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Hippical

Hair

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© Ilja Mess
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Lange Mähnen, Schlaghosen und Fransenwesten – mit seinem Festivalambiente und dem 80 Mann starken Ensemble bietet das Ulmer Wilhelmsburgkastell den perfekten Rahmen für eine atmosphärische "Hair"-Inszenierung. Unter der Regie von Arthur Castro bleibt allerdings kaum mehr als eine weichgespülte Flower-Power-Klamotte.

(Text: Dominic Konrad)

Premiere:16.06.2013
Letzte bekannte Aufführung:20.07.2013


Antikriegsbewegung, freie Liebe und die Aufhebung der Rassen- und Gesellschaftsschranken: Es sind mehr die Themen als die Figuren, die Gerome Ragni und James Rado ins Zentrum von "Hair" gestellt haben. Durch seine politische Botschaft wurde "Hair" zum Sprachrohr einer Generation. Noch heute, vor dem Hintergrund von internationalen Konflikten, der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und immer pressierenderen Umweltfragen, haben die Themen von "Hair" aktuellen Bezug und gesellschaftliche Relevanz.

Doch leider kann man mit gesellschaftspolitischen Fragen keine Karten verkaufen. So zumindest präsentiert sich "Hair" in der Ulmer Open-Air-Fassung von Arthur Castro auf der Wilhelmsburg: als handwerklich sauberes und inhaltlich deutlich zu sauberes Hippie-Feelgood-Event, das sicherheitshalber die Finger von zu kritischen Positionen lässt.


Castros "Hair"-Version orientiert sich an der Handlung des Miloš-Forman-Films von 1979, die außer den Namen und Songs recht wenig mit dem Original gemeinsam hat. Aus dem New Yorker Hippie Claude wird ein unbeholfener Farmerjunge aus Oklahoma, der in der großen Stadt auf die Jugendbewegung um Hippie Berger und das Upper-Eastside-Töchterchen Sheila trifft, die aus den Schranken der Konformität befreit wird. Castro nimmt sich über weite Strecken weder die Zeit noch die Muße, die Handlung zu entwickeln. Pflichtbewusst arbeitet er die Songpalette ab und vergibt Chance um Chance, die ironischen Referenzen und sozialkritischen Inhalte der Texte herauszuarbeiten. So liegen die Hippies sittsam und züchtig nebeneinander, während Woof mit "Sodomy" einen Appell für die freie Liebe formuliert und Jeanie fächelt dem ohnmächtigen Claude bei "Air" Luft zu, ohne die Referenz auf die Luftverschmutzung auszuspielen.

© Ilja Mess
© Ilja Mess


Schade, denn gesanglich hat das Ensemble einiges auf dem Kasten: Henrik Wager als Berger ist eine Wucht. Er spielt die Rolle des Hippie-Anführers mit Witz und Charisma und toppt sein Spiel noch mit einer grandiosen sängerischen Leistung. Mit ihren Stimmen wissen auch Girard Rhoden als Hud und John Davies als Woof zu überzeugen. Julia Gámez-Martin singt sich in der Doppelrolle als Hippie-Queen und Dionne mit Bravour durch den Abend. Während ihr "Aquarius" noch ein wenig beliebig klingt, ist ihr "Easy to Be Hard" herzzerreißend schön. Neben ihren starken Bühnenpartnern wirken Volkram Zschiesche (Claude) und Dorothée Kahler (Sheila) etwas blass, aber durch die Schwerpunktverschiebung der Inszenierung haben sie sowieso nur wenig Raum, sich zu entfalten. Begleitet werden sie von der achtköpfigen Band um Ariane Müller, die sich mit Leichtigkeit durch Galt MacDermots Songs spielt und den schleppenden Sixties-Sound trifft.

© Ilja Mess
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Beeindrucken kann Castros Inszenierung bei den Massenszenen, bei denen bis zu 80 Hippies, Soldaten und Bürger auf der Bühne stehen. Aber es gelingt ihm nicht, in der Wilhelmsburg einen ganzheitlichen Bühnenraum zu erzeugen. Zum einen verpasst er die Chance, mit seinen zahlreichen Darstellern eine Interaktion mit dem Publikum aufzubauen, zum anderen klammert er auf weite Strecken die gegebene Kulisse der Anlage aus und konzentriert das Spiel auf eine sandkastenartige, rundliche Bühnenkonstruktion mit grünen Spielflächen, Drehscheibe und bunt-glitzerndem Bogen, die verloren vor der Kasernenarchitektur steht. Das ist schade, denn die Ulmer Wilhelmsburg atmet schon beim Aufstieg eine unheimlich dichte Happening-Atmosphäre, die dem Stück sehr zuträglich hätte werden können.

© Ilja Mess
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Stellenweise versucht die Inszenierung dann doch noch ganz zaghaft, ein bisschen politische Position zu beziehen. Ein blinkender Frisbee entpuppt sich beim zweiten Einsatz als Kampfdrohne, Barack Obamas Stimme spricht einmal kurz über amerikanische Kriegsverantwortung und hin und wieder darf Jesus zwischen den Hippies mit dem Kreuz entlangschlurfen. Die Statements bleiben aber so verhalten, dass sie ungehört verpuffen. Auf die letzten Takte von "The Flesh Failures (Let the Sunshine In)" brennt die amerikanische Flagge, weil es sich bei "Hair" so gehört, während aus der Konfettikanone ein prächtiger Glitzerregen schießt. Gesellschaftskritisches Theater darf sein, aber bitte nicht bei schönem Wetter und open air.

(Text: krd)






Kreativteam

Musikalische LeitungAriane Müller
RegieArthur Castro
BühneBritta Lammers
KostümeAngela C. Schuett


Besetzung

BergerHenrik Wager
Brady Swenson
ClaudeVolkram Zschiesche
SheilaDorothée Kahler
HudGirard Rhoden
DionneJulia Gámez Martin
WoofJohn Davies
JeanieAnita Patek
Leni RiefenstahlMelanie Zacharias-Jansen
EnsembleMaren Kern
Hannah Kristin Olbert
J. Emanuel Pichler
Wiebke Neulist



Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


1 Zuschauer hat eine Wertung abgegeben:


30061
Nicht aus einem Guß

18.07.2013 - Leider haben wir die Ulmer Inszenierung, trotz sehr guter Elemente als unausgegoren empfunden. Das größte Manko dieser Inszenierung war leider die Dimension des aus Gerüsten aufgebauten Zuschauerraumes und des hieraus entstehenden großen Abstandes zur eigentlichen Bühne. Hierdurch entsteht eine erhebliche Distanz zwischen Schauspielern und Zuschauern, welche durch das Bühnenbild und seine große, halbrunde Tischplattform, welche z.T mehr trennte als verbinden konnte, noch verstärkt wurde. Es wurde überwiegend mittig nach vorne, Richtung Zuschauerausgang gespielt und gesungen, sodass ein Großteil des Publikums abgehängt war und auf die Seite, bzw. auf den Rücken des Schauspielers schaute. Wenn die Inszenierung die Szene wieder zentrierte und auf die drehbare Plattform oder die Brücke oberhalb der Band holte, herrschte wieder eine große räumliche Distanz. Ich glaube, dieser Aspekt war die Hauptursache, warum in der besuchten Samstagabendvorstellung, trotz ausverkauftem Haus, der Funke nicht überspringen wollte. Begeistert haben uns Berger, Woof, Hud, Dionne und Jeanie, die sowohl stimmlich als schauspielerisch herausragten und mit ihren Solos und Duetten, unterstützt von einer hervorragenden Band das Tempo anzogen und punkten konnten. Gleichwohl setzte der Applaus des Publikums regelmäßig nur sehr zögerlich ein, weil es nicht gelang, es zu packen. Selbst nicht nach Jeanies wunderbar vorgetragenen „Frank Mills“.
Der Ansatz der Regie, Claude nicht als Hippie sondern als Jungen vom Lande in Anzug, Krawatte und gefühlt 90 Prozent der Show koffertragend zu inszenieren ist gewöhnungsbedürftig. Zu unterschiedlich sind die Welten aus denen Berger und Claude hier stammen und es ist schwer nachzuvollziehen, warum gerade diese beiden unterschiedlichsten Typen sich nach zufälliger Begegnung anfreunden. Nach energiegeladenen Songs wurde das Tempo durch schleppende Anschlüsse und, außerhalb des Hippie-Tribe, langatmige vorgetragene Dialoge regelmäßig wieder rausgenommen. Hier wäre genügend Raum, um die Zügel angezogen zu lassen und die überschaubare Handlung voranzutreiben. Claude und Sheila fielen leider gegenüber den anderen Schauspielern ab. Das mag zum einen an der unvorteilhaften Rollenanlage gelegen haben, z.T. spielten beide weniger für die große Bühne als viel mehr wie für einen kleinen Bildschirm in einer ARD-Vorabendserie. Es passte leider vieles nicht zusammen: Das Kostümbild der Hippies war passend für die darzustellende Zeit, jedoch wirkten die Kostüme der feinen Gesellschaft um Sheilas Familie, als habe man den Operettenfundus geplündert.
Durch das ständige Kommen, Gehen und Vermischen von Inner und Outer Circle der Hippies, dargestellt durch Chor, Ballett und Bewegungschor kam der Eindruck eines in sich geschlossenen Tribe von Hippies, die mit ihren Mitgliedern mitleben, mitleiden und mitfiebern überhaupt nicht auf. Hierauf hätte man sich konzentrieren können. Der Versuch der Regie, das Antikriegsstatement in die heutige Zeit zu holen ist technisch mit der angedeuteten Drohne gut gelungen. Inhaltlich war es jedoch überflüssig, denn die Wirkung der eigentlichen Geschichte ist wenn man sie einfach so erzählt wie sie ist, bedeutungsstark aussagekräftig und wirkungsvoll genug.
Drei Elemente der Inszenierung wirkten, als hätten sie noch unerfüllt am Ende der Probenzeit auf irgendeiner Checkliste für vermeintlich anspruchvolles Theater gestanden und wurden kurzfristig noch in die Produktion gepresst: Der Nackte, der Jesus und die brennende US-Flagge. Sämtlich unpassend, weder die Handlung unterstützend noch erklärend oder schlüssig abgeleitet. Schlicht unnötig.

Fazit: Exzellente Darsteller als Hippies, unterstützt von einem beeindruckenden Chor mit leider erheblichen Schwächen in der Konzeption der Inszenierung.

stagelight (3 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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Handlung
Eine Gruppe langhaariger junger Hippies rund um die Protagonisten Berger, Sheila, Claude, Hud, Woof und Jeanie rebelliert mit langen Haaren, freier Liebe und Drogen gegen die Vorschriften der konservativen Gesellschaft Amerikas. mehr

Weitere Infos
Verfilmt wurde "Hair" mit leichten Handlunsgabwandlungen 1979 mit Beverly D’Angelo (Sheila), John Savage (Claude) und Treat Williams (Berger)

 Kurzbewertung [ i ]
(krd)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Trotz starker Solisten springt der Funke nicht über bei einer Inszenierung, die dem Stück nichts weiter als Hippie-Nostalgie abgewinnt.

17.06.2013

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.




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