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Evita

A little bit of star quality!


© Keith Pattison
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Eine überragende Madalena Alberto in der Titelrolle stemmt die etwas altbackene Inszenierung zum 35. Bühnenjubiläum des Lloyd-Webber-Klassikers nahezu im Alleingang und sorgt für Gänsehautgefühle. Eine Produktion nicht ohne Schwächen, die am Ende aber kaum ins Gewicht fallen.

(Text: Claudia Leonhardt)

Premiere:16.09.2014
Rezensierte Vorstellung:25.09.2014
Dernière:01.11.2014


Auf dem offiziellen Werbeplaket für die zweimonatige West-End-Kurzvisite der "Evita"-UK-Tour-Produktion übertrumpft Marti Pellows Name den seiner Bühnenpartnerin Madalena Alberto. Zu unrecht, denn Alberto ist mit ihrer akzentuierten Interpretation und glasklaren Stimme der unbestrittene Star der Aufführung.

Ob als blutjunge Landpomeranze, die wie ein Wirbelwind durch Buenos Aires fegt, als aufstrebender Star mit Ambitionen zu Höherem oder als durchgestylte, knallharte Präsidentengattin – die gebürtige Portugiesin überzeugt in jeder Phase des Stückes. Interessanterweise entscheidet sie sich (im Gegensatz etwa zu Elena Roger) nicht mit südländischen Akzent zu intonieren, sondern legt zu Beginn des Stücks einen britischen Arbeiterklassen-Dialekt an den Tag. Im Laufe des Stücks werden ihre Haare immer blonder und ihr Dialekt immer vornehmer, während sie in der argentinischen Gesellschaft aufsteigt. Sie legt die Titelrolle an als eine Frau mit Hunger nach Anerkennung, die ihre Ziele mit viel Kalkül und ohne Rücksicht auf sich selbst und andere verfolgt. Dennoch gelingt es ihr, auch die verletzliche Seite der Eva Duarte de Perón glaubhaft darzustellen und sie nie unsympathisch werden zu lassen. Von Evas Krankheit gezeichnet, ist "You Must Love Me" einer der großen emotionalen Höhepunkte des Abends – ebenso wie ihre bittere Erkenntnis am Ende in "Lament", als sie mit brechender Stimme zugibt, in ihrem Leben vielleicht falsche Prioritäten gesetzt zu haben.

Die Männer an ihrer Seite haben es nicht leicht, gegen ihre überragende Bühnenpräsenz zu bestehen. Besonders Ex-"Wet Wet Wet"-Sänger Marti Pellow schafft es dabei nicht, seinem Star-Vorschuss gerecht zu werden. Seine raue, wenig klangvolle Stimme passt nicht gut zu Che und ihm fehlt dann und wann das Gespür für den richtigen Takt. Auch die knisternde Chemie zwischen ihm und Evita sucht man vergebens. Im Gegensatz dazu gelingt es Matthew Cammelle, darstellerisch so viel wie möglich aus der recht undankbaren Rolle des Juan Perón herauszuholen. Sowohl bei seinen wenigen Soli als auch im harmonischen "I'd Be Surpisingly Good For You"-Duett mit Alberto kann er glänzen.

Ben Foster, der durch Andrew Lloyd Webbers TV-Casting-Show "Superstar" die Titelrolle in der großen Tournee-Version von "Jesus Christ Superstar" ergattert hatte, ist auf den ersten Blick eine recht ungewöhnliche, junge Besetzung für Magaldi. Es liegt die Vermutung nahe, dass man mit einem weiteren bekannten Namen in erster Linie Zuschauer ködern wollte. Doch Foster erweist sich als erstaunlich wandelbarer Darsteller, der Evas widerwilligen "Entdecker" mit einer großartig differenzierten Interpretation abseits der gängigen Klischees verkörpert. Die Inszenierung stellt ihn dabei mehr in den Mittelpunkt als sonst üblich. So ist Magaldi Teil von vielen Szenen, in denen man ihn nicht erwartet – etwa als Zuschauer bei der Perónschen Amtsübernahme oder auch trauernd am Sarg neben Evas Witwer. Obwohl der Ausbau der Rolle auch dank der ansprechenden Leistung Fosters nicht unangenehm auffällt, sind die Änderungen doch eigentlich eher kontraproduktiv. Mit Che existiert bereits ein ständiger Beobachter und Kommentator von Evitas Aufstieg und Magaldis geschichtliche Irrelevanz ist eigentlich ein integraler Teil seiner Rolle im Stück.

Trotz der charismatischen Auftritte Fosters – es bleiben die Frauen, die auf der Bühne im Dominion Theatre für die Highlights sorgen. Neben Madalena Alberto ist es Sarah McNicholas als Peróns ausrangierte Geliebte, die das Publikum in ihrem einzigen Song komplett für sich einnimmt und mit der großartigen Interpretation von "Another Suitcase in Another Hall" zu Tränen rührt.

Die Produktion selbst ist im Vergleich zum 2006er Londoner Revival, das im Hinblick auf Bühnenbild und Kostüme sehr gereift und schnörkellos daherkam, ein Rückschritt und erinnert mehr an die Ur-Produktion denn die modernisierte Fassung. Das mag zum Teil dem Umstand geschuldet sein, dass es sich eben um eine Tournee-Version handelt. Doch das Bühnenbild von Matthew Wright mit seinen Arkaden-Bögen und beweglichen Treppen-Konstruktionen wirkt ebenso wie die Kostüme ein wenig altbacken und verkitscht und setzt mehr auf Symbolik anstatt auf Realismus.

Positiv fallen dagegen die dynamischen und gut durchdachten Choreographien von Bill Deamer auf, ebenso wie die von den Musikern im Orchestergraben feinfühlig und präzise gespielten Arrangements des musikalischen Direktors Matthew Loughrans.

Bei allen Kritikpunkten – "Evita" ist mehr als viele andere Musicals ein Stück, das mit seiner Hauptdarstellerin steht und fällt. Und so lässt die Jubiläumsproduktion ein begeistertes Publikum zurück, das sich am Abend der besuchten Vorstellung auch nicht davon verärgern ließ, dass Probleme mit dem Vorhang zu einer 30-minütigen Verspätung des zweiten Akts führten.

(Text: Claudia Leonhardt)



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Kreativteam

Regie Bob Tomson Troilus
Bill Kenwright
Choreografie Bill Deamer
Ausstattung Matthew Wright
Licht Mark Howett
Musikalische Leitung und Arrangements Matthew Loughrans


Besetzung

EvitaMadalena Alberto
CheMarti Pellow
PeronMatthew Cammelle
MagaldiBen Forster
MistressSarah McNicholas
EnsembleMichelle Pentecost
Amira Matthews
Olive Robinson
Verity Burgess
Gemma Atkins
Lizzie Ottley
Joe McCourt
Joe Maxwell
Joel Elferink
Ryan Pidgen
Anthony Ray
Chris Stoddart
Callum Fitzgerald
David Burlin
Stuart MacIver
Peter McPherson
Joseph Connor
Jamie Tyler
Christopher Palmer




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Keith Pattison
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Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Die Jubiläums-Inszenierung bleibt hinter dem 2006er Revival zurück, doch Madalena Alberto sorgt mit einer fulminanten darstellerischen und gesanglichen Leistung in der Titelrolle zu Recht für Beifallsstürme aus dem Publikum.

30.09.2014

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