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Polit-Musical

Chess

I Know Him So Well


© Sabine Haymann
© Sabine Haymann
Anspannung zwischen Ost und West w├Ąhrend der Schach-Weltmeisterschaft 1966, mitten im Kalten Krieg. Was eine bedeutsame Auseinandersetzung mit politischer Intrige und Feindbildern sein kann, wird unter der Regie von Wolf Widder am Theater Pforzheim zu einem recht platten Schaulauf f├╝r Show-Star Femke Soetanga als tragische Geliebte.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:31.12.2014
Rezensierte Vorstellung:15.01.2015
Letzte bekannte Auff├╝hrung:09.07.2015


Nicht umsonst nennt man Schach auch das "Spiel der K├Ânige". Schon vor Jahrhunderten haben Herrscher auf dem Schachbrett kriegerisches Taktieren geprobt. Naheliegend, dass Tim Rice und die beiden ABBA-Veteranen Bj├Ârn Ulvaeus und Benny Anderson vor dem Hintergrund einer Schachweltmeisterschaft eine Parabel f├╝r den Kalten Krieg ersonnen. Seit seiner Urauff├╝hrung 1984 erfreut sich "Chess" anhaltender Beliebtheit. In Deutschland wird das St├╝ck - trotz Hit-Nummern wie "One Night in Bangkok" und "I Know Him So Well" - allerdings vergleichsweise selten gespielt.

Im Theater Pforzheim ├╝bernimmt Operndirektor Wolf Widder die Regie und holt damit seine "Chess"-Inszenierung aus der Dresdener Staatsoperette zur├╝ck auf die B├╝hne. Femke Soetanga, Chris Murray sowie Andrea M. Pagani spielen wie 2008 in Dresden die Hauptrollen. Daneben stehen mit Klaus Geber und Yvonne Luithlen zwei ihrer Kollegen aus Widders "Dracula"-Inszenierung auf der B├╝hne.


Optisch macht "Chess" einen guten Eindruck. Wie das Set eines Sean-Connery-007-Streifens muten das B├╝hnenbild und die Kost├╝me von Katja Lebelt an. Die Darsteller tragen der Zeit entsprechende, gro├če Muster, Schlaghosen und Goldkettchen. Kurvige Formen und das immer wieder auftauchende schwarz-wei├če Schachbrettmuster verorten das B├╝hnenbild zweckm├Ą├čig wie stimmungsvoll im Thema. Ebenfalls auf der B├╝hne - eine Ebene ├╝ber den Darstellern - thront das Orchester, das unter der Leitung von Tobias Leppert eine ├╝berzeugende Leistung zeigt.

Die r├Ąumliche Trennung auf der B├╝hne scheint symptomatisch f├╝r die Inszenierung: In Pforzheim steht Musik ganz offensichtlich ├╝ber der Handlung, denn f├╝r die gro├če Politik interessiert sich Regisseur Widder herzlich wenig. Im Fokus seiner "Chess"-Fassung findet sich nicht der russische Schachweltmeister und sp├Ątere politische Deserteur Anatoly Segievsky (Pagani), sondern seine Herzensdame Florence Vassy (Soetanga), die Beraterin und Geliebte seines amerikanischen Konkurrenten Frederick Trumper (Murray). Die politischen Rahmenbedingungen erz├Ąhlt Widder nur da, wo sie unumg├Ąnglich sind. Bez├╝ge, die f├╝r das Verst├Ąndnis der Charaktere wichtig w├Ąren, finden so auf der B├╝hne keine Beachtung. Alles in allem wirkt Widders Regiearbeit sehr linear und wenig vorausschauend, die einzelnen Handlungsstr├Ąnge werden nicht zusammengef├╝hrt, sondern verknoten sich zu einem undurchdringlichen Gewirr. So bereitet der Regisseur den Zuschauer auch nicht auf die aufkeimende Leidenschaft zwischen Florence und Segievsky vor, sie bleibt nicht nachvollziehbar.

Widder zeigt nur wenige Ideen, die Geschichte in neue Bilder zu verpacken. Die Russen kommen mit zotteligen Pelzm├╝tzen daher, tanzen Kasatschok und trinken sich mit Wodka bei ihren Abh├Âraktionen in die Besinnungslosigkeit. Dies suggeriert ein derart klischeebeladenes Feindbild, dass man sich fragen muss, ob sich Widder und Dramaturgin Isabelle Bischof ├╝berhaupt der realpolitische Aktualit├Ąt des Stoffes bewusst sind.

Femke Soetanga befindet sich als Florence im Fokus der Pforzheimer Inszenierung. Spielerisch wie gesanglich steht die Rolle der Deutsch-Niederl├Ąnderin hervorragend zu Gesicht. Lasziv und kokett schmiegt sie sich in die Kissen von Trumpers Bett, beweist in Gesellschaft der M├Ąnner St├Ąrke und Eigensinn und ├╝berzeugt letztlich als gebrochene Frau. Ihr "Jeder ist allein" ("Nobody's Side") ist einer der H├Âhepunkte der Auff├╝hrung, genauso wie das hingebungsvolle "Er ist nicht mein" ("I Know Him So Well") im Duett mit Yvonne Luithlen als Svetlana Sergievsky. Luithlen ist in ihrer kleinen Nebenrolle spielerisch unterfordert. Dennoch spielt sie sich, wie schon als Lucy im Pforzheimer "Dracula", ins Ged├Ąchtnis.

© Sabine Haymann
© Sabine Haymann


An Chemie fehlt es den beiden Damen nicht, daf├╝r will aber zwischen Soetanga und B├╝hnenpartner Andrea M. Pagani (Anatoly) keine Spannung aufkommen. Paganis herbes Spiel passt sehr gut zum russischen Vorzeigemann des ersten Akts. Im weiteren Verlauf verpasst er es jedoch, die ver├Ąnderten Lebensumst├Ąnde seiner Figur auch in seiner Darstellung abzubilden. Gesanglich ├╝berzeugt er hingegen. Chris Murray zeigt als US-Schachprofi Trumper vollen K├Ârpereinsatz ÔÇô vielleicht sogar zu viel. Statt als Draufg├Ąnger erscheint Murray mehr als notorisch w├╝tender Egomane. Diese Auslegung der Figur ├╝berzeugt in den ersten Szenen, wird im Lauf des ersten Aktes allerdings anstrengend und l├Âst sich zum Ende des St├╝ckes nicht auf. Mitgef├╝hl oder Verst├Ąndnis f├╝r Trumper kommt beim Zuschauer nicht auf. Das w├╝tende Spiel schl├Ągt Murray zudem merklich auf die Stimme: Sein kr├Ąftig gesungenen Soli schlagen immer wieder in Geschreie um und verlieren damit an Wirkung. Besonderes Lob geb├╝hrt Frank Bahrenberg, der am Abend des Besuchs den erkrankten Klaus Geber als KGB-Agent Molokov vertrat. Mit seinem intensiven, ruhigen Spiel und seiner angenehmen Bassstimme ├╝berzeugte er. In mehreren Szenen stahl er damit dem festen Ensemble die Show.

Gerade durch die aktuellen Bez├╝ge, die "Chess" vor dem Hintergrund des Ukrainekonflikts bietet, h├Ątte Widder einen Abend mit bleibenden Eindr├╝cken und damit substantielles Theater schaffen k├Ânnen. Doch alle politischen Schachz├╝ge klammert er f├╝r das noch nicht einmal besonders originelle Liebesdreieck aus. Eine mehr als vertane Chance, denn damit wird seine "Chess"-Fassung absolut belanglos.

(Text: Dominic Konrad)






Kreativteam

MusikBenny Andersson
Bj├Ârn Ulvaeus
Text und IdeeTim Rice
Deutsche ├ťbersetzungUlrich Bree
Markus Lindner
Musikalische Leitung Tobias Leppert
Inszenierung Wolf Widder
B├╝hne und Kost├╝me Katja Lebelt
Choreografie Tu Ngoc Hoang
James Sutherland
Choreinstudierung Salome Tendies
Dramaturgie Isabelle Bischof


Besetzung

Florence Vassy Femke Soetenga
Svetlana Sergievsky Yvonne Luithlen
Frederick Trumper Chris Murray
Anatoly Sergievsky Andrea Matthias Pagani
Alexander Molokov Klaus Geber
Walter de Courcy Aykan Aydin
Arbiter Benjamin Savoie
Pop-Choir Aline M├╝nz
Gitte Pleyer
Laura Wick
Reporter 1 Steffen Fichtner
Ingo Wagner
Reporter 2 Chiharu Takahashi
Manuela Wagner



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30804
Kein Kunstgriff

05.07.2015 - Diese Produktion hat meinen Geschmack leider gar nicht getroffen. Der Ton war miserabel und die Darsteller ungew├Âhnlich blass. Leider nicht zu empfehlen.

DeRpAuL (22 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


30662
Gute Unterhaltung mit kleinen Schw├Ąchen

25.01.2015 - In Pforzheim erlebt der Zuschauer eine sehr spielfreudige Cast, die drei Hauptdarsteller und das Ensemble rei├čen das Publikum mit.
Besonders gut gefallen haben mir die Choreographien w├Ąhrend der Schach-Partien, die jungen T├Ąnzerinnen und T├Ąnzer geben hier alles.
Die Tontechnik ist sicher nicht optimal, die Aussteuerung habe ich aber schon schlechter erlebt.
Das Buch wurde f├╝r meinen Geschmack etwas zu stark gek├╝rzt, manche emotionale Entwicklung bleibt daher schwer nachvollziehbar.
Alles in allem hat mich die Auff├╝hrung sehr gut unterhalten, daher 4 Sterne.

Coloredo (12 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


30645
Solide Inszenierung... aber wie so oft mangelhafte Tontechnik

09.01.2015 - Die Inszenierung ist fast 1:1 mit der Inszenierung der Staatsoperette Dresden (2008) identisch. Soweit so gut. Die Cast der Hauptdarsteller allen voran Femke Soetenga, Matthias Pagani und Chris Murray geben ihr Bestes. Teilweise schreien sie sich die Lunge aus dem Leib.

Das Einheitsb├╝hnenbild wird mit diversen Projektionen und guter Ausleuchtung in Szene gesetzt.

Mehrfach wird auf der B├╝hne geraucht und der blaue Dunst zog sogar bis in das Hochparkett. Muss das sein?

Ein grossartig aufspielendes Orchester sitzt erh├Âht ├╝ber der Szene. Wie so.oft aber macht aber die grottenschlechte Tonregie und Aussteuuerung alles kaputt.

Inszwischen war dies mein 4. Besuch in Pforzheim (Evita, Les Mis..., Sunset Blvd.,....) aber in der besuchten Vorstellung war streckenweise nichts zu verstehen. Das machte es sehr anstrengend.

Chess bietet wunderbare Melodien, Musikstile und eine spannende Story. Es ist daher sehr ├Ąrgerlich, wenn man nur 25% versteht.

4 Sterne f├╝r die Cast aber massiver Abzug f├╝r die Tontechnik.

mrmusical (80 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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Handlung
Schach und der kalte Krieg: Ein russischer und ein amerikanischer Schachspieler treten bei einer Schach-WM gegeneinander an. mehr

Weitere Infos
F├╝r die Auff├╝hrung 2002 in Stockholm wurde das Buch erneut ├╝berarbeitet (von Lars Rudolfsson und Jan Mark). Die Handlung spielt nun komplett binnen einer Woche in Meran, die Figur der Svetlana wird bereits in der ersten Szene eingef├╝hrt und der Russe und der Amerikaner treffen in der entscheidenden Partie aufeinander (im Original war der Amerikaner bei der finalen Partie nur als Berichterstatter dabei). Diese Version wurde in Deutschland im Sommer 2012 bei den Domfestspielen Bad Gandersheim gezeigt.

 Kurzbewertung [ i ]
(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Viel Aufhebens um Showstar Femke Soetanga, die auch ├╝berzeugend spielt. So wird aus der Geschichte um Schach und Weltpolitik allerdings eine zusammenhanglose Schmonzette.

16.01.2015

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 3.00 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Auff├╝hrungstermine.


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