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Drama

Grand Hotel

Wir trinken auf das Leben!


Man betritt kein Theater und keinen Innenhof eines Schlosses: In Ettlingen steht man plötzlich mitten in einem Hotel. Eine perfekt eingepasste Kulisse sorgt gemeinsam mit einer exzellenten Besetzung für einen Ausflug ins "Grand Hotel" nach Berlin, in dem so viele tragische Schicksale aufeinander treffen. Das lässt sogar vergessen, dass dem Musical eigentlich der eine Showstopper, der eine im Ohr bleibende Song, fehlt.

(Text: Melanie M. Müller)

Premiere:26.06.2014
Rezensierte Vorstellung:28.06.2014
Letzte bekannte Aufführung:16.08.2014


"Als der Portier aus der Telefonzelle 7 herauskam, war er ein wenig weiß um die Nase herum; er suchte seine Mütze, die er im Telefonzimmer auf die Heizung gelegt hatte." Mit Erik, dem Portier, beginnt Vicki Baums großartiger Roman "Menschen im Hotel" der Luther Davis, Robert Wright und George Forrest gleich zweimal dazu veranlasste, den Stoff auf die Musicalbühne zu bringen. Während die erste Fassung, weit entfernt vom Original Baums, floppte, ist die 1989 von Maury Yeston überarbeitete Version auch hierzulande hin und wieder zu sehen. Dennoch gehört "Grand Hotel" zu den seltener gespielten Stücken.

In Ettlingen nimmt sich Udo Stürmer (Regie) dem Personendrama aus den 1920er Jahren an. Mit einem gut durchdachten und schlüssigen Konzept erzählt er die Geschichte mehrerer Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist Elisaweta Gruschinskaja, die einstige Primaballerina, die zum wiederholten Mal ihre Abschiedstournee gibt. Sie trifft im Hotel auf den schneidigen Baron Felix von Gaigern, der sich – eigentlich bettelarm – durchs Leben gaunert. Dieser wiederrum verhilft aus Versehen dem todkranken Otto Kringelein, der nur einmal wie die Reichen leben möchte, unverhofft zu Geld. Geld bräuchte auch Hermann Preysing, denn der Fabrikdirektor ist von der Insolvenz bedroht. Der kommende Bankrott lässt den sonst freundlichen und höflichen Geschäftsmann aufdringlich werden gegenüber der attraktiven Sekretärin Flämmchen, deren großer Traum eine Karriere in Hollywood ist.

Was Baum in ihrem Roman bereits gelang, funktioniert auch auf der Bühne einwandfrei: Die Verstrickungen und Beziehungen der Personen sind hervorragend herausgearbeitet und laden zum Mitfühlen ein. Hierzu trägt maßgeblich die fantastische Ettlinger Besetzung bei. Allen voran gerät Adrian Kroneberger als Otto Kringelein zum Publikumsliebling. Er ist und bleibt die Figur, die zum Sympathieträger bestimmt ist. Kroneberger gibt Kringelein die nötige geduckte Haltung und die passende hoffnungsvolle Stimme. Ebenfalls hoffnungsvoll singt und tanzt Maria Danae Bansen als Flämmchen über die Bühne. Dabei gerät das naive Blondchen glücklicherweise nie zum dummen Blondchen, sodass von Bansen der erfrischende Eindruck einer jungen Darstellerin bleibt, deren angenehme Stimme man hoffentlich nicht das letzte Mal gehört hat.

Respekt gebührt ebenfalls Katja Brauneis als alternde Primaballerina, die nicht nur eindrucksvoll die verzweifelte Diva gibt, sondern auch konsequent einen französischen Akzent in Dialog und Gesang beibehält. Die kurze Liebe zu Baron Felix von Gaigern lässt schließlich nicht nur den Zuschauer hoffen, sie hätte endlich ihren Frieden mit ihrem Alter gemacht. Carsten Lepper gibt den windigen Baron mit passendem Aussehen, pointierten Sprüchen und tadelloser Stimme. Man nimmt ihm die Wandlung vom skrupellosen Gauner zum nachdenklichen Liebenden komplett ab, auch wenn der Text ihm hierzu nur einen kleinen Spielraum einräumt. Weniger überzeugend gelingt die Wandlung von Thomas Schirano als Hermann Preysing. Das liegt jedoch nicht an der Darstellung Schiranos, an der es nichts auszusetzen gibt, sondern vielmehr an der Vorlage. Der Bruch zwischen ehrenvollem Geschäftsmann und unnachgiebigem Lügner wirkt schlichtweg zu hart. Rollendeckend hart dagegen ist Oberst Dr. Otternschlag, mit starrem Gesicht und bissigen Kommentaren perfekt von Thomas Weissengruber dargestellt. Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch Christine Rothacker als Elisawetas Gesellschafterin Raffaela, die manchmal ein wenig an Mrs. Danvers aus "Rebecca" erinnert, und Carl van Wegberg, der als Portier Erik sehnsuchtsvoll auf die Geburt seines Kindes wartet. Sie geben dem Ganzen ebenso wie das restliche Ensemble den Feinschliff.

Untermalt wird das Ganze durch die Choreographie von Markus Buehlmann, der auch zwei Solotänzer an den richtigen Stellen dramaturgisch sinnvoll in Szene setzt. Die Bühne von Steven Koop fügt sich einwandfrei in die historische Kulisse und wird komplett bespielt – inklusive der Balkone und Fenster des Schlosses. Die Kostüme (Anne Weiler) passen sich den 1920er Jahren wunderschön an und runden das Gesamtbild ab.

Dem harmonisch inszenierten durchkomponierten Musical fehlt letztlich nur der eine große Song, den man mit nach Hause nimmt. Die Musik an sich ist eine bunte Mischung aus Charleston, Foxtrott und Jazz - eine wunderschöne Komposition, die in eine längst vergangene Zeit einlädt. Doch bis auf eine Szene bleibt die Hoffnung auf das große Solo unbeantwortet, was nicht heißt, dass nicht jeder seinen kurzen Einzelmoment hat. Den fehlenden Showstopper als Makel des Stückes zu sehen wäre jedoch vermessen, es ist lediglich anders im Vergleich zu vielen aktuellen und neueren Musicals, die vor allem auf die Soli ihrer Hauptfiguren setzen. "Grand Hotel" bricht mit diesem Trend und macht das gesamte Ensemble zum Hauptcharakter. Eine gelungene Abwechslung.

(Text: Melanie M. Müller)






Kreativteam

Musikalische Leitung Jürgen Voigt
Regie Udo Schürmer
Choreografie Markus Buehlmann
Bühnenbild Steven Koop
Kostüme Anne Weiler


Besetzung

Baron Felix von GaigernCarsten Lepper,
(Carl van Wegberg)

Elisaweta GrushinskajaKatja Brauneis,
(Lisa Maria Greslehner)

RaffaelaChristine Rothacker,
(Stefanie Derner)

FlämmchenMaria Danae Bansen,
(Jessica Rühle)

Otto KringeleinAdrian Kroneberger,
(Daniel Raaflaub)

Oberst OttenschlagThomas Weissengruber,
(Fabian Bothe)

Hermann PreysingThomas Schirano,
(Julian Sylva)

ErikCarl van Wegberg,
(Jürgen Strohstein)

JimmiesOliver Heim
Gerrit Hericks
ZinnowitzKlaus N. Holderbaum
EnsembleStefanie Derner
Lisa Maria Greslehner
Jessica Rühle
Wiebke Wötzel
Fabian Bothe
Daniel Raaflaub
Jürgen Strohschein
Julian Sylva



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30425
Grosses Kino!

14.07.2014 - Ein sehr selten gespieltes Werk, tolle Unterhaltung, wunderbare komponierte Swing/Jazz und Musicalmusik, und ein tolles Ensemble: Allen voran Carsten Lepper als Baron von Gaigern mit glasklarer Stimme, ein Stimmvolumen wie ich es selten und wenn nur in der Oper höre und dazu noch einer der ehrlichst spielenden Darsteller auf den deutschen Musicalbühnen. Neben ihm glänzen Katja Brauneis als seine Geliebte Elisaveta mit grosser Leidenschaft, Maria Bansen als Flämmchen als zuckersüsses Schreibmaschinenfräulein und stimmigen Spiel und grossem Esprit, sowie Adrian Kroneberger als Kringelein, der vor allen in den komischen Momenten punkten kann.
Da es weniger "Ohrwürmer" gibt, sollten doch zwei Lieder erwähnt werden, die tolles Musiktheater bieten und eine Geschichte erzählen:
"Liebe kam so unerwartet", gesungen von Carsten Lepper mit einer völlig frei klingengenden Höhe und "Rosen auf dem Bahnsteig" (ebenso Carsten Lepper), der rythmisch wie musikalisch auf Sondheim-Niveau einen Blick auf die Gedanken des Barons gibt, kurz vor seinem Tod.
Gänsehaut pur mit stimmigen Licht und Sound.
Grosses Musiktheater mit einem tollen - zwar leider viel zu kleinem- Orchester unter der Leitung von Jürgen Voigt.
Inszenierung: Udo Schürmer, der damit beweisen konnte, das man auch mit fremden Werken viel Publikum anziehen und begeistern kann. Hut ab vor der Besetzung. Ein grosser überraschender Abend in fast ausverkauftem Haus.

musicalman (5 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


30423
Alles passt, bis auf die Story...

13.07.2014 - Darsteller Top! Tolles Schauspiel, tolle Stimmen.
Bühnenbild passt.
Musik zwar etwas dünn besetzt (8-9 Musiker) aber auch die ist gut.
Was den Gesamteindruck schmälert ist die Story. Die zieht sich vor allem im ersten Akt wie ein Kaugummi... Aber dafür kann ja das Ensemble nichts.
Höhepunkte: First Cast "Flämmchen", die Ballerina und Carsten Lepper.

MichelD (27 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30413
Großartige Ensembleleistung ...

27.06.2014 - Die Premiere des Musicals "GRAND HOTEL" in Ettlingen anlässlich der Schlossfestspiele 2014 fand am 26.06.2014 statt.

Das eher unbekannte Ensemblestück habe ich hier zum ersten mal erlebt. Die Aufnahme der Broadway-Show (1991) machte mich schon immer neugierig.

DIE MUSIK

Zwar sind die Songs für sich gesehen nie die Showstopper. Dennoch macht der Notenmix diverser Komponisten Sinn. An manchen Stellen hört man Maury Yeston (Titanic, Ragtime) förmlich heraus. Die Mischung aus Schlagern der 20er, Charleston, Walzer und Rag passt.

Die Story ist nichts besonderes. Menschen kommen und verlassen ein Hotel. In der Lobby treffen sich alle immer wieder. Kommentiert wird das Geschehen von Oberst Ottenschlag.

DIE CAST

Nüchtern, und kühl betrachtet er (Thomas Weissengruber) das Geschehen. Sein dunkles Timbre, die hagere Erscheinung und seine Darstellung berühen.

Baron Felix von Gaigern wird von Carsten Lepper gegeben. Er ist ein schneidiger, windiger verarmter Baron der mit den Gefühlen und dem Geld anderer spielt. Seine Liebe zur alternden Ballettdiva kommt zwar etwas plötzlich aber das liegt zweifellos an der Vorlage. Stimmlich meistert er die Partitur gut bis sehr gut.

Elisaweta Grushinskaja wird von Katja Brauneis gespielt. Sie kann mit großer Geste und Stimme und einem bewegungstalent punkten. Ihre Rolle erinnert ein wenig an Norma Desmond. Sie darf ein paar Reflexionen zum Besten geben und tut dies auch.

Flämmchen die Stenoytypistin wird grandios von Maria-Danaé Bansen gegegen. Mit einer unglaublichen Energie und einer tollen Stimme war sie für mich die Endeckung des Abends.

Auch Herr Kringelein der todkranke, liebeswerte ältere Herr wird wunderbar und mit einer Portion Humor von Adrian Kroneberger gegeben.

Hervorzuheben wäre noch Erik. Der eifrige Rezeptionist der viel lieber bei seiner in den Wehen liegenden Frau wäre. Carl van Wegberg hat mehrere schöne Szenen und singt hervorragend.

Stimmlich überzeugen auch Thomas Schirano als Direktor Preysing (Unternehmer aus Sachsen, der nur leider kein sächsisch spricht) und Christine Rothacker als ergebene/verliebte Gesellschafterin der Grushinskaja.

Auch wenn die Schicksale und Geschichten der Menschen im Hotel nicht immer wirklich berühren, so ist es dennoch kurzweilig und unterhaltsam dem Treiben zuzusehen und zuzuhören.

Hier kann Ettlingen in diesem Jahr wieder punkten. Die Textverständlichkeit, die Abmischung des 7köpfigen Orchesters und der Klang sind in diesem Jahre wirklich beeindrucken. Auch in den Szenen in denen schnell und teilweise parallel gesungen wurde, konnte man alles einwandfrei verstehen.

BÜHNE/KOSTÜM

Schauwert hat zudem das tolle Einheitsbühnenbild. Ein Hotelprotal mit obligatorischer Drehtür steht vor der historischen Schlossfassade. links und rechts daneben eine Wandelhalle mit Säulen und Spiegeln. Besonders nach Eintritt der Dunkelheit (gegen Ende des ersten Aktes) und im 2. Akt ab 22:20 Uhr kommt dies zur Geltung. Auch das Licht ist immer wieder gezielt gesetzt und schafft Stimmungen.

Die Kostüme sind eine Augenweise. Schicke Kleider für die Damen, tolle Anzüge, Mäntel, Schals lassen die 20er lebendig werden. Farbenfroh und frech. Diese kommen zudem in schönen Tanzszenen zur Geltung. Besonders im 2. Akt mit 2 größeren Tanznummern kann das Ensmble zeigen was es kann.
FAZIT

Die Reise nach Ettlingen hat sich für mich definitiv gelohnt. Sicher haben Story und Musik einige Längen und Schwächen. Etwas mehr Leichtigkeit und Schmiss vermisst man nach dem 3. oder 4. Soli. Dennoch sind tolle Nummern dabei und die Ensembleszenen begeistern ungemein.

Die Inszenierung kann zudem mit vielen anderen Werten punkten. Einer tollen Cast, einem LIVE Orchester, einem schönen Kostüm/Bühnenbild und vielem mehr.

Auf ins GRAND HOTEL!

mrmusical (69 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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(mmm)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Von Ettlingen nach Berlin: Gelungener Ausflug ins Berlin der 20er Jahre mit fantastischem Ensemble, das trotz Regen alles gibt.

29.06.2014

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.00 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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