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Musikalisches Beziehungscoaching

Männer gesucht

Auf jeden Topf passt ein Deckel - oder?


© Jörn Hartmann
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Partner gesucht? Eine Hilfe ist Daniel Ris‘ Compilation-Show in der Inszenierung von Birgit Simmler da weniger. Vielmehr kann jeder durch persönliches Erleben seine individuelle Schmerzgrenze austesten.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:25.04.2014
Letzte bekannte Aufführung:31.12.2014


© Jörn Hartmann
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"Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben", tönt es aus der vorderen Hälfte des Saales. "Na-na-na-na-na-na", lautet die Antwort von hinten. Mit der Aufforderung an die Zuschauer, als kollektiver Schlager-Chor die zweite Hälfte der Aufführung zu eröffnen, startet "Männer gesucht" aus der Pause.

Das Publikum sitzt mitten im "Fit for Love"-Premiumschnupperkurs von Carola Schultze-Wertheim (Agnes Hilpert). Gemeinsam mit ihrem Assistenten und – wie sich beiläufig herausstellt auch Ehemann – Rüdiger (Michael Gerlinger), will sie vermitteln, welche Ursachen der Singlestatus einer Frau hat und wie sie ihn wieder verlassen kann. Dafür doziert sie über Liebe ("Liebe ist Ausdauer, Disziplin und Arbeit"), nimmt die Zuschauer mit auf entspannende Seelenreisen und animiert das Publikum, in der Pause einen an den Plätzen liegenden Psychotestbogen auszufüllen.

Zumindest die drei "Freiwilligen", die sich die resolute Trainerin mit dem Dauergrinsen bereits zu Beginn des Stücks aus dem Saal gefischt hat, sind brav dieser Aufforderung gefolgt. Zur Belohnung werden sie nach ihrem Frauen-Typus klassifiziert und dürfen ihr persönliches Therapielied intonieren: "Aufrecht geh’n" bei der schüchternen Romantikerin Melanie (Barbara Ferun), die Habanera-Arie aus der Oper "Carmen" beim reifen Freiheitstyp Petra (Iris Werlin) und "I feel Love" für die rebellische Powerfrau Franziska (Laura Leyh).

Die von Daniel Ris erdachte "musikalische Partnersuche" spinnt daneben noch einen zweiten Handlungsfaden: einen Beziehungskonflikt zwischen Trainerin und assistierendem Ehemann. Zwar erfährt der Zuschauer, dass auch Profis Probleme haben, doch einen Mehrwert bringt dieser Handlungsstrang dem ohnehin sehr dünnen Buch nicht, das in einem arg konstruiert wirkendes Blitz-Happy-End mit drei glücklichen Paaren mündet. Die Dozenten sind versöhnt, Petra und Melanie wollen ihre bisher unentdeckte Bisexualität erkunden und Franziska sitzt glücklich am E-Piano neben dem musikalischen Leiter (in der Premiere: Ferdinand von Seebach).

Regisseurin Birgit Simmler verspielt ihre Chance, diese sehr platte, vor Klischees und dümmlichen Witzen nur so strotzende Vorlage, aufzupeppen. Im Gegenteil: Der Abend wirkt wie stur vom Blatt gespielt und läuft behäbig über die Bühne. Steilvorlagen, wie zum Beispiel der Prosecco-Genuss nach Melanies Geständnis der alkoholischen Abstinenz bleiben ungenutzt. Das Getränk entfaltet erstaunlicherweise keinerlei Wirkung. Andererseits entspricht Simmlers hausbacken wirkender Abend dem Geschmack des Publikums. Nach zotigen, mit Geschlechterrollen spielenden Pointen vom Schlage "Was ist der unsensibelste Teil am Penis? – Der Mann", kommt es immer wieder zu bestätigenden Zwischenrufen oder Szenenapplaus.

Auch wenn die räumlichen Verhältnisse recht beengt sind, findet Choreograf Dominik Büttner ansehnliche Lösungen, um etwas Bewegung auf die mit einem schräg stehenden Leucht-Podest dekorierte Bühne (Ausstattung: Norman Zechowski) zu bringen. Die fünf Darsteller wirken in den Tanzsequenzen wie befreit und beweisen, dass sich Songs auch mit einem sparsamen Bewegungsrepertoire mitreißend optisch illustrieren lassen. Für die musikalische Begleitung sorgt Pianist Ferdinand von Seebach, der auch zum Xylofonschlägel greift, mit den Lippen Naturgeräusche imitiert, singt und in die Spielszenen integriert wird.

Dass Schauspieler andererseits auch Musikinstrumente beherrschen, beweist Laura Leyh eindrucksvoll mit ihrer Querflöte. Als gar nicht so starke Powerfrau Franziska, die neben Handcreme auch einen Flachmann aus ihrer Handtasche zieht, hat sie viele balladeske Soli. Eine Glanzleistung gelingt ihr bei Nenas "Wunder gescheh’n", bei dem sie wie von Tränen gerührt wirkt. Leyhs nur in den Höhen zeitweise leicht angestrengte Stimme passt hervorragend zum Song. Mit sicherem, vollen Alt poltert sich Iris Werlin glaubwürdig als handfeste Petra vom Couplet ("Ein Neandertaler"), über Schlager ("Ich überleb’s") bis hin zu "Ab in den Süden".

Komplettiert wird das grandiose Trio von Frauen auf Männerjagd durch Barbara Ferun als schüchternes Mauerblümchen Melanie. Unverständlich, dass sie sich mit fehlender Tiefe durch den von Bonnie Tylers Reibeisen-Stimme geprägten Song "Holding Out For A Hero" quälen muss. Abgesehen von diesem Fehlgriff gelingt auch Ferun darstellerisch wie gesanglich eine großartige Leistung.

Im Zentrum der Aufführung steht Agnes Hilpert als geschäftstüchtige Trainerin, die rollendeckend immer wieder ihre Kollegen und das Publikum zum Mitmachen animiert. Hilpert überzeugt auch gesanglich bis in ihre sicher geführte Kopfstimme hinein. Vorlagenbedingt etwas blass bleibt Michael Gerlinger als Assistent und Macho-Gockel, der bei "Männer sind Schweine" gehörig sein Fett weg bekommt. Berührend sein auf der Gitarre begleitetes "Love Hurts"-Duett mit Hilpert.

Wäre "Männer gesucht" am Kleinen Theater ein Liederabend, dann wäre er brillant. So bleibt ein bitter Beigeschmack für ein Stück auf albernem "Na-na-na-na-na-na-na"-Niveau.

(Text: kw)






Kreativteam

Musikalische Partnersuche von Daniel Ris

InszenierungBirgit Simmler
Musikalische LeitungMatthias Binner
Ferdinand von Seebach
AusstattungNorman Zechowski
ChoreografieDominik Büttner


Besetzung

Carola Schultze-WertheimAgnes Hilpert
Sabine Schwarzlose
PetraIris Werlin
MelanieBarbara Ferun
FranziskaLaura Leyh
RüdigerMichael Gerlinger




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Jörn Hartmann
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(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Müde Esoterik-Psycho-Partnerschaftsberatung in hausbackener Inszenierung mit Musik von Abba bis Georges Bizet. Lichtblick: Die Darsteller!

25.04.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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