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Tanz-Musical

Eine wilde Party (Lippa)

Die Hitze der Nacht


© Andreas Hartmann
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Nebelschwaden auf der Bühne, ein Ensemble, das in Unterwäsche oder Probenklamotten viel Haut zeigt, laszive Choreographien zu jazziger Musik – nicht nur in der Eröffnungsnummer fühlt man sich an das viel bekanntere Musical "Chicago" erinnert. Doch nach fesselndem Beginn geht der Party im weiteren Verlauf die Puste aus...

(Text: Michael Rieper)

Premiere:03.05.2015
Rezensierte Vorstellung:03.05.2015
Letzte bekannte Aufführung:14.07.2015


Auch "Eine wilde Party" spielt im Vaudeville-Milieu der 1920er Jahre. Die Hauptpersonen Queenie und Burrs führen seit mehreren Wochen eine wahrlich komplizierte Beziehung. Beide investieren viel Leidenschaft, doch Burrs neigt zur Gewalttätigkeit und so plant Queenie eine Party, auf der sie ihn eifersüchtig machen will. Kennt sie ihn doch gut genug, um zu wissen, dass er sich dann komplett lächerlich machen wird – die perfekte Rache für die erlittenen Demütigungen. Und als auf der Party dann ihre alte Freundin Kate, die ein Auge auf Burrs geworfen hat, samt Zufallsbekanntschaft Black auftaucht, hat Queenie ihren Flirt-Partner gefunden. Doch dann scheint sie sich tatsächlich in Black zu verlieben, und so nimmt das Drama seinen Lauf...

© Andreas Hartmann
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Dass der Abend dann aber doch nicht so spannend verläuft, wie es diese Konstellation erhoffen lässt, liegt zuerst einmal an dem langatmigen Buch. In der ersten halben Stunde erzählen Queenie und Burrs die Vorgeschichte der Party. Dann beginnt die Feier und soll die restlichen gut anderthalb Stunden füllen. Aber trotz all des wilden Treibens, das auf der Bühne zu bewundern ist, zieht sich der Abend doch sehr in die Länge.

© Andreas Hartmann
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Die Grundkonstellation wird schnell deutlich: Queenie und Black fühlen sich sehr voneinander angezogen, Kate ist scharf auf Burrs, doch für ihn zählt nur Queenie. Das Beziehungsnetz spinnt sich immer fester um die vier, doch der Weg zum erlösenden Knall ist weit – und langatmig. Autor Andrew Lippa versuchte die Dialoge der vier mit Szenen der weiteren Partygäste abzuwechseln, doch auch diese Auflockerung gelingt nur zum Teil. Eine großartige Szene ist ihm für die lesbische Madeleine gelungen, die mit "Eine altmodische Love-Story" den schönsten Song des Abends bekommen hat. Dank Judith Blochs großartiger Interpretation ein wahrer Showstopper! Doch leider haben die anderen Szenen nicht diese Qualität. Das schwule Brüderpaar beispielsweise, das die Finger nicht voneinander lassen kann, hat eine Vaudeville-Nummer über mehrere biblische Figuren geschrieben, die im Laufe der Party vorgetragen wird. Diese Szene - wie alle anderen Tanz-Szenen erstklassig von Annika Dickel choreographiert - ist inhaltlich jedoch genauso uninteressant und zäh wie das Duett "Wir gleichen uns so", mit dem sich Preisboxer Eddie und sein Schnittchen Mae vorstellen.

© Andreas Hartmann
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Auch das Kreativteam hat sich bemüht, die Schwäche des Buches zu überspielen. Neben den schön anzusehenden Choreographien hat Dirk Immich ein Bühnenbild voller Details, in dem es einiges zu entdecken gibt, entworfen. Im Zentrum der Bühne befindet sich das Wohnzimmer von Queenie und Burrs, der Hauptort der Party. Links und rechts am vorderen Rand der Bühne stehen zwei Stellwände, vor denen bei Bedarf durch immer wieder hin- und hergeräumte Matratzen Nebenräume angedeutet werden, in die sich einige Partygäste zu Dialogen oder auch handfesteren Aktivitäten zurückziehen. Mit unterschiedlich farbigem Licht wird das Auge des Zuschauers geführt und der Eindruck der Dekadenz verstärkt.

© Andreas Hartmann
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Regisseurin Katja Buhl hat mit ihren Hauptdarstellern intensiv an dem Beziehungsgeflecht gearbeitet, doch neben dem schwächelnden Buch kann auch die Besetzung nicht komplett überzeugen: Den stärksten Eindruck hinterlässt Alexander Prosek in der schwierigen Rolle des Burrs. Er stellt seine gewalttätige Seite überzeugend dar, lässt dabei aber auch immer wieder die Liebe zu Queenie, den Schmerz über die befürchtete Untreue und die Unzufriedenheit über seine Gewalttaten erkennen. Ein faszinierendes Porträt! Sandra Pangl stürzt sich mit viel Engagement in die nicht minder herausfordernde Rolle der Queenie, doch es muss die Frage gestattet sein, ob es geschickt war, sie mit einer Darstellerin im Jahr Eins nach der Musical-Ausbildung zu besetzen. Etwas mehr Verruchtheit sowie Lebens- und Rollenerfahrung hätten der verführerischen Queenie gut zu Gesicht gestanden. Gerade das Zusammenspiel mit Black wirkt bei weitem nicht so leidenschaftlich wie es die Story hergibt. Für Björn Schäffer gilt noch deutlicher, dass er zu jung und unerfahren - und damit konturenlos - wirkt. Black sollte eigentlich ein mondäner weltgewandter Mann sein, dessen Charisma in Bann zieht – leider trifft das alles auf Schäffers Interpretation überhaupt nicht zu. Er singt mit wohlklingender Stimme, wie für den Gesangsunterricht vorbereitet, aber er lebt die Rolle nicht. Caroline Zins komplettiert das Leading Quartet. Sie startet mit einem forschen Auftritt, der gleich deutlich macht, dass ihr die Bühne gehört, wenn sie will, doch letztendlich verkommt Kate in ihrem chancenlosen Dauerbemühen, Burrs rumzukriegen, rollenbedingt zu einer besseren Stichwortgeberin.
Das Finale beinhaltet die klassische Szene, in der drei Personen um eine Pistole rangeln. Als dann der Schuss fällt, weiß auf den ersten Blick niemand, wer denn nun getroffen wurde. Doch wirklich spannend ist diese Situation nicht, denn sympathisch kam keine der Figuren rüber. So lässt den Zuschauer das Schicksal der Protagonisten recht kalt – und die Auflösung des turbulenten und kreativ inszenierten, aber trotzdem nicht fesselnden Dramas verpufft.

(Text: Michael Rieper)




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Kreativteam

Musik, Buch und TexteAndrew Lippa
InszenierungKatja Buhl
Musikal. LeitungAndreas Unsicker
AusstattungDirk Immich


Besetzung

QueenieSandra Pangl
BurrsAlexander Prosek
BlackBjörn Schäffer
KateCaroline Zins
Madeleine TrueJudith Bloch
EddieAndreas Goebel
MaeMagdalene Orzol
Oscar D'ArmanoJürgen Brehm
Phil D'ArmanoTim Müller
Sam HimmelsteenJens Krause
RenoAnnika Dickel
NadineDenise Vilöhr
JackieJarred Ramon Bailey




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Tolle Choreographien, aber der wilden Party geht im Laufe des Abends die Puste aus - aufgrund des langatmigen Musical-Buches und einer teilweise zu jungen und unerfahrenen Besetzung

05.05.2015

 Termine

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