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Film-Adaption

Natürlich Blond

Bücken und hep


© VBW Brinkhoff Mögenburg
© VBW Brinkhoff Mögenburg
Die Vereinigten Bühnen Wien zeigen seit dem Frühjahr 2013 die deutschsprachige Erstaufführung von "Legally Blonde" im Ronacher. Die Komödie nach dem gleichnamigen Film mit Reese Witherspoon bietet knallbunte Unterhaltung und überzeugt durch eine flotte Inszenierung und eine fast ausnahmslos gute Besetzung.

(Text: Jens Alsbach)

Premiere:21.02.2013
Rezensierte Vorstellung:02.04.2013
Dernière:20.12.2013


"Natürlich blond" ist sicherlich keine Weltliteratur auf der Theaterbühne. Auch ist es kein Musical, das für seine tiefsinnige Handlung oder seine bahnbrechende Musik in die Ära der herausragenden Werke eingehen wird. Aber wie die österreichische Presse über das Stück wertet und wettert ist schon heftig. Das "geschwätzige Parlando dieser leeren Musik" (Der Standard, 22.2.2013) sei für die Künstler eine Herausforderung. Die Musik sei wie "von einem Schnellschnitt-Häcksler generiert" und auch die "Vokalleistungen ... nur Mittelmaß" (Kurier, 22.2.2013).
Schade. Denn was man im Ronacher erlebt, ist Unterhaltung pur. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Natürlich sind die Charaktere von Stereotypen durchsetzt, natürlich ist alles pink, bunt und überladen. Aber dies ist eben nur eine von vielen Facetten des Genres Musical.
Die aus dem zugrundeliegenden Film bekannte Geschichte handelt von Elle Woods, Modepuppe und Präsidentin ihrer Studentenvereinigung Delta Nu. Nach der Trennung von ihrem Freund Warner Huntington III versucht sie, ihm nach Harvard zu folgen und besteht dort in der Tat die Aufnahmeprüfung zum Jura-Studium. Wirklich akzeptiert wird die Außenseiterin jedoch nicht. Einzig in Friseurin Paulette findet Elle eine Freundin und schafft es trotz aller Umstände letztlich, in das begehrte Team von Professor Callahan aufgenommen zu werden und dort einen Mordfall aufzudecken.

Punkten kann die Wiener Inszenierung besonders mit einem großartigen Ensemble. Interessanterweise hinterlässt eine Nebenrolle den nachhaltigsten Eindruck: Ana Milva Gomes als Paulette Buonufonté. Die Rolle der Friseurin war schon im Film eine Charakterrolle, der die Bühnendarstellerin nun mit viel Gefühl für Witz und Timing sowie einer ausgezeichneten Stimme gerecht wird. Ganz anders als im Film, aber nicht minder amüsant interpretiert. Gerade bei Songs wie "Irland" merkt man Gomes ihre Erfahrung als Leading Lady in "Sister Act" an, denn hier ist sie konkurrenzlos. Einzig die beiden auf der Bühne auftretenden Hunde können ihr den Rang ablaufen und werden vom Publikum noch enthusiastischer gefeiert.
Die Hauptrolle, Elle Woods, wird von Barbara Obermeier gespielt. Sie macht ihre Sache durchwegs klasse. Sie singt gut und schafft es, die klischeebehaftete Blondine – die es im Amerikanischen sicher leichter hat, Eindruck zu schinden als in der deutschen Übersetzung – nie peinlich und überdreht wirken zu lassen. Das Abrutschen in die Peinlichkeit ist bei einer solchen Art von "Fun-Show" eine der großen Gefahren, doch dank Obermeiers sympathischen Spiels passiert das hier nicht.
Unbedingt erwähnenswert auf der Plus-Seite des Ensembles ist Jörg Neubauer als Emmett, Elles Kommilitone und Unterstützer in der Riege der Anwälte. Unaufdringlich und mit angenehmer Singstimme gibt er die Rolle des grundsympathischen Anwalts, der Elle am Ende vor dem Scheitern bewahrt.
Ein herrlicher Einfall ist die Rolle des UPS-Boten Kyle, Paulettes Lover (Daniel Rákász), der seinen ersten Auftritt mit dem Satz: "Ich hab’n Paket" absolviert und das Publikum aufgrund der an Werbespots erinnernden Musikuntermalung und seines übertrieben aufreizenden Spiels auf seine Seite zieht. Zusammen mit ihm träumt Paulette von einem zukünftigen Leben in Irland und flüchtet in eine "Riverdance"-artige Choreografie, die Jerry Mitchell großartig umsetzt. Überhaupt sind die Tanzszenen der Show ein Augenschmaus.
Etwas teilnahmslos wirkt Alexander Goebel in der Rolle des Chef-Anwalts Callahan. Seine Dialoge klingen seltsam aufgesagt, und so richtig konnte man ihm am besuchten Abend den harten Anwalt nicht abnehmen. Ein wenig mehr Strenge hätte gut getan.
Leider etwas blass blieb auch Hendrik Schall als Elles Ex-Freund Warner Huntington III. Schauspielerisch akzeptabel, fiel er gesanglich doch stark hinter die übrige Cast zurück.
Für die Ausstattung sind David Rockwell (Bühne) und Gregg Barnes (Kostüme) verantwortlich. Alles ist bunt, schnell und immer in Bewegung. Durchaus passend für die Geschichte - und überraschend, wie schnell Gerichtssäle, Wohnheime oder Hinterhöfe entstehen können.

Neben der Choreografie zeichnet Jerry Mitchell auch für die Regie verantwortlich, was sehr positiv zu vermerken ist, denn er verknüpft Handlung und Tanz so geschickt, dass die Choreografien nie als "Lückenfüller" auffallen, sondern immer den Verlauf der Geschichte untermalen. Herrlich umgesetzt ist zum Beispiel die finale Enttarnung in der Gerichtsszene, bei der mit Hilfe des Songs "Schwul oder Franzose" und einer abgestimmten Choreografie ganz wunderbar der wahre Täter ans Tageslicht befördert wird.
Gelungen ist auch die Idee, Paulette am Ende der Story einen Ausblick auf die Zukunft der einzelnen Charaktere geben zu lassen, der – wie im Film – einen würdigen Abschluss einer stringent erzählten Geschichte bietet.
Ob die Musik von Laurence O’Keefe und Nell Benjamin nun zündet oder nicht, ist Geschmackssache. Beschwingte Musiknummern wie der erwähnte Irland-Song oder die schmissige Seilspring-Einlage "Peitsch dich in Form" geben den Ton an. Auch wenn viele Nummern nur kurz im Gedächtnis bleiben, passen sie immer zum Gesehenen und tragen das Geschehen. Man geht – anders als die eingangs erwähnten Zitate vermuten lassen - gut gelaunt aus dem Theater.
Letztlich erreicht dieses Musical etwas ganz Wichtiges: Es unterhält blendend. Wer dem Film etwas abgewinnen konnte und sich auf einen bunten Abend einlassen möchte, dem sei die Show wärmstens ans Herz gelegt.


---

Musical von Nell Benjamin und Laurence O'Keefe (Musik und Texte) sowie Heather Hach (Buch)
Übersetzung - Kevin Schroeder und Heiko Wohlgemuth (Texte) sowie Ruth Deny (Buch)

(Text: jal)




Verwandte Themen:
News: "Legally Blonde" kommt 2013 nach Wien (18.04.2012)



Kreativteam

Regie und ChoreografieJerry Mitchell
Musikalische LeitungKoen Schoots
BühneDavid Rockwell
KostümeGregg Barnes
LichtKenneth Posner
Paul Miller


Besetzung

Elle WoodsBarbara Obermeier,
(Amélie Dobler)
(Marie-Anjes Lumpp)

Emmet ForrestJörg Neubauer,
(Björn Klein)
(Benjamin Sommerfeld)

Warner Huntington IIIHendrik Schall,
(Jörn-Felix Alt)
(Maximilian Mann)

Paulette BuonufontéAna Milva Gomes,
(Katja Berg)
(Gabriela Ryffel)

Prof. CallahanAlexander Goebel,
(Andre Bauer)
(Armin Kahl)

Vivienne KensingtonSanne Mieloo,
(Katja Berg)
(Gabriela Ryffel)

Brooke WyndhamLinda Hold,
(Janine Buck)
(Anne-Mette Riis)

SerenaBirgit Wanka,
(Janine Buck)
(Myrthes Monteiro)

PilarSidonie Smith,
(Maria Graciano)
(Adrianna Hicks)

MargotAnja Haeseli,
(Anna Carina Buchegger)
(Jennifer Siemann)

Großmeister Chad
Dewey
Kyle
Daniel Rakasz,
(Björn Klein)
(Maximilian Mann)

Gabby
Gerichtsschreiberin
Anna Carina Buchegger
Kate
Chutney
Jennifer Siemann
PforzheimerPeter Kratochvil
LowellBenjamin Sommerfeld
Courtney
Mum
Whitney
Katja Berg
CarlosMaximilian Mann
Kiki Paul Knights
Richterin
Verkäuferin
Adrianna Hicks
Dad
Winthrop
Armin Kahl,
(Andre Bauer)

EnidAnouk Roolker
AaronBjörn Klein
Padamadan
Niko
Jurriaan Bles
Cece
Staatsanwältin
Myrthes Monteiro
LeilaniMarie-Anjes Lumpp
KristineAmelie Dobler
SwingsJanine Buck
Maria Graciano
Jerôme Knols
Jan-Eike Majert
Georg Prohazka
Anne-Mette Riis
Gabriela Ryffel




Produktionsgalerie (weitere Bilder)

© VBW Brinkhoff Mögenburg
© VBW Brinkhoff Mögenburg

Zuschauer-Rezensionen

Die hier wiedergegebenen Bewertungen sind Meinungen einzelner Zuschauer und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten der Musicalzentrale.


2 Zuschauer haben eine Wertung abgegeben:


30008
Ein fast perfekter Abend

21.05.2013 - Das es Natürlich Blond in den deutschsprachigen Raum geschafft hat finde ich toll.
Die Show hat mir schon am Broadway sehr gut gefallen.

Die Übersetzung ist auch gut gelungen, und die Bühne ist passend.

Hervorheben muss man das Orchester. So einen vollen, schöner Klang habe ich schon lange nicht mehr gehört im Theater. Bravo!

Von den Darstellern machen alle einen guten Job auf der Bühne und sind meist Rollendeckend besetzt.
Hervorheben muss man aber Ana Milva Gomes als Paulette, die herrlich komisch und in Ihrem Solo auch stimmlich unglaublich überzeugt.
Ach lustig ist Katja Berg in kleinen Rollen und hat eine Mimik, die immer wieder Lacher erntet.
Einzig die beiden Hauptrollen Elle & Emmet sind hier in Wien etwas unterkühlt.
Barbara Obermeier ist vielleicht stimmlich und auch von Aussehen eine passende Elle, aber ihr fehlt die Naivität und Spritzigkeit.
Jörg Neubauer nimmt man den Verklemmten ab, jedoch die Liebe für Elle und Hingabe zum Beruf nicht.

Das weiter Ensemble war energetisch und, abgesehen von der Seilspring Kombi, auf den Punkt genau.

Alles in Allem ein amüsanter Abend der eine Weiterempfehlung verdient.

KristinP (73 Bewertungen, ∅ 3.5 Sterne)


29969
Feel good.....

15.04.2013 - ...mit Steuergeld.
Man könnte jetzt lange darüber diskutieren, ob subventionierte Bühnen tatsächlich einen Auftrag haben, um ensuite Gute-Laune-Musicals zu spielen.
Ich persönlich halte sowas für ein Unding und für ein Haus mit Kultur- und Bildungsanspruch vollkommen indiskutabel.
Dafür kann das Musical NATÜRLICH BLOND aber nichts und muß deshalb auch separat beurteilt werden.

NATÜRLICH BLOND ist eine fast rundum gelungene Feel-Good-Show, die bestens amüsiert, unterhält und teilweise (tatsächlich!) auch emotional packen kann.
Buch und Text sind bei weitem nicht so banal, wie es das Thema vielleicht vermuten lassen könnte. Ganz geschickt wird von Anfang an mit Klischees gespielt und durch Übertreibung und Infragestellung auch eine gewisse Nachdenklichkeit erzeugt.
Insbesondere der American-Way-Of-Life wird mehrfach satirisch aufs Korn genommen.
Der Fitness-, Schönheits-, Jugendwahn, der fast so wichtig ist, wie Status, Stand und Einkommensverhältnisse einer kapitalistisch orientierten Ellenbogengesellschaft, wird in einer satirischen Light-Version durchaus angekratzt und in Frage gestellt.
Trotzdem kommt das Stück aber niemals ins Moralisieren, sondern bleibt immer dass, was es sein will: spaßige, kurzweilige Unterhaltung.

Dafür sorgt auch ein gelungener, funktionaler Pop-Score, der durchaus auch den einen oder anderen herausragenden Song bietet, der sich im Ohr festsetzt.

Jerry Mitchell, der Regie und Choreografie besorgt hat, steuert einige wirklich denkwürdige Tanznummern bei.
Witzig und originell ist die RIVERDANCE-Parodie. Geradezu artistisch (und vom Ensemble perfekt synchron getanzt) ist die Choreografie zu "Peitsch dich in Form".

Die Besetzung ist (wie eigentlich bei den VBW üblich) großartig ausgewählt. (Angenehmerweise verzichtet man diesmal sogar auf die üblichen verdächtigen Lieblinge des Wiener Stammpublikums.)
In der Hauptrolle überzeugt Barbara Obermeier. Vom Typ her vielleicht nicht optimal, schafft sie es aber mit ihrem Spiel und Gesang bestens die Wandlung ihres Charakters überzeugend darzustellen. Mit quirligem Charme und Temperament wickelt sie im Laufe des Stücks, dass Publikum immer mehr um den Finger.
Mit Jörg Neubauer, Ana Milva Gomes, Andre Bauer, Linda Geider,Brutus u.a. hat sie großartig agierende und bestens aufgelegt Bühnenpartner zur Seite, die mit ansteckendem Spaß bei der Sache sind.

Jerry Mitchell setzt mit seiner Regie und Choreografie auf Tempo, bremst aber für den einen oder anderen emotionalen Moment auch ab. So bietet die knallbunte Inszenierung amüsante, liebenswerte Unterhaltung ohne aber jemals zu einer reinen Comedy mit Blondinenwitzen zu werden.

Wer HAIRSPRAY oder MAMMA MIA mochte, wird sicher auch seinen Spaß an NATÜRLICH BLOND haben.

kevin (154 Bewertungen, ∅ 3.3 Sterne)


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Handlung
Blondine Elle Woods wird von ihrem langjährigen Freund Warner Huntington III verlassen. mehr

Weitere Infos
In Wien feierte "Natürlich Blond" 2013 seine deutschsprachige Premiere.

 Kurzbewertung [ i ]
(jal)

Inszenierung

Musik

Besetzung

Ausstattung

Kurzweilige, bunte Musicalunterhaltung mit toller Besetzung. Gute Laune garantiert.

07.04.2013

 Termine

Leider keine aktuellen Aufführungstermine.


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