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Drama

Cyrano

Tragischer Held mit langer Nase


© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de
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Das Musical von Koen van Dijk und Ad van Dijk, das im Stil von "Les Misérables" und "Phantom der Oper" angekündigt wird, ist für Bielefeld gewohnt bildstark umgesetzt worden. Schwächen in Buch und Musik lassen sich trotz guter Besetzung jedoch nicht verleugnen.

(Text: Thorsten Wulf)

Premiere:06.09.2015
Rezensierte Vorstellung:06.09.2015
Letzte bekannte Aufführung:07.05.2016


Dass bei der Stückbeschreibung zu "Cyrano" selbst auf der Homepage des Theaters herausragende Werke wie die Klassiker von Boublil und Webber als Vergleich herangezogen werden, lässt musikalisch Großes erwarten. So ist denn auch die erste Enttäuschung, dass das Orchester nur neun Mann zählt. Zwar gelingt es dem musikalischen Leiter William Ward Murta, der auch die Arrangements für diese Inszenierung geschrieben hat, alles aus der Truppe herauszuholen, doch sind eben echte Streicher und Blasinstrumente nur schwerlich zu ersetzten. Die erhoffte Opulenz bleibt aus.

Die erste Szene spielt in der Pariser Oper, in der bereits die wichtigsten Figuren eingeführt werden. Da ist der stadtbekannte Poet Cyrano, der heimlich in seine Cousine Roxane verliebt ist. Die wohnt der Oper ebenso bei wie der junge Kadett Christian, der sich ebenfalls Hals über Kopf in die Schöne verliebt. Fehlen darf auch nicht Graf De Guiche, der die Gascogner Kadetten anführt, denen Cyrano und Christian angehören. Und, oh Wunder, auch er ist in Roxane verliebt.

So nimmt die Inszenierung von Thomas Winter seinen Lauf. Nicht nur der Opernchor, sondern auch Cyrano tritt von hinten durchs Publikum auf, so dass es gleich viel zu sehen gibt. Zudem ist der Orchestergraben Richtung Publikum verkleinert worden. Die so entstandene Gasse wird immer wieder genutzt, um besondere Nähe zu erzeugen.

Die Einführung der Figuren, zu denen auch der beste Freund Cyranos, Le Bret, gehört, geschieht mit hohem Tempo und gutem Witz, so dass die Freude auf einen gelungenen Abend weiter steigt. Leider verliert das Stück schon nach der ersten Szene seine Dynamik. Die gesamte Geschichte rund um die große Nase, die niemals erwähnt werden darf, ohne dass Cyrano seinen Degen schwingen will, wird ausführlich thematisiert. Viel mehr Zeit nimmt aber noch die in-Roxane-verliebt-sein-Story ein. Die Männer sind in unterschiedlichem Maße von Selbstzweifel geplagt und wollen alle darüber singen. Das dauert. Musikalisch werden dazu meist Balladen eingesetzt, die jedoch keinerlei Ohrwurmcharakter besitzen.

© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de
© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de


Der zweite Akt wird dann dichter. Die Gascogner Kadetten belagern Arras und Cyrano kann weiter im Namen Christians Briefe an die Angebetete schicken, die dann tatsächlich selbst im Lager erscheint. Als Christian stirbt, den Roxane weiterhin für den Schreiber der vielen Briefe hält, wird die Stimmung immer düsterer.

Die dramatischen, fein ausgetüftelten Songs, die teils mit dem gesamten Opernchor gesungen werden, klingen voll und gut. Jetzt nach zwei Stunden kommt, worauf das Publikum den ganzen Abend gewartet hat. Es darf allerdings erwähnt werden, dass dem Ensemble noch ein, zwei Proben gut getan hätten. Hier und da klappert es noch ganz deutlich.

Auf der Habenseite des selten gespielten Stückes stehen die tolle Ausstattung und die gelungenen Kostüme von Ulv Jakobsen. Herzstück der Inszenierung ist eine halbrunde Treppe auf der Drehbühne, die beidseitig einige Stufen nach oben führt. So entsteht eine zweite Ebene, die erweitert werden kann, indem die Treppe auseinandergezogen wird. Immer wieder neue Räume wie die Bäckerei des Zuckerbäckers, das Lager der Kadetten oder ein Rückzugsort für Cyrano werden so in wenigen Momenten erschaffen. Kleinere Projektionen und Farbstimmungen an der Rückwand erzeugen zudem die stets passende Stimmung. Die Kostüme sind zeitgetreu dem 17. Jahrhundert nachempfunden und runden das Bild ab.

© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de
© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de


Die Darstellerriege ist ebenfalls ein großes Plus der Inszenierung. Ein guter alter Bekannter in Bielefeld ist Veit Schäfermeier. Mit seiner Bühnenpräsenz nimmt er alle für sich ein. Dass er die Partitur spielend meistert, muss fast nicht erwähnt werden. Ihm gelingt es mit nuanciertem Spiel, seine innere Zerrissenheit plausibel darzustellen. Es ist doch ungewöhnlich, dass er sich über so viele Jahre nur durch die Briefe zu erkennen gibt. Doch das ist ebenso nachvollziehbar wie seine grenzenlose Unterstützung für Christian.

Dieser wird gespielt von Fabio Diso, der seit 2010 an der Joop van der Ende Academy ausgebildet worden ist. Der junge Mann bringt viel mit: Tatsächlich sieht er blendend aus und spielt seine Rolle herrlich naiv. Dass Roxanne die Täuschung nicht hinterfragt, ist nur allzu verständlich. Gesanglich ist Diso zumindest am Premierenabend nicht ganz auf der Höhe. Die tiefen Lagen gelingen wunderbar und klingen sanft, weiter oben ist noch Potenzial, was hoffentlich in den nächsten Vorstellungen gut zur Geltung kommen wird. An Spiellaune und Energie bringt er auf jeden Fall reichlich mit.

Als komödiantischer Sidekick dient John Wesley Zielmann in der Rolle des Le Bret. Er ist stets an Cyranos Seite und immer für einen Lacher gut. Zur komödiantischen Entlastung gibt es dann noch den Zuckerbäcker Ragueneau, gespielt von Carlos H. Rivas. Musikalisch gibt das Lied über das süße Essen wenig her, und auch Opernchor und die Inszenierung insgesamt scheinen die Szenen eher hinzunehmen. Was entfernt an die Thénadiers erinnern könnte, ist hier eigentlich nur überflüssig.

Der Befehlshaber De Guiche ist ebenfalls mit einem alten Bekannten in Bielefeld besetzt: Alexander Franzen. Stets mit finsterer Miene spielt er rollendeckend und singt mit warmer Stimme sein Solo im zweiten Akt, für das er viel Applaus erntet.

Bleibt noch die Frage, wie sich Roxane schlägt, um die sich doch alles dreht. Lucy Scherer, die in Deutschland als Original-Glinda in "Wicked" und später als "Ich" in "Rebecca" bestens auf sich aufmerksam machte, zeigt auch hier wieder ihr Können. Spielt sie im ersten Akt buchbedingt noch unschuldig und zurückhaltend, wächst sie zusehends im weiteren Verlauf der Show. In der letzten Viertelstunde, wenn sie nach Jahren immer noch um Christian trauert und dann erkennt, dass es Cyrano war, der all die Briefe schrieb, ist bestes Schauspiel. Ihre klare sowie teilweise stark und kraftvoll eingesetzte Stimme, passt einfach wunderbar zu ihren Songs. Überhaupt ist es durchaus nachvollziehbar, dass alle Herren Roxanne geneigt waren.

© Paul Leclaire // paul@leclairefoto.de
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Bielefeld ist mutig. In der letzten Saison haben sie mit "Bonnie & Clyde" ebenfalls ein Stück auf die Bühne gebracht, das am Broadway mit Pauken und Trompeten unterging. Hoffen wir das Beste für "Cyrano", so dass in Ostwestfalen-Lippe weiterhin spannende Entscheidungen für einen gehaltvollen Spielplan getroffen werden.

(Text: Thorsten Wulf)






Kreativteam

Musikalische LeitungWilliam Ward Murta
InszenierungThomas Winter
Bühne und KostümeUlv Jakobsen
FechtchoreographieJochen Schmidtke
Jean-Loup Fourure
TanzchoreographieVéronique Lafon


Besetzung

Cyrano de BergeracVeit Schäfermeier
RoxaneLucy Scherer
Ulrike Figgener
Christian de NeuvilletteFabio Diso
Merlin Fargel
General de GuicheAlexander Franzen
Ulrich Allroggen
Le BretJohn Wesley Zielmann
RaguenauCarlos H. Rivas
Vicomte ValvertJean-Loup Fourure
MontfleuryVladimir Lortkipanidze
ChaperonneChristin Enke-Mollnar
Kapitän Carbon de Castel-JalouxLutz Laible
1. KadettStefan Fietzek
2. Kadett
Page
Marvin Meinold



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Buch

Komposition

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gelungene Inszenierung einer schwachen Vorlage.

07.09.2015

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