Norden Westen Osten Sden
Termine aus DeutschlandsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Das Lächeln einer Sommernacht


Klassiker

Das Lächeln einer Sommernacht

Ein Weekend auf dem Lande


© Theater
© Theater
Während die meisten Festspiele landauf landab bei der Stückauswahl auf Nummer sicher gehen, nimmt man sich in Ettlingen Sondheims Ingmar-Bergman-Adaption an. Mit leichter Hand inszeniert, bunt ausgestattet und sehr gut gespielt, trifft die Aufführung den wehmütigen Ton der Vorlage ohne die Komödie zu vernachlässigen.

(Text: Ingo Göllner)

Premiere:25.06.2015
Rezensierte Vorstellung:11.07.2015
Letzte bekannte Aufführung:14.08.2015


Das Stück macht es dem Zuschauer anfangs nicht leicht. Es bietet zunächst keine einschmeichelnden Melodien, sondern stattdessen Dissonanzen und viele Personen, die fast unverständlich durcheinander singen. Da wird im Publikum schon nach wenigen Minuten auf die Uhr geschielt und auf dem Sitz herumgerutscht. Doch spätestens als die titelgebende Sommernacht passend zur Handlung hereinbricht und das Ettlinger Schloss in buntem Licht erstrahlt, zieht es in den Bann und Sondheims Klassiker entfaltet seinen ganzen Zauber.

Zur Ouvertüre kriechen seltsame Gestalten aus dem Bühnenboden: Ein Satyr und vier phantasievoll kostümierte Fabelwesen, die schon andeuten, dass wir es heute Abend vor allem mit Trieben zu tun haben werden. Regisseur Udo Schürmer fügt mit dieser mystischen Variante der sogenannten "Liebeslieders" der Handlung einen Hauch von Shakespeares "Sommernachtstraum" hinzu. Sie leiten uns durch die Geschichte, beeinflussen die Figuren des Stücks, von denen sie nicht wahrgenommen werden, kommentieren das Geschehen oder drehen Bühnenbildelemente um. Das tun sie mit ausdrucksstarker Mimik, eleganten Bewegungen und viel Präsenz.

Überhaupt verläuft die ganze Aufführung in lässiger Eleganz, aber sie hat auch das Tempo, das eine Komödie braucht. Eine Verbindung, die schwer hinzubekommen ist. Die Szenen sind hervorragend choreographiert. Hier sitzt jede Bewegung, ob bei einem der wenigen Tänze oder in den gespielten Szenen. Die sehr breite Bühne im Schlosshof wird spielerisch genutzt. Das praktische Bühnenbild besteht aus hohen grünen Stellwänden in Gebüsch-Form, die umgedreht mit wenigen Requisiten jeweils einen Raum darstellen. Das ermöglicht die vom Stück geforderten, blitzschnellen Wechsel oder auch parallel verlaufende Szenen. Und dann ist da natürlich die Schlossfassade, deren Türen und Balkon in die Handlung integriert werden, und die nach der Pause bei Einbruch der Dunkelheit bunt beleuchtet wird. Das Gebäude trägt wesentlich zur Atmosphäre des Abends bei.

Das Ensemble agiert sehr harmonisch und sowohl gesanglich als auch darstellerisch auf hohem Niveau. Doris Gallart gibt eine elegant-wehmütige und schlitzohrig-weise Madame Armfeldt, von der man sich gern Zitate gerahmt an die Wand hängen möchte. Katja Brauneis' Desirée ist eine erstaunlich bodenständige und pragmatische Diva, während Claudia Funke als ihre Tochter Fredrika unbekümmert-kindlich daherkommt.

Guido Webers Fredrik Egermann zeigt mit klangschönem Bariton bei aller Jovialität seine Ängste und Zweifel, die vor allem seine Ehe mit der viel zu jungen Ann betreffen. Sybille Lambrich spielt diese mädchenhaft naiv und dabei so sympathisch, dass man sie einfach mögen muss. Kein Wunder, dass ihr Stiefsohn Henrik (Philipp Dürnberger mit glaubhafter innerer Zerrissenheit) ihr erliegt.

Markus M. Düllmann geht in der Rolle Desirées zackigen, eitlen, aber ziemlich dummen Liebhaber Carl-Magnus Malcolm auf. Saskia Dreyer als seine zupackende, aber wegen seiner Untreue zutiefst verletzte Frau Charlotte berührt besonders in "Jeden Tag ein kleiner Tod". Cornelia Uttingers Dienstmädchen Petra ist erst frivol und aufgedreht und überrascht dann mit dem melancholischen "Ich heirate des Müllers Sohn".

Auffällig ist, dass es bei den ruhigen Liedern fast keine Bewegung auf der Bühne gibt – und es wirkt dennoch nicht langweilig oder uninspiriert, denn die Darsteller ziehen durch Ausstrahlung und Ausdruck in den Bann.

Das Orchester sitzt im Inneren des Schlosses. Den Dirigenten Jürgen Voigt kann man an der Balkontür von hinten sehen. Leider schafft es die diffizile und filigrane Musik nur sehr blechern und wenig differenziert durch die Tonanlage nach draußen. Sehr schade! Der Klang insgesamt ist der einzige Wermutstropfen dieses Abends.

"Das Lächeln einer Sommernacht" schafft den Spagat zwischen anspruchsvollem Musiktheater und unterhaltsamem Musical. Es gibt die Sondheim-typischen rhythmischen Verschiebungen, schrägen Harmonien und Kanon-artigen Chöre, aber auch Ohrwürmer. Den "Nachtwalzer", "Ein Weekend auf dem Lande" und "Wo sind die Clowns" trägt man noch eine Weile mit sich herum. Die Geschichte über unausgesprochene Leidenschaften und verpasste Chancen paart sich mit der Bäumchen-wechsel-dich-Komödienhandlung mit geschliffenen Dialogen und auch ein großer Teil des Wortwitzes konnte in die deutsche Übersetzung herübergerettet werden.

Udo Schürmer (Regisseur des Stücks und Intendant der Schlossfestspiele) ist mit der Auswahl des Stückes ein Wagnis eingegangen, aber der Erfolg gibt ihm Recht. In Ettlingen lächelt die Sommernacht nicht, sie strahlt!

(Text: Ingo Göllner)






Kreativteam

Musikalische Leitung Jürgen Voigt
Regie Udo Schürmer
Choreografie Christine Rothacker
Bühne Steven Koop
Kostüme Anne Weiler


Besetzung

Désirée ArmfeldtKatja Brauneis,
(Carolin Isabelle Ruthig)

Fredrik EgermanGuido Weber,
(Thomas Schirano)

Carl-Magnus MalcolmMarkus Maria Düllmann
Henrik EgermanPhilipp Dürnberger,
(Oliver Heim)

Charlotte MalcolmSaskia Dreyer,
(Agneta Hanappi)

Anne EgermanSybille Lambrich
Madame ArmfeldtDoris Gallart,
(Christine Rothacker)

Fredrika ArmfeldtClaudia Funke,
(Agneta Hanappi)

PetraCornelia Uttinger,
(Teresa Scherhag)

Butler FridTim Reichwein
Gene ErlansonOliver Heim
Teri NordstromTeresa Scherhag
Barbara AnderssenCarolin Isabelle Ruthig
Beth SegstromChristine Rothacker
Ben LinquistThomas Schirano




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Theater
© Theater
© Theater
© Theater
© Theater
© Theater


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Schlossfestspiele
Schlossplatz 3
D-76275 Ettlingen
07243/101380
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(ig)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Sondheims musikalisch sperrige, melancholische Seitensprung-Komödie at it's best: bunte, leichte Inszenierung, hervorragendes Cast und ein Aufführungsort mit viel Atmosphäre.

13.07.2015

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2021. Alle Angaben ohne Gewähr.

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

   Ein Platz für Ihre Werbung?

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;