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Deutschsprachige Erstaufführung

Bonnie & Clyde (Wildhorn)

This World Will Remember Us


© Martin Becker
© Martin Becker
Die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals über das bekannte Gangster-Duo am Theater Bielefeld schafft aufgrund eines unausgereiften Buches und einer musikalischen Aneinanderreihung von Liebesbekundungen nur einen Streifschuss. Der Volltreffer bleibt jedoch aus.

(Text: Hardy Heise)

Premiere:07.09.2014
Rezensierte Vorstellung:14.09.2014
Letzte bekannte Aufführung:19.06.2015


Der tragische Schluss der oft langatmigen Geschichte wird vorweggenommen: Das Stück beginnt mit der Erschießung der Titelfiguren durch die Polizei. Bonnie und Clyde sind spätestens seit der Verfilmung mit Warren Beatty und Faye Dunaway aus dem Jahr 1967 ein Begriff. Dieser Film rückte die Protagonisten in ein romantisches Licht und lies sie dadurch wie Helden erscheinen. Tatsächlich waren sie Verbrecher, die im mittleren Westen der USA kleine Läden und später Banken ausraubten – insgesamt ermordeten sie dabei 14 Menschen.

© Martin Becker
© Martin Becker


Das Musical von Frank Wildhorn (Musik), Don Black (Texte) und Ivan Menchell (Buch), das 2011 am Broadway floppte, versucht, die sozialen und familären Hintergründe der beiden Antihelden zu beleuchten. Dies funktioniert bei Bonnie gut. Ihr anfänglicher Skrupel, die kriminellen Handlungen Clydes mitzutragen, spielt Abla Alaoui überzeugend. Durch ihre große Liebe zu Clyde, gepaart mit ihrer Sehnsucht nach Rampenlicht und Publicity gerät sie dennoch auf die schiefe Bahn. Clyde stahl bereits als Kind mit seinem Bruder Buck, landete häufig, teilweise unschuldig, im Gefängnis und lässt sich mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch nicht von seinem kriminellen Weg abbringen. Möglicherweise ist der Anlass hierfür seine soziale Situation, vielleicht seine erlittene Vergewaltigung im Gefängnis oder einfach sein Charakter mit starken rechtswidrigen Tendenzen. Vieles davon wird im Stück angedeutet, kommt jedoch nicht klar beim Publikum an und somit plätschern die Geschichte und die Inszenierung von Jens Göbel dahin.

© Martin Becker
© Martin Becker

Der neunköpfigen Band unter der Leitung von William Wart Murta merkt man ihre Musicalerfahrung deutlich an. Es macht richtig Spaß, ihrem vollen Klang der Musik von Frank Wildhorn zu lauschen. Seine Partitur paart Überraschungen mit Altbewährtem und ist dadurch abwechslungsreich: Gerade am Anfang werden schwungvolle Country-Sounds gespielt, später Gospel und Blues, aber erwartungsgemäß auch die typischen Wildhorn-Belt-Balladen, wie man sie aus seinen anderen Stücken kennt. Zum Ende mehren sich diese in Reprisen mit diversen schmachtenden Liebeserklärungen, so dass sich der letzte Teil nahezu opernhaft ohne weitere Handlung hinzieht. Das Ende ist bekannt, die Zuschauer warten auf den letzten Kugelhagel. Recht überraschend bricht das Stück vorher ab - doch an diesem Punkt ist die eigentliche Geschichte schon lange zu Ende erzählt.

Das Bühnenbild von Julia Hattstein wird von einem großen, quer über die Bühne reichenden, im Bau befindlichen Brückenviadukt dominiert. Der Mittelteil bietet mit einem Tuch und einem Kreuz aus Holzbalken darauf Platz für verschiedene unaufdringliche Projektionen. Am Bühnenrand neben dem rechten Bogen ist ein Gerüst platziert, das begehbar ist. Dies hat mit der Geschichte wenig zu tun, ist jedoch trotzdem gelungen. An der linken Bühnenseite befindet sich die Attrappe eines Autos, in dem Bonnie und Clyde nach ihren Taten vor der Polizei flüchten. Durch die häufig eingesetzte Drehbühne entstehen schnell neue Bilder wie z.B. der Friseursalon von Blanche, das Gefängnis und die Kirche mit einem meterhohen weißen Kreuz.

Gekonnt auch von hinten eingesetzte Licht- und Schattenspiele erzeugen ergreifende Momente, wenn die Schatten der Wärter im Gefängnis riesig aussehen oder die Geländer des Viaduktes oben angestrahlt werden. Die Kostüme sind wie die Requisiten zeitgemäß im Stil der 1930er Jahre.

© Martin Becker
© Martin Becker

Die Hauptrollen werden hier passend und überzeugend von sehr jungen Musicaldarstellern gespielt. Philipp Büttner als Clyde ist genau der richtige Typ Draufgänger: groß, muskulös und machohaft. Dazu verfügt er über eine kraftvolle Stimme und eine starke Bühnenpräsenz. Bewegend spielt er seine eigene Erschrockenheit, als er zum ersten Mal einen Menschen umgebracht hat. Er empfindet seine Taten nicht als falsch, er sieht sich - wie sein Vorbild Billy the Kid - als Opfer der Umstände und verdrängt, dass dieser jung erschossen wurde.

Nach anfänglichen Skrupeln wird Bonnie von einer Mitwisserin zur Mittäterin und greift später schließlich selbst zur Waffe. Dabei genießt sie den Ruhm ihrer Taten, den sie sich so lange ersehnt hat. Fast skurril ist die Szene, in denen die mittlerweile berühmt gewordenen Gangster bei einem Überfall Autogramme geben und sich darüber streiten, ob sie von der Presse lieber „Bonnie & Clyde“ oder „Clyde & Bonnie“ genannt werden wollen. Abla Alaoui spielt sehr liebenswert und intoniert die schwierige Partitur ansprechend.

© Martin Becker
© Martin Becker

Thomas Klotz überzeugt in seiner Nebenrolle als unglücklich in Bonnie verliebter Polizist Ted Hinton. Er singt mit angenehm gefärbter Stimme das schönste Lied des Stückes im Duett mit Philipp Büttner, wer von beiden die bessere Partie für Bonnie ist. Als Blanche, die gottestreue Frau von Clydes Bruder Buck, gefällt Navina Heyne. Sie hat ihre besten Auftritte in der lustigen Nummer am Anfang, in der sie ihrem Mann im Friseursalon klarzumachen versucht, dass er zurück ins Gefängnis gehen soll und in ihrem kleinen ruhigen Lied im zweiten Akt, welches sie wohlklingend darbietet. Ihr Wandel, sich zum Ende der Gang anzuschließen, ist wenig nachvollziehbar. Als der stets im Schatten seiner Frau oder seines Bruders stehende Buck bleibt Udo Eickelmann stimmlich und schauspielerisch rollenbedingt blass.

Mark Coles gibt den Gospelpart in seinen beiden Nummern mit toller Soul-Stimme, ist durch seinen starken Akzent jedoch schwer zu verstehen. Der Opernchor fügt sich in diesen Nummern nahtlos ein und absolviert sogar einige kleine ansehnliche Choreografien von Adonai Luna, der ansonsten wenig gefordert wurde. Den Titelrollen wurden jugendliche Alter Egos zur Seite gestellt, die am Anfang und am Ende auftauchen und von den Wünschen und Träumen der beiden erzählen. Tina Haas und Fabian Kaiser wirken hierin allerdings kaum jünger als die beiden Hauptdarsteller, was diesen Griff etwas fraglich wirken lässt.

© Martin Becker
© Martin Becker


Das Theater Bielefeld hat sich, nicht zuletzt durch den Einsatz von William Wart Murta, als eines der führenden Häuser für Musicals hierzulande etabliert. Es ist eine mutige und erfreuliche Entscheidung der vergleichsweise kleinen Bühne, die deutschsprachige Erstaufführung eines Wildhorn-Stückes zu stemmen. Doch obwohl seitens des Theaters nahezu alles stimmt, wird es aufgrund der schwachen Buchvorlage nicht zu einem Volltreffer.

(Text: Hardy Heise)






Kreativteam

Buch Ivan Menchell
Liedtexte Don Black
Musik Frank Wildhorn
Deutsche Übersetzung Holger Hauer
Musikalische LeitungWilliam Ward Murta
InszenierungJens Göbel
Bühne und KostümeJulia Hattstein
VideoKonrad Kästner
ChoreographieAdonai Luna


Besetzung

Bonnie ParkerAbla Alaoui
Clyde BarrowPhilipp Büttner
Benedikt Ivo
Buck BarrowUdo Eickelmann
Jens Janke
Blanche BarrowNavina Heyne
Cumie BarrowMaila Traczyk
Henry BarrowUlrich Wiedemann
Emma ParkerMelanie Kreuter
Ted HintonThomas Klotz
Patrik Cieslik
Der junge Clyde
Mann 3 etc.
Fabian Kaiser
Die junge Bonnie
Ensemble
Tina Haas
Christina Patten
Richter
Priester
Mark Coles
Trish
Gouverneurin \\\"Ma\\\" Ferguson
Michaela Duhme
Eleanor
Frau 1
Jessica Krüger
Maria-Lena Hecking
StellaEvelina Quilichini
Polizist
Sheriff Smoot Schmid
Mann 1
Ulrich Allroggen
Frank Hamer
Deputy Bud Russel
John etc.
Bernard Niemeyer
Wache 2
Mr. McGuire
Deputy Johnson
Krzysztof Gornowicz
Kunde
Kassierer
Bob Alcorn
Lutz Laible
Ed CrowderStefan Mießeler




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Martin Becker
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30503
Interessanter Abend ...

04.10.2014 - mit einem schwachen Buch, guter Musik und soliden Darstellern. Kurzweiliger Abend im Theater Bielefeld. Super! Besonders Navina Heyne & Abla Alaoui glänzen in ihren Rollen.

Musical-Tourist (14 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


30495
Absolut sehenswert...

25.09.2014 - Ich kann mich meinen Vorrednern nicht ganz anschließen und möchte daher eine kleine Lanze für dieses wunderbare, intime Musical brechen.

Vorab stimme ich zu, dass der erste Akt dem zweiten deutlich überlegen ist. Die Musik ist abwechslungsreicher, das Tempo höher und das Stück insgesamt stimmiger, temporeicher und unterhaltsamer. Dennoch hat auch der zweite Akt seine Stärken. Leider wird nur im ersten Akt schon zu viel Pulver verschossen.

Aber von vorn:
Das clevere, stimmungsvolle und atmosphärische Bühnenbild ist ebenso ein Hingucker wie die tollen Kostüme, Frisuren und Kulissen. Optisch gibt es rein gar nichts zu mäkeln. Vor Allem der Kniff, alles in retro-braunen Tönen zu halten und nur spärlich auszuleuchten, erzeugt ein Gefühl als würde man gerade einen ganz alten Film aus den 30ern live zum Leben erwecken. Beide Daumen hoch.

Bei den Darstellern gibt es ebenfalls weder stimmlich noch schauspielerisch etwas auszusetzen, auch wenn Blanche sich mal eben jede einzelne Szene stiehlt, in der sie auftaucht.

Gesanglich gefallen vor Allem die beiden Duette von Clyde/Ted und Bonnie/Blanche, die wirklich überall Gänsehaut erzeugen. Aber auch sonst mischen sich mit Gospel, Country und Wildhorn-Balladen immer wieder hervorragende Songs in die Geschichte.

Wenn am Ende des ersten Aktes auch Bonnie endgültig ihr Leben als Gangster akzeptiert und die beiden ihren ersten gemeinsamen Überfall starten, ist das ein gut gewählter Punkt für eine Pause. Bis dahin haben wir die beiden Hauptcharaktere und ihre Beweggründe gut kennen gelernt. Alle Nebendarsteller sind positioniert und wir warten gespannt auf die Eskalation der Gewalt und das ganz große Drama.

Aber genau das verwehrt uns dann der zweite Akt weitesgehend. Er konzentriert sich klein und intim fast ausschließlich auf Bonnie und Clyde. Ein wenig unpassender Humor hier und kurz eine Szene für die Nebenrollen dort. Aber mehr als zwei Drittel des Aktes wird auf die Beziehung der beiden Gangster verwendet. Das ist zuviel und bremst das Stück unnötig aus. Aber wirklich zerstören kann es die insgesamt gelungene Inszenierung nicht.

Der erste Akt steht eigentlich sogar über der Bewertungsskala von fünf Sternen und müsste glatt sechs Sterne oder mehr erhalten. Der zweite Akt ist dann leider "nur" noch gute drei Sterne wert.

Macht insgesamt noch vier von fünf Sternen und einen bewegenden, spannenden und durchweg unterhaltsamen Musicalabend, dem leider zum Ende die Luft ausgeht und der leider leider leider nicht mit der ikonischen Finalszene des Filmes endet.

DuisburgMusical (8 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30487
Ein durchwachsener Abend

14.09.2014 - Auch wenn das Stück kein großer Erfolg war auf einer großen Bühne, so passt es sehr gut auf die Bühne von Bielefeld.

Das Bühnenbild und Licht unterstützen das Stück, sowie die vorzüglich spielende Band. Der Sound hatte einige Probleme die Protagonisten gut in Szene zusetzten.

Abgesehen vom Opernchor ist das Stück sehr gute besetzt und hat bis in die kleinste Rolle gute Schauspieler und Sänger zubieten.

Eine sehr gute und bewegende Leistung geben am Abend Navina Heyne als "Blanche" und ihr Mann "Buck" in Person von Udo Eickelmann.
Auch Thomas Klotz macht eine sehr gute Figur als "Ted Hinton".
Als "Bonnie" steht eine sehr junge aber talentierte Frau auf der Bühne, die wundervoll spielt und eine schöne Stimme zubieten hat. Abla Alaoui bietet alle Farben die die Rolle bedarf und meistert den Abend mit Bravour.
Ihr zur Seite als "Clyde" steht Philipp Büttner mit toller Stimme.
Im Spiel dagegen ist er sehr unentschlossen. Mal Mann, mal Junge verzappelt er so manche Szene.
Wo ich schon beim Schwachpunkt der Show wäre: Die Regie.

Viele Einfälle sind altbacken oder auch so manche Übergänge schleppen und auch Szenen geben Streichpotenzial.

Man sollte sich diese Show trotzdem anschauen, da es insgesamt eine gute Leistung.

KristinP (76 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


30486
Sehenswerte deutsche Erstaufführung

14.09.2014 - Es ist immer wieder schön, wenn der Spielplan lokaler Theater Musicals abseits vom Stadttheater-Einheitsbrei bietet. Das Theater Bielefeld hat sich mit der deutschen Erstaufführung von Frank Wildhorns "Bonnie & Clyde" ein spannendes Stück geangelt und die Umsetzung kann sich sehen (und hören) lassen. Sicher – perfekt ist die Produktion nicht: Das Buch hat ein paar Längen, wo man raffen könnte, die Akustik im Theater könnte besser sein, und nicht alle Regieeinfälle (z.B. die Doppelbesetzung der beiden Protagonisten als Jungendliche und Erwachsene) zünden.

Nichtsdestotrotz ist das, was Jens Göbel hier auf die Bühne gebracht hat, als Gesamtpaket überzeugend. Das Bühnenbild ist ebenso stimmig wie die Instrumentierung und Arrangements der Songs und auch an den deutschen Texten von Holger Hauer gibt es nichts auszusetzen. Wildhorns Kompositionen klingen gereifter und weniger austauschbar als das noch in einigen seinen früheren Stücken der Fall war. Vielleicht bleiben sie deshalb nicht ganz so schnell im Kopf hängen, aber das ist nicht notwendigerweise negativ und Ohrwurmcharakter hat "Dass die Welt sich erinnern wird" allemal.

Ohne zwei gute Protagonisten würde ein Musical wie "Bonnie & Clyde" dennoch auf der Strecke bleiben. Man scheut sich zwar, Superlative wie "Idealbesetzung" in den Mund zu nehmen, aber Philipp Büttner als Clyde kommt dem schon sehr nahe. Mit Kraft in der Stimme, ganz viel Charisma und einer wunderbaren Rolleninterpretation des Gangsters zwischen auswegloser Wut und romantischer Verklärtheit beherrscht er die Bühne. Abla Alaoui hat nicht das stimmliche Timbre, das man normalerweise von Wildhorn-Frauenrollen gewohnt ist, überzeugt aber durch ihre Bühnenpräsenz, die es nachvollziehbar macht, welche Faszination von Bonnie Parker ausging. Erwähnenswert auch Thomas Klotz als Detective Ted, ein Jugendfreund Bonnies, der als Polizist Jagd auf das Ganovenpärchen machen muss und im Duett mit Clyde mit "Du hast was besseres verdient" einen der schönsten Songs des Musicals darbietet.

Stimmig sind auch Lichtdesign (besonders, wenn gekonnt mit Schatten gearbeitet wird) und Videoprojektionen. Und die starke, abrupte Endszene, die gerade deshalb emotional nachwirkt, weil sie die endgültige Konsequenz der Geschichte (die ja jeder kennt und die auch am Anfang vorweggenommen wurde) nicht zeigt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Sandrine (20 Bewertungen, ∅ 4.1 Sterne)


30483
Spannender Abend mit Einschränkungen

10.09.2014 - Ich möchte mich mit meinen Eindrücken zu Bonnie und Clyde ein wenig an den Ausführungen von Kevin entlanghangeln, mit dem ich diesmal nich so sehr konform gehe. Ist als Hilfestellung für den geneigten Leser vielleicht nicht ganz uninteressant.

Im Gegensatz z. B. zum Film, finde ich, wurde die Heroisierung nicht zu weit getrieben und die Lebensumstände ziemlich differenziert betrachtet. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse wurden genauso thematisiert (mehrmals), wie auch die frühkindliche kriminelle Karriere von Clyde mit unverhältnismäßiger Bestrafung. Verständlicherweise geht ein Musical mit diesen Dingen aber etwas anders und konzentrierter um als beispielsweise eine Dokumentation.
Was die (Liebes)beziehung angeht gibt es einige Situationen und Lieder in denen, zumindest ich, sehr klar die Liebe und die Zusammengehörigkeit der beiden spüren und sehen konnte. Hier hätte der Darsteller des Clyde für mich insgesamt etwas charmant männlicher sein können, wie mir allgemein eine differenzierte Schauspielregie bei verschiedenen Darstellern zu sehr vernachlässigt wurde. Das habe ich fast als größtes Manko des Abends empfunden.

Mein Eindruck war, dass die Charaktere und Motivationen der beiden sehr deutlich zum Vorschein kamen. Gleich im ersten Lied singen beide (erst jung, dann erwachsen) von Ihren Wünschen und Zukunftsplänen und später im Stück gibt es auch noch ein Duett, in dem beide das Leben Ihrer Eltern besingen und sagen, dass sie eben so nicht leben und enden wollen. Für mich war das verständlich und erklärte mir Ihr Handeln .

Was die Integration der Lieder angeht, bleibe ich beim Beispiel des `Barsongs` von Bonnie: Nun, sie singt ihn, weil Clyde sie dazu auffordert. So einfach, so in Ordnung. Problematisch finde ich eher die Ausführung. Die Regie entscheidet sich den Song mit buntem Discolicht zu einer Art surrealen Aufführung in einem Nachtclub zu machen, und, anstatt das Bonnie den Song für und zu Clyde singt, lässt man sie ins Publikum singen. Gegen Ende kommt Clyde aber dann zu Ihr und es endet in einem Schmusetanz. Merkwürdig und für mich nicht nachvollziehbar. Dadurch mag das Lied nicht `ins Stück` integriert wirken.
Allgemein muss ich sagen, dass dies hier musikalisch der stärkste und interessanteste Wildhorn ist, den ich kenne. Im zweiten Teil wieder sehr Balladen lastig, das kann man mögen, muss man aber nicht.

Ich möchte gar keinen Darsteller hervorheben, insgesamt fand ich die großen Rollen sehr gut besetzt, gesanglich hervorragend und darstellerisch recht gut.
Bei der Regie, speziell im schauspielerischen Bereich ist mein Eindruck, wie schon oben bemerkt, dass es noch einiges an Luft nach oben gegeben hätte. Timing und Tempo sind bei einigen leider nur unzureichend vorhanden.

Mir hat der Abend aber gefallen und ich hoffe, dass sich andere Theater dran wagen – mal sehen, was noch in dem Stück steckt.

Rosen (13 Bewertungen, ∅ 1.6 Sterne)


30481
Kill for a good book

08.09.2014 - Die großen Probleme des Musicals liegen in der literarischen Aufarbeitung des historischen Stoffes und seiner beiden Protagonisten.
Dieser schon so oft falsch verklärte und romantisierte Mythos von BONNIE&CLYDE hätte in einer heutigen Version unbedingt differenzierter betrachtet werden müssen. Dies bleibt aber leider zum Schaden des Stückes und seiner Inszenierung vollkommen aus. Stattdessen wird in nahezu jeder Szene versucht, die beiden egomanischen Massenmörder zu Sympathieträgern zu stilisieren.
Besonders manipulativ und platt wirkt dies z.B., wenn Clyde im Gefängnis von klischeehaft dargestellten Wärtern brutal misshandelt wird oder, wenn Bonnies Leibesvisitation die drastischen Züge einer sexuellen Belästigung haben.

Weder die Charakter, noch die Entwicklung oder die Intensionen von Bonnie Parker und Clyde Barrow werden durch die (Lied-)Texte für das Publikum verständlich und nachvollziehbar.
Selbst die so entscheidende Beziehung der beiden zueinander bleibt diffus und unklar. Eigentlich zicken und zoffen sie nur miteinander herum. Weshalb Bonnie sämtlich Konventionen, Skrupel und ihre Ehe hinter sich lässt und Clyde ins tötliche Verderben folgt, bleibt unbeantwortet, wenn man den einen oder anderen banalen Versuch in Form eines "Liebe-Triebe-Schlager-Blablas" außer Acht lässt.
Selbst der so relevante zeitlich historische Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, Depression und Niedergang des amerikanischen Traums wird weitgehend verschenkt.

Ebenso fällt die schlechte Integration der Lieder in den dramaturgischen Aufbau und den Handlungsverlauf auf:
Weil Bonnie einen Faible für Entertainment hat, bekommt sie einfach mal einen (Fantasie-)Auftritt als Nachtklubsängerin, weil eine Szene in einer Kirche spielt, muss der Pfarrer ein großes Gospel-Solo haben, oder weil ein Polizist entdeckt haben will, dass Bonnie seine große Liebe ist, muss auch er noch schnell ein Liebeslied anstimmen.
Das wirkt teilweise alles so brachial und anorganisch in das Stück gequetscht, als wäre es eine schlecht gemachte Compilation Show.

Der eine oder andere Regieeinfall von Jens Göbel verwundert, trägt aber auch sonst nichts zu einem positiveren Gesamteindruck bei:
So beginnt das Stück für den Zuschauer z.B. recht überfallartig in dem Kugelhagel, in dem BONNIE&CLYDE umkommen und endet ohne einen richtigen dramatischen Höhepunkt noch vor dem Tod der beiden.
Auch dass wiederholt zwei Bonnies und zwei Clydes gleichzeitig auf der Bühne stehen, ergibt keinen erkennbaren Sinn und lässt die Charaktere nicht komplexer erscheinen.

Frank Wildhorn hat das Kunststück fertiggebracht eine Musik zu komponieren, die nicht nach Frank Wildhorn klingt. (Ob das nun von Vorteil oder Nachteil ist, müssen die Fans bzw. Gegner des Komponisten untereinander ausmachen.)
Seine Lieder bedienen sich recht passend zur Geschichte und ihrer Zeit beim Big Band Sound, Hillbilly, Folk und Gospel. Die ca. 8-10 köpfige Band spielt ohne Schnörkel und den sonst gewohnten sinfonischen Wildhorn-Schmalz.

Die Hauptrollen sind mit Philipp Büttner und Abla Alaoui absolut typgerecht, charismatisch und kompetent besetzt. Leidenschaftlich spielen und singen beide gegen die Widrigkeiten des literarischen Rohmaterials an.

Ein Punkt für das Theater Bielefeld und seine Verdienste um das Genre und das Wagnis einer DSE.
Ein Punkt für die großartigen und motivierten Künstler auf der Bühne.

kevin (164 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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(hh)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Das Theater Bielefeld hat viel richtig gemacht, scheitert jedoch an der schwachen Buchvorlage des Stückes.

21.09.2014

 Leserbewertung
(6 Leser)


Ø 3.17 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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