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Verwechslungskomödie

Victor/Victoria

If I Were A Man


© Jürgen Frahm
© Jürgen Frahm
Ganz klassisch von den Frackschößen bis zum paillettenbesetzten Glitzerfummel geht es bei "Victor/Victoria" im Alten Schauspielhaus Stuttgart zu. Das kleine, aber feine Ensemble rund um Antje Rietz und Jan Ammann beweist, dass Altbewährtes noch lange nicht ausgelutscht sein muss.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:13.12.2013
Rezensierte Vorstellung:16.12.2013
Letzte bekannte Aufführung:01.02.2014


Um es gleich vorweg zu sagen: Wer eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Geschlechteridentitäten erwartet, wird mit der "Victor/Victoria"-Inszenierung am Alten Schauspielhaus Stuttgart recht wenig anfangen können. Zwar finden sich im Programmheft einige geistreiche Texte zum Thema, doch Regisseur Ulf Dietrich hat mit seiner Inszenierung etwas anderes im Sinn: Schlicht und ergreifend zu unterhalten.

© Jürgen Frahm
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Im klassischen Vaudeville-Stil der 1920er Jahre legt Dietrich das Stück über die Frau an, die einen Mann spielt, der Frauen spielt. Er setzt dabei auf eine pointierte Personenregie, eine klassische, aber zurückhaltende Bühne und effektvolle Choreographien. Selten sieht man an Theatern vergleichbarer Größe so perfekt durch-choreographierte und synchron dargebotene Tanznummern wie hier. Unter der Leitung von Alexander Grünwald, künstlerischer Leiter am Stuttgarter Stage Palladium Theater, schafft das siebenköpfige Ensemble eine voll und ganz überzeugende Darbietung auf der überschaubaren Bühne des Jugendstiltheaters, die von Dietmar Teßmann zweckmäßig realistisch gestaltet wurde.
Der Hintergrund zeigt Pariser Straßenszenen, Zimmer werden als abgeschlossene Räume mit einer offenen Seite für den Zuschauer gestaltet und wenn Victoria ihr hohes C anstimmt, zerbrechen dank eines doppelten Bodens in der Bartheke die Gläser auf dem Tresen. Die Tricks, die Teßmann auf seiner Bühne nutzt, sind einfach zu durchschauen, aber gerade das macht auch ihren Reiz aus. Nichts wirkt zu perfekt, zu unnahbar. Die Kostüme von Monika Seidl bilden mit Teßmanns Bühnenbild eine harmonische Allianz. Zum Hingucker werden vor allem die paillettenstrotzenden Bühnenoutfits Victorias, Marchans Nadelstreifenanzug und die Charleston-Kleidchen Normas, die die Handlung deutlich in den 1920er Jahren verorten.

© Jürgen Frahm
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Die fünfköpfige Band unter der Leitung von Niclas Ramdohr, die aus Platzgründen an den Seiten der Bühne ins Spiel mit einbezogen wird, macht Spaß. Trotz kleiner Besetzung vermisst man kein Instrument, die Musik aus der Feder von Henry Mancini und Frank Wildhorn kommt spritzig und frech daher. Genauso die Darsteller, die Dietrich auf der Bühne versammelt hat:

© Jürgen Frahm
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Antje Rietz singt und spielt die Victoria Grand mit angenehm tiefer Stimme, souveräner Zurückhaltung und hintergründigem Witz. Als Toddy wurde der beliebte Stuttgarter Komödiant Volker Risch in seiner erste Musicalrolle verpflichtet. Schauspielerisch gewandt manövriert er sich charmant durch die zugegebenermaßen flachen Witze und schlägt sich auch gesanglich gut. Überraschend witzig präsentiert sich Maja Sikora in der Rolle der schrillen Blondine Norma. Mit explosiver Körperlichkeit blödelt sie sich durch das Stück und gewinnt ihrem Part auch gesanglich spannende Nuancen ab. Publikumsliebling Jan Ammann, der einen smarten und nonchalanten King Marchan spielt, wirkt im ersten Akt noch reichlich unterfordert. Nach der Pause schöpft er aber aus den Vollen und zeigt – neben gesanglichen Höchstleistungen – treffsicheres Gespür für Pointen und Slapstick.

© Jürgen Frahm
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Es ist vor allem das Zusammenspiel der Hauptakteure, das den Reiz der Stuttgarter "Victor/Victoria"- Inszenierung ausmacht. Regisseur Dietrich lässt Rietz, Ammann und ihre Kollegen mit perfektem Timing über die Bühne fegen. Gerade die Verfolgungsjagden durch die Hotelsuiten von Victoria und Marchan werden für den Zuschauer ein absoluter Hochgenuss. Jedes Öffnen einer Tür, jede Flucht unter die Betten ist detailliert geplant und punktgenau ausgeführt.

© Jürgen Frahm
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Durch Timing, Treffsicherheit und die gewisse Chemie beweisen die Darsteller, wie eine solide gespielte Komödie funktioniert. "Victor/Victoria" könnte muffig und aus der Zeit gefallen wirken – in Stuttgart wird der Beweis erbracht, dass es auch anders geht. Wer alles Reflektieren und Intellektualisieren für einen Abend ausschalten kann, den erwartet ein königliches Vergnügen mit Altherrenwitzen und klassischen Verwechslungs-spielchen im Stil von "Charleys Tante" und "La Cage aux Folles".

(Text: Dominic Konrad)




Verwandte Themen:
Lexikon: Victor/Victoria



Kreativteam

Musik Henry Mancini
Frank Wildhorn
Buch Blake Edwards
Liedtexte Leslie Bricusse
Frank Wildhorn
Inszenierung Ulf Dietrich
Musikalische Leitung Niclas Ramdohr
Choreographie Alexander Grünwald
Bühnenbild Dietmar Teßmann
Kostüme Monika Seidl


Besetzung

Victoria Grand Antje Rietz
Toddy Volker Risch
King Marchan Jan Ammann
Norma Maja Sikora
Squasch Bernstein Michael Hiller
André Cassell Reinhold Ohngemach
Gregor
Jazz-Sänger u. a.
Luigi Scarano
Henri Labisse u. a. Martin Planz
Alte Präsidentin
Mlle Selmer u. a.
Tanja Schön
Richard, Clam u. a. Daniel Wernecke
Madame Roget
Blumenmädchen u. a.
Fabiana Denicolo
Schauspielerin u. a. Verena Raab
Juke u. a. André Naujoks




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Jürgen Frahm
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


4 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30281
Etwas glanzlos

28.01.2014 - Wenn man ein perfektes Filmjuwel als Vorlage hat, wird jeder Versuch einer Bühneninszenierung natürlich zum Risiko.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass Buch und Text (wohl auch die Übersetzung) der Musical-Version bei Weitem nicht so elegant, geistreich und gelungen sind wie in der Filmvorlage und, dass Frank Wildhorn jede Menge blasses, nichtssagendes musikalisches Füllmaterial beigesteuert hat, um Henry Mancinis preisgekrönten Soundtrack zu ergänzen.
Natürlich tun sich auch die Stuttgarter Darsteller schwer daran, die grandiosen schauspielerischen und gesanglichen Leistungen ihrer Film-Vorbilder vergessen zu lassen.
Fehlbesetzt erscheint Volker Risch als Toddy. Er behauptet zwar in jedem zweiten Satz, dass er schwul wäre, spielt die Rolle aber fast vollkommen "straight". Da geht viel an Humor verloren.
Auch Antje Rietz (gesanglich großartig) und Jan Ammann (als Victoria und King Marchan) lassen in ihrem Zusammenspiel so manche Pointe untergehen.
Auch Ammanns eindrucksvoll klassische Stimme mag dramaturgisch nicht so wirklich zu dem Chicagoer Unterwelt-Boss passen.
Maja Sikora als vulgär-dusselige Norma ist die einzige Hauptdarstellerin, die wirklich glänzen kann, alles aus ihrer Rolle herausholt und zum berechtigten Publikumsliebling wird.
Das recht kleine Ensemble singt und tanzt großartig.
Die Choreografie ist ausgesprochen originell und nutzt die begrenzten Platzverhältnisse bestens aus.
Das Bühnenbild ist zweckdienlich und variabel, sieht aber in den Show-Sequenzen leider zu armselig und karg aus. Das ist umso bedauerlicher, da die Kostüme großartig gelungen sind und genau den richtigen Glamour-Faktor haben. Das unauffällige Lichtdesign kann da leider auch nicht mehr viel retten.

Regisseur Ulf Dietrich hatte einige nur schwer nachvollziehbare Regieeinfälle. So muß Victoria wiederholt Trompete spielen statt singen, der musikalische Showstopper "Chicago, Illinois" wird fast nur als Sketch, in dem der Gesang untergeht, inszeniert und "Shady Dame from Seville" wurde ganz gestrichen, was dramaturgisch überhaupt keinen Sinn ergibt.

Dieser Inszenierung fehlt oftmals leider der Glanz, das Gespür für Witz, Tempo und leichtes Entertainment.

kevin (163 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30267
Routine auf hohem Niveau

19.01.2014 - Eine tolle Besetzung, ein sehr unterhaltsamer Abend und doch will ich nicht mehr als 3 Sterne geben.
Das fängt mit der Regie an, die die Nebenrollen ganz furchtbar grimassieren lässt, wo der Slapstick in den Massenszenen (bis auf die Tür-auf-Tür-zu-Szene im Hotel) nie funktioniert, die uralte Gags im Text belässt ("Können Sie Französisch?" Ha, ha, ha ...) und führt zu den Darstellern, die für sich genommen in den größeren Rollen einfach super sind, aber auch eben nur jeder für sich, es ergibt sich kein harmonisches Zusammenspiel. Den "Liebenden" habe ich z.B. ihre Gefühle füreinander nie abgenommen. Auch wenn Jan Ammann, der seine Rolle wirklich sehr witzig anlegt, in seinem Solo im 2. Akt seine Stimme erschallen lässt als wolle er unbedingt beweisen, dass dieses Theater eigentlich viel zu klein für seine Stimme ist, dass er als Gangsterboss mit einer möglichen Homosexualität hadert, glaubt man ihm nicht.
Außerdem wurde gnadenlos weitergespielt, auch wenn es Lacher gab und man verpasste Teile des Dialogs. Das wirkt echt so, als wolle man bald Feierabend haben.

bernstein (29 Bewertungen, ∅ 3.6 Sterne)


30227
TOLL!

29.12.2013 - Ich wurde wunderbar entertaint! Live Musiker, GROSSARTIGE Cast und das ganze für rund 28 Euro in der besten Preiskategorie. Besonders möchte ich an dieser Stelle noch Antje Rietz hervorherben denn sie tanzt, spielt und singt nicht nur toll, sie spielt auch hervorragend Trompete im Stück!

Dorothy (2 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


30212
Sehr schönes, amüsantes, und gut gemachtes Musical

17.12.2013 - Darsteller, Regie, Bühnenbild, Choreographie, Kostüme: alles passt!

gernhilde (3 Bewertungen, ∅ 3 Sterne)


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Handlung
Im Paris der 30er Jahre gibt die mittellose britische Sängerin Victoria Grant in der Hoffnung, eine Anstellung zu finden, auf Anraten ihres schwulen Freundes Carol Todd vor, ein männlicher Travestiedarsteller zu sein. mehr

Weitere Infos
Der Stoff wurde bereits 1933 im UFA-Film "Viktor und Viktoria" bearbeitet. 1982 entdeckte der bekannte amerikanische Regisseur Blake Edwards ihn wieder und verarbeitet ihn zu seiner musikalischen Komödie "Victor/Victoria" mit Julie Andrews in der Titelrolle, James Garner als King und Robert Preston als Toddy. Die Musik schrieb Henry Mancini, die Texte Leslie Bricusse. Der Film gewann einen Oscar für die beste Original-Musik und war für sechs weitere der begehrten Trophäen nominiert. Den Sprung auf die Broadway-Bühne schaffte das Musical erst 1995, ein Jahr nach Mancinis Tod. Frank Wildhorn schrieb einige zusätzliche Songs, die Hauptrolle übernahm abermals Julie Andrews.

 Kurzbewertung [ i ]
(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Temporeiche und spritzige Inszenierung mit durchweg großartigen Darstellern.

17.12.2013

 Leserbewertung
(4 Leser)


Ø 3.25 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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