Norden Westen Osten Süden
Termine aus DeutschlandÖsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Love Never Dies


Tipp der Redaktion
Drama

Love Never Dies

Phantom der Oper Teil 2


© Copyright Rolf Bock VBW
© Copyright Rolf Bock VBW
Grandioser Theatergenuss! Eine packende Regie und eine überragende Hauptdarstellerin machen aus einer "konzertanten" Aufführung einen Theaterabend der Extraklasse.

(Text: Björn Herrmann)

Premiere:18.10.2013
Letzte bekannte Aufführung:26.10.2013


Andrew Lloyd Webbers "Love Never Dies" in einer konzertanten Aufführung der Vereinigten Bühnen Wien. Diese Ankündigung ist wohl die Untertreibung des Jahres. Denn die "Phantom der Oper"-Fortsetzung kommt im Ronacher als dramatischer und spannungsgeladener Thriller über die Rampe, in dem das Fehlen von Kulissen und Masken nicht einmal auffällt.


Regisseur Andreas Gergen schafft es, rund um das auf der Bühne platzierte Orchester der VBW herum, immer wieder neue Szenen von großer Eindringlichkeit und Intensität zu kreieren, die vielleicht gerade wegen der fehlenden Bühnengewerke so packend sind. Er verzichtet dabei auf die im vergangenen Jahr im "Phantom"-Konzert teilweise verwirrenden projizierten Animationen und löst die statischen Momente einer konzertanten Fassung komplett auf. Da gibt es keine unter den Arm geklemmten Textbücher mehr und auch keine klassischen Frontalposen. Stattdessen setzt Gergen auf voll ausgespieltes Theater und große Emotion und Leidenschaft. Dazu kommt Andrew Vollers Lichtdesign, das Schauplätze und Emotionen brillant in Szene setzt. Die Karussells von Cooney Island drehen sich, die Gefühle und Beziehungen der Protagonisten werden sichtbar und das nur durch Licht. Besser geht es kaum.

Dass "Love Never Dies" hingegen weder im Buch noch in der Musik die Qualität des Ur-Phantoms erreicht, ist als Grund für den eher mäßigen Erfolg des Stückes weithin bekannt. Dennoch: Die Geschichte hat Spannung und auch die Musik geht ins Ohr und berührt.

© Copyright Rolf Bock VBW
© Copyright Rolf Bock VBW


Die auch in Wien gespielte australische Version des Musicals zitiert ab und an Themen und Reminiszenzen und ist doch ein ganz eigenes Werk, dessen Charaktere ein ganzes Stück weit ab sind von den vertrauten Personen der Ur-Version. Und Andreas Gergen und seinen Darstellern gelingt es, das Publikum für deren Schicksale zu interessieren. Dass manche Wandlung arg konstruiert ausfällt und die Wiener Cast fast durch die Bank zu jung wirkt für die vom Leben gezeichneten und desillusionierten Protagonisten: geschenkt! Denn was die Darsteller auf die Bühne bringen, hat eine hohe Qualität.

Da ist vor allem Milica Jovanovic als Christine, die nicht nur optisch der strahlende Höhepunkt des Stückes ist. Stimmlich wie darstellerisch bietet sie eine überragende Leistung. Sie spielt die ganze Bandbreite aus, die ihre Rolle bietet, und ihre Entscheidung für das Phantom im zweiten Akt gerät zu einem berührenden Meisterstück. So strahlend, so gesanglich brillant bringt sie den Titelsong über die Rampe, dass es an ihrer Entscheidung für den "Engel der Lieder" eigentlich keinen Zweifel mehr geben kann. In der besuchten Vorstellung quittiert das Publikum diese Leistung zu Recht mit Standing Ovations in der Show, die sichtlich gerührte Jovanovic ringt einen Moment um ihre Fassung. Sowieso sind große Gefühle im Spiel: Ihr Moment des Wiedersehens mit dem Phantom, nur instrumental untermalt und bombastisch ins Licht gesetzt, ist ebenso emotional und berührend wie die intime, kammerspielartige Sterbeszene. Großartig!

Drew Sarich als Phantom hingegen hat das Problem, dass seine leicht nasale, eher rockige Stimme von der klassischer angelegten Partitur bis an ihre Grenzen gefordert wird. Die ganz großen stimmlichen Momente hat er nicht, erst das dynamische „Wo die Schönheit sich verbirgt“ gibt ihm die Möglichkeit, seine musikalischen Stärken auszuspielen. Dennoch: Auch ihm gelingt, wie im Vorjahr Christian Alexander Müller, eine ganz eigene Rollenzeichnung, die die aus Lizenzgründen erneut nicht vorhandene Maske keinen Moment vermissen lässt. Kälte und unbarmherzige Brutalität auf der einen Seite, eine verzweifelt liebende Leidenschaft auf der anderen. Zwischen diesen Polen ist sein Phantom angelegt und Drew Sarich spielt sich dabei die Seele aus dem Leib. Ganz großes Theater.

© Copyright Rolf Bock VBW
© Copyright Rolf Bock VBW


Julian Looman als dem Alkohol und der Spielsucht verfallener Raoul hat es da nicht leicht. Ein bisschen zu gut sieht er aus für einen verzweifelten und suchtgeplagten Menschen, doch in den entscheidenden Szenen ist er voll da und kann mit dem Phantom durchaus auf Augenhöhe agieren. Barbara Obermeiers Meg Giry ist nicht nur das optische Knallbonbon der Show. Ihre Szenen legt Andreas Gergen als knallrosafarbene Augenweide in der ansonsten beinahe wie ein Schwarzweißfilm wirkenden Inszenierung an. Wie eine Parodie auf "Legally Blonde" wirken die überdrehten, mit üppigen pinkfarbenen Tüchern drapierten Ensembleszenen, in denen die Damen Haut und Bein zeigen dürfen. Umso drastischer die Wandlung zu Verzweiflung und Wahnsinn, als Meg erkennen muss, dass sich das Phantom nie für sie interessiert hat. Maya Hakvoort spielt dazu passend eine verbitterte und verzweifelte Mme. Giry, deren Blicke kalt sind wie Eis. Leonid Sushon als Christines Sohn Gustave begeistert das Publikum mit engagiertem und selbstsicherem Spiel.

Doch was wäre diese Aufführung ohne das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien? Unter seinem Chefdirigenten Koen Schoots ist es der Dreh- und Angelpunkt des Stückes und bringt Webbers Melodien mit Brillanz und Opulenz zum Strahlen. Das beste Musicalorchester des europäischen Festlandes beweist wieder einmal eindrucksvoll, wie wichtig eine qualitätsvolle und üppige Besetzung dafür ist, einem Musical Herz zu verleihen. Mit grandioser Präzision und sensiblem Sinn für Stimmungen und Nuancen sind Schoots und sein Klangkörper Garanten für einen Hörgenuss, der für Bravo-Rufe und Standing Ovations sorgt. Zu Recht!

Dass man über Wolfgang Adenbergs deutsche Übersetzung nicht viele Worte verlieren muss, spricht für sie, denn sie fügt sich elegant und ohne schmerzhafte Phrasen ein in diesen hochklassigen Abend, an dem die Grenzen zwischen Musical und Oper verschwimmen und das Wort "konzertant" eine neue Bedeutung erhält.

© Copyright Rolf Bock VBW
© Copyright Rolf Bock VBW


(Text: Björn Herrmann)




Verwandte Themen:
News: "Love Never Dies" und mehr in Wien (27.05.2013)



Kreativteam

MusikAndrew Lloyd Webber
LiedtexteGlenn Slater
Charles Hart
BuchAndrew Lloyd Webber
Ben Elton
Glenn Slater
Frederick Forsyth
Deutsche ÜbersetzungWolfgang Adenberg
Musikalische LeitungKoen Schoots
RegieAndreas Gergen
ChoreographiePascale-Sabine Chevroton
LichtdesignAndrew Voller
SounddesignThomas Strebel


Besetzung

PhantomDrew Sarich
ChristineMilica Jovanovic
RaoulJulian Looman
MegBarbara Obermeier
Mme GiryMaya Hakvoort
FleckKatja Berg
GangleArmin Kahl
SquetchPeter Kratochvil
GustaveLeonid Sushon
EnsembleAnna Carina Buchegger
Janine Buck
Amélie Dobler
Suzanne Carey
Sanne Mieloo
Myrthes Monteiro
Anouk Roolker
Gabriela Ryffel
Jennifer Siemann
Sidonie Smith
Birgit Wanka
Nadja Plattner
Anne-Marijn Smulders
Colleen Besett
André Bauer
Björn Klein
Paul Knights
Jan-Eike Majert
Maximilian Mann
Georg Prohazka
Daniel Rakasz
Hendrik Schall
Benjamin Sommerfeld
Jörn Linnenbröker
Kieran Brown
Faik Hondozi
Lee Robert Hyung-Hoon
Lutz Standop
Nora Summer



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30153
Auch ohne Maske wundervoll

02.11.2013 - Von der Handlung von "Love Never Dies" mag man halten, was man will - auf der Bühne als Gesamtpaket funktioniert das Stück, auch wenn es wie hier "nur" (semi-)konzertant zu sehen ist. Das Orchester unter Koen Schotts bringt die fulminanten Kompositionen von Andrew Lloyd Webber, die gerade genug an der "Phantom"-Partitur erinnern, um einen roten Faden zu schaffen, aber gleichzeitig ausreichend Neues bieten, um ein eigenständiges Stück zu bilden, gekonnt zur Geltung.

Großartig der Einfall, während der Ouvertüre im Hintergrund das Ende von "Phantom der Oper" sozusagen als Prolog schematisch kurz nachzustellen.

Drew Sarich kann als Phantom sowohl darstellerisch als auch stimmlich vollends überzeugen und schafft die Gradwanderung zwischen besessenem Soziopath, der vor nichts zurückschreckt, um Christine zurückzugewinnen und einsamem, verzweifelten Exilanten, für den man nicht umhin kommt, ein gewisses Mass an Mitleid aufzubringen. Milica Jovanovic bringt eine emotionale Reife in die Rolle der Christine ein, die ihre Vorgängerinnen in London und Australien missen ließen, und singt mit einer wundervollen Leichtigkeit. Bei der Derniere sorgte ihr Titellied "Liebe stirbt nie" für Beifallsstürme und spontane Standing Ovations. Auch Julian Looman als Raoul kann aus der eher undankbaren Rolle viel herausholen – im Raoul/Phantom-Duett im zweiten Akt "Wer verliert, geht unter" schenken die beiden sich nichts, und der Gewinner ist der Zuschauer!

Maya Hakvoorts Mme Giry erinnert ein wenig an Mrs Danvers aus "Rebecca" – schade, dass die Rolle nicht mehr zu tun (und singen) bekommt. Barbara Obermeier dagegen sieht mit blonder Mähne und pinkem Kleid ein wenig zu sehr nach "Natürlich blond" aus und auch darstellerisch wünscht man sich, sie würde Meg ein wenig labiler und verzweifelter anlegen. Ihre gute Laune wirkt eine Spur zu echt, als dass sich darunter eine gebrochene Seele verbergen sollte.

Die deutschen Texte von Wolfgang Adenberg sind nah am englischen Original und größtenteils sehr passend und gut übersetzt. Es gibt nur wenige Momente, in denen es nicht ganz passt – zum Beispiel die wunderbar feine Ironie in "Dear Old Friend", die in der Übersetzung leider fehlt.

Zu kritisieren gibt es insgesamt jedoch wenig, und alles in allem muss sich diese Produktion durchaus nicht hinter der Londoner Ur-Inszenierung verstecken. Ein wunderbarer Musical-Abend, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Sandrine (20 Bewertungen, ∅ 4.1 Sterne)


30143
Alte Liebe rostet nicht

21.10.2013 - Die Semikonzertante Fassung des Liebesdreieck-Spiel zwischen Phantom, Christine und Raoul nun auch im Ronacher, wenn auch nur für ein paar Vorstellungen. Anfangs war ich ein wenig angefressen, dass man den „Coney Island Walzer“ nicht nur ausschließlich dem Orchester überließ. Die Musik erzählt sowieso schon den Vergnügungspark auf Coney Island. Benötigt es wirklich Bravorufe der Darsteller, oder diese auch noch das Orchester-Solo verdecken? Hier nahm man eindeutig den Focus dieser wunderbaren Musik weg.
Ebenso nahm man den Focus beim ersten Liebesduett zwischen Phantom und Christine weg, in den man die Szene zusätzlich durch eine Vertikaltuchakrobatin erklärt hat. Nur wozu? Wie leidenschaftlich die es damals in diesen“ One Night Stand“ getrieben haben kommt sowieso im Duett vor. Diese Phantasie dürfte das Publikum doch wohl noch haben. Auf diese Extraeinlage hätte man durchaus verzichten können.

Durchaus gelungen die szenische Darbietung mit wenigen Requisiten und im Hintergrund das 41 Köpfige Orchester der VBW unter Koen Schoots. So einen Klangkörper kann man nicht mit ein paar Musikern und eingespielten Files erreichen. Koen Schoots wusste das richtige Tempo zu finden und gab die richtigen Betonungen mit der richtigen Expression an, die seine Musiker tadellos umzusetzen wussten.

Drew Sarich gab einen zerbrochenen Menschen ab, aber immer Herr der Lage ist. Sein manchmal rockiges Timbre störte nicht, im Gegenteil, dadurch kamen seine Emotionen mehr zu Geltung.
Die Neuentdeckung und grosse Überraschung des Abends, Milica Jovanovic als Christine Daaé. Nicht nur Gesanglich eine Wucht, sondern auch liebevoll und glaubwürdig dargestellt. Sehr eindrucksvoll gespielt vor allem diese Zerrissenheit für wem sie sich entscheiden soll. Bei Ihrem „Liebe stirbt nie“-Lied wollte das Publikum zurecht nicht mehr aufhören zu applaudieren.
Julian Looman als ihr Mann Raoul war souverän. Für was entscheidet er sich darstellerisch, fragte ich mich. Einmal der fesche Mann in einer Optik wie Ben Affleck, oder diesen alkoholkranken Spieler? Da hätte es mehr einen Gesamtheitscharakter benötigt, wobei die Szenen, einzeln betrachtet schön gespielt waren.

Nicht so leicht hatte es Barbara Obermeier als Meg Giry. Sie war noch zu sehr in der Rolle der „Elle Woods“ in „Natürlich Blond“. Abgesehen davon hätte man zu mindestens sie nicht in pinkfarbenen Kleidern auftreten lassen sollen. Für mich war es die Elle Woods, die auf der Bühne stand und nicht die Meg Giry. Jedoch gelang es ihr, vor allem zum Schluss ihre Enttäuschung glaubwürdig darzustellen.
Ihre Mutter, Madame Giry, gepielt von Maja Hakvoort gefiel mir gut. Vorallem dieser Hoffnung setzen in ihre Tochter, ist sie ja doch existentiell vom Phantom abhängig. Und dieser Frust, dass das Phantom die beiden in Stich ließ war sehr schön gespielt.

Noch zu erwähnen ist die durchaus gelungene Übersetzung von Wolfgang Adenberg.

Abschliessend war es ein durchaus gelungener Abend, der auch halbszenisch fesselnd wirken konnte. Schade, dass die VBW es nicht in einer Vollinszenierung zeigen. Aber, absolut empfehlenswert.

wiener (6 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


30142
bravo herr lyod webber

21.10.2013 - ein muss für jeden der musicals liebt!

sissi1982 (11 Bewertungen, ∅ 4.5 Sterne)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Ronacher
Himmelpfortgasse 25
A-1010 Wien
+43 1 58885
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!
 Kurzbewertung [ i ]
(hn)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Grandioser Theatergenuss! Eine packende Regie und eine überragende Hauptdarstellerin machen aus einer „konzertanten“ Aufführung einen Theaterabend der Extraklasse.

20.10.2013

 Leserbewertung
(3 Leser)


Ø 4.33 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2019. Alle Angaben ohne Gewähr.

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

Ein Platz für Ihre Werbung?




   HOTEL.DE

THEATER-TIPPS


Sitzen, Parken, Gastro: Unsere Leser geben Tipps für den Theaterbesuch.
Freilichtspiele Tecklenburg, Neue Flora Hamburg, Operettenhaus Hamburg, Raimund Theater Wien, SI-Centrum Stuttgart.
Partnerseite: Musical-World


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;