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Drama

Sunset Boulevard

Nur ein Blick


© Sabine Haymann
© Sabine Haymann
Kai Hüsgen bringt mit seinem Regiedebut den Glanz der goldenen Jahre Hollywoods ins Theater Pforzheim. Unter seiner kreativen Führung und mit einer überzeugenden Lilian Huynen als Norma Desmond gelingt eine überzeugende Adaption des Musical-Dramas von Lloyd Webber.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:27.09.2013
Rezensierte Vorstellung:27.09.2013
Letzte bekannte Aufführung:04.02.2014


Polizeisirenen heulen, Beamte und Journalisten stürmen auf die Bühne, im Hintergrund sieht man die im Wasser treibende Leiche des jungen Mannes, der in den folgenden Stunden die Geschichte seines Ablebens erzählen wird. Viel geschieht in der ersten Szene von "Sunset Boulevard", aber nichts geht in der Pforzheimer Inszenierung im Trubel unter. Kai Hüsgen, der sein Debut als Regisseur abliefert, stellt bereits mit dem Einstieg unter Beweis, dass er ein Händchen für den dramatischen Stoff hat – und weckt Erwartungen, die er im Lauf des Abends nicht enttäuscht.

Zugegeben, ausgesprochene Höhensprünge in Sachen Ausstattung und Equipment kann man bei einem Stadttheater in der Größenordnung des Pforzheimer Theaters nicht erwarten, doch Hüsgen und seinem Kreativteam gelingt es, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln eine fesselnde und kreative Inszenierung auf die Beine zu stellen. Geschickt nutzt der Regisseur die Auf- und Abgänge seiner Darsteller für fließende Szenenwechseln. Rollende Bühnenelemente fungieren als Büroräume und Schlafzimmer, um den Übergang zu den großen Bühnenbildern zu erleichtern. Geschickt nutzt er geteilte Bühnenräume, um das Geschehen an verschiedenen Orten zeitgleich darzustellen, unter anderem in der Silvester-Szene. Schwierig darzustellende Szenen – etwa die Verfolgungsjagd mit dem Auto – löst die Regie mit Schattenspielen und dem Einsatz von aufblitzenden Scheinwerfern, die von der Decke herabgelassen werden. Komplizierte Requisiten wie Normas Auto, ein Isotta Fraschini aus den 1920ern, werden auf charmante Weise auf die Bühne gebracht.


Wie bereits bei vorherigen Musicalproduktionen beweist das Theater Pforzheim ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Darsteller. Lilian Huynen meistert die anspruchsvolle Rolle der Stummfilmdiva Norma Desmond bravourös. Mit Leichtigkeit springt sie zwischen Komik und Tragik, ohne dabei jemals unglaubwürdig zu wirken. Ihr Gesang ist zu Beginn zwar nicht unbedingt gefällig, entwickelt aber spätestens bei "Nur ein Blick" einen eigenen, kantigen Charme. Einen guten Kontrast zu ihr bietet Julia Klotz, die mit kecker Natürlichkeit und samtigem Sopran Betty Schaefer spielt.

Matthias Otte als Joe Gillis wirkt zu Beginn ein wenig verloren in seiner Rolle, den forschen Hollywood-Schreiber nimmt man ihm nicht so recht ab, doch das ändert sich schnell. Gesanglich stemmt er die Rolle einwandfrei, den Titelsong "Sunset Boulevard" gibt er mit Kraft, Dynamik und einem Augenzwinkern zum Besten. Einen kleinen Auftritt mit großer Wirkung hat Klaus Geber als Regielegende Cecil B. DeMille. Sein warmer, gefühlvoller Bass bleibt im Gedächtnis.

© Sabine Haymann
© Sabine Haymann


Der Bühne und den Kostümen von Verena Hemmerlein sieht man die schwelgerische Nostalgie an. Vor allem die elegant gestaltete Villa und die detailliert ausgearbeiteten Kostümen für Norma versprühen den mit dicker Patina belegten Glanz der Stummfilmära. Lebendig und kreativ sind auch die zurückhaltend eingesetzten Choreographien von Marek Ranic.

Unter der musikalischen Leitung von Tobias Leppert erweckt das Orchester die Partitur von Andrew Lloyd Webber zum Leben. Kleinere technische Patzer sind ob der gegebenen Leistung und dem harmonischen Zusammenspiel aller Beteiligten zu verschmerzen. Hüsgens "Sunset Boulevard" ist bereit für seine Nahaufnahme.

(Text: krd)






Kreativteam

Musikalische Leitung Tobias Leppert
Inszenierung Kai Hüsgen
Bühne und Kostüme Verena Hemmerlein


Besetzung

Norma Desmond Lilian Huynen
Joe Gillis Matthias Otte
Benjamin-Edouard Savoie
Betty Schaefer Julia Klotz
Elisabeth Hübert
Max von Mayerling Andrea Matthias Pagani
Cecil B. DeMille Klaus Geber
Artie Green
Verkäufer
Matthias Kreinz
Myron
Verkäufer
Steve
Cary Chennell
Sammy
Pförtner
Christopher Dederichs
Joanna
Heather
Yvonne Luithlen
1. Kosmetikerin 1
Dawn
Reporterin
Eva Patricia Klosowski
2. Kosmetikerin 2
Mary
Lena Brandt
Sheldrake Holger Teßmann
Jones Brian Garner
Adam
1. Schuldeneintreiber
Karel Pajer
2. Schuldeneintreiber Rigobert Störkle
Frank Traub
Cliff
Manfred
Steffen Fichtner
Ingo Wagner
Morino Lothar Helm
Holger Peter Wecht
Hog Eye
Barmann
Iwan Zlabek
Lisa
Alisa
Manuela Wagner
Masseuse Ingeborg Kaufmann
Ärztin Angela Wollschläger
Astrologin Gabriele Zamfirescu
Kellnerin
Sekretärin
Alena Klein
3. Kosmetikerin Marina Mejinska
Chiharu Takahashi
1. Haremgirl Chiharu Takahashi
2. Haremgirl Hyun-Sun Lee



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


30120
Träume aus Licht, Musik ... - Sunset Blvd. in Pforzheim

28.09.2013 - Sunset Boulevard in Pforzheim – 20 Jahre nach der Uraufführung. Das Warten hat sich gelohnt.

Man kann dem Theater Pforzheim und allen Beteiligten nur danken für diese runde und gelungene Inszenierung auf sehr hohem Niveau. Das hat gleich mehrere Gründe. Erstens das hervorragende Orchester, die Cast und die Ausstattung. Im Vergleich zu Magdeburg (1. Freie Inszenierung 2010) hat man sich an das Libretto von 1995 gehalten und das ist gut so.

MUSIK - Sunset Boulevard hat ja eine schwelgerische teils soundtrackartige Musik mit großen Soli, zarten Duetten und fetzigen Ensemblenummern. Dabei schmeicheln sich Tango und Walzer genauso ins Ohr wie das Underscoring welches die wenigen Dialogszenen filmisch untermalt. Die Badische Philharmonie unter der Leitung von Tobias Leppert bringt diese Melodien so wunderschön zum klingen. Ein Hörgenuss mit "echten" Streichern und mehr.

TON – Die von mir in der Vergangenheit bemängelte Abmischung von Darstellern (Microports) und Orchester war bei der gestrigen Premiere einwandfrei. Das Orchester hat nie die Darsteller übertönt. Auch die Verständlichkeit der wunderbaren Texte von Michael Kunze war einwandfrei.

AUSSTATTUNG: Verena Hemmerlein hat ein wunderbares Bühnenbild und die dazu passenden Kostüme entworfen. Das Stück beginnt nach der Ouverture mit einer Projektion von Wasser eines Pool. Dahinter steht leicht erhöht Joe und beginnt seine Erzählung. Die Hubpodien des Theaters werden im 1. Akt verstärkt genutzt, um auf verschiedenen Ebenen agieren zu können.

Grandios gelöst wurde die Verfolgungsjagd (ohne Projektion) dafür umso überraschender. Mehr will ich nicht verraten. Ein wunderschönes Palazzo erscheint zunächst von außen. Dann der Salon von innen. Eine wunderschöne geschwungene Treppe in Marmoroptik. Dazu Lüster, wandleuchten, ein edles Sofa und diverse silbrig schimmernde Vorhänge eröffnen immer wieder neue Perspektiven. Die vielen Bilder der Norma an der Wand zur Treppe hätte ich noch in Rahmen gepackt. So wirken sie etwas wie Poster im Jugendzimmer.

Auch Schwab´s wurde wunderbar gelöst. Eine der optisch besten Szenen ist zweifellos die Silvesterszene. Ähnlich wie in der Originalproduktion hebt sich die Villa im Hintergrund samt Lüster und Vorhängen langsam nach oben. Unten feiern die Filmleute in Arties Wohnung. Durch geschickt geöffnete Vorhänge in der Villa ergibt dies eine unglaubliche Tiefe mit Blick auf Palmen und Sternenhimmel.

Auch im 2. Akt gibt es viele Szenenwechsel mit wunderschönen Bildern. Gleich zu Beginn des 2. Aktes beim Titelsong. Palmen, Sonnenschirm und Korbstuhl…mit Blick auf den Palazzo von außen, danach die originelle Lösung mit dem Oltimer und die Studios. Nie ist die Szenerie zugestellt aber immer reich bebildert. Auch die passende Beleuchtung trägt dazu bei.

CAST – Lilian Huynen ist eine grandiose Norma. Ihre spezielle Singstimme (die mir in vergangen Produktionen eher weniger zusagte) passt ganz wunderbar zu dieser verwirrten und deprimierten Frau. Mal Diva, mal zerbrechlich wie ein Kind – all das darf diese Norma zeigen. Sehr eindrucksvoll auch wie sich mit zunehmender Verzweiflung dies in ihrer Mimik (und Make-up) zeigt. Sie spricht sehr deutlich und berührt in den Songs wirklich.

Als Max steht ihr Andrea Matthias Pagani zur Seite. Schön ihn mal wieder sehen und hören zu dürfen. Als Diener schleicht er um Joe und Norma – wie Mrs. Danvers in Rebecca. Auch ihm lässt die Regie Raum seine Gefühle zu zeigen. Er singt sehr gut wenngleich der Wechsel in den Höhen am Ende seiner Soli nicht immer sauber klingt. Dennoch eine berührende Darstellung welche am Ende mit großem Applaus bedacht wird.

Matthias Otte als Joe (hatte ich zunächst noch als Axel Staudach) im Sinn. Aber schnell nimmt man Anteil an seinem Leben und der Wandlung. Anfangs sehr schüchtern und überrascht von Norma´s Liebesgeständnis gelingt es ihm seine Motive zu zeigen warum er bei Norma bleibt. Auch er singt ganz hervorragend. Sowohl in den Solos als auch in den Duetten mit Norma und Betty.

Betty wird von Julia Klotz gegeben. Mit schöner Stimme und tollem Spiel berührt auch ihr Geschichte am Rande. Ihr Duett im 2. Akt mit Joe wird frenetisch bejubelt.

Auch dem Chor, dem Ballett und der restlichen Cast kann man nur gratulieren.
Die Ensembleszenen waren immer wieder eine Freude. In den Studios, im Schwab´s, die Ankleideszene, …

REGIE – Kai Hüsgen zuletzt noch als Jekyll in Pforzheim zu sehen gibt hier sein Debut als Regisseur. Auch hier darf man dem Theater für seinen Mut „neuen Regisseuren“ eine Chance zu geben nur danken. Er hat das aus meiner Sicht richtig gut gemacht. Es ist eine wunderbar erzählte Geschichte. Kein „verkopftes“ Regietheater. Man kann ihr gut folgen und die Darsteller agieren miteinander. In Kombination mit der Ausstattung im gesamten ergibt das eine wunderbare Inszenierung.

Großer Applaus und Jubel nach einer gelungenen Premiere in Pforzheim.

Anmerkung: Bisher habe ich die Show in den Niederlanden, in Magdeburg und hier in Pforzheim gesehen. Dabei führt die Pforzheimer Inszenierung mein perönliches Ranking vor Magdeburg an.

mrmusical (80 Bewertungen, ∅ 3.8 Sterne)


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Hollywood in den Fünfzigern. mehr

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Bei der Tony Award Verleihung 2005 wurde das Stück mit sieben Trophäen ausgezeichnet - darunter für das beste Musical, die beste Musik und das beste Buch.

 Kurzbewertung [ i ]
(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Geglücktes Regiedebut für Musicaldarsteller Kai Hüsgen. Lilian Huynen überzeugt als Norma Desmond mit einer eigenwilligen Darbietung.

30.09.2013

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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