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Klassiker

Cabaret

Leben und Leben lassen


© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre
"Draußen ist es kalt, aber hier drinnen ist es heiß" singt der Conférencier zu Beginn des bekannten Musicals um den Kit-Kat-Club in Berlin zur Zeit der ausklingenden Weimarer Republik. Bei der Premiere an einem kühlen Sommerabend erscheinen die Besetzung wunderschön, die Bühne wunderschön und das Orchester wunderschön. Die Qualität der Inszenierung von Gil Mehmert haucht dem frierenden Publikum trotz des aufkeimenden Nationalsozialismus auf der Bühne Wärme ein.

(Text: Hardy Heise)

Premiere:19.06.2015
Letzte bekannte Aufführung:28.08.2016


Als neuer Intendant der Bad Hersfelder Festspiele setzt Dieter Wedel den dortigen Trend der Klassiker fort und zeigt mit "Cabaret" von John Kander und Fred Ebb aus dem Jahr 1966 ein sehr häufig gespieltes Musical. Das Stück war in der Stiftsruine bereits 1995 und 1996 zu sehen. Wedel engagierte bekannte Gesichter in der Darstellerriege und im Kreativ-Team.

Bettina Mönch als idealbesetzte Sally Bowles mit kraftvollem, klarem Belt und der exzellente Rasmus Borkowski als Clifford Bradshaw verkörpern Ihre Parts glamourös. Mit seinem intensiven Spiel und seiner angenehmen Stimme gelingt es Borkowski, der ruhigen Rolle des Cliff mehr Tiefgang zu verleihen als viele seiner Rollenvorgänger. Er ist der Ruhepol zur extravaganten Sally, deren Verletzlichkeit hinter ihrer vergnügungssüchtigen Fassade von Mönch sehr gut herausspielt wird. Bei ihren vier Solo-Nummern erzeugt sie jeweils Gänsehautstimmung.

© Klaus Lefebvre
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Bei den Rollen von Fräulein Schneider und Herrn Schulz wurde der Fokus auf das Schauspiel gelegt. Judy Winter und Helmut Baumann lassen die beiden liebevoll miteinander umgehen und geben den Figuren gelebte Zuneigung und innere Wärme. Das Zerbrechen Ihrer späten, kurzen Liebe stellen sie anrührend und ergreifend dar; vor allem kurz nach ihrer Trennung schaffen es beide ihre Gefühle zueinander überzeugend auf die Bühne zu bringen. Durch Winters Solo „Wie geht’s weiter“ wird Ihr Schmerz stimmlich und körperlich nun fast schon spür- und sichtbar. Helmut Baumann gibt daneben einen liebenswerten Herrn Schulz mit dem Herz am rechten Fleck und den Höflichkeiten in jedem rechten Moment. Damit spielen sich beide mit ihren Nebenrollen nahezu in den Vordergrund.

Der Part des Conférenciers wird auch in dieser Inszenierung – so wie bereits bei der deutschsprachigen Erstaufführung 1970 in Wien – von einer Frau übernommen. Damals war es Burgschauspielerin Blanche Aubry; in ihrem fünften Sommer in Bad Hersfeld steht Helen Schneider in dieser Erzählerrolle auf der Bühne. Sie ist ein zartes, blasses und um die Augen stark pink-geschminktes Wesen mit knallroten Lippen, Pagenschnitt, Anzug und Strumpfhalter. Dazu besticht sie durch ihre herausragende, variable Stimme und ihr präsentes, akzentuiertes Spiel. Mit Mehmert hat sie einen ähnlichen Rollenansatz bereits bei "Der Ghetto Swinger" erarbeitet und nun perfektioniert.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre


Schon ihr Auftakt aus dem Publikum heraus bei der Eröffnungsnummer "Willkommen, Bienvenue, Welcome" setzt Akzente. Mit Hilfe von übergroßen weißen Handschuhen, die sie an schwarzen langen Stöcken durch die Luft kreisen lässt, dirigiert sie innerhalb des Stückes immer wieder nahezu clownesk das Ensemble und spielt andeutungsweise den riesigen Flügel, der den Boden des Kit-Kat-Clubs bildet. Dessen riesige Tasten dienen neben dem Interieur des Clubs ebenfalls als Ablage der Obstkisten im Laden von Herrn Schulz. Insgesamt ist der Flügel und somit die Bühne des Kit-Kat-Clubs schräg und bildet damit ein erstes Anzeichen der Schieflage der Gesellschaft zu jener Zeit.

Heike Meixners auf den schiefen Flügel aufgesetzte dreistöckige Drehbühne ist ein Highlight der Aufführung. Die Bühne – eine Art Karussell des Lebens – wird durch das Ensemble bewegt und schafft schnell den Wechsel zu den verschiedenen Spielorten wie die Pension Fräulein Schneiders, den Kit-Kat-Club oder den Obstladen von Herrn Schulz. Über allem ist in einzelnen, großen Leuchtbuchstaben der Schriftzug "Berlin" zu sehen, der Ort der Handlung. Ein begehbarer Steg vor den sichtbaren Musikern im flachen Graben direkt vor der ersten Zuschauerreihe schafft immer wieder eine große Nähe zum Publikum.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre


Es ist herrlich, dem gut aufgelegten 19-köpfigen Orchester unter der versierten Leitung von Christoph Wohlleben zu lauschen. Die Musiker intonieren die fabelhaften Melodien Kanders mit den vielen Ohrwürmern wunderbar und bereiten so Musikhochgenuss. Der gut ausgesteuerte Sound im perfekten Zusammenspiel aus Stimmen und Orchester ist ausgezeichnet, so dass die Klänge die Stiftsruine wohlklingend ausfüllen.

© Klaus Lefebvre
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In Gil Mehmerts straffer Inszenierung ist die aufkommende Bedrohung durch die Nazis spürbar. Gemäß den Worten "Leben und leben lassen" verschwimmen die Geschlechterrollen in dieser Produktion immer wieder. Dies kommt zusätzlich in den anspruchsvollen Choreografien von Melissa King und den aufwändigen, stilvollen Kostümen von Falk Bauer heraus, bei denen die Tänzer zum Teil einen im schwarzen Frack gekleideten Mann und zum anderen Teil eine Frau im weißen, zeittypischen Kleid in einer Person darstellen. Die kurzhaarige, große Sally zieht beim Song "Einmalig himmlisch" Cliffs Kleidung an, dessen Bisexualität am Anfang direkt angesprochen wird. Alles zusammen schafft dies einen deutlichen Bezug zu aktuellen Themen der Gegenwart wie Homo-Ehe oder Frauenquote.

© Klaus Lefebvre
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Am Ende des Stückes hat Cliff bei seiner Fahrt zurück in die USA endlich den Stoff für seinen Roman zusammen: Er schreibt über seine Erfahrungen in Berlin und lässt die Handlung noch einmal Revue passieren. Der Conférencier schließt die Show mit der Frage "Wo sind ihre Sorgen jetzt? Vergessen!". Trotz so viel Schmerz auf der Bühne und trotz des kalten Sommerabends ist dem Publikum nun dank so einer glänzenden Umsetzung des Klassikers richtig warm ums Herz geworden.

© Klaus Lefebvre
© Klaus Lefebvre


(Text: Hardy Heise)






Kreativteam

MusikJohn Kander
TexteFred Ebb
BuchJoe Masteroff
Deutsche ÜbersetzungRobert Gilbert
InszenierungGil Mehmert
Co-RegieErik Petersen
Musikalische LeitungChristoph Wohlleben
ChoreographieMelissa King
BühneHeike Meixner
KostümeFalk Bauer
SoundJörg Grünsfelder
LichtUlrich Schneider


Besetzung

ConférencierHelen Schneider
Sally BowlesBettina Mönch
Cliff BradshawRasmus Borkowski
Frl. SchneiderKathrin Ackermann
Herr SchultzHelmut Baumann
Ernst LudwigBjörn Bonn
Frl. KostJessica Kessler
MaxOliver Morschel
PiccoloMatthias Trattner
Kit-Kat-GirlsYael de Vries
Yara Hassan
Nicky Milford
Eva Zamostny
Jane Reynolds
Kit-Kat-BoysTobias Brönner
Ben Cox
Luke Giacomin
Michael B. Sattler


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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


30807
Tolle Besetzung

07.07.2015 - Ich habe die Vorstellung am 1.7.15 besucht und war voller Vorfreude auf die Besetzung.
Wie immer ist die Stiftsruine eine beeindruckende Kulisse und es ist spannend zu sehen, wie sie den verschiedensten Stücken einen passenden Rahmen bieten kann. Das grüne Foyer ist sicherlich Geschmackssache, aber der Service und die Preise sind in meinen Augen verbesserungswürdig.

Die neu eingeführte Pause mag vielleicht bei einigen Stücken gut sein. Aber bei Cabaret ging der 2. Akt gerade mal 40 Minuten. Hätte man es durchgespielt, wäre das auch ok gewesen. Vor allem frage ich mich, wer bei schlechtem Wetter noch mal gerne ein Glas Wein in der Pause trinken möchte.

Die Inszenierung konzentrierte sich auf den vorderen Teil der Bühne. Das hintere Kirchenschiff und die Seitenbühnen wurden nicht mit einbezogen. Neu war eine vor dem Orchestergraben ins Publikum reinragende Bühne. Das Bühnenbild bestand aus einem mehrstöckigem Karussel, welche alle Handlungsorte darstellte. Dadurch waren die Szenenwechsel flüssig und der Inszenierung wurde dadurch eine intimere Atmosphäre gegeben, was auf so einer großen Bühne von Vorteil war. Die Personenregie ermöglichte den meisten Rollen eine glaubwürdige Entwicklung. Ich finde es immer sehr fraglich, wenn Sally Bowles als Hauptrolle hervorgehoben wird. Cabaret ist in meinen Augen vielmehr ein Ensemblestück. Die Beziehung von Herrn Schultz und Frau Schneider ist sehr berührend. Sally Bowles ist für mich persönlich einer eher unsympathischere Rolle. Der Conferencier ist hier eher der Beobachter, der mit seinen Songs die Szenerie bewertet.

Die Kostüme stachen in meinen Augen wenig hervor, wurden der Handlung aber gerecht.

Das Orchester konnte die musikalische Seite des Abends hervorragend umsetzen. Die einzelne Klangfarben der Instrumenten waren zu hören und das Tempo war angemessen. Wie so oft konnte man sich überzeugen, dass ein Musical durch ein großes Orchester nur an Qualität dazugewinnt und Einsparungen auf dieser Seite ein völlig falscher Ansatz für das Musiktheater ist.

Das Ensemble harmoniert sehr gut miteinander und setzt die tänzerischen Anforderung sehr gut um. Vor allem auf dieser kleinen, schrägen Bühne. Jessica Kessler hat als Fräulein Kost die meisten der wenigen Lacher auf ihrer Seite. Als Mitläuferin verliert auch sie im Laufe des Stückes an Sympathie. Björn Bonn spielt seine Rolle ebenfalls gut. Seine Wandlung zum Nazi erfolgt sehr schnell und für mich nicht immer ganz nachvollziehbar.
Bettina Mönch zeigt als Sally all ihr Können. Sie singt kraftvoll und sicher die bekannten Songs. Warum die für den Film neu komponierten Lieder (Money, Maybe this time) auf Englisch gesungen werden, erschließt sich mir nicht. Gerade für das Bad Hersfelder Publikum wäre es hilfreicher gewesen, wenn Sally ihr Maybe this time auf deutsch hätte singen können.
Rasmus Borkowski ist ein wunderbarer Cliff. Leider sind seine stimmlichen Fähigkeiten in dieser Rolle kaum gefragt. Seine schauspielerischen Leistungen waren aber sehr gut
Judy Winter konnte ihre Gefühle schauspielerisch und gesanglich sehr gut ausdrücken. Ihrer Frau Schneider konnte man die Verzweiflung und Angst sehr gut ansehen. Helmut Baumann war sein sehr sympathischer Herr Schultz. Hier hat er mir wesentlich besser gefallen als noch vor vier Jahren in Sunset Boulevard.
Helen Schneider zeigte als Conferencier eine tolle Leistung. Ob diese Rolle durch eine Frau besetzt werden muss, ist fraglich. Ich denke, dass hier einfach das Publikumsinteresse im Vordergrund stand.

Insgesamt war es ein sehr schöner Abend, der viel zu wenig Applaus erhalten hat. Das Bad Hersfelder Publikum war sehr träge an diesem Abend und hatte mit der schwereren Kost wohl ihre Probleme. Eine Komödie hätte bestimmt mehr Anklang gefunden.

Daniel² (8 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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Handlung
Berlin kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. mehr

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Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

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(hh)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Regisseur Gil Mehmert bringt den Musical-Klassiker in einer modernen Inszenierung mit wandlungsfähigem Bühnenbild, erstklassigem Orchester und Star-Besetzung in die Stiftsruine.

28.06.2015

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