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Drama

Blutsbrüder

Schuhe auf dem Tisch


© Ilona Voss
© Ilona Voss
Dass die "Blutsbrüder" Theaterleiter Bernd Julius Arends besonders am Herzen liegen, merkt man zu jeder Sekunde bei diesem bis ins kleinste Detail liebevoll inszenierten Theaterabend im KatiElli Theater Datteln. Der traurig-amüsanten Geschichte der Zwillinge, die nach der Geburt getrennt aufwachsen, wird hier von einem talentierten Ensemble Leben eingehaucht.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:26.04.2014
Rezensierte Vorstellung:26.04.2014
Letzte bekannte Aufführung:06.01.2018


"Blood Brothers" lief in England 30 Jahre lang (24 Jahre davon im Londoner West End) sehr erfolgreich und blieb während der gesamten Spielzeit immer die kleine, ans Herz gehende Geschichte von Willy Russell, die kein großes Drumherum benötigt, um die Zuschauer zu bewegen. Abseits der großen Bühnenshows ist es hier die Handlung selbst, die uns teilhaben lässt und die, wenn sie von talentierten Schauspielern dargeboten wird, ungemein fesselnd daherkommt.

Somit ist es verwunderlich, dass die deutschen Stadttheater dieses Musical eher selten für sich entdecken, benötigt es doch keinen größeren Aufwand von Seiten der Kulisse und der Technik. Mag sein, dass die Geschichte von vielen als zu "britisch" angesehen wird oder die langen Sprech- und wenigen Gesangsszenen ungewöhnlich für ein Musical erscheinen. Dennoch zeigt Arends in seinem kleinen Theater, dass dieses Musical auch vor deutschem Publikum ausgezeichnet funktioniert.

"Blutsbrüder" erzählt die Geschichte von Zwillingen aus dem Liverpooler Arbeitermilieu, die nach der Geburt getrennt werden und in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten aufwachsen. Im Alter von sieben Jahren begegnen sie sich wieder und schließen - ohne Wissen um ihre tatsächliche Verwandtschaft - Blutsbruderschaft. Das zunehmende soziale Gefälle - einer der beiden wird erfolgreicher Anwalt, der andere landet im Gefängnis - und die Tatsache, dass sie sich in das gleiche Mädchen verlieben, führt zu einem Bruch ihrer Freundschaft und letztlich zum tragischen Tod der beiden.

© Meike Willner
© Meike Willner

"Blutsbrüder" fokussiert sich auf einige wenige Darsteller – eine Art Kammerspiel mit Musicaleinfluss. Während der erste Akt mit viel Witz und spaßigen Dialogen daherkommt, ist der zweite Akt bedeutend düsterer. Gerade der Teil nach der Pause verlangt nach Charakterdarstellern, die es schaffen, der inneren Zerrissenheit der Personen, die alle mit ihrem Leben überfordert sind, Ausdruck zu verleihen. Und besonders hier überzeugt das 8-köpfige Ensemble von Bernd Julius Arends und Katharina Koch.

Miriam Lotz, die auch für die musikalische Einstudierung verantwortlich ist, spielt Mrs. Johnstone, die einen ihrer beiden Neugeborenen verkauft, um über die Runden zu kommen. Sie ist ganz klar die zentrale Person auf der Bühne. Sie beeindruckt durch ihren gefühlvollen Gesang, der zusammen mit ihrem bewegenden Spiel ein ergreifendes Rollenporträt der verzweifelten Mutter abgibt, die letztlich an ihren eigenen Schuldgefühlen zerbricht. Besonders, wenn sie im letzten Song "Sag es ist nicht wahr" mit zitternden Knien und brechender Stimme ihrer Traurigkeit Ausdruck verleiht, ist das darstellerische Kunst auf sehr hohem Niveau.

© Meike Willner
© Meike Willner

Bernd Julius Arends und Markus Kloster spielen die Brüder Mickey und Eddie. Beide schaffen es auf sympathische Weise, die Zwillinge sowohl im Kindesalter, als auch im späteren Verlauf als Erwachsene glaubhaft darzustellen. Besonders ersteres ist gar nicht einfach, soll doch die Darstellung nicht überzogen komisch daherkommen, sondern das Publikum von Anfang an mitfühlen lassen. Beide Schauspieler nutzen ihre Rollenbeschreibungen, um ein pointiertes Bild der beiden Jungen zu zeichnen: Kloster als gut situierter Schnösel, dem jegliche Schimpfwörter fremd sind und der wohl behütet, immer nett lächelnd aufwächst, und Arends als typischer Junge aus der Unterschicht, der mit Kraftausdrücken um sich wirft und schon als Kind bei diversen Raubzügen seines älteren Bruders mitmacht. Besonders Arends als Mickey überzeugt im zweiten Akt durch sein anrührendes und intensives Spiel, bei dem er extreme Gefühlsschwankungen aufgrund seines Tablettenkonsums ungemein überzeugend darstellt.

Markus Alexander Neisser als Erzähler führt mit mystischen Kommentaren und Songs, die den nahenden Untergang ankündigen, gekonnt und bewusst unnahbar durch die Handlung. Er zeigt sich wandlungsfähig und schlüpft als Milchmann, Gynäkologe, Polizist etc. in unterschiedlichste Nebenrollen. Da die Erzählerrolle in der Originalproduktion häufig eher älteren Darstellern mit rauer, markanter Stimme vorbehalten ist, wirkt er anfangs ungewöhnlich jung für den Part, jedoch passt seine Darstellung gut zur Erzählweise und seine klare Intonation überträgt die düsteren Texte effektvoll auf den Zuschauer.

© Meike Willner
© Meike Willner

Die Ausstattung beschränkt sich wie im Original auf das Wesentliche: Zwei Häuserfronten, eine Straße, einige Requisiten. Hier und da hätte man sich vielleicht noch die ein oder andere Projektion mehr gewünscht - wirken diese doch stets sehr effektvoll und erweitern die Mini-Bühne ungemein.

Die Musik wird aufgrund der recht kleinen Bühnenverhältnisse leider nicht live gespielt, was jedoch nicht entscheidend stört. Lediglich der Lautstärkeregler könnte beim ein oder anderen Song noch ein wenig nach oben korrigiert werden, da einem gerade Titel wie "Ein Verrückter" durchaus etwas lauter um die Ohren knallen dürfen, um noch stärker zu fesseln und die Aufgeregtheit zu unterstützen.

"Blutsbrüder" im KatiElli Theater Datteln ist große Theaterunterhaltung auf kleiner Bühne und bester Beweis dafür, dass es nicht immer die großen Häuser sein müssen, die einem in den Sinn kommen, wenn man vom Thema Musical spricht. Manchmal sind es kleine Theater wie dieses, die durch geschickte Stückwahl und eine starke Inszenierung für einen erinnerungswürdigen Theaterabend sorgen. Das gesamte Team, allen voran die Darsteller, haben eine amüsante, unterhaltsame und zugleich todtraurige Geschichte auf die Bühne gebracht, die man sich unbedingt ansehen sollte.

(Text: Jens Alsbach)






Kreativteam

RegieBernd Julius Arends
Katharina Koch
Musikalische LeitungMiriam Lotz
BühnePhilipp Niggemeier
Bernd Julius Arends
KostümeBernd Julius Arends
LichtGerd Beckmann
Musik / OrchestrierungJeff Frohner
Markus Schürjann


Besetzung

=2017=

MickeyBernd Julius Arends
EddieMarkus Kloster
Mrs. JohnstoneVera Bolten
Mrs. LyonsChristine Schürmann
ErzählerFabian Böhle
LindaRosaly Oberste-Beulmann
Sammy
Mr. Lyons
Daniel Andone
Donna Marie u.a. Miriam Lotz


Frühere Besetzungen? Hier klicken


Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


6 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


31856
Große Show auf kleiner Bühne

21.07.2018 - habe die Show am 12.11.17 im Katielli gesehen. Die komplette Besetzung (Daniel Andone, Bernd Julius Arends, Rosaly Oberste-Beulmann, Vera Bolten, Fabian Böhle, Markus Kloster, Miriam Lotz, Christine Schürmann) hat darstellerisch und gesanglich wirklich alles gegeben. Die Geschichte reisst einen wirklich mit und wurde auf der kleinen Bühne super umgesetzt. Falls die Show in Zukunft noch einmal gezeigt werden sollte, werde ich sie auf jeden Fall wieder besuchen.

tiny tigress (erste Bewertung)


30707
Kleines Theater, ganz große Emotionen! Unbedingt anschauen!

28.02.2015 -

Fiyero (41 Bewertungen, ∅ 3.2 Sterne)


30603
Besser geht nicht!

24.11.2014 - Habe das Stück am Samstag zum dritten und hoffentlich nicht letzten Mal besucht. Diese Produktion gehört für mich zu meinem kleinen Kreis besonderer Glücksfälle, die ich so bewerten möchte:

Man kann es anders machen.

Man kann es vielleicht sogar genauso gut machen.

Aber man kann es nicht besser machen!

zielkreis (4 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


30602
Der Hammer!

24.11.2014 - In meinen über 26 Jahren Musicalbesuche habe ich auch die Blutsbrüder schon gesehen. Da war zum einen eine Aufführung vor vielen Jahren im Tic-Theater in Wuppertal und auch die Original-Produktion in London war dabei. Was ich mit meiner Mutter und meiner Nichte aber gestern Abend im kleinen KatiElli Theater in Datteln gesehen habe, war der Hammer!
Auch wenn die Musik "nur vom Band" daher kommt - es war perfekt. Was die acht Schauspieler da geleistet haben, hat mich sehr nachhaltig bewegt. Das kleine unscheinbare Dattelner Theater hat seit gestern einen Stammgast mehr. Solche Stücke will man sehen. Klein und fein. Da muss es nicht ins große Stage-Theater gehen, um einen solchen Abend zu erleben. Die Standing Ovations waren total berechtigt, sah man den Schauspielerinnen und Schauspielern beim Schlussapplaus an, dass auch sie total bewegt waren - und das eine oder andere Tränchen im Auge hatten. Also, vielen Dank für einen solchen, tollen, genialen, bewegenden Abend.

DirkCgn (2 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


30474
Tränengarantie

31.08.2014 - Blutsbrüder in Datteln ist eine wunderbare Produktion, die vor allem von ihrem Hauptdarstellern lebt.

Allen voran trägt Miriam Lotz als Ms. Johnston den Abend. Man kauft ihr die Zerrissenheit, einen ihrer Söhne abgeben zu müssen, den Schmerz, einfach alles zu jeder Sekunde ab. Dazu kommt noch ihre wunderschöne Stimme. Spätestens bei "Sag es ist nicht wahr" bleibt kein Auge im Publikum und auch auf der Bühne trocken. Sie steht mit zitternden Knien auf der Bühne und trauert um ihre Söhne. Großes Schauspiel, große Stimme!

Bernd Julius Arends und Markus Kloster spielen Eddie und Mickey zu Beginn herlich erfrischend. Auch im Erwachsenenalter glaubt man ihnen immer noch, dass sie eigentlich Freunde sein wollen, aber der Klassenunterschied doch irgendwie wichtiger ist. Kloster singt gut, Arends scheint zu versuchen fehlende Höhen durch Lautstärke auszugleichen, was ihm meist auch gelingt.

Markus Alexander Neisser ist ein erfrischend junger Erzähler. Unnahbar und distanziert spielt er sich durch den Abend. Toll!

Katharina Koch ist eine wunderbar spießige Ms. Lyons, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünscht. Der Wandel zur Irren kommt etwas plötzlich, dafür spielt sie aber überzeugend. Das kann man von Daniel Andone als Mr. Lyons nicht behaupten. Irgendwas fehlt ihm. Man mag allerdings nicht glauben, dass er auch Sammy spielt. Hier lässt er das Kind raus und rastet auf der Bühne förmlich aus.

Rosalie Oberste-Beulmann und Christine Schürmann haben als Linda uns "Mädchen für alles" wenig zu tun, tun dieses aber hervorragend.

Blutsbrüder in Datteln ist eine wunderbare Produktion. Wieder einmal zeigt Bernd Julius Arends dass es nicht immer viel Pomp sein muss, sondern dass auch die kleinen, ruhigen Produktionen überzeugen können.
Zum Ende des Abends blieb in der besuchten Vorstellung nicht ein Auge trocken. Weder auf der Bühne noch im Publikum!

MarcCohen84 (7 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30366
On-Off Broadway war gestern...

27.04.2014 - Was dieses Theater gestern unter der Führung von B.J. Arends auf die Bühnenbretter gezaubert hat ist kaum zu überbieten! Alle, die dieses selten auf deutschen Bühnen gezeigte Musical in Perfektion sehen wollen, sollten unbedingt nach Datteln reisen und sich von der Leistung aller Akteure selbst ueberzeugen. Dem Hauptdarsteller, der gleichzeitig Besitzer dieses Theaters ist, konnte man auch nach Beendigung der Premiere ansehen, dass er mit Leib und Seele dabei ist/war. DANKE und "chapeau" wir freuen uns schon auf das nächste Stück und bleiben diesem tollen Privattheater auch weiterhin treu! Bernd+Sigrid Thiel

besimusical (12 Bewertungen, ∅ 4.3 Sterne)


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 Theater / Veranstalter
KATiELLi Theater
Castroper Str. 349
D-45711 Datteln
02363 / 567 51 99
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 Kurzbewertung [ i ]
(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Witz und Dramatik liegen bei diesem bis ins kleinste Detail liebevoll inszenierten Theaterabend nah beieinander.

27.04.2014

 Leserbewertung
(6 Leser)


Ø 4.83 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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