, was von einem sehr guten Konzept bzw. Buch zeugt. Miriam Pielhau, die eigentlich als TV-Moderatorin und Autorin bekannt ist, gibt in der Doppelrolle der Rebecca/Anna ihr Musical-Debüt. Im Gegensatz zu ihren Bühnenkollegen hat sie keine jahrelange Gesangsausbildung genossen. Man hört, dass sie sehr talentiert ist und was ihr manchmal an Kraft in der Stimme fehlt, macht sie mühelos mit ihrem großartigen, charmanten und vor allem sehr natürlichen Spiel wett. Ihre Ausstrahlung auf der Bühne ist einzigartig! Die Szene, wo sie abwechselnd Anna und Rebecca spielt und dabei zu Ben singt, war großartig. Gesanglich gewohnt stark war Veit Schäfermeier. Sowohl als fieser Agenturchef, als auch als Bens Vater überzeugt er. Übrigens, in der Vorstellung am 10.10. spielte Sven Prüwer seinen Track. Mein Kompliment für diese Darstellung! Er ist Veit Schäfermeier absolut ebenbürtig und es ist letztendlich Geschmackssache, wen man besser findet. Michaela Duhme spielt u. a. die hinterhältige Daniela perfekt und überzeugt mit einer fantastischen Stimme in einer klassischen Patter-Nummer à la Gilbert & Sullivan. Hut ab und verdienter Applaus nach dieser Meisterleistung. Thomas Klotz kann in der Hauptrolle des Ben zeigen, was in ihm steckt. Er nutzt seine schauspielerische Bandbreite. Seine Emotionen berühren und seine sympathische Art zieht das Publikum in Bann. Dazu singt er fantastisch und durchlebt seine Songs. Die Musik von Jens Uhlenhoff ist großartig. Gemeinsam mit den Texten von Sabine Haydn sind hier Lieder entstanden, die mal nach typisch Musical klingen, mal nach deutschem Pop, aber immer mit ihren einprägsamen Melodien überzeugen. Für mich gehört die Partitur zu den schönsten der letzten Jahre. Besonders hervorheben möchte ich die Texte, die mal gewitzt und clever sind (Wunderbare Welt), dann sehr emotional (Stille, Stärke) oder gar poetisch (Das Leben ist zu schön). Wie Sabine Haydn ihren Figuren Leben einhaucht mit modernen Texten, die jeder sofort versteht, dabei nie platt sind, ist bemerkenswert. Ich bin sicher, dass man von dem Team Haydn/Uhlenhoff noch viel hören wird. Es wäre der deutschen Musical-Landschaft zu wünschen. Übrigens, ich war von den zwei Vorstellungen in Berlin so begeistert, dass ich mich entschieden habe, BurnOut nochmal in Mannheim anzuschauen. Am 26.10. ist es soweit und ich freue mich jetzt schon darauf. :-)

Harpo (erste Bewertung)


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(Thorsten Wulf)

Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein herausragender Hauptdarsteller in einem bewegenden Kammermusical.

11.10.2015

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2018. Alle Angaben ohne Gewähr.

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