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Komödie

Ein Käfig voller Narren

... und was ich bin, ist ungewöhnlich


© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann
"Ein Käfig voller Narren" funktioniert am Besten mit einem gut besetzten Orchester und großem Schauspielensemble. Das Theater für Niedersachsen hat sich dieser Herausforderung gestellt und sie überwiegend charmant bezwungen.

(Text: Andreas Gundelach)

Premiere:15.02.2014
Rezensierte Vorstellung:15.02.2014
Letzte bekannte Aufführung:24.06.2014


© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann


Nachdem Jens Krause eher selten in Titelrollen zu sehen war, darf er nun in der Rolle des Albin/Zaza die Stöckelschuhe im Hildesheimer "Cage aux Folles" auspacken und als Grande Dame die Bühne auf der Bühne bezaubern. Krause beherrscht dabei den Gang auf hohen Absätzen genauso wie den großen Ambitus seiner Gesangsnummern. Routiniert, schillernd und verletzlich zugleich spielt er sich schnell in die Herzen des Publikums.

© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann


Die Regie in Hildesheim übernimmt mit Katja Buhl die Leiterin der hiesigen Musicalcompany. Sie bietet wenig neue Regieideen an, sorgt allerdings mit witzigen Detail-Einfällen immer wieder für spontanen Szenenapplaus und ein in sich rundes Gesamtbild. Gags zünden schnell und die Hildesheimer Darsteller verfügen wie gewohnt über ein hervorragendes Timing. Besonders Alexander Prosek als Butler/Zofe schillert neben Krause und vermag dabei, die Sympathien des Publikums immer wieder auf sich zu lenken. Etwas glanzloser wirkt dagegen Oliver Jaksch als Gastverpflichtung. Seine Rolle des Georges legt er stimmlich sicher, dafür aber eher plakativ an. So entsteht eine zwar charmante, aber oft von der Handlung zu distanziert und weniger warmherzig wirkende Figur, als es die Rolle erwarten ließe. Dem hohen Rollenbedarf des Stücks sind auch weitere Gastauftritte aus dem TfN-Chor geschuldet: Wojciech Mastalerz-Eggers, Agnes Buliga-Contras, Stephan Freiberger und Tanja Westphal springen ein und machen damit den "Cage aux Folles" erst für das TfN spielbar. Ihnen merkt man die etwas geringere Bühnenerfahrung zeitweise an, ihre Leistung gibt dem Stück allerdings auch einen besonderen Charme.

Begleitende Choreographien sind nicht die Stärke Katja Buhls, wohl aber die Shownummern auf der Bühne des Varietés. Hier choreographiert sie mit einem Augenzwinkern und einer kleinen Prise Klamauk. Girl-Reihe und strahlende Finalbilder schillern über die Rampe in den Zuschauerraum. Dirk Immich setzt bei seinen Kostümen auf knallige Farben im Stoff und Haar. Die sonst eher schlicht gehaltenen Stoffe wirken dabei als gekonnter Kontrast zu glitzernden Kleidern der Zaza. Sein Bühnenbild hingegen ist schwer einzuordnen. Zwar lehnt es sich in der Wahl des Materials und der Formen an den Chic der 70er Jahre und mit etwas Phantasie lassen sich auch abstrakte Straßenzüge oder Clubbühnen St. Tropez' erkennen. Allzu oft erinnert es allerdings an die Kulisse einer Schultheateraufführung. Umbaupausen ziehen sich zum Teil zäh hin. Das fällt vor allem dann auf, wenn auch die Partitur des Orchesters keine weiteren Noten zur Überbrückung bereit hält und plötzliche Stille eintritt.

© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann


Das Lichtdesign im TfN ist quirlig bunt und verfällt dabei zeitweise etwas dem "Farbmatsch". An anderen Stellen zaubert es mit satten, klaren Farben ein eindrucksvolles Ambiente. Durch geschickte Farbwahl kitzelt es immer wieder neue Nuancen aus dem Bühnenbild heraus. Bei der Wahl der Mittel wird auf Goboeinsatz weitestgehend verzichtet. Das Licht ahmt in der Wirkung so die technischen Gegebenheiten der 70er Jahre nach, was in sich stimmig wirkt. Hin und wieder wäre ein sich aufbauendes Lichtbild bei einzelnen Songs schön gewesen (z.B. bei "Ich bin, was ich bin"). Etwas unglücklich sind auch die zu spärlich eingesetzten Verfolgerspots gelöst. Stehen Schauspieler nicht präzise, verschwindet immer wieder die ein oder andere Hand und auch mal der Kopf im Dunkeln.

© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann


Besonders erfreulich ist das Orchester unter der Leitung von Leif Klinkhardt. Entgegen dem allgemeinen Sparwahn in diesem Bereich setzt das TfN auf über 20 Musiker im Orchestergraben. Das Ergebnis ist ein warmer, natürlicher und kraftvoller Klang von der ersten bis zur letzten Note. Auch die Tonmischung ist überwiegend sauber. Nur selten sind einzelne Passagen von Songs schwer verständlich oder etwas zu leise.


Das TfN hat mit dem "Käfig voller Narren" ein (für seine Verhältnisse) großes Projekt gewagt. Dabei ist es ihm gelungen, viele schöne und sehenswerte Momente auf die Bühne zu zaubern. An einigen kleinen Stellen hakte es bei der Premiere noch, Spaß macht dieser schillernde Abend dennoch. Wenn Umbauphasen besser koordiniert, der Spoteinsatz verbessert und etwas mehr Routine eintritt, muss sich die Hildesheimer Produktion an keiner Stelle mehr vor großen Produktionen mit entsprechend größerem Budget verstecken. Im Preis-Leistungs-Verhältnis ist sie schon jetzt sehenswert.

(Text: agu)






Kreativteam

Musikalische LeitungLeif Klinkhardt
Inszenierung und ChoreografieKatja Buhl
Bühne und KostümeDirk Immich


Besetzung

GeorgesOliver Jaksch
Tom Zahner
AlbinJens Krause
Jean-MichelJens Plewinski
Anne DindonAnnika Dickel
ChantalJonas Hein
DermahMagdalene Orzol
HannaAnnika Dickel
MercedesTim Müller
OdetteCaroline Zins
PhaedraJarred Ramon Bailey
JacobAlexander Prosek
JacquelineMichaela Linck
Eduard DindonWojciech Mastalerz
Mme DindonAgnes Buliga-Contras
Francis
M Renaud
Stephan Freiberger
Mme RenaudTanja Westphal




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Andreas Hartmann
© Andreas Hartmann

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


4 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30387
sehr lustig

19.05.2014 - habe das musical in hildesheim gesehen und fand es saugut. es ist lustig und unglaublich unterhaltsam. tolle kostüme mit viel liebe zum detail. die musik klingt satt und gut gesetzt. zaza, georges und jakob sind die absoluten zugpferde dieser produktion, was man auch sehr deutlich beim schlussapplaus gemerkt hat. die kommentare hier sind komisch! haters gonna hate.

ixypsilonzett (erste Bewertung)


30316
Peinliche Inszenierung

10.03.2014 - Ich habe die Nachmittagsvorstellung in Hannover gestern gesehen – einfach schlecht.

Wie man so etwas professionelles Theater nennen kann, ist mir unverständlich.

Zaza ist einfach nur tuntig, die Cagelles können nicht tanzen, schaffen nicht einmal einfachste Choreografien sauber auszuführen und der Jacob ist einfach nur peinlich.
Wie man den lustig finden kann, verstehe ich nicht. Da sitzt KEINE Pointe.

Einzig Oliver Jaksch kann von den Darstellern, mit leichten Abstrichen im Gesang, überzeugen und das Orchester liefert eine weitgehend saubere Leistung ab.

Wenn man wie ich die DE Erstaufführung mit Baumann und König gesehen hat, kann man nur mit dem Kopf schütteln, was sich das TfN bei dieser Inszenierung gedacht hat – oder wurde nicht gedacht?

EinHamburger (erste Bewertung)


30311
Bunt und schön

03.03.2014 - Das Musical ist einfach einer DER Klassiker schlechthin. Wundervolle Musik, schmissige Dialoge und rasante Stimmungsänderungen verhelfen auch der Hildesheimer Inszenierung zu einem echten Erfolg. Herausragende darstellerische Leistungen von Jens Krause als Zaza-Albin und Oliver Jaksch als Georges. Die beiden passen sehr gut zusammen obwohl Jaksch mit dem Gesang in der von mir besuchten Vorstellung nicht überzeugen konnte. Brüllend komisch ist Alexander Prosek als Zofe und perfekte Drag Queen. Da sitzt jede Pointe!
Die Cagelles haben ihre Arbeit meisterhaft gemacht, ich hätte mir nur gerne noch ein paar mehr gewünscht. Alles in allem TOP Regie und musikalische Leitung des Orchesters. Einzig das Bühnenbild konnte nicht überzeugen darum einen Stern abzug. Ich kann nur sagen: Geht hin und schaut es euch an.

PistenZwerg (erste Bewertung)


30301
Kein Geniestreich :-(

19.02.2014 - Da Inszenierung nicht annähernd Überzeugen kann, bin ich recht Dankbar über einen gefüllten Orchestergraben sowie Oliver Jaksch, Jarred Ramon Bailey und Michaela Linck, welche in ihren Rollen durch Tanz/Gesang/Schauspiel meinen Abend zum Guten wendeten.

MyMusicalLove (12 Bewertungen, ∅ 3.7 Sterne)


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Handlung
"La Cage Aux Folles" ist die Geschichte des homosexuellen Albin, der als Drag Queen Zasa im titelgebenden Nachtclub seines Lebensgefährten George auftritt. mehr

Weitere Infos
Deutschlandpremiere war am 1985 am Berliner Theater des Westens

 Kurzbewertung [ i ]
(agu)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Erfreulich gut orchestrierte Inszenierung mit überwiegend guter Regie und kleinen Schwächen im Bühnenbild.

15.02.2014

 Leserbewertung
(4 Leser)


Ø 2.75 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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