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Tanzmusical

Saturday Night Fever

Night Fever, Night Fever


© muthmedia GmbH
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Der Schwerpunkt von Ryan McBrydes "Saturday Night Fever"-Inszenierung im English Theatre in Frankfurt liegt weniger in den Tanzeinlagen, sondern eher in der kritischen Auseinandersetzung mit der Story. Gekoppelt mit der Vermischung von Schauspielern und Musikern auf der B√ľhne w√§hlt er interessante Herangehensweisen, die leider den Drive der Show ein wenig ausbremsen.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:02.11.2013
Rezensierte Vorstellung:30.11.2013
Letzte bekannte Auff√ľhrung:26.04.2014


Bei Regisseur Ryan McBryde steht nicht der laute Disco-Sound im Vordergrund, er setzt auf die leiseren zwischenmenschlichen und sozialkritischen T√∂ne. Auch die legend√§ren Bee Gees-Songs klingen im English Theatre anders, denn auch hier wagt der Regisseur einen neuen Weg ‚Äď bei ihm sind die Darsteller nicht nur Schauspieler und T√§nzer, sondern gleichzeitig auch noch Musiker, die das B√ľhnengeschehen mit ihren Instrumenten begleiten.
Ein gewagter Versuch? Ja, ganz sicher. Denn vieles von der Show, die von ihren Tanz- und Musikszenen lebt, geht verloren. Gleichzeitig sind bei dieser Inszenierung Nuancen der Geschichte und Interpretationen der Songs zu entdecken, die ‚Äď besonders f√ľr Kenner des Musicals ‚Äď spannend sind.
Gleich zu Beginn wird deutlich, dass sich das Musical von anderen Inszenierungen abhebt. Eine Gruppe von Leuten steht vor einer Tankstelle, um Benzin zu bekommen. Man begr√ľ√üt sich, stellt sich in der Schlange an, und wie nebenbei f√§llt auf, dass einige der Figuren Instrumente um den Hals tragen. Die Szene wechselt dann ins Zimmer von Tony Manero, der sich gerade f√ľr den Abend zurechtmacht und den Song "Stayin‚Äô alive" singt ‚Äď begleitet von den Musikern auf der B√ľhne. Das Lied kommt nicht als Disconummer daher, sondern wird als eine Art Monolog pr√§sentiert. Die Musik klingt ungew√∂hnlich ruhig, untermalt von Saxofon und Trompeten, ganz "disco-untypisch". Ein interessanter Ansatz ‚Äď aber eben gew√∂hnungsbed√ľrftig. Fans gro√üer Choreografien und lauter Discobeschallung werden entt√§uscht sein. Liebhaber jazziger, bl√§serlastiger Musik dagegen k√∂nnen interessante Neuinterpretationen von "How deep is your love", "Tragedy" oder "Nights on Broadway" genie√üen. Die Musiker spielen allesamt gro√üartig und mit viel Einsatz und stellen dazu noch tragende Rollen in der Geschichte dar ‚Äď sie sind nicht blo√ües "Beiwerk".
Allerdings bremst diese Idee die Show ein wenig aus. Die Choreografien wirken wenig ausgefeilt, denn meist werden Saxofon und Co. auch w√§hrend der Sprechszenen um den Hals getragen und nicht hinter der B√ľhne abgelegt. Von wenigen Ausnahmen wie dem Finale abgesehen, wirkt die Choreografie so eher improvisiert und nicht aus einem Guss.
Problematisch war am besuchten Abend auch die Lautst√§rke der Musiker, die leider oft den Gesang der Darsteller √ľbert√∂nten, so dass der Text der Songs oder teilweise auch des Dialogs nur schwer zu verstehen war.
Das Ensemble ist gr√∂√ütenteils sehr gut besetzt. Allen voran die Darsteller, die sowohl schauspielern als auch Instrumente spielen. Tonys Bruder Frank, gespielt von Matthew Quinn, beispielsweise spielt abwechselnd Bass und Gitarre. Sally Peerless hat mehrere h√∂renswerte Saxofon-Soli. Alles sehr talentierte Musiker, die aber auch mit ihrem Schauspiel √ľberzeugen. Besonders erw√§hnenswert ist die Leistung des gerade einmal 22-j√§hrigen Paul Syrstad, der eine intensive Darstellung des Jugendlichen Bobby C abliefert. Er ber√ľhrt mit seiner bereits erw√§hnten Version von "Tragedy". Mimik, Gestik und Gesang sind hier bestens abgestimmt und Bobby Cs Selbstmord macht traurig, obwohl er eigentlich nur eine Randfigur ist.
Leider gelingt gerade die Darstellung des Tony Manero in dieser Inszenierung nicht ganz √ľberzeugend. Chris Cowley geht die Rolle gemeinsam mit dem Regisseur bewusst anders an. Die Figur passt zur sozialkritischen Herangehensweise an das St√ľck - der typische Mittelklasse-Typ, der von allen nur herumgeschubst wird und im wahren Leben ein Loser ist. Umso √ľberzeugender sollte seine Wandlung in den n√§chtlichen Discot√§nzer gelingen. Leider bleibt Cowley aber auch hier eher blass und zur√ľckhaltend ‚Äď sowohl darstellerisch als auch gesanglich. Seine Bewegungen machen es schwer nachvollziehbar, dass hier der "Disco-King" des "2001 Odyssee" vor einem steht. Man g√∂nnt dem gegnerischen Paar beim Tanzwettbewerb am Ende eigentlich den Sieg, da diese eindeutig die besseren T√§nzer darstellen. Auch gesanglich wirkt er am besuchten Abend mit den Falsett-T√∂nen vieler Songs, gerade im ersten Akt, √ľberfordert. Sch√∂n ist jedoch der musikalische Schlusspunkt "How deep is your love", der gemeinsam mit Naomi Sligths gut gelingt.
Die B√ľhne des kleinen Theaters wird gut und effektvoll genutzt und mit drei kubenf√∂rmigen, drehbaren B√ľhnenteilen in abwechslungsreiche Bilder verwandelt.
Am Ende des Abends aber bleibt ein zwiesp√§ltiger Eindruck. Bis auf erw√§hnte Minuspunkte hat man es mit einem gro√üartigen Ensemble und einer interessanten neuen Inszenierung zu tun. Das erwartete Disco-Feeling bleibt jedoch aus. Wer sich aber auf die kritischere und weniger "fun-basierte" Herangehensweise einl√§sst, hat es durchaus mit einer interessanten Auff√ľhrung zu tun.

(Text: jal)






Kreativteam

RegieRyan McBryde
Musikalische LeitungPaul Herbert
ChoreografieDarragh O'Leary
AusstattungSimon Kenny


Besetzung

Tony ManeroChris Cowley
Stephanie ManganoNaomi Slights
AnnetteDevon-Elise Johnson
JoeyGeraint Rhys Edwards
Double J.Chris Cowley
Bobby C.Paul Syrstad
Linda Manero
Doreen
Bracken Bruns
Frank Manero
Jay
John House
Flo ManeroRhona MacGregor
Frank Manero Jr.Matthew Quinn
CesarMomar Diagne
MariaGeorgina Reid-Hamilton
ChesterMacquella Ward
ConnySally Peerless




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30161
Give Me Fever

10.11.2013 - Loved it Loved it Loved it! This company rocks!

MisterFigg (erste Bewertung)


30160
Wie Disco ohne Kugel

09.11.2013 - Der Musical-Hausregisseur Ryan McBryde des English Theatre Frankfurt hat bereits im Vorfeld angek√ľndigt, dass er nach f√ľnf Musical-Inszenierungen im Haus mal was Neues probieren m√∂chte.
Zu diesem Zweck hat er sich nun die Dance Extravaganza SATURDAY NIGHT FEVER vorgenommen und mit jeder Menge neuem kreativen Input auf die B√ľhne gebracht.

Seine Inszenierung entfernt sich deutlich von dem bekannten Tanzmusical und nähert sich wieder sehr viel deutlicher (manchmal penetrant) dem John Badham Film der 70er Jahre an. Großes Sozialdrama, große Charakterstudie! Eine Coming-Of-Age-Geschichte in den moralisch und wirtschaftlich bröckelnden USA der 1970er Jahre wird gezeigt.
Das hat letztendlich auch seine L√§ngen. Insbesondere im zweiten Akt ziehen sich einige Szenen doch sp√ľrbar. Viel Drama, wenig Tanz, kaum √ľberzeugende Musikarrangements der legend√§ren Hits.

Auffallendes Merkmal der Inszenierung ist, dass viele Darsteller sich selbst auf Instrumenten begleiten m√ľssen. Ich kann diesem Konzept nichts abgewinnen. Insbesondere die Choreografie von Darragh O'Leary wird dadurch behindert und ausgebremst. (Roll du mal den Dance Floor von hinten auf, wenn du dabei Gitarre spielen mu√üt!)

Das Kost√ľmbild f√§llt auch √∂fters mal aus der Zeit(-rolle). Verwaschene 50erJahre Jeans-Optik f√ľr den Hauptdarsteller und bodenlange kariert Faltenr√∂cke in der Disco passen nicht in Zeit und Ambiente.

Hauptdarsteller Chris Cowley sieht aus wie der nette unauffällige Junge von nebenan. Innerhalb der gezeigten Familienkonstellation passt das. Allerdings schafft er den glaubhaften Wechsel zum dominierenden Alphatier der Disco-Nächte schauspielerisch nicht. Gesanglich und tänzerisch gibt es an ihm nichts auszusetzen.
Wie √ľberhaupt das ganze Ensemble mit vollem Einsatz und hoher Professionalit√§t bei der Sache ist.

SATURDAY NIGHT FEVER in Frankfurt versucht das Tanzmusical mit einem Steinbeck'schen Drama zu kreuzen.
Gut gemeint, aber leider nicht wirklich √ľberzeugend gemacht.
Das 70er Disco-Feeling und die großartigen Hits der Bee Gees kommen leider zu kurz.

kevin (169 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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Eine

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