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Revue

Miles & More

Im Sturzflug


Das wirkliche Leben findet bei Franz Wittenbrinks Revuen stets auf engem Raum statt - zum Beispiel im Flugzeug.

(Text: rj)

DerniĂšre:25.04.2009


Franz Wittenbrink macht Theater aus Liedern. Seine Abende mit singenden Schauspielern sind Kult in Hamburg und Berlin, Basel und MĂŒnchen, Salzburg und Mannheim. Er ist in der Klassik und im Pop gleichermaßen zu Hause und geht mit Musik nie so um, wie man es erwarten wĂŒrde. Ein schrĂ€ges Arrangement, ein umgedichteter Text, ein abwegiges Stilzitat - und aus einem bekannten Lied entsteht musikalische Satire: komisch, bösartig, wehmĂŒtig. Das Zentrum seiner Abende sind die Figuren, die er zu den Liedern in Spannung setzt. SekretĂ€rinnen wĂ€hrend der Arbeitspause. MĂ€nner auf der FußballtribĂŒne, nach dem Spiel. Putzfrauen, FeuerwehrmĂ€nner, Nixen und Mamorstatuen in einem leeren Theater, nachts. Wittenbrinks musikalisches Theater spielt an Orten, wo Menschen, die nichts miteinander zu tun haben, zusammen gesperrt sind und, statt zu reden, anfangen zu singen. Schauplatz seines ersten Abends am schauspielhannover ist ein Flugzeug.
Wir befinden uns im Landeanflug auf Hannover, 52.22N 09.44E. Was wĂ€re, wenn die Triebwerke ausfielen? Welche Ziele bleiben unerreicht, welche TrĂ€ume ungetrĂ€umt, welche Lieben versĂ€umt? An Bord MĂ€nner und Frauen unterschiedlichen Alters. Es gibt Leute, die fliegen leidenschaftlich gern, und Leute, die nie glauben werden, dass ein Haufen Metall durch die Luft schweben kann, auch wenn sie selber drin sitzen. Manche steigen in ein Flugzeug wie in die Straßenbahn und fliegen zur Arbeit, fĂŒr manche beginnt schon beim Check-in die Reise zum Mond. Alles, was im richtigen Leben passiert, passiert auch im Flugzeug. Nur auf viel engerem Raum und in dem stĂ€ndigen Bewusstsein, dass anhalten und mal eben Luft schnappen nicht möglich ist. Das HerĂŒberreichen eines Essenstabletts bei Turbulenzen wird zum Debakel; der Gang auf's Klo zum existentiellen Problem, wenn zehn Passagiere gleichzeitig darauf warten, dass das rote Licht ĂŒber dem WC erlischt. Jede alltĂ€gliche Verrichtung wird zum komplizierten Vorgang, der andere in Mitleidenschaft zieht: Aufstehen, um doch noch an's HandgepĂ€ck zu kommen, die Zeitung entfalten, ohne den Nachbarn zu rammen, den Sitz kippen, wĂ€hrend der Hintermann seinen Becher nachfĂŒllt. Man sitzt neben jemanden, den man nicht kennt und in der Regel auch nicht kennenlernen will. Man kann nicht wirklich etwas tun. Die Zeit schleicht. Zwischen Start und Landung hĂ€ngt man - buchstĂ€blich - in der Luft.
Franz Wittenbrink, Theaterkomponist und Dirigent, arbeitete fĂŒr die BĂŒhnen in Stuttgart, Basel und Mannheim, zuletzt war er musikalischer Leiter am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. FĂŒr den Regisseur Herbert Wernicke bearbeitete er die "Fledermaus" und den "Zigeunerbaron", fĂŒr Frank Castorf noch einmal die "Fledermaus" sowie Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti". Seine eigenen musikalischen Abende heissen "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus", "MondsĂŒchtig", "SekretĂ€rinnen", "Komm sĂŒĂŸer Tod...", "MĂ€nner", "Nachtschicht". Im vergangenen Jahr produzierte er fĂŒr die Salzburger Festspiele "Denn alle Lust will Ewigkeit", im April 2000 "Pompes funĂšbres" am Wiener Burgtheater.
Musikalische Leitung und Regie:

Franz Wittenbrink

Mitarbeit: Lukas Langhoff
BĂŒhne: Barbara Ehnes
KostĂŒme: Anke Grot

Mit: Ernst-Erich Buder, Caroline Ebner, Bernd Geiling, Bernd Grawert, Franziska Henschel, Benjamin Höppner, Dieter Hufschmidt, Marion Martienzen, Angela MĂŒthel. Am FlĂŒgel: Franz Wittenbrink/Burghard Niggemeier. Gitarre: Tilmann Denecke/ Lothar MĂŒller. Schlagzeug: Axel DĂŒrkop.

(Text: Theater)



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Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


3 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


22311
Super

27.10.2007 - Das ist kein Theater- oder MusicalstĂŒck, das eine erkennbare Handlung hat sondern ein Liederabend, der bekannte Lieder (meist umgetextet)aneinanderreiht und dabei die unterschiedlichsten Menschen in einem Flugzeug prĂ€sentiert. Das StĂŒck ist das am meisten gespielte im Schauspielhaus Hannover seit der Eröffnung im Jahre 1992!

Wolfgang Berner


18047
miles &NO more Wittenbrink

27.02.2007 - Der Flug von Hannover nach z.B Pisa ist preiswerter, als eine Eintrittskarte fĂŒr das StĂŒck miles and more von Franz Wittenbrink.
-Und lohnenswerter-

Eine schlechte Karikatur, (oder Satire?) unter SchulbĂŒhnenniveau

Witten Franzbrink


18045
Musical ohne Handlung

26.02.2007 - Selbst Mamma Mia glĂ€nzt als tiefsinniges Werk neben Miles and more, fĂŒr das sogar die Bretter des GOP zu groß wĂ€ren...
Bleibt weg! Kölner Fasching hat mehr Anspruch

-


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