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Drama

Jesus Christ Superstar

So this is Jesus Christ - I am really quite surprised


© Björn Hickmann, Stage Picture
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Nach dem großen Erfolg am Theater Bonn ist „Jesus Christ Superstar“ in der packenden Inszenierung von Gil Mehmert in Dortmund zu sehen. Prominent besetzt und kein bisschen in die Jahre gekommen, zieht Andrew Lloyd Webbers Rockoper die Zuschauer am Premierenabend im ausverkauften Opernhaus in ihren Bann und bietet ein beeindruckendes Musicalerlebnis, das lange nachwirkt.

(Text: Silke Milpauer)

Premiere:19.10.2014
Rezensierte Vorstellung:19.10.2014
Letzte bekannte Aufführung:12.11.2015


Schlichtweg überwältigend – anders kann man das, was dem Dortmunder Publikum im ausverkauften Opernhaus am Premierenabend geboten wird, nicht bezeichnen. „Jesus Christ Superstar“ wurde 1971 uraufgeführt und handelt von den letzten sieben Tagen im Leben Jesu aus der Sicht von Judas. Die Rockoper erzählt von Liebe, Vision, Glauben und Verrat. Langweilig, in die Jahre gekommen, ausgelutscht? Keineswegs. Gil Mehmert, der in Dortmund schon bei „Ganz oder gar nicht - The full Monty“ Regie führte, transportiert das Stück in die Gegenwart und verdeutlicht damit die Aktualität der aufgegriffenen Themen.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Temporeich und packend kommt seine Inszenierung, für die er tief in die Trickkiste der Regie-Kniffe greift, daher. Beim Betreten des Saals liegt Jesus, gekleidet in Jeans und ein weißes Sweatshirt, bereits auf dem Kreuz, auf dem er später hingerichtet werden soll. Seine Anhänger werden zu „Jesus People“, die auf Spruchbändern „Love one another“ und andere Friedensbotschaften skandieren. Das letzte Abendmahl gleicht einem Hippie-Picknick-Gelage und Jesu Verhör durch Pilatus und Kaiphas gerät zum öffentlichen Prozess-Spektakel, an dem neugierige Zuschauer nur teilnehmen dürfen, nachdem sie von Security-Männern gewissenhaft abgetastet wurden. Jesus wird im orangefarbenen Gefängnisanzug vorgeführt. Pilatus ist ein Drogen-Junkie, der sich während seines Solos („Pilate's Dream“) einen Schuss setzt und Herodes präsentiert sich als Varieté-Künstler im roten Anzug, wobei Frisur und Make-up fatal an den Joker aus den Batman-Verfilmungen erinnern. Die Heiden im Tempel treten dem Dortmunder Publikum in Form eines schwuchteligen Designers samt Models entgegen, die auf dem kurzerhand zum Catwalk umfunktionierten Kreuz eine Modenschau inszenieren.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Das Bühnenbild von Beatrice von Bomhard gleicht einer halbrunden Arena, in deren Mitte vorne über dem Orchestergraben das überdimensionale Kreuz liegt. Links und rechts wird die große Spielfläche durch Treppenaufbauten begrenzt, die bei den imponierenden Massenszenen immer wieder viel Platz für Darsteller und Chor bieten. Durch Hebetechnik entstehen verschiedene bespielbare Ebenen. Um seinen Verrat zu begehen, muss sich Judas beispielsweise eine Etage tiefer begeben, hinabsteigen also – eine Symbolik, der man sich nur schwer entziehen kann. Die Hohepriester Hannas und Kaiphas hingegen schweben mittels eines Brückenelements von oben ein und stehen so beobachtend über dem Pulk, der sich um Jesus gebildet hat. Dort fällen sie den Beschluss, dass dieser sterben muss („This Jesus must die“), während für Jesus Anhänger unten die Welt noch in Ordnung ist („Everything's alright“/„Hosanna“). Es sind bewusst eingesetzte Kontrastmomente wie diese, die für atmosphärische Dichte sorgen.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Über der Bühne auf einer Art Balkon rangiert die Band unter der musikalischen Leitung von Jürgen Grimm. Grimm hat seine Leute fest im Griff und dirigiert sie sicher durch die zeitlose Vielfalt der musikalischen Nummern. Laute, harte Rockmusik, Popsongs, große Chöre und berührende Balladen wechseln sich ab. Zusammen ergeben sie ein verdammt kurzweiliges Ganzes, das an keiner Stelle antiquiert klingt. Oberhalb der Bühne wird außerdem eine kurze Zusammenfassung des Inhalts jeder neuen Szene in ein bis zwei Sätzen eingeblendet. Diese kurze Szenensynopsis ist ein guter Kompromiss zwischen der herkömmlichen Komplettübersetzung aller Lyrics und der Verwendung von Kapitelüberschriften. So wird sichergestellt, dass auch Zuschauer, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, der Handlung folgen können, ohne jedoch von fortlaufender Schrift vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt zu werden.

Passend zum Bühnenbild hat Bomhard Kostüme entworfen, die die Bibelcharaktere auch rein äußerlich zu greifbaren Menschen des Hier und Jetzt werden lassen. Jesus beispielsweise ist nicht anders gekleidet als jeder junge Mann seines Alters. Seine Geliebte Maria Magdalena erscheint in Mini-Jeansshorts, hohen Stiefeln und Top. Die Priester hingegen tragen fesche Anzüge und überreichen Judas dessen Blutgeld in kleinen Scheinen im formschönen, silbernen Koffer.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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So großartig die Ausstattung auch sein mag: Leben eingehaucht wird ihr erst von der fantastischen Cast rund um Alexander Klaws, der in Dortmund als Zugpferd fungiert. Viele sind augenscheinlich deshalb gekommen, um den ersten „Deutschland sucht den Superstar“- Gewinner und Sieger der diesjährigen „Let`s Dance“-Staffel einmal live zu erleben. Doch es wäre falsch, Klaws nur auf seine medialen Erfolge zu reduzieren. Mit seiner herausragenden, differenzierten Darstellung der Titelrolle unterstreicht der ausgebildete Musicaldarsteller, dass er mittlerweile eine echte Größe in der Szene geworden ist. Stimmlich souverän und mit viel Volumen vor allem in den Höhen interpretiert er seine Songs und gibt einen Jesus, der weiß was er will und der sich auch nicht vor körperlichen Auseinandersetzungen mit Judas scheut.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Sein emotionales Solo „Gethsemane“ gerät im zweiten Akt zu Recht zum Showstopper und ist einer der vielen Höhepunkte an diesem Abend. Während Klaws im ersten Akt vorwiegend Gelegenheit hat, zu zeigen, was er gesanglich kann, fordert der zweite Akt ihn schauspielerisch – eine Herausforderung, die er ebenfalls mühelos meistert. Dies verdeutlicht vor allem die unter die Haut gehende Szene „39 Lashes/Trial before Pilate“. Superstar Alexander Klaws – ganz klar ein Glücksgriff für „Jesus Christ Superstar“.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Gleiches gilt für den Rest der Solistenriege. David Jakobs überzeugt als Judas auf ganzer Linie und ähnelt Jesus insofern, als dass beide Charaktere recht kompromisslos ihre Werte und Ansichten durchsetzen möchten. Dabei geraten sie oft aneinander, wobei durch Klaws' und Jakobs' nuancenreiches Spiel die komplexe Beziehung zwischen Jesus und Judas offensichtlich wird. Maria Magdalena, einfühlsam verkörpert durch Patricia Meeden, steht zwischen den beiden Männern. Meeden begeistert in Dortmund durch ihre große Soul-Stimme, die sie nicht nur, aber vor allem bei „I don`t know how to love him“ in all ihren Facetten zeigen kann. Mit viel Talent fürs Komische, jeder Menge Bühnenpräsenz und einer Stimme, die begeistert, präsentiert sich Kammersänger Hannes Brock als Herodes. Nicht weniger passend besetzt ist Hans Werner Bramer als Kaiphas mit seiner unverkennbar tiefen Bass-Stimme. Pilatus-Darsteller Mark Weigel liefert sowohl gesanglich als auch darstellerisch eine perfekte Leistung ab, ebenso wie seine Kollegen Fritz Steinbacher (Petrus) und Jens Petter Olsen (Simon).

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Auch die kleineren Rollen passen. Das gesamte Ensemble einschließlich des großen Opernchores (Leitung: Granville Walker) spielt und singt in mitreißender Leidenschaft. Gemeinsam mit Kati Farkas' beeindruckenden Choreographien entsteht so ein echter Genuss für Auge und Ohr.

© Björn Hickmann, Stage Picture
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Stimmig, opulent und unter die Haut gehend – das alles ist die Dortmunder Produktion von „Jesus Christ Superstar“, die noch bis April im Opernhaus zu sehen und bereits jetzt so gut wie ausverkauft ist. Als an diesem Premierenabend die Lichter auf der Bühne ausgehen und so symbolisch der Vorhang fällt, braucht das Publikum gute zehn Sekunden der absoluten Stille, um sich nach der beklemmenden Finalszene aus der Schockstarre zu befreien. Dann aber bricht tosender Applaus und frenetischer Jubel aus. Minutenlange stehende Ovationen würdigen die Leistung des gesamten Teams. Ein Indiz dafür, dass wohl alles richtig gemacht wurde.

(Text: Silke Milpauer)




Verwandte Themen:
Hintergrund: Interview mit Alexander Klaws (10.12.2014)



Kreativteam

Musikalische Leitung Jürgen Grimm
Regie Gil Mehmert
Ausstattung Beatrice von Bomhard
Choreografie Kati Farkas
Choreinstudierung Granville Walker
Dramaturgie Wiebke Hetmanek


Besetzung

Jesus Christus Alexander Klaws
Nikolaj Alexander Brucker
Judas David Jakobs
Maria Magdalena Dionne Wudu
Pontius Pilatus
Hannas
Mark Weigel
Markus Schneider
Simon Marc Lamberty
Petrus Fritz Steinbacher
Herodes Hannes Brock
Soulgirls Yoko El Edrisi
Catherine Chikosi
1. Priester/Alter Mann Hiroyuki Inoue
2. Priester Ian Sidden
Priester 3 Carl Kaiser
Jesus-People Mario Ahlborn
Min Lee
Christian Pienaar
Darius Scheliga
Thomas Warschun
Jan Bastel
Richard Salvador Wolf
Merlin Fargel
Alexander Sasanowitsch
Hermann Bedke
Yvonne Forster
Hanna Mall
Inga Krischke
Vera Weichel
Anna Winter


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Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


30745
Super

07.04.2015 - Darsteller waren alle Super - einzigstes Manko - die aussenplätze in den ersten Reihen sollte man nicht buchen - da dort mit Sichtbehinderungen zu rechnen sind - also wir haben leider nicht viel gesehen

maulwurf1 (3 Bewertungen, ∅ 2 Sterne)


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Handlung
Die letzten sieben Tage Jesu Christi. mehr

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Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 18. Februar 1972 in der Halle Münsterland (Münster) mit Reiner Schöne in der Hauptrolle statt.

 Kurzbewertung [ i ]
(mil)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Zeitgemäße Inszenierung der letzten Tage im Leben Jesu mit einem überwältigenden Hauptdarsteller-Trio.

22.10.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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