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Komödie

The Producers

Hitler als Vehikel für den Flop


© Silke Winkler
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„Wie versemmelt man ein Musical?“. Diese Frage stellen sich im Stück die beiden Produzenten Max und Leo. Genug Antworten könnten sie auch in dieser Aufführung finden, die vom Schweriner Schauspiel-Ensemble gestemmt wird.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:25.10.2013
Rezensierte Vorstellung:27.10.2013
Letzte bekannte Aufführung:24.01.2015


In den Seitenlogen links und rechts der Bühne sind hinter dunklen Gaze-Schleiern Damen und Herren in festlicher Abendgarderobe platziert. Sobald dort das Licht angeht, erheben sie sich und singen. Allerdings weder Oper noch Oratorium. Die Mitglieder des Opernchors bringen Noten von Mel Brooks zu Gehör, während das in Ensemble-Szenen auf der Bühne agierende Personal dazu lediglich die Lippen bewegt. Mit dieser Form des „Synchron-Musicals“ umgeht Regisseur Peter Dehler die Herausforderung, die leicht, locker und ohne jeden klassischen Pathos durch die Partitur gleitenden Choristen auch auf der Bühne auf Musical zu trimmen. Ein Armutszeugnis für die als „Sparten übergreifende Inszenierung“ angekündigte Aufführung, in der ausschließlich Mitglieder des hauseigenen Schauspiel-Ensembles und Statisten agieren, nicht jedoch am Mecklenburgischen Staatstheater verpflichtete Sänger oder Tänzer.

© Silke Winkler
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Das merkt man dem Abend dann auch an. Da mögen sich die Solisten noch so mühen, es hapert beim Gesang häufig an der Intonation und nicht jeder Ton sitzt. Auch die recht einfachen Choreografien von Rüdiger Daas (Tanz) und Beate Rothmann (Stepp) sind oft nicht synchron und wirken bemüht. Grund hierfür ist auch, dass Peter Dehler nur selten die ganze Tiefe der Bühne nutzt. Zwar hat Ulv Jakobsen atmosphärisch dichte Räume mit nur wenig Mobiliar geschaffen, doch das Ensemble muss die Szenen häufig vor dem heruntergelassenen Vorhang beenden. So verpufft "Frühling für Hitler", das vor einem Schloss-Neuschwanstein-Prospekt spielt, wie die von zwei Panzer-Attrappen verschossenen bunten Papierschnipsel.

© Silke Winkler
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Als würde Mel Brooks’ Buch nicht schon witzig genug sein, setzt Dehler so sehr auf Klamauk und Tempo, dass einige der Gags nicht zünden und letztlich untergehen. Zudem gibt Dirk Audehm – vom Typ her ein perfekter Max Bialystock – die Hauptfigur sehr hektisch und überdreht. Auch wenn es in der besuchten, zweiten Vorstellung für das große Solo „Verrat“ einen zögerlichen Bravo-Ruf und viel Applaus gab: Audehm wirkt in der Rolle sehr angespannt und gesanglich überfordert. Das gilt auch für Simon Jensen, der als Solo-Tenor bei „Frühling für Hitler“ fast untergeht. In dieser Szene wird zudem nicht richtig klar, warum der sicher geglaubte Flop des Musicals im Musical ausbleibt: Özgür Platte als Roger DeBris und Hitler-Ersatz legt die Figur des Diktators nicht lächerlich-überzogen an, sondern stapft mit leichtem Glitter-Makeup und finster blickend durch die Szene.

© Silke Winkler
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Solide agiert Sonja Isemer als Ulla: ein kesser Schwedenhappen in sexy Outfits (Kostüme: Susanne Richter), der sich Producer Nummer Zwei angelt. Christoph Bornmüller ist ein hinreißend trottelig-verstockter Leo Bloom, der seine hysterischen Anfälle mit dem blauen Schnuffeltuch prima ausspielen kann. Auch bedient er gut die leiseren Seiten des biederen Buchprüfers, der Broadway-Luft schnuppert. Eine Glanzleistung zeigt Andreas Lembcke als linkischer Hitler-Fan Franz Liebkind. Mit umwerfender Mimik und einer ungeheuren Bühnenpräsenz ist er die perfekte Parodie eines Nazis. Anders als bei der Uraufführung stimmt Liebkind nicht den „Rechts-herum-Hupfauf“ an. In Schwerin wird stattdessen der „Grüßi-Gott-Pitsch-Patsch“ getanzt und aus dem Gefangenen-Musical „Liebe im Knast“ wird „Knackis mit Herz“.

© Silke Winkler
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Trotz der erwähnten Schwächen ist das Publikum in der besuchten zweiten Vorstellung zufrieden, wie der enthusiastische Schlussapplaus erkennen lässt. Einen großen Teil des Erfolgs kann auf jeden Fall die hervorragend aufgelegte Mecklenburgische Staatskapelle unter Martin Schelhaas verbuchen, die beschwingt und mit viel Gefühl Mel Brooks’ Partitur spielt - ein Trumpf, der in kommerziellen Großproduktionen immer weniger zu erleben ist.




Musical von Mel Brooks aus dem Englischen von Nina Schneider

(Text: kw)






Kreativteam

Inszenierung Peter Dehler
Musikalische Leitung Martin Schelhaas
Bühnenbild Ulv Jakobsen
Kostüme Susanne Richter
Choreografie Tanz Rüdiger Daas
Choreografie Stepp Beate Rothmann


Besetzung

Max BialystockDirk Audehm
Leo BloomChristoph Bornmüller
UllaSonja Isemer
Franz LiebkindAndreas Lembcke
CarmenKlaus Bieligk
Roger DeBrisÖzgür Platte
Ensemble Rüdiger Daas
Simon Jensen
Bernhard Meindl
Kai Windhövel
Katrin Heller
Josefin Ristau
Anja Werner
Caroline Wybranietz
Leo's Girls Mariana Born
Antje Caspar
Sandra Ehspanner
Andrea Großmann
Tracy Sue Guenachi
Cornelia Kolditz
Christina Müller
Joanna Scheibel
Uwe Skowronek
Opernchor des Mecklenburgischen Staatstheaters

Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin

Statisterie des Mecklenburgischen Staatstheaters





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Silke Winkler
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Als erfolgloser Produzent gewinnt Max Bialystock den schüchternen Buchhalter Leo Bloom für seine Idee, wissentlich einen Misserfolg auf die Bühne zu bringen, um daraus Kapital zu schlagen. mehr

Weitere Infos
Vom 15. Mai 2009 an war die Produktion des Ronachers im Berliner Admiralspalast zu sehen.

 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Schauspiel-Ensemble und Opernchor in Musical-Hausmannskost à la Staatstheater.

28.10.2013

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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