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Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Ein Käfig voller Narren


Klassiker

Ein Käfig voller Narren

La Cage Aux Folles


© Marlies Kross
© Marlies Kross
In Zeiten großer Debatten über "Homo-Ehe" und Gleichstellung bezieht die Inszenierung von Sebastian Ritschel eindrucksvoll einen klaren Standpunkt für Liebe und Respekt. Dabei webt Ritschel in seinen Narrenkäfig geschickt tagesaktuelles Zeitgeschehen ein, hebt aber nie zu ermahnend den Zeigefinger und findet auch dank einer punktgenauen Besetzung immer die richtige Mischung aus Komik und Tragik.

(Text: Merle Wilts)

Premiere:23.05.2015
Rezensierte Vorstellung:23.05.2015
Letzte bekannte Aufführung:06.07.2016


Wenn Zaza sich am Ende des Finales des ersten Aktes nach "Ich bin, was ich bin" ihre Kleider vom Leib reißt und ihren nackten Oberkörper mit der Aufschrift "Stop Homophobia" entblößt, setzt das ein mehr als klares Statement mit Gänsehautfaktor. Es sind diese mutigen Ideen, die dem vielgespielten Klassiker noch einmal ganz neue Seiten abgewinnen und aus dem Stück so viel mehr als nur einen unterhaltsamen Abend machen. Zweimal setzt Zaza zu einem zweideutig-spitzen Monolog an, welche dramaturgisch gesehen definitiv zu den Höhepunkten der Show gehören. Denn wenn Adrian Becker in seiner Rolle davon erzählt, wie Homosexuelle in Russland auf brutalste Art und Weise gefoltert werden, er tagesaktuell auf die soeben entschiedene Ehe-Öffnung in Irland anspielt oder auch hinterfragt, warum Homosexualität und Pädophilie so oft auf eine Stufe gestellt werden geht ein stiller Ruck durch den Zuschauerraum. Die Botschaft kommt an und rüttelt wach.

© Marlies Kross
© Marlies Kross


Gerade auch, weil Adrian Becker in der schrillen Doppelrolle aufgeht. Seine Zaza ist sensibel, gleichzeitig herrlich komisch, aber auch eindringlich in den oben erwähnten Monologen. Egal ob als überdrehtes Showgirl, in den ruhigeren Momenten als Albin oder als liebende Mama - er zieht die Zuschauer gekonnt in den Bann des Narrenkäfigs und ist dabei auch gesanglich auf voller Höhe: Sein kräftig und ausdrucksstark gesungenes "Ich bin, was ich bin" markiert ein starkes Finale des ersten Aktes.


Doch auch der Rest seiner Familie steht ihm in nichts nach: Lebensgefährte Georges (Stefan Bley) singt sich mit warmer Stimme durch den Abend und sein liebevolles Verständnis sowohl für den exzentrischen Albin/Zaza als auch für seinen Sohn ist rührend. Besonders in den Duetten harmoniert er großartig mit seinem jeweiligen Gegenüber, wie beispielsweise beim "Song am Strand" gemeinsam mit Albin/Zaza. Stefan Reil als Sohn Jean-Michel zeigt genauso viel Spielfreude wie seine Bühneneltern. Die Rolle des eigensinnigen Sohnemanns füllt er in allen Facetten voll aus. Sein "Anne im Arm" ist wunderbar eingängig und bleibt noch lange im Ohr.

Ebenfalls überzeugt seine Anne (Laura Scherwitzl) als braves Mädchen, genauso wie die beiden stockkonservativen Eltern Marie (Yvonne Reich) und Eduoard Dindon (Hans-Peter Struppe), die in ihren überdreht spießigen Rollen Talent beweisen. Besonders beim Familiendinner im zweiten Akt funktioniert das Zusammenspiel zwischen allen Parteien hervorragend und erntet viele Lacher.
Ein Publikumsliebling ist Michael Starkl als abgedrehter Butler Jacob – sein komödiantisches Talent kommt an. Einzig die Cagelles sind stellenweise etwas zu unscheinbar, hier ist gesanglich und tänzerisch im Ensemble noch Luft nach oben.

© Marlies Kross
© Marlies Kross


Zentrales Element des Bühnenbildes (dessen Konzept ebenfalls von Sebastian Ritschel stammt) ist ein riesiges Gemälde, das sich geschickt auch als zweite Ebene nutzen lässt, da die einzelnen Paneele des Bildes drehbar sind. So entsteht teilweise ein zweiter Raum über der eigentlichen Bühne, z.B. Zazas Garderobe oder das Wohnzimmer der Dindons. Besonders optimal genutzt ist es auch zum Finale des ersten Aktes hin, als Schilder der Befürworter und Gegner von Homosexualität wie aus einem Fenster herausgehalten werden – ein optisch sehr starkes Bild! Natürlich fehlt auch die Showtreppe nicht und der riesige Jesus am Kreuz im zweiten Akt, der von der Decke hängt, wirkt herrlich übertrieben.

Kostümtechnisch bleibt dieser Narrenkäfig stellenweise dezenter, doch gerade das macht die Optik aus. Die Kostüme wirken nicht aufgesetzt, nicht zu übertrieben und sind doch in opulenter Showoptik meist in rot, blau, schwarz oder silber gehalten. Da ist beispielsweise der Anzug von Albin, der sich mit einem Ruck zum roten Abendkleid verwandeln lässt oder die Cagelles in Zirkusoptik – oder Jacob, der im Finale in einem Hauch von silbernem Nichts auf die Bühne tritt.

© Marlies Kross
© Marlies Kross


Showqualitäten beweist auch das Orchester der Neuen Lausitzer Philharmonie unter der Leitung von Ulrich Kern an diesem Abend: Beschwingt und absolut sicher spielen sie sich durch die schwierige Partitur von Jerry Herman, klingen dabei satt und voll.

"Ein Käfig voller Narren" in Görlitz ist ein mutiges Statement in einer doch eher konservativen Stadt - ein Plädoyer für Familie und Toleranz. Fast könnte man den Abend schon als ein Wagnis bezeichnen. Als am Premierenabend allerdings das gesamte Publikum sofort, nachdem der erste Vorhang gefallen ist, zu Standing Ovations aufsteht, ist sofort klar: Genau dieses Statement kommt hervorragend an und wird zu Recht belohnt. Denn es ist mehr als begrüßenswert, dass ein Theater sich so deutlich für Vielfalt statt Einfalt positioniert und ganz offen fragt: Wann hast du dich entschieden hetero zu sein?

© Marlies Kross
© Marlies Kross


(Text: Merle Wilts)






Kreativteam

Musikalische Leitung Ulrich Kern
Inszenierung, Ausstattung, Licht Sebastian Ritschel
Choreografie Dan Pelleg
Marko E. Weigert
Dramaturgie Ronny Scholz
Choreinstudierung Albert Seidl
Musikalische Einstudierung Olga Dribas
Ewa Zacharczyk-Kowal
Alexander Köhler


Besetzung

Albin | Zaza Adrian Becker
Georges Stefan Bley
Jean-Michel Stefan Reil
Jacob Michael Starkl
Edouard Dindon Hans-Peter Struppe
Marie Dindon Yvonne Reich
Anne Laura Scherwitzl
Cagelles Carlos Perez González
Enrico Paglialunga
Martin Kristensen
Dan Pelleg
Etienne Aweh
Marko E. Weigert
Philipp Förster
Amit Preisman
Nora Hageneier
Alina Jaggi
Chantal Benjamin von Reiche
Hanna Ursula Bauer
Polizisten Claus Kiesewetter
Richard Kosciolek
Pierrot Angelika Schnitzler
Neue Lausitzer Philharmonie

Chor des GHT Görlitz-Zittau





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Marlies Kross
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Handlung
"La Cage Aux Folles" ist die Geschichte des homosexuellen Albin, der als Drag Queen Zasa im titelgebenden Nachtclub seines Lebensgefährten George auftritt. mehr

Weitere Infos
Deutschlandpremiere war am 1985 am Berliner Theater des Westens

 Kurzbewertung [ i ]
(wil)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Brandaktuell, aufwühlend und dabei trotzdem herrlich komisch - dieser Narrenkäfig setzt ein mehr als gelunges Zeichen für Toleranz, bei dem alle Beteiligten überzeugen. Mitreißend!

28.05.2015

 Termine

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