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Klassiker

Cabaret

Maybe this time


© Birgit Hupfeld
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Einem Stück, das seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner auf deutschen Bühnen ist, neue Aspekte abzugewinnen ist gar nicht so leicht. Regisseur Reinhardt Friese und sein Kreativteam haben sich für eine konzentrierte und schlichte Umsetzung entschieden, die den Fokus von jeglichem Brimborium nimmt und auf die einzelnen Charaktere legt.

(Text: Maik Frömmrich)

Premiere:13.12.2014
Rezensierte Vorstellung:13.12.2014
Letzte bekannte Aufführung:07.02.2016


Das Bühnenbild von Günter Hellweg erinnert in seiner Gesamtwirkung und Schlichtheit an das Konzept der Revival-Inszenierung von "Chicago". Zentrales Element ist eine Art riesiger durchlöcherter Zylinder, der sich auf einer Drehbühne mit Glasstein-Stufen befindet. Dieser Zylinder wird nach Bedarf hochgefahren und offenbart eine Bühne mit Showtreppe. Davor befinden sich lediglich schwarze Stühle, ergänzt mit einem Steg über dem Orchestergraben. Bestimmend für den wirkungsvollen visuellen Gesamteindruck ist das äußerst gelungene Lichtdesign, das nur punktuell in bestimmten Szenen farbiger wird und eher durch eine schwarz-weiß Ästhetik auffällt. Solch eine gut durchdachte Ausleuchtung findet man selten bei Musicalproduktionen an Stadttheatern.

© Birgit Hupfeld
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In diesem reduzierten Szenarium erzählt Friese die bekannte Geschichte im ersten Akt überraschend leichtfüßig und locker. Durch diesen Ansatz ist die Fallhöhe zum dramatischeren zweiten Akt höher. Eher grundsätzlich unsympathische Figuren wie Ernst Ludwig erscheinen in Frieses Inszenierung sympathischer als üblich, sodass der unwissende Zuschauer umso überraschter ist, wenn er sich zum Ende des ersten Aktes als Nationalsozialist und Antisemit outet.

© Birgit Hupfeld
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Trotzdem vermisst man den Tiefgang in der zweiten Hälfte: Die einzelnen Schicksale der Figuren lassen doch etwas kalt. Vielleicht liegt es an der recht schnellen, fast filmartigen Abwicklung der Handlung, die auch das Streichen einiger Songs und Szenen zur Folge hatte. Selbst das Scheitern der normalerweise rührigen Liebesgeschichte zwischen Herrn Schultz und Fräulein Schneider vermag kaum zu ergreifen, obwohl Rezo Tschickwischwili mit seiner lebensfrohen, kindlich-naiven Interpretation des Herrn Schultz mit einem scheinbar unzerstörbaren Optimismus erfrischende Akzente setzt. Tragisch bleibt letztendlich allein das Wissen des Zuschauers, dass die beginnende NS-Zeit kein gutes Ende für die Juden nehmen wird.

© Birgit Hupfeld
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Schauspielerin Janina Sachau in ihrer ersten Musicalrolle als Sally Bowles kommt stimmlich im tieferen Bereich recht voluminös-soulig daher, fällt in den Höhen aber eher durch eine dünne, etwas quiekende Stimme auf. Die ständigen Registerwechsel in den Songs sind auf Dauer leider etwas enervierend. Darstellerisch ist ihre Sally Bowles schwer zu fassen, sie bleibt unnahbar und der vielleicht aussagekräftigste Song "Maybe This Time" verliert in Sachaus ungewöhnlicher, fast poppiger Interpretation die emotionale Strahlkraft. Ihr Gegenüber gibt Thomas Meczele als Clifford Bradshaw erstaunlich resolut und dominant. Er weiß, was er will, und lässt sich nur bedingt von Sally Bowles um den Finger wickeln – ungewöhnlich für eine Rolle, die doch meist eher im Schatten steht. Herausragend und somit Dreh- und Angelpunkt der Aufführung ist allerdings Jan Pröhl als Conférencier, der hinkend und mit angeklatschter Hitlerfrisur äußerst schmierig durch das Stück leitet und auch stimmlich seine Nummern gekonnt über die Rampe bringt. Er agiert als Strippenzieher, als zynischer, sexgeiler Kommentator, der in seiner gesamten Erscheinung so widerlich und abstoßend wie faszinierend ist. Mit seinen Manierismen wäre er auch in einem Stück von Wilson und Waits gut aufgehoben.

© Birgit Hupfeld
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Das passt zu Frieses Aussage im Programmheft, dass er die Inszenierung rauer und dreckiger á la Waits anlegen wollte – was sich auch wunderbar in der musikalischen Seite widerspiegelt. Die achtköpfige Band unter der Leitung von Hajo Wiesemann präsentiert die Partitur teilweise neu arrangiert, es klingt kantiger und kerniger, was den Kompositionen eine erfrischende Note gibt.

© Birgit Hupfeld
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Ergänzt wird der insgesamt gute Eindruck durch gelungene Choreografien von Stephan Brauer, der vor allem die Stühle für spannende Bilder benutzt und dem Ensemble der Folkwang Hochschule tolle Möglichkeiten zum Glänzen gibt. Auch wenn Cabaret-Inszenierungen keine Seltenheit in Deutschland darstellen, so kann man hier definitiv eine der gelungeneren Versionen der letzten Jahre anschauen, die trotz der kleineren Mängel überaus sehenswert ist.

© Birgit Hupfeld
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(Text: mf)






Kreativteam

Inszenierung Reinhardt Friese
Musikalische Leitung Hajo Wiesemann
Choreografie Stephan Brauer
Bühne Günter Hellweg
Kostüme Annette Mahlendorf
Dramaturgie Vera Ring


Besetzung

Conférencier Jan Pröhl
Clifford Bradshaw Thomas Meczele
Ernst Ludwig Stefan Diekmann
Sally Bowles Janina Sachau
Fräulein Schneider Ingrid Domann
Herr Schultz Rezo Tschchikwischwili
Fräulein Kost Marieke Kregel
Kit-Kat-Boys and -Girls Alina Grzeschik
Florentine Kühne
Eva Löser
Karen Müller
Philipp Nowicki
Jan Rogler
Miriam Anna Schwan
Stefanie Köhm




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Birgit Hupfeld
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Handlung
Berlin kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. mehr

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Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

 Kurzbewertung [ i ]
(mf)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Gelungene Inszenierung des Klassikers, die durch ein stimmungsvolles Bühnenbildkonzept und einem herausragenden Jan Pröhl als Conférencier im Gedächtnis bleibt.

14.12.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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