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Queere Groteske

Carusello Italiano

Romeos Julia heißt Juliano


© Stefanie Rose
© Stefanie Rose
Ein Outing ist schwer. Im „wilde oscar“, einem von der Berliner Schwulenberatung betriebenen Veranstaltungs-Café, zeigt Claudio Maniscalco in seiner an die eigene Biografie angelehnten Musical-Satire, wie zwei italienische Endzwanziger unter dem Einfluss ihrer mit allen Klischees ausgestatteten Familien ihre homosexuelle Neigung ausleben. In die Geschichte sind Songs aus Musical, Pop und Schlager, zum Teil mit neuen Texten, integriert.

(Text: Kai Wulfes)

Premiere:01.08.2013
Rezensierte Vorstellung:01.08.2013
Letzte bekannte Aufführung:20.11.2017


Papa Popolone ist sich sicher: „Fußball hätte ihn normal gemacht“. Nach dem Outing ihres Sohnes Romeo sucht das aus Versehen ins „falsche, kommunistische Berlin“ zugewanderte italienische Elternpaar nach einer Erklärung. Bereits der unerwartete Auszug ihres neunundzwanzigjährigen Nesthäkchens hat ihnen schwer zugesetzt. „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“, lautet dann auch Mama Polpettinas gesungener Kommentar dazu. Eine ganz neue Bedeutung für Marianne Rosenbergs Schlager aus den 1970ern, den die schwule Szene zu ihrer heimlichen Hymne erkoren hat.

In „Carusello Italiano“ verarbeitet und parodiert Claudio Maniscalco seine eigene Biografie und entwirft einen deftigen Klischee-Italo-Clan zu dem noch Romeos ältere Schwester Vanilla gehört, die versucht, ihre Zuckersucht mit psychologischer Hilfe zu überwinden. Auch Romeos Lover, Feuerwehrmann Juliano, stammt aus Italien. Dessen intrigante Mutter Amara, nach eigenen Angaben „29 und molto sexy“, versucht, die Homosexualität ihres Sprosses mit allen Mitteln zu torpedieren, indem sie ihm das blonde Flittchen Dusnelda zuführt und eine Hochzeit arrangiert. Umso unglaubwürdiger wirkt das wie aus heiterem Himmel bei der Trauung vollzogene Hauruck-Happyend: Um den verzweifelten Romeo wieder glücklich zu machen, drängt der Familien-Clan die apathisch wirkende Braut bei der Kirchenzeremonie einfach beiseite und schiebt den Sohn an die Seite des Bräutigams. Entgegen jeder dramaturgische Logik leistet weder die vorher noch Gift und Galle speiende Amara Widerstand, noch protestiert der mit Argusaugen über sein Macho-Image wachende Juliano gegen die schwule Hochzeits-Wendung.

© Stefanie Rose
© Stefanie Rose

Je länger der Abend dauert, desto mehr geht auch der Regie-Arbeit von Claudio Maniscalco die Luft aus. Dabei macht der Anfang richtig Spaß: Die Vorstellung der italienischen Familie mit ihren tradierten Macken und den wiederholt absichtlich verpatzten Auftritten von Amara und Sohn Juliano zünden ebenso wie das übersteigert melodramatische Entsetzen der Eltern, dass Romeo ein „Omosexual“ ist. Wenn beide Jungs beim Camping ihre Zuneigung zueinander entdecken, halten Romeos Eltern kommentierend die Zeltstangen. Ein genialer Kniff, den das durch Aufsätze und Klappmechanismen schnell wandelbare Bühnenbild (Sven Desens) ermöglicht.
Maniscalcos Stärke liegt in der Zeichnung der einzelnen, teils satirisch überhöht angelegten Charaktere. Weniger gelingt es ihm jedoch, diesen Typen im Handlungsfluss Leben einzuhauchen. Zu oft stehen mehrere Personen einfach nur herum und warten auf ihre Einsätze, zu oft fehlt den aneinandergereihten Szenen der Zusammenhang. Eine ruhmreiche Ausnahme stellt die Wiederannäherung von Romeo an seinen Vater dar: Beide halten einen Telefonhörer in den Händen und singen dem jeweils anderen eine deutsche beziehungsweise italienische Fassung von Lionel Richies Popsong „Hello“ auf den Anrufbeantworter: Sag mir (Dis me), warum tust du mir so weh? Ein Gänsehautmoment in einer zum Ende hin wie ein Sketch-Abend einer Schultheatertruppe wirkenden Inszenierung.

© Stefanie Rose
© Stefanie Rose

Eine Wucht ist die Darstellerriege, die durchweg dem Affen Zucker gibt und auch gesanglich für sich einzunehmen weiß. Claudio Maniscalco ist als Popolone ein abgehalfterter, selbstverliebter Macho-Gockel, der mit „Arrangier’s mir“ ein herrliches Solo auf die Bühne bringt. Mit wuchtiger Bühnenpräsenz, Herz und Kodderschnautze mit italienischem Akzent stehte ihm Katja Nottke als seine Ehefrau Polpettina in nichts nach. Als kumpelhafte Schwester Vanilla rockt Isabell Genisor mit „Ich will keine Schokolade“ die Bühne. Die Rolle der giftigen Femme Fatale Amara scheint Cara Cuitan auf den Leib geschrieben zu sein. Mit großer Stimme und im sexy Outfit (Kostüme: Suzan Basbay) kostet sie ihren temperamentvollen Showstopper „Ich bin bös’“ genussvoll aus.


Absolut für sich einzunehmen wissen auch die beiden im Zentrum der Geschichte stehende Darsteller des schwulen Liebespaares. Gianni Meurer ist ein romantisch schwärmender Romeo, dem die unerwartete Zuwendung seines Liebsten zum weiblichen Geschlecht an die Nieren geht und ihn kämpfen lässt. Meurer singt mit schönem, sicher geführten Tenor, quält sich allerdings in der besuchten Premiere überraschend mühsam durch das dramatische „Nur für mich“ aus „Les Misérables“. Volker Hagen ist ein glaubwürdiger, unter seiner aufkeimenden Homosexualität leidender Macho Juliano, der seine Zerrissenheit gefühlvoll im zu „Heuchlerische Welt, hetero-fromme Welt“ umgetexteten „Sunset Boulevard“-Titelsong charakterisiert.

© Stefanie Rose
© Stefanie Rose

Damit dieses schwule Italo-Musical richtig rund laufen kann, sollte „Carusello Italiano“ vor allem beim Buch weiterentwickelt werden. Nach beherzten Strichen, Verbesserung der dramaturgischen Glaubwürdigkeit des Happyends und in einer etwas mehr auf die Handlungsstränge fokussierten Inszenierung könnte das Stück mehr sein als eine vornehmlich auf eine schwule Zielgruppe zugeschnittene Musical-Komödie.



Hinweis: Nach Auskunft des Autors wird seit Oktober 2013 eine überarbeitete Fassung mit einem veränderten Ende gezeigt. Unsere Rezension bezieht sich allerdings noch auf die Uraufführung!

(Text: kw)






Kreativteam

Eine queere deutsch-italienische Musical-Komödie vonClaudio Maniscalco
InszenierungClaudio Maniscalco
BühneSven Desens
KostümeSuzan Basbay


Besetzung

Popolone, Romeos PapaClaudio Maniscalco
Polpettina, Romeos MamaKatja Nottke
Susanna Capurso
Vanilla, Romeos SchwesterIsabelle Gensior
RomeoGianni Meurer
Evgenij Verenin
Sebastian Smulders
Markus Lubawinski
Amara, Julianos MamaCara Ciutan
JulianoVolker Hagen
Gero Wendorff
Marcus Mundus
DusneldaAnna Kreuzberg
sowieDaniela
Hubert
Torsten
Uwe




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© Stefanie Rose
© Stefanie Rose

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


5 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30095
Show am 4.08.2013

16.08.2013 - Wir waren in der Show am 4.August und wurden prima unterhalten. Eine witzige Komödie mit durchaus ernsten Hintergrund. Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen schönen Abend sagen Tina und Heike aus Finsterwalde

Heike (erste Bewertung)


30090
Bellisima!

05.08.2013 - Dieses von und mit großartigen Darstellen gespielte Stück, ist ein Muss. Ein Geniestreich mit einer reellen Outing Geschichte, die jeder gehört und gesehen haben muss. Ob einzigartige Solo Nummern oder rührende Duette runden den Abend mit teilweisen bekannten Melodien und tiefgehenden Texten ab. Die Liebe geht jeden etwas an, ob mit oder ohne Umwege...eine klare Empfehlung!

Martin79 (erste Bewertung)


30089
geniale Show

05.08.2013 - geniale Show! von Falko, 05.08.13

wir waren am 04.08. 2013 in der Show Carusello Italiano von Claudio Maniscalco eine absolut geniale Show super Texte super Schauspieler geniale Darstellung. Diese schon ist absolut empfehlenswert sowie alle Shows von Claudio Maniscalco. Wir freuen uns schon heute auf einer seiner neuen Show.

Falko (erste Bewertung)


30088
Super Event!

05.08.2013 - Das war echt ein absoluter grandioser Unterhaltsamer Abend!Wir konnten gut lachen,wurden zum Nachdenken angeregt und die Liederauswahl war mehr als treffend!Wir können nur jeden Empfehlen sich das Stück im November anzuschauen!Wir freuen uns drauf!

coco7171 (erste Bewertung)


30087
einfach grandios

05.08.2013 - Carusello italiano Die Show war grandios und entsprach thematisch der heutigen Zeit. Von der Erkenntnis des Schwulseins über das coming out und das eigene eingestehen seiner Gefühle bis hin zum happy end. Alles beschrieben und sehr realistisch! Die Schauspieler haben alles gegeben...es war schlichtweg grandios! Ich kann es nur jedem ans Herz legen, sich selbst ein Bild zu machen. Schaut es Euch im November an!

Sven v.B. (erste Bewertung)


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 Theater / Veranstalter
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 Kurzbewertung [ i ]
(kw)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Italo-Outing-Komödie mit guten Darstellern. Stolperfalle ist die schwache Inszenierung des sehr langatmigen Abends mit einem hahnebüchenen Ende.

02.08.2013

 Leserbewertung
(5 Leser)


Ø 4.80 Sterne

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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