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Komödie

Kiss me, Kate

Ein moderner Geschlechterkampf


Gleich zwei Stücke in einem präsentieren die Bad Hersfelder Festspiele diesmal in der historischen Kulisse der Stiftsruine. Mit „Kiss me, Kate“ kommt ein gern gespielter Cole Porter Klassiker zur Aufführung, der sich um die Inszenierung von William Shakespeares „Die widerspenstige Zähmung“ dreht. Mit einer gewohnt hochkarätigen Besetzung überzeugt das Open-Air-Musical in diesem Jahr vor allem durch seine Stimmigkeit und Tanzszenen.

(Text: Melanie M. Müller)

Premiere:18.06.2014
Rezensierte Vorstellung:11.07.2014
Letzte bekannte Aufführung:03.08.2014


Bad Hersfeld begrüßt mit einem regelrechten Unwetter, sodass die Vorstellung schon beinahe zu kippen droht. Doch pünktlich zu Showbeginn des Cole Porter Klassikers „Kiss me, Kate“ hebt sich der Wolkenvorhang zu dezentem Sonnenschein. Das natürliche Spotlight richtet sich so auf ein zweieinhalbstündiges, abwechslungsreiches und turbulentes Spektakel, dessen kleine Schwächen von einem erfrischenden Ensemble einfach weggetanzt werden.

Erzählt wird in der historischen Kulisse der Stiftsruine die humorvolle Geschichte um den Schauspieler Fred Graham, der gemeinsam mit seiner Exfrau Lilli Vanessi und weiteren Schauspielern Shakespeares „Widerspenstige Zähmung“ aufführen möchte. Dabei läuft nicht nur wegen der ungeklärten Beziehung zwischen Fred und Lilli einiges schief. Auf mehreren Erzählebenen untermalt Porter die Komödie mit fantastischer Musik. Ein Ohrwurm nach dem anderen gräbt sich ins Gedächtnis des Zuschauers und so ist am Ende der Show überall Summen und schüchternes Singen unter den herausströmenden Gästen zu vernehmen.

Dabei stand zu Beginn der besuchten Vorstellung kein Darsteller, sondern Intendant Holk Freytag auf der Bühne. Wenn der Intendant die Bühne betritt, hat das meist nichts Gutes zu bedeuten. Doch Freytag beichtete nicht einen Showausfall, sondern eine Umstrukturierung. Denn Milica Jovanovic, die an einigen Terminen Katherine Mehrling in der Rolle der Lilli Vanessi vertritt, hatte sich bei den Proben einen Bänderriss zugezogen. Um ihre Auftritte jedoch nicht absagen zu müssen, entwarf das Ensemble und Kreativteam eine „bänderrisstaugliche“ Variante. Während Jovanovic ihre Sprech- und Gesangsstimme von der Seitenbühne aus ihrer Rolle schenkte, wurde sie in den tanz- und laufintensiven Szenen durch Dance Captain und Ensemblemitglied Samantha Turton ersetzt. Was irritierend klingt, funktionierte einwandfrei und so gebührt der größte Respekt in diesem Fall ausnahmsweise einmal nicht den Hauptdarstellern, sondern einer Dame, die in Rezensionen selten hervorgehoben wird. Turton tanzt neben ihrer eigenen Ensemblerolle auch die Rolle von Jovanovic. Ihre Mimik und Gestik passen punktgenau zu Jovanovics Text, die Abstimmung ist vorbildlich. Durch ihre Sondereinlagen fällt Turton zunehmend auch in den übrigen Szenen auf, ihr tänzerischer Ausdruck ist wunderschön anzusehen. Dazu ist Jovanovics Stimme glockenklar, kraftvoll und abwechslungsreich. Man merkt ihr in den Dialogen an, dass sie am liebsten auf die Mitte der Bühne springen und mitspielen würde.

Männlicher Star der Inszenierung ist Thomas Borchert als Fred und Petruchio. Man möchte ihn am liebsten mitten in ein Shakespearestück stecken und dort auftreten lassen, das komödiantische und schauspielerische Talent dazu hat er allemal. Nach einer Reihe mystischer und dramatischer Rollen, wie dem Grafen von Krolock, Maxim de Winter und Co., ist es erfrischend, Borchert in einer gänzlich anderen Rolle zu erleben, in der er keine der üblichen Gesten einbringt. Stimmlich wird er der Rolle in jedem Umfang mehr als gerecht und weiß mit bewusst überzeichneter Mimik das Publikum zu begeistern.

Dagegen geht Sascha Luder als Bill Calhoun bzw. Lucentio leider unter. In seinen Soli kann er durchaus überzeugen, doch in Ensemblesongs hat er nicht die nötige Kraft, sich entsprechend durchzusetzen. Das ist schade, denn schauspielerisch bringt er alles mit, was die Rolle erfordert. Neben ihm glänzt Marie-Anjes Lumpp als Lois Lane und Bianca. Das naive Blondchen nimmt man ihr von Beginn an ab, mit pointiertem Spiel sorgt sie immer wieder für Lacher. Zudem legt sie den nötigen frechen Klang in ihre Stimme. Aus dem durchweg herausragenden Ensemble ist besonders Eric Lee Johnson mit seinem Solo „Viel zu heiß“ hervorzuheben - eigentlich eine losgelöste und der sehr lange Szene, die er geschickt in einen Showstopper verwandelt. Ebenso unterhalten Thomas Schumann und Max Gertsch als tollpatschige Ganoven im rosa Tutu sowie Tom Schimon und Florian Soyka als Biancas Freier.

Unterhaltung, das ist das Stichwort Nummer eins bei „Kiss me, Kate“. Die rasante Show hat jedoch einen Schwachpunkt: Sie hat ihre Längen. Das ist freilich ein Widerspruch, der jedoch durch das Bad Hersfelder Ensemble und die Inszenierung von Stefan Huber gekonnt aufgehoben wird. Oft werden die Längen mit einem Lächeln auf den Lippen schlicht weggetanzt. Merkwürdig mutet nur hin und wieder an, dass ein Song zu Ende zu sein scheint und nach einer kurzen Pause von rund fünf Sekunden einfach weitergeht.

Das Bühnenbild von Stephan Prattes ist gut durchdacht, der Stiftsruine angepasst und bietet auch für Jovanovic Raum trotz ihrer Verletzung auf der Bühne zu stehen, statt nur aus dem Off zu singen. Mit einer sich drehenden Minibühne auf der eigentlichen Bühne werden die unterschiedlichen Ebenen des Musicals gut aufgefangen. Die Drehbühne zeigt je nach Bedarf die unplanmäßig verlaufende Vorstellung der „Widerspenstigen Zähmung“ oder den Bereich hinter den Kulissen. Auch die außergewöhnlichen Kostüme von Susanne Hubrich und Andrea Wagner tragen zum Gesamtkonzept bei.

Insgesamt ist das Regiekonzept stimmig und überzeugt auf ganzer Länge. Sämtliche Texte sind zudem auf Bad Hersfeld angepasst, sodass man sich auch als Zuschauer stets mitten drin, statt nur dabei fühlt. Als beim Schlussapplaus schließlich auch Jovanovic vorsichtig in die Mitte der Bühne geht, geht ein unterhaltsamer Abend voller Lacher zu Ende. „Kiss me, Kate“ in dieser Inszenierung ist definitiv ein Musical, das beschwingt.

(Text: Melanie M. Müller)






Kreativteam

RegieStefan Huber
Musikalische LeitungChristoph Wohlleben
ChoreografieMelissa King
BühneStephan Prattes
KostümeSuzanne Hubrich


Besetzung

Fred Graham
Petruchio
Thomas Borchert
Lilli Vanessi
Kate
Katharine Mehrling
Milica Jovanovic
Bill Calhoun
Lucentio
Sascha Luder
Lois Lane
Bianca
Marie-Anjes Lumpp
Harrison HowellHans-Christian Seeger
Harry Trevor
Baptista
Karl-Heinz Herber
HattieGina Marie Hudson
PaulEric Lee Johnson
Gremio
Freier
Ensemble
Tom Schimon
Hortensio
Ensemble
Florian Soyka
Ralph
Ensemble
Dominik Büttner
GanovenMax Gertsch
Thomas Schumann
EnsembleMeimouna Coffi
Alexandra Farkic
Joana Henrique
Erdmuthe Kriener
Nicky Milford
Samantha Turton
Marion Zollinger
Fredrik Andersson
Christian Hutter
Luke Giacomin
Stefan Preuth
Frank Wöhrmann




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Bad Hersfelder Festspiele
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(mmm)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Ein durch und durch unterhaltsamer Abend mit der fantastischen Musik von Cole Porter, sehr guten Darstellern und einem stimmigen Regiekonzept.

12.07.2014

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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