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Schauspiel-Adaption

Der Besuch der alten Dame

Dürrenmatt goes Musical


© Copyright VBW Brinkhoff Moegenburg
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Wenig erinnerungswürdige Musik und eine Inszenierung, die nicht recht weiß, in welche Richtung sie laufen soll, auf der einen Seite - zwei starke Darsteller in den Hauptpartien auf der anderen. "Der Besuch der alten Dame" nach Dürrenmatts Tragikkomödie hinterlässt im Ronacher einen zwiespältigen Eindruck.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:19.02.2014
Rezensierte Vorstellung:22.02.2014
Dernière:29.06.2014


Ähnlich wie die Dorfbewohner von Güllen den "Besuch der alten Dame" im Musical herbeisehnen, um ihre finanzielle Unabhängigkeit zurückzuerlangen, geschieht dies im übertragenden Sinne auch mit den beiden "Heimkehrern" Uwe Kröger und Pia Douwes, die erneut als Traumpaar in Wien auftreten dürfen, um die zuletzt klammen Kassen der Vereinigten Bühnen zu unterstützen. Ein geschickter und gelungener Coup der Verantwortlichen, denn die Hauptrollen sind exzellent besetzt. Die Wahl des Stückes und die Umsetzung als Musical könnten sich hingegen als problematisch erweisen.

© Copyright VBW Brinkho
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Dürrenmatts düstere Parabel "Der Besuch der alten Dame" diente als Vorlage des bei den Thuner Seespielen im letzten Jahr uraufgeführten Musicals, das in leicht überarbeiteter Fassung nun in Wien zu sehen ist. Die Milliardärin Claire Zachanassian kehrt nach Jahrzehnten der Abwesenheit in den Ort Güllen zurück, wo sie einst aufwuchs und ihre Jugend verlebte. Sie bietet dem heruntergekommenen und finanziell angeschlagenen Städtchen zwei Milliarden Euro, wenn im Gegenzug ihr Ex-Geliebter Alfred Ill, der sie damals sitzen ließ, stirbt. Anfangs sind die Bewohner entsetzt ob des unmoralischen Angebotes, denn Alfred ist ein angesehener Bürger der Kleinstadt. Doch mit der Zeit lecken sie Blut und entwickeln eine Gier nach teuren Luxusgütern, die sie sich nur mit der Spende der "alten Dame" leisten können. Alfred fühlt sich in seiner eigenen Stadt gejagt, während Claire nach und nach die Dorfbewohner um ihre Finger wickelt.

Pia Douwes unterstreicht auch in diesem Stück ihren Status als Leading Lady und gibt der Figur der Claire Zachanassian ihre eigene Persönlichkeit. Sie kann mit unglaublich starker Bühnenpräsenz zwischen den Nuancen wechseln, welche die alte Milliardärin ausmachen, und setzt ihre Stimme je nach Stimmung wunderbar variabel ein - mal scharf und mal ganz melodisch und weich.

Ethan Freeman, der in der besuchten Vorstellung als Alfred Ill auf der Bühne stand, hat es – rollentechnisch bedingt – schwer hier mitzuhalten, gehören der alten Dame doch die opulenteren Auftritte. Er schafft es aber sowohl stimmlich als auch darstellerisch, den etwas unbeholfenen Gemischtwarenhändler zu porträtieren.
Auch die kleineren Rollen sind, wie bei den Vereinigten Bühnen üblich, prominent besetzt. Namen wie Norbert Lamla, André Bauer und Maaike Schuurmans tauchen auf der Besetzungsliste auf – Namen, die Musicalbegeisterten ein Begriff sind. Das Ensemble singt energisch, ist gut verständlich und tut sein Bestes, die teilweise sehr banal klingenden Liedtexte in Handlung umzusetzen. Bei Passagen wie "Liebe endet nie. Nichts ist stark wie sie." ist das zweifelsohne nicht immer einfach.

© Copyright VBW Brinkhoff Moegenburg
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Ein zusätzlicher Stolperstein, der es dem Ensemble bisweilen schwer macht, den Dürrenmatt'schen Stoff auf der Bühne lebendig werden zu lassen, ist die uninspirierte Musik von Michael Reed und Moritz Schneider. Zwar bemüht man sich, möglichst viele Musikstile unterzubringen, doch bleibt keine der Melodien im Gedächtnis hängen. Ohrwürmer fehlen leider. Selbst Balladen wie "Weißt du noch" oder das zitierte "Liebe endet nie" sind nach dem Verlassen des Theaters vergessen. Einlagen, wie das mit starkem Bass übersteuerte und an Michael Jacksons Thriller-Choreografie erinnernde Lied "Ungeheuerlich", bei dem die Güllener ihren anfänglichen Gräuel gegenüber Claire besingen, oder das "Trio Infernal" – eine komödiantisch gemeinte Einlage von Claires Bodyguard-Terzett - bieten interessante musikalische Ansätze, wirken aber in dem Stück seltsam deplatziert, da sie nicht weiterentwickelt werden.

© Copyright VBW Brinkhoff Moegenburg
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Wenig stringent wirkt auch die Inszenierung von Andreas Gergen. Der Zuschauer erhält den Eindruck, man konnte sich im Herstellungsprozess nicht recht entscheiden, inwieweit man Elemente der klassische Tragikkomödie von Dürrenmatt – die nun einmal sehr düster daherkommt, da sie eine Parabel über Korruption, Gier und die Bestechlichkeit des Menschen darstellt – beibehalten kann, ohne den Musicalbesucher zu verschrecken. Während sich der erste Akt noch recht stark am Original orientiert, hebt sich der zweite doch stark von der Vorlage ab. Der Einstieg erfolgt mit der bereits erwähnten "Trio Infernal"-Persiflage, es folgen unzählige Rückblicke auf das junge Liebespaar von einst (Lisa Habermann und Bernhard Viktorin als junge Claire und junger Alfred). Alles wirkt so liebevoll und nett, dass man die Motivation Claires, für Alfreds Tod zwei Milliarden zu zahlen, um sich an ihm zu rächen, beinahe vergessen mag. Und um das tragische Finale dann auch noch irgendwie zu einem "Happy End" zu biegen, erfolgt in der letzten Szene ein erneuter Rückblick nach dem Motto "Was wäre wenn...", bei dem dann ein kleines Kind über die Bühne läuft, das aus der jungen Liebe von damals hätte entstehen können. Sehr viel unnötiger Schmalz bei einem doch recht eindeutigen und ergreifenden Ende, das man dem Zuschauer ruhig zumuten könnte.

© Copyright VBW Brinkhoff Moegenburg
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Bühnentechnisch wird Einiges aufgefahren. Die Drehbühne des Ronacher rotiert immerzu, es werden opulente Kulissenteile wie der Laden von Alfred oder die Fassade der Stadt präsentiert, die sich im Laufe des Stückes passend zum Aufschwung in der Stadt wandeln. Illusionen eines heranfahrenden Zuges und detailverliebte Requisiten unterstützen den positiven Eindruck der Ausstatter.

Die Frage wie das Publikum die "alte Dame" aufnimmt, ist für die Vereinigten Bühnen Wien von großer Bedeutung, schnitt doch der Vorgänger "Natürlich blond" eher schwach ab. Besonders spannend ist es aber zu sehen, wie sich das Stück ohne die beiden "Zugpferde" Douwes und Kröger in Zukunft weiterentwickeln wird, da erst dann potentielle Schwachstellen wirklich ins Gewicht fallen.

(Text: jal)




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Kreativteam

MusikMoritz Schneider
Michael Reed
BuchChristian Struppeck
TexteWolfgang Hofer
Musikalische LeitungKoen Schoots
RegieAndreas Gergen
ChoreografieSimon Eichenberger
BühnePeter J. Davison
KostümeUta Loher
Conny Lüders
LichtdesignMark McCullough


Besetzung

Claire ZachanassianPia Douwes,
(Patricia Hodell)
(Masha Karell)

Alfred IllUwe Kröger
Ethan Freeman,
(Amin Kahl)

Klaus Brandstetter, LehrerEthan Freeman,
(Fernand Delosch)
(Lutz Standop)

Mathilde IllMasha Karell,
(Katja Berg)
(Carin Filipcic ab April 2014)
(Maaike Schuurmans)

Gerhard Lang, PolizistNorbert Lamla,
(Christian Peter Hauser)
(Dean Welterlen)

Mattias Richter, BürgermeisterHans Neblung,
(Armin Kahl)
(Kai Peterson)

Johannes Reitenberg, PfarrerGunter Sonneson,
(Fernand Delosch)
(Dean Welterlen)

Roby, BodyguardJeroen Phaff,
(Christian Peter Hauser)
(Wolfgang Postlbauer)

Toby, BodyguardPeter Kratochvil,
(Florian Fetterle)
(Lutz Standop)

Loby, BodyguardDean Welterlen,
(Andre Bauer)
(Shane Dickson)

Junge ClaireLisa Habermann,
(Hanna Kastner)
(Shari Lynn Stewen)

Junger AlfredRiccardo Greco,
(Gernot Romic)
(Bernhard Viktorin)

Julia IllMarianne Curn,
(Hanna Kastner)
(Gabriela Ryffel)

Niklas IllNiklas Abel,
(Gernot Romic)
(Bernhard Viktorin)

EnsembleAndre Bauer
Katja Berg
Birgit Wanka [ab April]
Rachel Colley
Fernand Delosch
Shane Dickson
Florian Fetterle
Christian Peter Hauser
Patricia Hodell
Elisabeth Hübert
Armin Kahl
Hanna Kastner
Gernot Romic
Maaike Schuurmans
Lutz Standop
Shari Lynn Stewen
SwingsArthur Büscher
Wolfgang Postlbauer
Gabriela Ryffel
Heidy Suter
Bernhard Viktorin




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Copyright VBW Brinkhoff Moegenburg
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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


10 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


31608
Wie schön

15.10.2017 - Einfach wow. Was für ein Hammer Bühnenbild. Was für eine überragende Pia. Ich liebe Pia In solchen Rollen. Die Songs sind immernoch im Ohr. Was für ein tolles Stück.

Mopelmue (23 Bewertungen, ∅ 3.9 Sterne)


30569
Das Musical der Saison 2014

31.10.2014 - Bereits im September 2013 auf der Seebühne Thun hat mich dieses Musical in seinen Bann gezogen und ließ mir die Vorfreude auf eine echte Inhouse Inszenierung ins unermessliche steigern...

und ich wurde absolut nicht enttäuscht - bei meinen 12 Besuchen im RONACHER in Wien katapultierte sich dieses Musical in meine Top-10 der schönsten Musicals....

Die Musik und die faszinierende Geschichte sind ein Gesamterlebnis und endlich nach längerer Zeit mal wieder ein richtig schönes echtes Drama-Musical mit großer toller Musik und keiner Compilation von bekannten Hits...

Ich finde die gesamte Partitur toll - grad die unterschiedlichen Stile machen das Stück zu etwas besonderem - Ohrwürmer sind für mich:

"Ungeheuerlich", "Vergiss es"", "Gerechtigkeit", "Gute Reise Alred Ill", "Im Sturm der Liebe", "Die Welt gehört mir" und das Finale "Liebe endet nie" - einfach toll und diese Melodien bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Ohr..

Allein das 35-köpfige Orchester der VBW ist eine Wucht für sich...

Die CAST perfekte Rollenbestzung bis ins kleinste - allen voran PIA DOUWES - damit hat sie sich wieder selbst übertroffen stimmlich wie schauspielerisch - einfach nur Wow -

auch UWE KRÖGER konnte punkten - Hans Neblung, Masha Karell (die ich auch als Alte Dame hatte - sehr, sehr gut - kommt zwar stimmlich nicht auf die Höhen von Pia - aber schauspielerisch auch große Klasse)!

Das Bühnenbild von Peter Davison ist beeindruckend und sehr aufwändig - phänomenal für dieses Stück...

Die Leser der Fachzeitschrift "musicals" haben Recht - Sieg in allen Kategorin für "DER BESUCH DER ALTEN DAME"..

ich hoffe nur, dass das Stück rech bald wieder auf einer Bühne zu erleben ist..

Für mich das neue Musical der Saison 2014 - weiter so mit der Stoff- und Stückeentwicklung!

Maxim (54 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


30394
Zwischen toll und hätte man sich sparen können

08.06.2014 - Mit dem Besuch der alten Dame wurde ich ebensowenig warm, wie wahrscheinlich Alfred Ill selbst.
Ich habe die Dame lieben wollen und wurde von ihr auch durch Pia Douwes nicht enttäuscht. Auch stimmlich brachte Uwe Kröger viel auf die Bühne.

Mir waren jedoch die immer auftauchenden jungen Claire und Alfred zu viel. Die brauchte es gerade am Schluss nicht. Die verletzte, gehetzte, blutende Junge Claire war bei mir gehört die Welt jedoch wieder toll. Wahrscheinlich sagte man, die Darsteller sind eh da. Dann holen wir sie auch jedesmal auf die Bühne.

So kam ich durch eine Tour de Force zwischen "super" und "das hätte es nicht gebraucht" durch den Abend.
Vieles ging mir, wie bei meinen Vorrednern beschrieben. Daher führe ich das nicht aus.

Ärgerlich, auch wenn schon erwähnt, fand ich die Akustik. Man nehme ein großes Orchester und lässt es klingen, als scheppert ein Keybord durch 10 Euro Lautsprecher. Das ganze verrührt man mit einem Tonbrei des wirklich tollen Ensembles, das in Chroszenen nicht zu verstehen war. Hier sag ich 6 und setzen. Da ist man selbst aus Stadttheatern anderes gewohnt.

TazMA (26 Bewertungen, ∅ 4 Sterne)


30393
Ein wunderbarer Abend

08.06.2014 - Ich habe die Karten zum Geburtstag geschenkt bekommen und obwohl ich den Roman noch nicht gelesen habe (kommt noch), war ich total begeistert.

Eigentlich war das ganze ein Versehen, denn ich dachte fast bis zum Beginn, dass ich das Theaterstück sehen werde. Bis mir der Name Uwe Kröger, welcher an diesem Abend Alfred spielte, auf dem Plakat auffiel und dann bald der Groschen fiel. Ein Musical? Man bin ich doof, immerhin steht das auf jedem Plakat (ich verstehe immer noch nicht, wie ich das ausblenden konnte), aber das steigerte meine Freude noch, da ich ein großer Musicalfan bin.

Musikalisch war ich total begeistert. Ich verstehe nicht, dass einige Kritiker behaupten, es gebe keinen einzigen Ohrwurm, denn ich plage mich jetzt schon seit zwei Tagen damit, einige Lieder wieder aus meinem Kopf zu bekommen. Gesanglich hat, für mich, alles gepasst.

Ich war im zarten Alter von 5 Jahren das letze mal im Ronacher, darum war ich auch unglaublich mitgerissen von der Drehbühne und wie sie benutzt wurde.

Die Geschichte selber ist natürlich auch von der ersten Minute an mitreissend und man schwenkt ständig zwischen den eigenen Gefühlen hin und her. Würde man das Angebot in solch einer Armut annehmen? Das Geld brachte am Ende ja doch nur eine moralisch heruntergekommene Stadt, denn anstatt neu renovierten Schulen und Straßen hat man das Geld in Bordells und Bars investiert.
Das ich bis zum Ende nicht wusste, ob ich den Rachegelüsten Claires zustimmen soll, oder doch eher auf Seiten Alfreds bin, war ebenfalls eine interessante Erfahrung. Das die Darsteller(allen voran Uwe Kröger und Pia Douwes) solch einen Eindruck und solch einen Zwiespalt meiner Gefühle auslösen konnten, spricht für die Beteiligten.

Es gab fast ausnahmslos Standing Ovations am Ende und man sah es den Leuten an, dass sie begeistert waren. Wenn die Karten nicht schon ausverkauft wären und das Stück noch länger laufen würde als bis Ende Juni, hätte ich Lust es gleich nochmal zu sehen.

Epsonthegiraffe (erste Bewertung)


30371
Passabel oder Empfehlenswert?

02.05.2014 - Zwischen diesen beiden Bewertungen schwanke ich - auch noch eine Woche nach meinem Besuch.
Es gibt vieles, was Empfehlenswert wäre - das Ensemble zeigt durchweg eine gute bis sehr gute Leistung. Das Bühnenbild (wenn auch an vielen Stellen nicht mein Geschmack) ist professionell. Das Orchester gewohnt super. Überhaupt merkt man einfach, dass hinter dieser Produktion Profis stecken. Und in sofern ist es sicherlich schon einmal auf einem Niveau, welches schlicht und ergreifend eine bessere Bewertung verdient hätte als nur "passabel".
Aber - und schon kommt das aber - es gibt für mich auch viele Fragezeichen bei dieser Produktion. Was bitte hat sich der Ausstatter gedacht? Ja, Güllen ist verarmt. Aber müssen darum alle die gleichen Regenstiefel anziehen? Und die sogar während sie schlafen? Und müssen alle Kleidungsstücke aus dem selben Stoff bestehen? Ist der Wald einer verarmten Stadt wirklich so viel grauer und ungemütlicher als der Wald einer finanziell besser dastehenden Stadt? Ist es nötig, vorn im Foyer Zettel zu verteilen, die daraufhin deuten, dass kein echter Panther zu schaden kam, wenn dann der Panther so "lächerlich" vorkommt? Im Leben würde da niemand echtes Fell oder sonst etwas vermuten. Und dann, wenn Geld in die Stadt kommt - warum müssen dann auch die schrecklichsten Farben Einzug halten (und das dann auch wieder großflächig bei der Hälfte der Einwohner) - wenn schon Geld, dann dürfte doch ein bisschen Individualismus möglich sein, oder nicht?
Und dann diese ganze Weichspülgeschichte mit der Familie am Schluss - dafür möcht ich den / die Verantwortlichen wirklich gern noch nachträglich schlagen.
Zu der Geschichte möchte ich mich grundsätzlich nicht äußern - da wurde ein gut funktionierendes Buch genommen, und dann wurde eine Geschichte daraus gestrickt, die in einem gewissen Bereich ok ist - aber in vielen Bereichen sicher nicht dem entspricht, was ich mir darunter vorstellen würde. Musical DARF auch mal düster sein. Musical muss nicht IMMER nur seichte Unterhaltung sein. Die Menschen, die sich bewusst für das Anschauen dieses Stückes entscheiden, werden wohl kaum eine Revue zum Mitklatschen erwarten. Und ja, ein bisschen Humor zwischendurch tut immer gut. Wenn es denn dann Humor ist. Und nicht etwas, was einfach nur wie Humor wirken soll, letztendlich dann aber kaum an Peinlichkeiten überboten werden kann.
Die Akustik des Hauses ist grauenvoll. Wenn ich über 50 Euro für eine Karte bezahle, möchte ich die Darsteller gerne verstehen können. Aber vielleicht ist das auch eine Taktik - denn die verstandenen Text- und Liedzeilen muss man nicht zwingend verstehen. Die Musik? Ein buntes Gemisch. Gemeinsam mit der Choreographie konnte man dort so ziemlich jedes Musical wieder erkennen, was in den letzten 15 Jahren bei den VBW lief. Eigentlich erschreckend - da will man etwas machen, darf es auch, bekommt viel Geld dafür, steht da mit seinem Namen dahinter und weicht dann doch nur auf die Ideen anderer aus? Alles sehr nichtssagend, nichts blieb in meinem Ohr und der Bedarf, mir die CD zu kaufen, wurde auch nicht geweckt. Auch die Regieführung ist Mittelmaß - sie tat nicht weh, aber häufig genug hatte ich das Gefühl, dass die Darsteller - allen voran Uwe Kröger - zu viel allein gelassen wurden. Er ist ab dem Moment, in dem er erfährt, dass sie seinen Tot will, so dermaßen gehetzt, fertig und veränstigt - da gibt es einfach keine Steigerung mehr. In jeder Szene kommt er gleich "fertig" auf die Bühne, da gibt es keine Entwicklung bis zum Schluss, wo er auf einmal (fast unverhofft) bereit ist, sein Schicksal anzunehmen. Ich möchte damit jetzt wirklich nicht Krögers schauspielerisches Können anprangern, denn er kann nichts dafür. Das ist das Buch, oder eben die missglückte Regieführung. Auch seine Frau ist so dermaßen einseitig dargestellt (wie auch die Kinder und etliche mehr).
Ich finde, dass man da einen tollen Stoff genommen hat - aber all die Feinheiten, die Facetten, die Spitzfindigkeiten, die das Buch zu Dürrenmatts Erfolg haben werden lassen - all diese Sachen bleiben auf der Strecke. Und das finde ich schade, denn das Genre Musical könnte so viel mehr hergeben. Und die VBW haben die Mittel, um viel mehr daraus zu machen. Aber das Theater war gut besucht - viele waren in der Pause zwar unglücklich, etliche sind auch gegangen, wieder andere haben kein Wort verstanden und sich erst einmal erkundigt, worum es denn überhaupt so wirklich geht - aber egal - es waren erst einmal genug Menschen bereit, Geld für ihr Ticket zu bezahlen. Das ist schon einmal gut für die VBW. Ob von diesen Menschen welche noch einmal Geld bezahlen würden? Fraglich. Ich würde es definitiv nicht. Und das, obwohl alles äußere auf hohem Niveau ist. Aber das Innere, das, was mich berühren sollte, was mich mitreißen und mitleiden lassen sollte, das ist hier aufgrund vieler Faktoren auf der Strecke geblieben. Vielleicht war es an dem Abend ja auch irgendwo zu Besuch. Im Ronacher war es auf jeden Fall nicht.

MsDesmond (10 Bewertungen, ∅ 3.1 Sterne)


30368
Gute Reise ...

27.04.2014 - Eine grandiose Cast/Ensemble haben mir einen fantastsichen und spannenden Abend im Ronacher beschert. Ich verzichte hier jedoch darauf die Leistung einzelner gesondert zu bescheiben.

Die Musik ist sehr abwechlungsreich und ich kann es eigentlich kaum erwarten die Melodien noch einmal zu hören. Nur selten gibt es Quartette, gesungene Walzer, einen Tango und südamerikansiche Stile in einer Show zu hören. Das machte es sehr abwechslungsreich und durch das groß besetzte Orchester auch zu einem Genuss.

Das Bühnenbild ist wieder eine Klasse für sich. Wie schon bei Rebecca durfte sich Peter J. Davison richtig austoben. Auch das Lichtdesign hat mich sehr begeistert. Besonders in der Szene "Ungeheuerlich".

Die Akustik ist und bleibt eines der Probleme des Hauses. Noch nie konnte ich so wenig in den Ensembleszenen zu Beginn des Stückes verstehen. Das ist mehr als schade.

Der Show wünsche ich für die Zukunft das Beste. Sie hat großes Potential.

RAIMUND (4 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


30331
Wunderbare Ensembleleistung

28.03.2014 - Die Vorlage für das neueste Stück der VBW hätte eine gute Chance zur Entwicklung eines Stückes modernen Musiktheaters sein können. Diese Chance wurde leider nicht genutzt, die Musik ist flach und nichtssagend, die Texte oft ein wenig einfach.
Die Choreo erinnerte mich streckenweise sehr an Tanz der Vampire.
Aber sowohl Ensemble als auch Orchester bieten eine bewundernswerte Leistung.
Koen Schoots holte in der besuchten Veranstaltung das Beste aus der Partitur heraus und versuchte den 80-iger Jahre Mief zu vertreiben, was ihm auch streckenweise gelang.
Das Ensemble ist einfach grandios, bis in die kleinste Rolle hochkarätig besetzt, machen sie aus der eher mittelmäßigen Vorlage einen wunderbaren Theaterabend. Masha Karell holt aus der kleinen Rolle der Mathilde das beste heraus und gibt " ihrem" Lied trotz des flachen Textes und der Musik, die man gleich wieder vergisst, soviel Ausdruck, dass es einfach sehenswert ist. Auch die Herren Feeman, Neblung, Lamla und Sonneson zeigen, dass sie großartige Schauspieler sind und geben ihren Rollen Profil.
Das für mich sehenswerteste des Abends waren jedoch die beiden Hauptdarsteller, die aus ihren Vorlagen das Maximale heraus geholt haben. Pia Douwes bekannt souverän, versucht der Rolle Profil und Tiefe zu geben. Ich fand das im ersten Akt sehr gelungen, im 2. Akt fehlte es ein wenig an Entwicklung. Hier hätte Herr Gergen noch ein wenig arbeiten können. Uwe Kröger gibt den Alfred Ill in all seiner Verzweiflung und zeigt die unaufhaltsame Entwicklung auf ein schreckliches Ende eindrucksvoll und geradliniger, als die Entwicklung der Bewohner Güllens, hierauf hätte Herr Gergen auch noch mehr Sorgfalt verwenden können.
Es macht unglaublich Spaß, das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller zu beobachten, deren "Chemie" wirklich toll ist.
Insgesamt ein sehr schöner Theaterabend, für mich kam er ganz unverhofft, da ich nicht dachte, in dieser Saison in Wien zu sein, das Theater war berechtigterweise fast ausverkauft.

Charlotte (50 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


30313
Doppelmord auf offener Bühne

08.03.2014 - Nach all dem Flitter, Glamour und leichtgewichtigen Musical-Spass der vergangenen Zeit steht den VBW ein neues Dramamusical wieder richtig gut.
Eigentlich!

Leider setzt man aber bei der ÖE der Musicaladaption nach F. Dürrenmatts DER BESUCH DER ALTEN DAME zu sehr auf Massenkompatibilität und (vordergründigen) Unterhaltungswert. So kann das Musical im Hinblick auf den literarischen Wert und die Aussage der Vorlage nicht wirklich überzeugen.

Neben dem aufwendigen und gelungenen Bühnenbild hat mir auch die Musik gut gefallen. Neben den üblichen Musical-Balladen finden sich auch rockigere Töne und dramatische und gut gelungene, an Filmmusik erinnernde, Kompositionen.

Weitgehend misslungen ist das Kostümbild. Obwohl Requisiten wie Notebooks und Handys die Gegenwart andeuten, sehen die Kostüme eher nach den 50er Jahren aus. Außerdem nehmen sie keinen Bezug zum zeitlichen Handlungsverlauf der Geschichte. So sehen die (eigentlich total verarmten) Güllener schon zu Anfang recht adrett aus und gehen sogar mit Pelzen und Juwelen behängt zum Begrüßungsbanquette. Alleine das Tragen von Gummistiefeln soll dem Zuschauer wohl etwas anderes andeuten.
Nachdem das Geld dann wieder in der Stadt fließt, verwandeln sich die Güllener in Texaner und tragen Westernkleidung, Cowboystiefel und -hüte. Man erkläre mir den Sinn dieser Maskerade.
Besonders geschunden wird auch Pia Douwes. Mit hässlichen Perücken und unpassend hautengen und figurbetonten Outfits sieht sie wie eine Barbie Puppe in der Menopause aus, aber nicht wie eine alte Dame.

Etwas konzept- und sinnlos wirken auch die wenigen Tanzszenen. Die Güllener hoppsen wie auf Frank`N`Furters Party durch die Gegend.

Ensemble und Hauptrollen sind wie immer in Wien hochkarätig besetzt.
Buch und Text bieten aber oftmals zuwenig Material, um die Charaktere besser darstellen zu können. Recht gut geschrieben sind die Nebenrollen des Lehrers, Pfarrers und Bürgermeisters, die in ihrem Kampf mit den eigenen Moralvorstellungen scheitern.

Insgesamt aber am Ärgerlichsten (und für mich unverzeihbar) ist die Deformation der Claire Zachanassian. Ihr Charakter wurde komplett "geändert". Im Original arbeiten sich zwei vollkommen unmoralische und
korrumpierte Parteien aneinander ab (nämlich Claire und die Güllener) und führen zu einem bitteren, kompromisslosen und fatalen Ende. Das wollte man einem Musicalpublikum nicht zumuten (und die kommerziellen Erfolgsaussichten schmälern). Deshalb lässt man es sehr "menscheln". Claire schaut immer wieder rührselig und bewegt in ihre Vergangenheit zurück. Beschwört sogar nochmals die große Liebe herauf.
Letztendlich wird sie sogar zur moralischen Instanz verklärt, wenn sie den Güllenern den Mord vorwirft und hocherhobenen Hauptes (und der Sympathie des Publikums gewiss) der Szenerie entschwebt.
Damit wird die Vorlage nahezu in ihr Gegenteil verdreht und gibt sich weichgespülter Musical-Seligkeit hin.

Lange bevor Alfred Ill ermordet wird, ist schon der Tod der "alten Dame" auf der Bühne des Ronachers zu beklagen.
Im Namen der Unterhaltung!

kevin (157 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


30307
Bewegend und berührend!

26.02.2014 - Ich habe das Stück bis jetzt 3x gesehen und gehe jedesmal mit neuer Vorfreude in die nächste Vorstellung. Mir gefällt das Stück sehr gut. Auch musikalisch zieht es mich an, einige Melodien hatte ich nach dem ersten Mal gleich im Ohr, andere kommen mit jedem Besuch dazu. Ich durfte bei einer Preview dabei sein und habe danach 2 Vorstellungen nach der Premiere gesehen. Eine grandiose Cast und ich freue mich auch Ethan Freeman schon als Alfred Ill (ebenso phantastisch als Lehrer) gesehen zu haben :). Masha Karell bewegt mich auch sehr, muss ich sagen. Auch finde ich es schön wie man Vergangenes und gegenwärtiges gegenüber stellt und wie traurig die Realiät aussieht und wie es hätte sein können. Ich bin begeistert von dem Stück, die Geschichte gefällt mir sehr gut, hier wird soviel verarbeitet. Soviel aus dem Leben gegriffen. Das Orchester spielt auch wieder wunderbar! Ich bin froh das wir das Stück in Wien haben und auch dankbar. Mich hat es erreicht. Dank des Stückes lese ich das Buch wieder und ich freue mich auch das das Buch bei den Souvenirs verkauft wird, leider ist das nicht mehr bei vielen Produktionen der Fall. Ich hoffe sehr stark auf eine Aufnahme dieses Stückes! Mein Kauf ist sicher!

HetSpook (38 Bewertungen, ∅ 3.4 Sterne)


30306
Ein toller Abend...aber die Akustik

23.02.2014 - Wie schon Rebecca im Ronacher wieder ein spannendes und mitreißendes Stück. Wir hatten Ethan Freeman (Samstagabend 22.2.) statt Uwe Kröger als Alfred Ill, was ja mindestens genauso hochkarätig war. Pia lebt ihre Rolle perfekt, man nimmt ihr die tiefe Verletztheit in jeder Szene ab. Ich hätte gern noch Uwe Kröger im Vergleich gesehen....

Insgesamt ein toller Abend, der aber durch eine aus meiner Sicht sehr schlechte Akustik einen Stern Abzug bekommt. In PK 1 im Parkett sowohl einzelne Darsteller (Norbert Lamla war ganz schwer zu verstehen) als auch Teile der Ensemblenummern gar nicht zu verstehen...sorry, aber da besteht noch Verbesserungspotential. Ansonsten empfehle ich das Stück gern, es hat ganz klare Aktualität in dieser Zeit und man fragt sich, auf wessen Seite der beiden Protagonisten steht man am ehesten.

andycibis (26 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


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(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Zwei großartige Hauptdarsteller und ein gut besetztes Ensemble spielen sich durch eine Inszenierung, die sich nicht recht für Musical oder Tragödie entscheiden mag. Dazu gibt es eine Partitur ohne Ohrwurmpotential.

24.02.2014

 Leserbewertung
(10 Leser)


Ø 3.70 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2019. Alle Angaben ohne Gewähr.

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