Norden Westen Osten Süden
Termine aus DeutschlandÖsterreichSchweizNiederlandeLondonTirolLinksSuchen nach JobsRedaktionDatenschutzImpressum
Aktuelle Shows ( Nord )Shows A-Z ( Nord )Premieren ( Nord )Evita


Drama

Evita

Don't cry for my Argentina


© Obst
© Obst
Auf eine klare Linie wartet man in der Wiesbadener "Evita"-Inszenierung vergebens. Regisseurin Pascale-Sabine Chevroton vergibt Chance um Chance, mit der Lebensgeschichte von Eva Perón bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Auch Hauptdarstellerin Milica Jovanovic hinterlässt einen mit zwiespältigen Gefühlen.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:05.10.2013
Rezensierte Vorstellung:29.11.2013
Letzte bekannte Aufführung:28.06.2014


Das Rad muss man nicht neu erfinden, wenn man einen beliebten Klassiker auf die Bühne eines Stadttheaters bringen möchte. Die "My Fair Ladys" und "Anatevkas" der Republik ziehen das Publikum vor allem durch den Nostalgieeffekt und die bekannten Melodien an. Ein gewisses Maß an Innovationswillen gehört aber dennoch zur Aufgabe, wenn man sich an einer Neuinszenierung versucht. Mut zu neuen Ideen findet sich in der Wiesbadener Inszenierung von "Evita" nur marginal. Dabei ist es für Regisseurin und Choreographin Pascale-Sabine Chevroton die zweite Begegnung mit dem Stück von Andrew Lloyd Webber, das sie schon 2010 in Coburg inszenierte und choreographierte.

© Obst
© Obst


Chevroton nutzt ihre Möglichkeiten nicht, mit der Inszenierung einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Gleich in den ersten drei Szenen rieseln Schnee, Rosenblätter und Konfetti auf die Bühne herab, der Effekt verpufft durch seine übermäßige Wiederholung – unweigerlich fragt man sich, was als nächstes fliegt -, findet ihn aber an späterer Stelle nur noch einmal bei Evitas Todeskampf wieder (diesmal fliegendes Laub). Roy Spahn hat eine sehr offene, sehr minimalistische Bühne gestaltet, die vor allem mittels Hebetechnik verschiedene Spielräume erzeugt. Im Gegensatz dazu schwelgen die ansprechenden, detailreichen Kostüme von Tanja Liebermann im Stil der 1940er und 1950er Jahre.

Während Chevroton im ersten Akt mit ermüdender Sachlichkeit die biographischen Stationen abarbeitet, versucht sie sich nach der Pause mittels Holzhammermethode an einer zweiten Deutungsebene. Evita steht plötzlich im Gewand der Mutter Gottes vor einem mit Geldscheinen gefüllten Gitterkruzifix, Che wechselt das Kostüm und wird zu einem Hybrid aus Tod und Lucheni aus "Elisabeth" – eine Deutung, die an der Vorlage vorbeigeht. Die Bilder, die die Regisseurin wählt, sind weder neu noch provokant und zeugen nur bedingt von einer wirklich kreativen Auseinandersetzung mit dem Stoff.

© Obst
© Obst


Auch für die Tänzer findet Chevroton keine klare Linie: Von allem ein bisschen, von nichts genug für einheitlichen, sinnstiftenden Stil. Die Choreographien schwanken zwischen vereinzelt eingestreuten Tangoelementen, klassischem Broadwayballett à la Jerome Robbins und reichlich uninspirierten Hand- und Armchoreographien für die zahlreichen Statisten.

Der Hauptdarstellerin Milica Jovanovic gelingt es auf weiter Strecke nicht, ihre Rolle lebendig zu gestalten. Evitas Werdegang vom Aschenputtel zur Politikergattin zum "Engel der Armen" wird aus Jovanovics Darstellung nur wenig ersichtlich. Gesanglich sind es vor allem die Höhen, die der Hauptdarstellerin Probleme bereiten. Das ist bedauerlich, denn gerade in den leiseren Passagen des zweiten Aktes zeigt Jovanovic, dass sie Webbers Liedern im tieferen Register durchaus wunderbar emotionale Momente entlocken kann. Ihre Version von "Wein nicht um mich, Argentinien" lässt erahnen, dass sie zu einer rundum gelungenen Darbietung fähig ist.


Thomas Christ hingegen zeigt sich der Rolle des Che nicht gewachsen. Ist seine gesangliche Leistung zwar beachtlich, wirkt er das ganze Stück hindurch teilnahmslos. Ihm gelingt es nicht, als Erzählerinstanz die Sympathien des Publikums auf sich zu lenken und seine Bühnenmomente mit der nötigen Präsenz zu füllen. Blass wirkt Christ vor allem neben Juan Perón, gespielt von Bariton Peter Bording, dessen warme und volle Opernstimme zwar in Webbers Songs etwas unterfordert wirkt, doch der dank einer von vorne bis hinten überzeugenden schauspielerischen Leistung eine Lebendigkeit ausstrahlt, die man bei den anderen beiden Hauptdarstellern vermisst.

Starke Besetzungen finden sich auch in den Nebenrollen, allen voran Ágnes Szalai aus dem Wiesbadener Opernensemble als Peróns Geliebte und Philippe Ducloux als Magaldi. Beide sind sowohl stimmlich als auch darstellerisch ein großer Gewinn für die Produktion. Eine erstklassige Leistung erbringt auch das Orchester unter der Leitung von Wolfgang Wengenroth, sowohl in den klassischen als auch in den folkloristischen und rockigen Passagen der Partitur.

© Obst
© Obst


Wenn Che Evita aus dem Reich der Lebenden entführt – die Referenz ist eindeutig – und der Vorhang fällt, bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Anregende Ansätze sucht man in der Wiesbadener "Evita" vergebens. Jede TV-Dokumentation gibt mehr Einsicht in das Seelenleben der argentinischen Präsidentengattin.

(Text: krd)






Kreativteam

Musikalische Leitung Wolfgang Wengenroth
Inszenierung und Choreografie Pascale-Sabine Chevroton
Bühne Roy Spahn
Kostüme Tanja Liebermann


Besetzung

Eva Péron Milica Jovanovic
Beatrix Reiterer
Michaela Kovarikova
Che Thomas Christ
Juan Péron Peter Bording
Pérons Geliebte Sarah Jones
Ágnes Szalai
Magaldi Philippe Ducloux
Christopher Rickerby
Evitas Familie Ines Behrendt
Felicitas Geipel
Philipp Georgopoulos
Katrin Gietl
Pierre Humphrey
Petra Urban
Kleine Evita Jasmin Frey
Mutter Petra Urban
Admiral Marc-Wolfgang Frey
Giorge Martin
Ensemble

Orchester, Chor, Jugendchor, E-Ballett und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden





Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Obst
© Obst

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


30310
Eine 'neue' EVITA...

03.03.2014 - Ich scheine eine andere Inszenierung als der oben stehende Rezensent gesehen zu haben... Ich habe die EVITA in Wiesbaden als eine spannende Inszenierung, mit tollen Bildern und Metaphern, Symbolik und nicht zuletzt, einer tollen Cast erlebt.
Die Inszenierung orientiert sich nicht an den 0815-Inszenierungen, die wir aus anderen Häusern kennen, und genau hier setzt vermutlich bei manch einem das Nichtverstehen und Nichtgefallen ein. So ist Che hier z.B. nicht der historische Freiheitskämpfer, den wir kennen. CHRIST wandelt wie ein diabolischer Mephisto über die Bühne, schwebt wie der Tod über Evita und kommentiert bissig und sarkastisch Evitas Handeln und Streben. Eine Interpretation, die neu und ungewöhnlich, aber nicht abwegig ist. CHRIST schauspielerische und gesangliche Leistung ist beachtlich.
Eine ihm ebenbürtige und stimmgewaltige Partnerin ist JOVANOVIC. Sie darf eine zielstrebige und von ihrer Kindheit (durch eine Kinder-Evitagezeigt) getriebene Frau zeichnen, die schließlich auch die Macht anstrebt. JOVANOVIC gelingt dieses Portrait hervorragend, bedenkt man, dass die Vorlage durch Herrn Webber sehr eingeschränkt ist, und verrät die Figur dennoch nie. Gesanglich brilliert sie gerade auch in den hohen Passagen. Leider lässt die Tonanlage und Aussteuerung einige Wünsche offen.
In weiteren Rollen glänzen BORDING, JONES, RICKERBY gewohnt souverän mit ihren Opernstimmen, sind aber damit nicht immer schauspielerisch rollendeckend.
Beinahe als Geniestreich würde ich den Beginn des zweiten Aktes bezeichnen. Evita steht mit Perron in der Mittelloge des 1. Rangs und werden auf eine Gaze projiziert, während ihr kindliches Alter-Ego im weißen Kleid auf der Bühne steht. Im Hintergrund erkennt man das jubelnde Volk. Ich habe noch nie eine so beeindruckende 'Don't Dry For Me'-Szene erlebt.
Bevor ich nun weiter ins Schwärmen gerate, möchte ich alle ermutigen, die keine Scheu haben sich mal vom Weg des alt hergebrachten wegzubewegen, sich diese wirklich spannende 'neue' EVITA anzusehen!

sweetcharity (2 Bewertungen, ∅ 4.5 Sterne)


Bitte melden Sie sich an, wenn Sie einen Leserkommentar abgeben wollen.
Neu registrieren | Logon

 
Details können Sie hier nachlesen: Leserkommentare - das ist neu
 
 

 Theater / Veranstalter
Hessisches Staatstheater
Christian-Zais-Str. 3
D-65189 Wiesbaden
0611-132325
Email
Homepage
Hotels in Theaternähe

 So fand ich die Show
Jetzt eigene
Bewertung schreiben!

 Weitere Produktionen
 Evita (Chemnitz)
 Evita (Görlitz)
 Evita (Kufstein)
 Evita (Nordhausen)
 Evita (Winzendorf)
 Evita (Würzburg)
weitere Produktionen finden

 Kurzbewertung [ i ]
(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Andrew Lloyd Webbers Klassiker in lieblos wirkender Inszenierung vor kahler Kulisse.

04.12.2013

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


© musicalzentrale 2019. Alle Angaben ohne Gewähr.

   DEUTSCHES THEATER MÜNCHEN: SWEENEY TODD

   DEUTSCHES THEATER MÜNCHEN: SCHUH DES MANITU

   Wir suchen Dich!

   SOFTWAREBILLIGER.DE

Ein Platz für Ihre Werbung?




   HOTEL.DE

MUSICAL-THEATER


Testen Sie Ihr Wissen! Was läuft aktuell in diesen Musicalhäusern?
Basel: Musical-Theater +++ Berlin: Theater des Westens +++ Berlin: Friedrichstadt-Palast +++ Berlin: Theater am Potsdamer Platz +++ Essen: Colosseum +++ Düsseldorf: Capitol +++ Hamburg: Neue Flora +++ Hamburg: Operettenhaus +++ Hamburg: Theater im Hafen +++ München: Deutsches Theater +++ Oberhausen: Metronom +++ Stuttgart: Apollo-Theater +++ Stuttgart: Palladium-Theater +++ Wien: Raimund-Theater +++ Wien: Ronacher
Alle Theater, alle Spielpläne: Deutschland-Nord, -West, -Ost, -Süd, Österreich, Schweiz, Niederlande, London.


Unsere Seite verwendet Cookies & Google Maps, um Ihnen ein bestmögliches Besuchserlebnis zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie beiden Nutzungen zu. [ X ]
;